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Pathognostische Miniaturen
Rudolf Heinz: Krankheit noch anders
Erschienen in: Pathognostische Studien III, Essen, Die Blaue Eule, 1990, 317
Dieser Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. © Prof. Dr. Rudolf Heinz.

Krankheit noch anders
Exogamie versus Endogamie. Krankheit wäre bestimmbar als die Ersetzung der Exogamieposition durch eine endogame: verquere Rückkehr zum Stamm, imaginäre Rückkehr, nicht reale. Was nichts anderes hieße, daß der Mann zum Sohn der eigenen Frau würde, kurzum also so etwas wie der Wunsch der lokaste, als Grenzwert dann der Mutter-Sohn-Inzest. In diesem Zusammenhang wird es auch überfällig, den Narzißmus auszuweiten zum Problem der Anerkennung der Exogamieposition, wobei "Mutter" die Konterkarierungsinstanz dieser Anerkennung sein muß. Die Kinder sind ihre Kinder, zumal die Tochter. Was abermals zu einer einschneidenden Modifikation des Ödipuswunsches des Sohnes führen müßte. Vielerlei Folgen: produktionslogisch, also in der Dinglichkeitstransfiguration dieser Verhältnisse vom Sohn aus verschwindet die Mutter. Pointe: in jeder Beziehung: le père n'existe pas. Er muß sich dann einbilden, alles zu sein oder besser: seine Tötung als die Buchstäblichkeit seiner Nicht-Existenz erhebt ihn sodann zum höchsten Gott.