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Treffen der Arbeitsgruppe Pathognostik am 14.04.2018

Notizen zum Treffen der Arbeitsgruppe Pathognostik 14.04.2018
(Leitung des Treffens: Rudolf Heinz, Karl Thomas Petersen)
Anmerkungen zu einer Textpassage von Heinz, in der behauptet wird, dass der Mann, wenn er träumt, zur Frau wird.
Heinz: Der Traum als Halluzination, als Imaginarisierung, ist ein typisches Mannsgeschäft. So typisch aber, dass die Sache in sich zusammenbricht, kollabiert. Also wird der Mann wunschgemäß zur Frau.
Petersen: Auch die Medialität ist eine Repräsentation. Wenn es eine Repräsentation ist, dann ist es eine Todesverwerfung. Für die Todesverwerfung steht die Weiblichkeit. Also ist auch die Medialität eine verworfene Weiblichkeit.
Heinz: Das ist die Überwertigkeit des Mannes.
Petersen: Deshalb müssen Frauen die Vermittlung der Männer untereinander besorgen.
Heinz: Man kann das aber nicht umkehren und sagen, dass im Traum die Frau zum Mann würde.
Petersen: Vom abendländischem Phantasma her ist es üblich, Frau mit Körper und Materialität zu identifizieren und Mann mit Geist und Immaterialität. Wenn aber alles, was ist, Repräsentation ist, weil Repräsentation eine Verwerfung der eigenen Weiblichkeit durch den Mann ist, nämlich seiner Körperlichkeit, dann verwirft er, wenn er projiziert, auch die Medialität als etwas Weibliches. Er verwirft das, was er an sich selbst als weiblich identifiziert. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass man Lacans Satz, dass es die Frau nicht gibt, die Behauptung gegenüberstellen könnte, dass es den Mann nicht gibt. Nicht nur die Materialität ist verworfen, sondern auch die Immaterialität.
Heinz: Es geht um ein Abwehrphänomen, das nicht zu den ontisch-psychoanalytischen Abwehrmechanismen gehört, das in sich dialektisch ist, sich nicht aufrechterhalten kann. Da wäre auch die Eintragstelle für Pathologien.
Petersen: Zurück zum Tiefschlaf, wo die Dinge geholt werden müssen. Sie müssen dort geholt werden, weil der Tiefschlaf der todesnäheste Ort im Körper ist. Die Frage ist, ob im Tiefschlaf körperphysiologische Vorgänge als Repräsentationen reichen. Mittlerweile ist man in der empirischen Schlafforschung überzeugt, das es auch in der NREM-Phase Träume gibt. Vielleicht träumen wir immer, wenn wir schlafen.
Das Augenrollen in der REM-Phase ließe sich verstehen als eine Art Raumausmessung, eine Simulation von Raum und Zeit. Wie sähe dann ein Traum aus, bei dem es keine REM-Tätigkeit gibt? Es wäre Träume ohne eine Simulation des Raum-Zeit-Kontinuums. Und dann gäbe es kein Gedächtnis und keine Szene, es wird nichts erinnert.
Heinz: Was wir erinnern an Träumen, ist minimal. Wenn man die ganze Zeit erinnert, dann wäre das die Vernichtung von Schlaf und Traum als Psychose. Aber warum müssen wir diesen Rest überhaupt erinnern?
Petersen: Es muss etwas Subjektivitätsrettendes sein. Man weiß, wie unangenehm es sein kann, wenn einem nach einem Vollrausch zum Beispiel ein Teil seiner Lebenszeit fehlt. In diesem Zusammenhang auch die Probleme, die manche Leute mit Betäubungen bei Operationen haben.