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Rudolf Heinz: Pathognostisches Plakat: Von der Waffenhaftigkeit aller Dinge
Der folgende Text wurde von Rudolf Heinz am 23.09.2016 in Zürich auf der Veranstaltung "Das Ding. Symposium zu Ehren von Rudolf Heinz" vorgetragen. - Der Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre auf dieser Website freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.
© Prof. Dr. Rudolf Heinz.

Was ich, folgend zugespitzt auf den pathognostisch entscheidenden Dingcharakter - "Waffenhaftigkeit" - vorzustellen vorhabe, das macht keinen Anriß von Desideraten, vielmehr die knappe Erinnerung von längst einschlägig vollzogenen, auf abertausenden von Seiten publizierten Theorievorgaben. Was alldessen aber praktisch klinische Konvertierbarkeit angeht, so läßt - vielleicht vergleichbar der weitgehend atopisch gebliebenen "Schizoanalyse" Guattaris - deren Streuungsausmaß vieles noch zu wünschen übrig, unbeschadet des Umstands, daß gelegentlich ich nach Maßgabe meiner pathognostischen Prämissen de facto vorgehe oder wenigstens Elemente derselben in meinen Behandlungen nach Bedarf insinuiere.
Wie nun bin ich zu der für mich bezeichnenden dingekstatischen, die herkömmliche Psychoanalyse mindest ergänzenden Wendung gekommen? Therapeutischer Nöte, der Widerständigkeit selbst psychoneurotischer Pathologie, vordringlich -"Zufall und Notwendigkeit" - von Phobien, wegen. Und so konzentrierten sich meine Fachmolesten nach und nach auf das Wesen des "phobischen Objekts'*, das sich, gemäß psychoanalytischer Kunde, einer projektiv symbolisierenden Überfrachtung, kurzum: seiner dinglich verschobenen "Ödipalisierung" - "Triebgefahr" in eine "Wahrnehmungsgefahr" verwandelt (Fenichel) - verschuldet. Was ich fortschreitend immer weniger glauben konnte - nein, was sich da psychoanalytisch als wiederabziehbare phobifizierende Zutat zu ansonsten unschuldigen - allerdings auserwählten - Dingen sicherte, das dagegen seien, zuvor, die in Krankheit sich offenlegenden, normaliter dissimulierten Produktionsmotive derselben.
Um es vielleicht faßlicher zu sagen: die - deshalb zu "phobischen Objekten" in Frage kommenden - Dinge - entsinnen Sie sich bitte der klassischen auf urbane Architekturen - offene Plätze, Brücken, Türme, Verließe - bezogenen Phobien mit ihren schönen griechischen Namen, sie alle sind - ein Kittler-Thema -, empirisch verifizierbar, militärtechnischer Herkunft, trotz ihrer irenischen Nutzbarkeit zutiefst martialischen Wesens. Psychoanalyse, die jedenfalls hierbei, anläßlich dieser Dingsorte, kopfstehen müßte, denn diese Spezies erfüllt das Kriterium der - keineswegs passager nur symbolistisch pathologisierenden - "Waffenhaftigkeit".
A part. - In den monatlichen Treffen unserer "Assoziation für Pathognostik Düsseldorf 2014" laborierten wir vorsätzlich an Angsterkrankungen, speziell an der Martialität des "akrophobischen Objekts", der Höhe; die sich uns als solche - so etwa im amplifikatorischen Rekurs auf den "Türmer", dessen "Reveille", insbesondere das "Panorama" - durchaus erschloß. Unschwer, denke ich, die Objekte der übrigen Phobien in dieser Hinsicht ihrer Kriegseinbeziehung - nicht das letzte Element der pathognostischen Behandlung - zu plausibilisieren.
Wer von den kritischen Lesern dieses meines resümierenden Textes machte mir den Vorwurf nicht, ich mißbrauche die überstrapazierten Phobien zur Pseudovalidisierung meiner - praktisch eh ja unbewährten - Pathognostik, a) indem ich die ausschließliche Gunst des "phobischen Objekts" unausgewiesen generalisierte - wo bleibt denn der ominöse Dingbezug in den übrigen Psychopathologien, gar in der Psychosomatik?, und b) - der noch ärgere Mißgriff - indem ich, über die ausgewählten "phobischen Objekte" hinaus, alle Dinge, alle, der "Waffenhaftigkeit" bezichtigte.
Zunächst zur zweiten Hauptaussetzung:
Fällig wird, begründungstriftig, die Erhebung der üblicherweise kryptischen Dingfunktion jenseits der unvermeidlichen Zweckrationalität allen geregelten Gebrauchs. Es ist, namens existentialontologisch, die Funktion der Entschuldung (Schuldabsorption), der Entsühnung des korrupten sterblichen Menschkörpers, dessen erstes Purgatorium, dessen Therapiezurichtung au fond. Die fragliche "Waffenhaftigkeit der Dinge" ergibt sich immer dann wie von selbst, wenn deren Genealogie präzisierend abhebt auf die "projektive Identifikation" als Produktionsinbegriff: die Delegation meiner projektiv geflohenen Sterblichkeit an die derart erzeugten Dinge, die sich - der "Identifikations"rückhalt - eo ipso mit tödlicher Gewalt aufladen: eben zur "Waffenhaftigkeit aller Dinge". Ausnahmsweise erlaube ich mir miniexkursiv noch, bei der nämlichen Gedankenführung - allerdings aus deren heterogenem Zusammenhang herausgerissen und zudem seiner Beiläufigkeit entkleidet - meines alten Philosophiefreunds Hans-Dieter Bahr Anleihen zu machen: "Entsühnung" sei eine "Läuterung durch die Maschine", der "Prozeß der Entschuldung" bestehe in "maschineller Transmission" als elementarstes Konstituens. Certe!
So wäre denn auch mein "Mißbrauch der Phobien" - Sie erinnern sich? - aus der Welt, denn Phobien machen bloß, psychopathologieimmanent, die Ausnahme der Ostentation - also didaktikbegabt - des dinglichen Waffenhaftigkeitskriteriums.
Die Zumutung dieser - schwerlich anders denn existentialontologisch darstellbaren - pathognostischen Prämisse - die Dinge = martialische Körperexkulpate - ist mir, damit erfahrungsgesättigt, wohlbewußt, und Ihre Bemühung um deren sperrige Evidenz kann ich, warnend, nur erbitten. Einlassen nämlich müßten Sie sich auf die traumatisierende Verschiebung des "Unbewußten" in die terra incognita der Intimitäten des Dingverhältnisses, auf diese - zum Glück? - gewalteinbeziehend künstliche Psychotisierung unseres "Realitätsprinzips" - conditio sine qua non des angemessenen Zugangs zum Pondus von Pathologie -, auf die unablässige Nähe zu den "Letzten Dingen", gipfelnd in der einschlägigen Quasidefinition des (immer zugleich verfehlten) Todes - er, der Tod, nimmt die Dinge weg, und in Staub zerfallen sie, die Körper.
Eine andere - vielleicht einfachere - Zugangsart zum Thema führte über das Schuldaufkommen in der Dinge wesentlichen Ökonomiedimensionen - Schuld, die allemal ja in Gewalt ihrer, wehrend, sich zu entäußern intendiert (siehe die Abtretung der Sterblichkeit - Mysterium der "Projektion" - an die derart sich mit letaler Gewalt chargierenden Dinge). In der "Produktion" sorgt dafür die kriminelle Schändung des Naturstoffs, scheinabgegolten im "Opfer der Arbeitskraft". In der "Zirkulation", intersubjektivitätsgebürtige Geburtsstätte des "Warentauschs", das zum Himmel schreiende, von Schönheitsbemäntelungen nur so strotzende Unrechtssystem der Warenverteilung. Und in der "Konsumtion" die schuldabdeckend manische Lustbeglaubigung all dieser vorausgehenden Gewalt. Also die reinste Schuldakkumulation in allen, allen Dingen, in kapitalisierter Technologie. Und kein Wunder dann, daß sie sich als selbst- und fremdmörderischen Explosivstoff vollendend erfüllen: eben, nun ja, als "Waffenhaftigkeit, aller Dinge". Genealogisch und de facto generisch ergeben sie sich als sprengensvirtuelle Schuldkonzentrate.
Was aber hat es mit deren prekären Spürung, deren vorsignifikativen Empirie auf sich? (Der Himmel verschone uns damit?!) Fernab davon, einem existentialontologisch höheren Ethos, mit dem sicheren, überwertig signifikationsflankierten Präjudiz eines dissonanten Heroismus, Vorschub leisten zu wollen, sollte dafür, dubios ereignishaft, ein entzeitlichender "Vorübergang des absoluten Herrn" genügen - aber mit welcher Gewähr sowie mit welchen - wie subversiven - Folgen? Bleibt die Unerträglichkeit der Mora bei den "Letzten Dingen", mehr aber noch erweisen sie nicht weniger tödlich sich als die allgängig kriegstreiberische Flucht davor? Kopfstand der Verhältnisse aber, Zuflucht gar bei Pathologie zu suchen - gewiß, zwar setzt sie, wenn immer man es so möchte, zu intellektualitätsträchtigem Verrat der ontologischen Betriebsgeheimnisse - Einlaß meiner Krankheitsausbeutung - an, verfängt sogleich sich dagegen im widersprüchlichen Kniefall vor denselben - nichts zu machen? Weshalb aber halte ich mich, halbpublik vor Ihnen, mit solchen aller Vernunftsorder trotzenden Denkungswirren auf? Vielleicht so bei einem freilich monadisch schwachen Gewaltminderungsrezept, wohl nicht unfern von hauptsächlich künstlerischen Beihilfen, das - so mein Terminus - "Dingarkanum" - allzu neutralisierend? - aufzuschließen? Es permaniert dabei, daß wir uns selbst nimmer gewachsen sind, und je fortgeschrittener diese unsere Solitüde, umso heftiger der parierende Gewaltzuwachs. Beinahe aber grenzt es an repressive Hypokrisie, unsere Philosophiequerschläger einzig der Zumutung zu zeihen, sofern die tödlichen Zumutungen unserer Anpassungsobligationen wie harmlos selbstverständlich dem ja vorausgehen.
Zum ersten Kritikpunkt:
Die vornehmlich didaktisch motivierte Phobielastigkeit meiner pathognostischen Philosophieofferten rief nicht selten die kritische Nachfrage auf den Plan, ob denn dadurch nicht das Problem der unterstellten Dingreferenz aller Psychopathologien überspielt werde. Schlichte Antwort: nein, überhaupt nicht. Wenn nämlich meine üppigen Ausführungen zum Apriori des Körper-Dingverhältnisses zutreffen, so müssen in Psychopathologie eo ipso differente Ding-, Waren-, Waffenrelate anzutreffen sein. Nur daß ich daraufhin unsere Krankheitsregister, auf Systematik ausgerichtet, nicht schon musterte, es vielmehr dem kasuistischen Zufall überließ, diese, die fraglichen allenthalben vorliegenden Korrelationen, zu reminiszieren. Hier möge es deshalb genügen, wie stichprobenhaft pars pro toto, ein paar psychopathologische Beispiele, eben betreffend ihre kriteriale Dingekstatik, in Kürze zu adressieren.
So imponiert, im Falle von Kontrollzwängen etwa, die rächende Unzuverlässigkeit der angängigen Dinglichkeiten - ja, das kommt, symptomgenerisch davon, von der restlosen Usurpation deren Funktionsgenügens, dem kriegsgebärend nothaftesten Einswerden damit - ecce "die Waffenhaftigkeit der kontrollierenden Objekte"! -; und alle symptomatische Rettung, vermittelt ins anmaßende Ausgangsübel zurück, sie macht in ihren Anankasmen Anleihen auswegslos bei der von sich her ja schon wesentlich anankastischen todesnoumenalisierten Dinglichkeit. - Anorexie - kurzum die wohl besonders manifeste Schuldakkumulation in den Nutrimenten sperrt - bis zum Hungertod - deren ordentliche, nicht zu Unrecht als tödlich befürchtet geflohene Assimilation (wie der Aufschub?). Also fraglos dann die exponierte "Waffenhaftigkeit der konsequent persekutorischen Nahrungsmittel".
Vielleicht trauen Sie mir nunmehr eher zu, die universelle martialisierende Dingreferenz in aller Psychopathologie nachweisen zu können? Geriete ich hiermit wiederum in Bedrängnis, so höbe ich insbesondere ab auf diejenigen Krankheitsspezies, die den Anschein erwecken, der Dingbezüglichkeit zu entraten, um diese umso stärker zu befestigen.
Nun aber erreichte die Dinggenealogie ihren skandalösen Tiefgang allererst in der reklamierbaren Einbeziehung des "Todestriebs" - meines Dauerthemas wider dieses Freudschen Letzttriebs anhaltendes Anathema -, sowie - weitestgehend eines psychoanalytischen Vakuums - des einschlägigen einzig dingermöglichenden Inzesttabus.
Zum "Todestrieb" - nichts anderes denn in Gewalt sich scheinrettende Mimesis des - vorgestellten - Todes, erfüllt im Grunde in urdifferierender Dinglichkeit, erfüllt wiederum - wie anders? - in deren Enddementi Waffen: "Todestriebrepräsentanzen" erster Wahl, phantasmatisch auf die Spitze getrieben des Todes - er ist es nicht - grandiose Handhabung dispositioneller Präsentien.
Zum dinggenerischen Inzesttabu - es ist die Umwendung der differenzverschlingenden Kopro-, gesteigert Nekrophagie ins Gattungsremedium, die Emanzipation der Dinglichkeit, ultimativer Inzestabyssos der Kulturgeburt: die martialische Sublimation, die differierende Abdeckung ihrer unverzichtbaren Unterwelt.
Genug nun der zwingenden Indizien der "Waffenhaftigkeit aller Dinge", der Insistenz auf primärer Kulturpathologie?
Nicht zu vergessen noch die triftigen Einlaßstellen der fraglichen Dingrelationen selbst schon in der traditionellen Psychoanalyse - sie werden mir, wie prioritätsstreitig, oftmals zu deren Rehabilitation in Sachen Dingrespekt, wider meine kritische Fehlanzeige desselben ebendort, vorgehalten. Notorisch sind es - vollständig? - das geniale "Übergangsobjekt" und der schamhaft offiziöse "Fetischismus". Versteht sich, daß ich jenes aus seinen überkommenen Intersubjektivitätsfesseln zum dinggenealogischen Schibboleth überhaupt löse - es gibt nämlich, ja, kein Ding, das, ontologiegemäß, kein Übergangsobjekt wäre. Und so endlich wird, selbstarchäologisch, die ganze mutterleibsubstitutionelle Notgeburt kulturaler Dinglichkeit, der Waren, der Waffen - spruchreif. Und der - darin mehr als nur angelegte - "Fetischismus" macht den verselbstverständlichten Bodensatz allunserer dinglichkeitsreferenten Kulturarbeit aus. Wohingegen deren kompensatorisch libidinöse Mangelübersättigung sodann in der sogenannten Perversion "Fetischismus" - (on dit) überzogene "Identifikation" in der "projektiven Identifikation", (angeblich) lustübersteigert exkulpative Einbehaltung der dinglichen Gnaden, (verbo) anmaßend beinahes "Vereint" im "Ungetrennten" von Körper und Ding -, sanktional niedergemacht - Verrat unserer okkupierten Lüste -, hypertrophiert. (Durchschnittlich aber läßt man ja "die Kirche im Dorf", sprich die ontologische Blindheit.)
Alle Fäden meiner Schreibe laufen im pathognostischen Pathologiekonzept zusammen, demjenigen von Pathologie überhaupt, aber mit mir professionell naheliegendem Akzent auf Psychopathologie.
Durchschlägt die "Waffenhaftigkeit aller Dinge" ebenhier als - sehr böse gesagt - Waffengeilheit aller Pathologie. Will sagen: die pathogene Begehrensprämisse besteht in der nötereichsten Assimilation der den Referenzobjektivitäten im Voraus innewohnenden essentiellen Gewalt. Ja, "nötereichst" - schutzlos a limine Krankheit, hochbedürftig des archangelischen Dingebeistands, der präsidialen Waffenkustodie. Das aber hat sie sich, zugleich büßend dafür, subjektiver Absichtlichkeit entgegen, selbst eingebrockt durch die große Ungeduld, alle Macht dieser Welt aufeinmal zu verfügen, und dies am Ort des Gebrauchs, demnach im quid pro quo mit der Untat Produktion, dem verwechselnden Kardinalfehler von Pathologie.
Es ist also kein gar freier Oppositionsbeschluß, ebenso keine verräterische Sondereinsicht ins offizielle Herrschaftsgefüge, in unsere Anpassungsasyle, abgestoßene intentiones obliquae immer bloß, die symptomatisch geflohen, quasi bestreikt würden, nein, "in die Wüste geschickt", nichts denn Sanktionseffekt der noumenal erhabenen Dinge/Waren/Waffen, die sich der kreatürlichen Vehemenz ihrer pathogen monadischen Aneignung verweigern. Und in Krankheit reicht solch überkompensatorisches Ungestüm nicht hin, den Dingegott kriminell zu attackieren, sie bescheidet vielmehr sich, lammfromm tückisch, zur sühnenden Aufopferung konservativistisch daran.
Wenig Spielraum nur, diese Prätention, befristet wenigstens, zu drosseln. Aber selbst wenn leidlich gelingend, läßt sich der ausgetriebene "böse Geist Legion" nach kurzer Wanderschaft abermals häuslich nieder zum unausbleiblichen Fundamentaldesaster aller Therapie: daß jede Körperheilung, inkognito, objektiv Waffen gebiert oder wenigstens bestätigt. Denn erst mit dem Ende der Menschheit endete das gewaltzeugend todestriebliche Martialitätsapriori des Körper-Dingverhältnisses.
Der unverschämten Beschimpfung unserer armen Kranken - ich höre Stimmen - vielzuviel? Nein, nein, es obwiege die unverbrüchliche Compassio mit dem, was ihnen (von- wem?) Schlimmes angetan wird, unbeschadet der, bitte, entheroisierten Übernahme an Verantwortung für selbst nicht Verantwortetes, nicht Verantwortbares, inklusive der, quaeso, widerinquisitorischen Recherche des fehlgeleitet sekundären Mittuns am Morbideübel. Also sollte die pathognostische Kurative auf eine Art aufklärend ontologischer Verhandlung hinauslaufen, allzeit mit Schwerpunkt auf der die pathologische Gewaltobsession, die besagte "Waffenhaftigkeit" fundierenden großen existentialen Not, im Dauerhinblick auf deren irgend Kompensationschancen, strikte aber kuriert von der Überbegier, die Ursprungsstätte von - in Produktion primär eingelösten - Gewalt, unsere "Prothesengottheit", mitauszurotten. Memo - unbarmherzig wider alles Therapiepathos: hier ein vergönntes Aufatmen, Genesung, dort, wo auch immer, korrespondent ein mörderischer Waffengang.
Des vorschreibenden Ethosgebarens zuviel? Ja. Eines aber noch zum Nichtbeschluß:
Selbstverständlich mache ich weiterhin mich anheischig, den medialen - hauptsächlich verbalen - Transfer der pathognostischen Prämissen in praxi den jeweils situativen Bedürfnissen und Erfordernissen anzupassen; was bisher auch gelang. Hier aber nomine meines "pathognostischen Plakats: Von der Waffenhaftigkeit aller Dinge", gab ich mich, reservationsentledigt, meiner angestammten philosophischen Eigenschreibe, der höchstmöglich direkten terminologischen Präzision wegen, zumutend, ein wenig testamentarisch, in fortzusetzender Jagd nach den propren Voraussetzungen (venatio opinium), hin.

(aus: Pathognostische Interventionen III, 170-177)
© Rudolf Heinz

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