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Pathognostische Miniaturen
Dieser Text von Rudolf Heinz ist erschienen in: "Pathognostische Studien III" (1990), Essen 1990, 318
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Krieg und Frieden
Im Krieg soll die mensch-kriteriale Para-noia ihre Beendigung finden, nämlich den Zustand herbeiführen, daß mir alles nur noch ohne mein Zutun im Sinne mühseliger Regie geschieht, daß ich also als automaton mich selber zugleich erfüllt selbstfühle. Die phantasmatische Verheißung des Friedens besteht sodann in nichts anderem, als diesen Kriegszustand zu positivieren. Das selbstfühlende automaton, das ist das Tier, der Säugling, Wunschmaschine, produktives Unbewußtes, der Gott, die Maschine mit cogito etc., also ein Status der Ungezeugtheit, Ungeborenheit, der Nicht-Genealogie, was alles ja in Krankheit seinen wie auch immer partiellen Austrag erfährt. Dazwischen gibts nur die Mühsal der Apologie differierender Arbeit, deren Ideal ja das ästhetische Ideal der Synthesis von Freiheit und Notwendigkeit ausmacht, also abermals das Selbstfühlungsautomaton. Je stärker die Gesetzesknebelung dieser Zwischenbereiche, umso stärker die Verheißung, kurzum Tierheit einzunehmen. Fragt sich dann aber, wie es möglich ist, wie sich selber darin wie von einem anderen Stern anblicken zu können? Es ist das Differieren als Differieren selber vorübergehend. Zeit selber.

© Prof. Dr. Rudolf Heinz.