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Pathognostische Miniaturen
Dieser Text von Rudolf Heinz ist erschienen in: "Pathognostische Studien XIII", Essen 2014, 16ff.
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Obermessie Internet
Zeitgemäßer Sublimationsfall sozusagen, die ganze Verfänglichkeit imaginärer Inregienahme, freilich um den Preis der Symptomverschiebung, der Persistenz der pathologischen halbwegs immaterialisierten Gehalte.
Internetvergeistigt zumal imponiert das derzeit nicht eben rare Messiewesen als unser postmoderner Fetischismus publice: an der bereits vollstreckten Elimination fixiert sich die - ursprünglich ja vorgängige, nunmehr nachfolgende - Außenretention, Einbehaltung - dejektiver post festum-Inzest - an der Hergabe, dissidente Kompression beider konträrer Indifferenzierungsmodi, die auf die Bildfläche gedrungene Unterwelt unseres "normalen" Ding-=Warenverhältnisses; in dieser paradoxalen Finte hergegebener Rückhaltung, kompromissuelles Ausscheidungskontaminat von Inzest und -tabu, ja von großer dingkreativer Fertilität.
Welch heilige Verquerung sich systematisch sodann fraktalisiert in den Folgeumständen der primärhygienischen Mutation der - allererst in dieser Gesellung ab-fällig werdenden - Exkremente in, fürs erste, properste Gegenstände, sowie der repudiierten Angewiesenheit auf konsumatorisch extrafetischial heteroproduzierten Stoffvorgaben.
Fürwahr - so offenbart sich der pestilenzialische Wahnsinnskosmos unserer zwar notwendigen, allemal aber kollapsischen, weil verwechselungsdeterminierten Normalität; vorweg in der - neuerdings konsequent gar medial subliminierten - Groteske des Messiefetischismus, dessen strafwürdiges Vergehen einzig in seinem oblique befangenen Verrat der, kurzum: kapitalistischen Betriebsgeheimnisse beschlossen liegt.
Und indem man, wie subtil therapeutisch auch immer, auf den armen bereits pseudologisch dingexkulpierten Extrementalinzestler eindrischt, erfährt das seinerseits Usurpierte, hypertroph privatangeeignetes Gemeingut, wenngleich Niederschlag schon objektiver Makrousurpation - das eben apostrophierte quid-pro-quoer-System - seine blinde Schonung. Der Angriff auf es im ganzen, sehenden Auges, muß eo ipso scheitern, so daß, asubversiv, nicht mehr übrigbleibt, als die subjektive Räuberei II, zu offiziellen Gunsten der Fundamentalräuberei I, zu liquidieren. Und das soll, kurativ, alles sein?
Könnte man folglich nicht der ketzerischen Idee verfallen, alle unsere therapeutischen Resozialisierungsprogramme, zumal die ehedem noch hybriden psychoanalytischen, zu intermittieren, bis unser "Obermessie Internet" selbst als solcher - und was alles massenweise mit - entmachtet wäre? Doch da seine - politische - Depotenzierung nicht vor dem "Sanktnimmerleinstag" zu erfolgen vermöchte, mögen wir uns zum solvierenden Erbarmen mit den pathogen übereifrig anmaßenden, derart sanktional hereingelegten Anpassungs-, den Normalitätsassimilanten - vielleicht "contre coeur", weil immer "ad maiorem gloriam" unserer in sich abnormen sozialen Axiologien - bescheiden?
Was man also nicht alles mit dem scheinbar trivialen neuerlichen Messiewesen im Internet anstellen kann! ...

© Prof. Dr. Rudolf Heinz.