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Pathognostische Miniaturen
Dieser Text von Rudolf Heinz ist erschienen in: KAUM 2. Halbjahresschrift für Pathognostik, Wetzlar 1986, 32
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Heilung
Symptome lösen sich wohl immer darin auf, wenn der therapeutische Gegenritus denselben Gehaltspunkt und dieselbe Intensität am anderen Ende des Normalen einnimmt: coincidentia oppositorum. Am Ort der Identität der Extreme jeweils liquidisiert Krankheit. - Soweit, so ungut aber. Das durchaus also erklärbare Verschwinden von Krankheit effektuiert nichts anderes als die (Wieder)herstellung des Konsumtionsvermögens am Orte seiner spezifischen Pathologiedispensierung. Selbst wenn es im therapeutischen Gegenritus nicht militärisch hochhergehen muß, kriegt der eben nicht aufgelöste Gewaltzusammenhang seine infinite Blankounterschrift, allemal durch die Beglaubigung der Dingtautologie, nicht indessen unbedingt durch subjektive Gewaltinversion: so die ganze Tücke von Heilung, die in sich immer nur verhaltenstherapeutisch sein kann. (Warum dann aber die vornehmen Umschweife der Psychoanalyse?) Speer, der die Wunde schlug - nimmer ist es ein Anderes, das Heilung bringt, vielmehr Dasselbe in seiner Verschluß- und Vorbehaltsform, das sich mit seiner allschuldigen Auflassungsversion ausfällend identisch setzt. Therapeutisch einzig problematisch demnach die Herstellung dieser Identität, am besten oder besser: einzig geeignet freilich nur dazu als hinwiederum erstellte. Krankheit sagt (nicht immer!): ich räume dann nur das Feld, wenn Du, therapeutische Normalität, mich haargenau mit derselben umhüllten Gewalt, über die ich umgekehrt verfüge, triffst. Sie sagt dies freilich immer nur unter ihrem zur Barmherzigkeit verleitenden Wehgeschrei. Uind die ganze Unmöglichkeit der Pathognostik besteht darin, diesem Parsifal-Speer zu kündigen, zumal der unvermeidlichen Selbstapotheose des letztlich immer verhaltenstherapeutischen Homöopathen; und überhaupt jeder Therapie, die nicht die der Normalität ist.

© Prof. Dr. Rudolf Heinz.