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Notizen aus Seminaren von Rudolf Heinz zum Krankheitsverständnis der Pathognostik (80er Jahre)
Die Schuld der Produktion verschließt sich in ihren Produkten. Krankheit thematisiert die ausgeblendete Schuld der Produktion am Ort des Gebrauchs. (Der reibungslose Gebrauch der Dinge ist die Abrufung des schuldfreien Gelingens.)
Krankheit als die Re-Introjizierung des (in Dinge) veräußerten Todes.
In der Krankheit zeigt sich, dass der "Untergang des Produktionsphantasmas in seinem mortalen Dingprodukt" nur ein scheinbarer ist.
Krankheit als scheiternder Konfliktlösungsversuch. - Der Konflikt besteht zwischen Bedürfnissen und Maßnahmen, die die Erfüllung verhindern. Krankheitsinitiierend ist eine Gewalt, die eine angemessene Bedürfnisbefriedigung verhindert, eventuell durch Übererfüllung.
Diese Gewalt wird als Rache für selbst erlittene Gewalt ausgeübt.
Damit wird ein Anpassungsdefizit grundgelegt. Dabei werden die Bedürfnisse in ihren Erfüllungen allererst hergerichtet.
Wird dieses Anpassungsdefizit "ruchbar, "fliegt es auf", weil im späteren Leben eine entsprechende Anpassungsleistung gefordert wird. Kann dieses Defizit nicht nachträglich durch "Lernen" beseitigt werden, entsteht ein "Dauerengagement an das aufgebrochene Anpassungsdefizit".
Dieses Anpassungsdefizit besteht darin, dass die das Defizit grundgelegt habende Gewalt reproduziert wird durch Umwandlung von Passivität in Aktivität (= Magie).
Drei Mittel zur Beseitigung des Anpassungsdefizits sind zu unterscheiden: "Gewaltlarvierung, offene Gewalt und Kapitulation".
"Gewaltlarvierung" ist die Neurose als Zuschütten des Defizits, wodurch es aber offenbar wird (Hysterie, Phobie, Zwangsneurose).
"Offene Gewalt" ist Sucht, Perversion: "Dieser Versuch ist spezifisch magisch: das Zerstörungsmittel soll zugleich das Wiederherstellungsmittel sein, wenn es nun von dem, dem diese Zerstörung widerfuhr, selber schließlich eingesetzt wird."
"Kapitulation": Die Psychose ist die Behauptung der Gegenwärtigkeit der ehemaligen Gewalt.
Krankheit ist eine ungekonnte, nicht-intentionale Schuldthematisierung. Es misslingt die Flucht vor diesem Schuldaufriss in das Vergessen der Normalität (in die Normalität des Gebrauchs). Der Kranke wird gleichsam zum Schuldaufriss an sich selber.
Therapieziel wäre ein Sich-verschulden ohne Aussicht auf Entsühnung (dies ist in Normalität und Krankheit verlorengegangen).

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