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Pathognostische Miniaturen
Dieser Text von Rudolf Heinz ist erschienen in: KAUM 2. Halbjahresschrift für Pathognostik, Wetzlar 1986, 33f.
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Intersubjektivität
Zunächst bedürfte es der Ausführung, daß Subjektivität eine, die konsumtionsinflationäre Abschlußkategorie darstellt: rein anamnestischer Beglaubigungswiderschein störungsfreier Ding-Verwendung: dies also ist es - dies also bin ich. Reinste Endverschließung, totalisiert zum Ursprung konsequenterweise dann, der als das Eingedenken seiner selbst die Allregie führt.
Der Intersubjektivität bedarf es auf diesem Festlegungsniveau schlechterdings nicht. Sie kann nur darin bestehen, den Abschluß, diesen Abschluß der Ubw-Kreation zu oktroieren; dies dann mit dem besonderen Akzent durchaus, die Dingausgefälltheit dieser Anamnestik als die Allgemeinheit des Inter, je maschineller umso brauchbarer, als Bezugspunkt der Falsifikation geltend zu machen; was freilich bloß die einzige Zirkularität der Ubw-Konservierung exekutiert. Das Inter wohnt allemal der Eingedenkensimerialität der Konsumtionsinflation = der Subjektivität inne; man kann es nur dann - die Gunst des Positivismus - maschinell (und daraufhin wiederum vereinseitigt) explizit machen.
Es ist demnach vollends gleichgültig, ob sich Intersubjektivität wissenschaftstheoretisch (falsifikationistisch etwa) oder rhetorisch (argumentationstheoretisch) effektuiert; ihr Ort ist, gleichwie, phantasmagorisch. Und man muß es nicht bewundernswert finden, daß diese Atopie sich immerhin als Mehrfachaporetik dieser Begründungsunternehmen schließlich reflektiert: die empirische Erdung - simulakrenverdächtig; die Logik-Spitze - kollapsisch; das Argument (so unsere Pluralismusverkommenheit) indifferent zu seinem Gehalt sub specie der »Wahrheit«. Solches hätte man im voraus wissen können (ganz ohne good will); und man wäre auch, nachdem es nicht geht, nicht gehalten, selbst dieses Nichtgehen wiederum beseitigen zu müssen; ganz abgesehen davon, daß sich durch solche Wissenschaftskritik Atomraketen mitnichten in Nichts aufzulösen begännen.
Obskurantismus, wenn diese Subjektivitäts-Intersubjektivitätsmärchen quittiert werden? Mitnichten. Im Gegenteil, diese sind Inbegriff desselben, polemisch gesagt. Wie aber anders denken? Philosophisch, wie eben ausgeführt. Solches zu irgendeiner Überprüfungsversion zuzurüsten, wäre pure Travestie derselben, zerstörte das kriteriale Element just nicht-intersubjektiver (emphatisch philosophischer) Sprachlichkeit/Skripturalität darin. Also peremptorische Hermetik und dogmatische Gewalt der Verkündigung? Nein - das Gegenteil ist abermals der Fall; denn das übliche Subjekt ist die Verschlußinstanz schlechthin und die der Gewaltausübung obendrein. Bleibt also nur, als Intersubjektivitätstransskription, pathognostisch, die Binnendisziplin, die schweifende, von Philosophie darzutun; und am besten tut sie sich wohl dar, wenn sie sich vollzieht.

© Prof. Dr. Rudolf Heinz.