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Rudolf Heinz: (Meta)theorie der Abwehrmechanismen
Erschienen in Pathognostische Studien XI, 2011, Essen, Die Blaue Eule, 82-100  - Der Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.
(Zur Zitierbarkeit sind die Seitenzahlen angegeben.)
© Prof. Dr. Rudolf Heinz.

(Lesetext zu einem Vortrag gleichen Titels in unserer WB am 9.02.2011)
Man beachte die militärische Defensivmetaphorik, und damit das Präjudiz des stärkeren Abgewehrten. (Szene: die Verteidigung einer Stadt ...) (Kein Randproblem zudem: wie sind die Voraussetzungsverhältnisse zwischen objektiver und subjektiver Verteidigung beschaffen?)
Mehr als opportun, Abwehren nach den folgenden Interrogativa zu differenzieren:
  • Was? (Subjekt)
  • Was? (Objekt)
  • Wie? (Modus)
  • Weshalb? (Motiv); woraufhin? (Ziel)
  • Warum? (Grund)
  • Wodurch veranlaßt? (Gelegenheitsursache)
Zu 1) Vorschlag: wenn Subjekt, gemäß dem Struktur- oder Instanzenmodell, Ich, dann gelingende Abwehr; die aber eben Abwehr, mindest Reminiszenz des Kampfverhältnisses vordem, mit hohem Gegenbesetzungsaufwand, labiler Gewaltfrieden, bleibt.
Wenn Subjekt Überich, dann mißlingende Abwehr, Defensivkollaps = Symptom. Kompromißcharakter des Symptoms aber kein Friedensschluß, vielmehr aufreibender, auf Dauer gestellter Aktualkampf mit wechselnden Überwiegensverteilungen. Fließende Grenzen. (Anschließbar hier die konspirative Hypokrisie des Überichs versus die Stupidität des Ich)
Zu 2) Objekt, das Abgewehrte, ein Trieb(reiz), Esabkömmling. Allzeit aber an Vorstellungen gebunden, d. h. an Erinnerungen und an Phantasien, also
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an skandalöse abwehrprovokante Situationen/Szenen - dies wider die Abstraktion: Trieb(reiz).
Mehr aber noch: nunmehr problematisiert werden müßte der Triebbegriff. Vorweggenommen: immer Autokreationsangelegenheiten - Ödipuskomplex, Narzißmus, Todestrieb -, phantasmatische. (Siehe jüngst: Zur Kritik des psychoanalytischen Triebbegriffs [halbwegs noch im Rahmen der Psychoanalyse], sowie: Triebtheorie. 1. Pathognostische Studien X. Afinale pathognostische Überfälligkeiten und Altlasten. Essen. Die Blaue Eule. 2010. S. 15-31. Genealogica Bd. 43)
Von Triebreiz zu sprechen (Reiz-Reaktionsschema, schon mit der Hypothek - unter anderen - der Vormacht des Reizes behaftet), machte dann wohl nur Sinn, wenn die Repräsentation bloß von Splittern des Abgewehrten betont sein soll. Da aber die betreffenden Vorgänge unwissentlich (ubw) ablaufen, es zu keiner isolierten Repräsentation des Abgewehrten (außer, indirekt, eben im Symptom) kommt, erübrigt sich die Rehabilitation des fraglichen Terminus Triebreiz.
Triebgefahren avisieren sich durch Unlustaffekte: affektive Warnsignale, wohl an erster Stelle Angst, auch Scham und Schuldgefühle, oft ein Kontaminat all dieser (siehe der frühere Terminus Angstabwehrmechanismen, der, begründet, beibehalten werden sollte).
Zu 3) Die Defensivformationen gelten als Mechanismen, d. h. sie unterstehen, zwangsläufig und unbewußt, der Regie ihrer selbst. Modifikationsreichweite ihrer Bewußtmachung, insbesondere (aber nicht nur) im Symptom-, Pathologiefall?
Zu 4) bis 6) Zu unterscheiden sind hier: Grund/Folge, Ursache oder, psychologisch, Motiv (Triebkraft, -feder)/Wirkung und Gelegenheitsursache, Trigger.
Motiv der Abwehrevokation: affektiv annoncierte Triebgefahr, die zu Krankheit führen könnte, Homöostaseansinnen.
Ichsuspens Krankheit: Triebgefahr zu stark, um, ichgemäß, abgewehrt werden zu können/Ich zu schwach, um Triebreiz standzuhalten.
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Zu 4) Motiv und Ziel, wie schon gesagt: Ausgleich, Homöostase zwischen Trieb und Abwehr (hier wäre der Kompromißbegriff eher brauchbar). Im Pathologiefalle der Inäquation bleibt indessen ein in der Symptomdarstellung verbrauchtes Äquationsresidum aufrechterhalten.
Zu 5) Grund (ultima ratio) aller Abwehr: todgeweihte Lebenswahrung. Abwehren = Erstgeborene des Todestriebs, der -differierung.
Zu 6) Gelegenheitsursache: Ad-hoc-Provokation vorhandener Abwehrund/oder Zusammenbruchspotentiale durch den das Abwehrentstehungsszenario erinnernden Trigger.
Erster Versuch auf eine Systematik der Abwehrmechanismen hin
Die Verdrängung ist die basale Abwehrart: ich entledige mich derjenigen Selbstanteile, die triebhaft verwerflich sind (siehe Triebbegriff); deren Veräußerung, selbst wenn nur, wie im Krankheitsfalle, imaginär, unter Strafe steht. Trennte ich mich von diesen nicht, spaltete ich sie nicht von mir ab, versagte also die Verdrängung, so drohte Krankheit - larvierte Wiederkehr des Verdrängten - und, letztlich, Tod. Meine Leichen im Keller werden entdeckt, und ich, der Mörder, überführt ...
Allein, wohin entledige ich mich dieser meiner infamen Selbstparts - nicht kann ich diese ja vernichten? In die Krypta, die Verwahrungsstätte meines negativen Selbst, ins Unbewußte. Womit aber keine Ubw-Genese und keine -Genealogie schon geleistet ist, die das Konzept der Urverdrängung leisten soll, aber, weil wissenschaftliche Metaphysik, nicht leisten kann (siehe Exkurs zur "Urverdrängung". In: Todesnäherungen. Düsseldorf. Peras. Psychoanalyse und Philosophie. 2007. S. 84-93); die ihre ganze Brisanz dann erst offenbarte, wenn das Verdrängte (sodann, meinetwegen, Urverdrängte) je der eigene Tod, die Sterblichkeit ausmacht.
Eros = das Todesgefängnis - widersprüchlicherweise aus der Kraft des Todes selbst? -; doch just des Thanatos Kasernierung sorgt für sein, die Körper und die Dinge erschaffend mitreißendes ubiquitär violentes,
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Revenantwesen. In der Tat: die Abwehr, zuvörderst die Verdrängung, ist die Erstgeborene des Todestriebs (in existentialontologischem Verstande).
Dauerprobleme
Ob die materiale Bedeutung von Verdrängung - etwas durch ein Stärkeres von seinem Platz wegbringen, de-plazieren - anstandslos den psychoanalytischen Verdrängungsbegriff de-symbolisieren könnte? Und der hydrologische Einschlag - Wasserverdrängung, Überlaufen? (Diese Symbolik funktioniert nicht.)
Imaginarität - Erwartungsangst, Zwangsbefürchtung - ist ja für Psychopathologie (versus Kriminalität) spitzenkriterial.
Von woher wirken Verwerfung und Sanktion, in- oder extrinsisch?
Ob es wohl glücklich war, daß der Verdrängungsbegriff den der (Ab)spaltung, wenn es um das Abwehrapriori zu tun ist, substituierte (siehe Weiterbildungstext "Dissoziation und Konversion")? Spaltung dann höchstens reserviert für besondere archaische Härte der Verdrängung. Pathologie = larvierte Wiederkehr des Verdrängten - die Maske besteht in der - allerdings durchlöcherten - Überdeckung des ans Licht drängend zurückgehaltenen Verdrängten eben durch seine Abwehr: Maske Verdrängung. Doppelte Halbherzigkeit.
Vernichtung meiner verworfenen Selbstanteile - wenn durch Hirnchirurgie, dann ontische Gewaltinversion, erfolgreiche Verfälschung des Todesentzugs(entzugs).
Inwiefern scheint, psychoanalytisch, die direkte Ver-/Entäußerung in/als dingliche Objektivität nicht vorgesehen? Weil nicht, bestände die Psychoanalyse selbst als solche im allgemeinen Pathologiemodell, homöopathisch, des Rückstaus (Subjektivismus).
Ubwgenealogie über Seinsvergessenheit; Ubwgenesis über Archäologie(n) der Verdrängung.
Etwas widerwillige Konzession des Terminus Urverdrängung im Falle der Ubwgenealogie, der Befangenheit in Metaphysik, folgend des verwissenschaftlichten Ursprungsdenkens wegen.
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Sterblichkeitsverdrängung im Widerspruch zum Verdrängten als Autokreationismus? Ja, aber sie fällt, letztphantasmatisch, mit der Sterblichkeit, dem in dieser Vorstellung sich ultime entziehenden Todes, zusammen.
Eros als Thanatos' Selbstwiderspruch, das gleichwohl ja seiende Nichts sodann? Selbstbetrug, über den kein größerer mehr gedacht werden kann, unser unabwendbares, indessen gewußtes, Los?
Milchmädchenrechnung der Todeseinbuchtung - Tod, der deshalb seinem Kerker je schon, in alle Welt verbreitet, entwich. Die Wiederkehr der Todesverdrängung, dieser allmöglichen Unmöglichkeit schlechterdings, kreiertdestruiert die Seinsklimax Dingsuizid Waffen. (Es wäre besser, nicht geboren zu sein.)
Ließe sich an das ineffabile des Todes, des Nichts, die Hoffnung auf ein ganz-Anderes knüpfen? Nein, bloß den Todesstoß in den ununterbrochenen Seiendenschein. Aber solches wissen zu können?
Als symptomatische Modi der Verdrängungszertifikationen könnten angeführt werden:
die Verleugnung - da ist nichts, es gibt nichts Verruchtes in mir -, kulminierend im realitätsverlustigen seine-Hände-in-Unschuld-waschen, in Manie;
die Verneinung, Ableger der Verleugnung - in Wirklichkeit, durchsichtig, Affirmation; verallgemeinert das hauptsächlich sprachlich bekundete Dementi der Selbstzugehörigkeit des Unbewußten;
das Ungeschehenmachen - die perpetuierend rituelle Beschwörung, Dauerauftrag der Eskamotierung des Verdrängten, in seinem Anankasmus weniger psychotisch als die Repudiation (oftmals bereits auf Reparationskurs) - immerhin muß ich ja einiges aufwenden, um meine Schandbarkeiten unter Verschluß zu halten - nicht zwar der Buße genug, aber immerhin.
Supplement zur Lacanschen Verwerfung (forclusion):
Recht eigentlich die Urverdrängung (nach meiner Leseart), psychosentypisch mit Akzent auf der Wiederkehr des Urverdrängten als - pathogen reinkorporierte - Dinglichkeit.
Eine umrissene Abwehrgruppe sui generis machen die Projektion, die Introjektion und die Idealisierung aus - primäres Defensiv-Aposteriori.
Gemäß exkrementaler Parallelismen, geht der Projektion, dem Rausschmiß, die Separation voraus, gefolgt von der Isolierung/Abdichtung des Separierten, der besagten verwerflichen Selbstkomponenten, letztlich der Sterblichkeit, selbst wiederum gefolgt von der Selbstreferentialisierung derselben - Recycling.
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Es handelt sich also um vergleichsweise rabiate Vorgänge der Ver-, Entäußerung - bei Nacht und Nebel entsorge ich, verbotenerweise, meine Leichen im Keller - wohin damit? ...
Traditionell psychoanalytisch verharrt das projektive Externalisierungswesen im alten Bann der Intersubjektivität; und kulminiert paranoiatheoretisch, zentriert um die projektive Identifizierung, der unabweislichen Wiedereinholung der Projektion, deren Rückbefall vom Separierten/Projizierten/Isolierten/Selbstbezüglichen - Halali! (Siehe meine Texte zur Projektiven Identifikation u. a. in: Violentiae. Beiträge zur Pathognostik der Gewalt. Düsseldorf. Peras. 2008)
Prima vista mag es verwundern, daß die Abwehrmechanismen, nicht zuletzt die Projektion, als Chance einer partiellen Verträglichkeit von Psychoanalyse und empirischer Psychologie nutzbar gemacht wurden (Madison, Moser); die sich indessen verzieht, wenn immer man bedenkt, daß die fraglichen Defensivformen ja Mechanismen, unbeschadet ihres im Pathologiefalle psychoanalytischen Auflösungsansinnens, geheißen werden - Angelegenheiten demnach, die dem wissenschaftlichen Zugriff, eben ob ihrer wie naturhaften Festgeschriebenheit, entgegenzukommen scheinen. Und so auch dient ihre szientifische Sonderbeanspruchung (Operationalisierung ...) - für unsereinen philosophisch paradoxerweise - der Abwehr ihrer Genealogie, will sagen: der Entfesselung ihrer (Inter)subjektivismusfessel, und, davor, zumal, ihrer Herkunftsbefragung wider die Hypostase des in seiner Provenienz ausgeblendeten in sich vergangen bloß Resultierenden. Außerdem eine Dimension, nach der Freud durchaus trachtete, die er aber verfehlen mußte, weil seine wissenschaftliche Metaphysik eben nur gedehnte wissenschaftliche Ableitungen erlaubt.
Wie nun gibt sich die Projektion in dieser Überhauptrücksicht? Sie avanciert zum Inbegriff aller Hervorbringung, der Re-präsentation, dem sine qua non meiner selbst. Lossage ich mich, on dit, vom Tode, um ihn sogleich zu meinem disponiblen dinglichen Visavis zu bändigen, das der weiteren Sicherungen, vereigenständlichender Abdichtung, bedarf. Die Dinge, meine Doubles, mein ganzer Stolz zwar, an denen ich - Fetische alle - indessen wie am Tropf hänge, dauerbüßend derart die hominisierende Verkennung der verkennungsbedingten Allmacht des Todes. Ewige Metamorphose von Scheiße in Gold (Kapital), dem Inbegriff von Anreiz,
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Probation, Prämierung seiner Dinglichkeitsabkünfte: der Produkte, der Waren. Kurzum: Projektion - immer projektive Identifizierung -, in dieser Vorabrücksicht gedeiht sie zum Menschwerdungs-, dem Kulturationvorgang selbst als solchen.
Projektion, auf diesem Niveau nun:
Was? Subjekt = Todestrieb
Was? Objekt = vorgestellter Tod
Wie? Modus = Repräsentation: Verdinglichung
Weshalb? Motiv = Todesparierung
Woraufhin? Ziel = Todesabolition
Warum? Grund = Seinswahrung
Wodurch veranlaßt? Gelegenheitsursache = Alles
So das System der Vergeblichkeit: Vergeben, Vergabe, Umsonst
Macht man in der projektiven Identifizierung die Identifizierung gebührend stark, so fällt deren Überführung in die Introjektion (Inkorporation, Identifikation, Internalisierung) nicht mehr schwer. Denn diese, Identifizierung - Unabkömmlichkeit des Projizierten trotz seiner Projektion -, impliziert den möglichen Rückbefall der Projektion in sich selbst retour, bis hin zur Nötigung der letalen Reintrojektion des Projizierten (Reinzision ins Fleisch), aufgeschoben mittels (des Pseudos) der Inregienahme dieses Persekutionsverhältnisses, eben des Abwehrmechanismus' Introjektion, konkretistischer: Inkorporation - des Insichhineinnehmens, und, nunmehr vermittelt, des Einswerdens mit dem revozierten Projizierten, allemal Identifikation mit dem Aggressor, Internalisierungsmagie.
Somit stellt sich die Introjektion/Inkorporation als Grundprozeß der Symptombildung heraus: Entsorgung meiner Kellerleichen durch mich selbst - sei's drum, kurzum, doch abermals mit Rest -, nekrophagisch. So aber ißt und trinkt man sich das Gericht, wenn immer nicht instantan das dingliche Sublimat des Kadavers, wunderbar zubereitet, auf dem Speiseplan steht: Selbstsein des - in der Reintrojektion des Projizierten - vorgestellten Todes demnach, notwendigerweise sogleich in dilatorischer
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Dinglichkeitsmaske, der Fressensblockade. Wie aber dann, gleichwohl, der anmaßendste Dingefraß? Und, a fortiori, wie vermag die asymbolische Inkorporation, die Realernährung, das normale Essen - versus Nekro- versus Reiphagie -, seiner zahlreichen Fraktionen zum Trotz, überhaupt zu funktionieren?
In diesen Zusammenhang anschließbar scheint die Idealisierung zu sein, die, wie immer auch notorisch labilen, Schutz vor der verfolgenden Instanz durch besänftigende Reverenz derselben gegenüber - das geht wohl nicht ohne, den Selbstwert des aufs Podest Gehobenen kitzelnde, Hypokrisie ab - bieten solle. (Siehe auch Kohuts idealisierende Übertragung) Womit indessen der semantische Gesamtbestand der Idealisierung schwerlich schon erschöpft wäre? (Siehe Ich-Ideal und Ideal-Ich - zuträgliche und unzuträgliche Hypostasierungen der Idealisierung, die sich in ihrer Motivation in diesen vergißt)
Inkorporation, zumal, übertragenerweise - was wird worauf übertragen? Nicht geht es an, den Symbolgehalt als eigentliche Gründungsrealie seiner imaginären Symbolisierung zu stipulieren, nein, jene, nicht minder, untersteht derselben Phantasmatik wie diese, die ebensowenig den inversen Ursprung jener ausmacht. Zu transferieren gibt es garnichts, wohl aber mahnt sich in der Möglichkeit der Symbolisierung die buchstäbliche Homogeneität beider an, nur daß jene nur - Organismusgenese - über die Schleife ihrer Hylehergegebenheit, ungegründet, nichtsverweisend, statuiert sein kann. Gelingende Nutrition aber verschuldet sich so ihrem todestrieblichen Todesnäherungsvorzug, mitsamt der erzwungenen Differenzkonzession (wider den hyperpathogenen Dingefraß, die Arschmahlzeit der Dinge) von Nahrungsmittel und Ernährungskörper a fortiori in ihr, zugleich die Ouvertüre zu ihres, zur Differenz scheinbar ungezwungenen freien, Symbolgebrauchs.
Rückwendige Geburt der Hypokrisie, des mythischen Verhältnisses, aus der Reaktionsbildung/der Verkehrung ins Gegenteil/der Wendung gegen die eigene Person/der altruistischen Abtretung.
Reaktions(Gegenwirkens)bildung = Leerterminus, semasiologisch gefüllt durch Verkehrung ins Gegenteil;
Wendung gegen die eigene Person = Schuld- und Sühne-Insichreflexion der sich ausliefernden Reaktionsbildung, die ihrer selbst zwar innewird, doch bis zum bitteren Ende der unschuldigen Selbstopferung auf sich besteht; Klimax so der (christlich explizierten) Todesverkennung; altruistische
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Abtretung = narzißtisch grandiose Selbstrenuntiation, Protolebensopfer umwillen des exklusiven Exkulpationserhalts - alles definite Defensivmodi, der Wiederkehr des Verdrängten, wenigstens symptomgenerisch, bei Graduierung der Symtomatizität, zu wehren. Je mehr ich Dreck am Stecken habe, umso naheliegender die Versuchung, mich wie das schiere Unschuldslamm zu gerieren - bis hin zur exquisiten Auserwähltheit des unschuldigen Opfers, der Sühne mit dann für die Verlogenheit der - zweifelhaft reparativen - Verkehrung ins Gegenteil, der Wendung gegen die eigene Person mitsamt der altruistischen Abtretung. Es bleibt hier kaum aus, daß die Abwehrdecke derart dünn gerät, daß dem Gutmenschen erster Klasse zumal dann doch die Hand raptös ausrutscht. Und kommt es zum Extrem des expiativen Kreuzwegs, sollte man masochistische Abpufferungen suspizieren dürfen.
Ob man Hartmanns Funktionswechsel trauen kann? So daß sich alle Reaktionsbildungen zu Dokumenten reiner Menschlichkeit mutierend absolvierten? Eher ein Verzweiflungsakt, als daß dieses Wunder verfinge? Der Funktionswechsel zweckt auf die trügerisch evidenzbeglückte idealistische Rettung des abbrechend infiniten Fluchtwegs der Selbstreferenzialität des Selbstbewußtseins ab. Zudem: wenn eh der genetische Irrtum gilt, warum dann überhaupt noch die ichpsychologisch subversive Rede vom Funktionswechsel? Dieser das Mißtrauen jenes, der sich allererst mittels dieses herstellen muß, es aber nicht eigentlich müßte.
Und die Reaktionsbildung im - von Freud und den Folgen nicht erwogenen - Ur-Verstande, ontologisch? Lebens-Todes-quid-pro-quo - da die freigelegten Leichen im Keller nur umso penetranter Verwesungsgestank verbreiten, gilt dagegen die Vitalitätshypostase, die Eigenunschuldssupposition, das irre Als-ob peremptorischer Todesabsenz, a fortiori zumal. So als dränge solche Urheuchelei zum Selbstverrat, exhibiert sie sich, ebenso sanktionsprovokant wie masochistisch zugerüstet. Und die dazugehörige Strafe bleibt nicht aus: die Reaktionsbildung steigert sich, folgerichtig, zum Opferfestival, dem Schlachtfest der todestrieblichen Todeskontestation als -exekutive - symbiotische Fission von unschuldigem Opfer und bösartigstem Auktor, dem anmaßend verstellten Todesvikariat angesichts der ultimativen, sinnlos sich hergebenden -leugnung. Todestrieb, auf seinem schwindelnden Höchststand: der gnostische "ferne Gott der reinen Liebe" erscheint mundan als unüberbietbar hypokritischer "Ecce homo"; und der nur scheinbar einzig verruchte "Demiurg" feixt sich (pardon!) dazu einen ab. Welch blindes Patt der Todessonderbestreitung! Die Reaktionsbildung
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hat es also schwer in sich, und, bis dahin abgetrieben, entbehrt sie der psychoanalytischen Heimstatt, expressis verbis jedenfalls.
Allgemeines - von der Pathognostik bereits aufgenommenes - Desiderat zwar, jedoch im Kontext der jetzt thematischen Abwehrengruppe, der importunen opferkonstituierten/ -konstituierenden Antagonismen wegen, besonders virulent (und deshalb nunmehr auch angesprochen): die Geschlechtsdifferentialität der Abwehrmechanismen, hier der Reaktionsbildung mitsamt deren Steigerungen und Spezialisierungen. Nun - Kundrys Verlachen des Leidensmannes ... Während meines Studiums innerhalb eines Seminars geriet eine hochengagierte Philosophiestudentin in ein Zwangslachen in Anbetracht der - recht unvermittelten - Cohenschen Exklamation im Kontext des Begründungsproblems in seiner Logik (?): "Wir sind in tiefer Not". Mutterfrau, die aus ihrer Demiurgen-, Satansüberdeckung genuin hervortritt, um die menstruationstraumatische männliche Opferversessenheit dergestalt zu höhnen, daß sich, mitten in der aufklärenden Petition ihrer tückischen Enteignung, das floride Opfer-, Schuld-, Gewaltverhältnis nur fortnährt. Weibliche Reaktionsbildung, auf die Spitze getrieben: sie gegenlacht sogleich, homo-sexuell gesichert, sich selbst zu, durchbricht so die Defensive. Wehe aber, wenn dies laszive trop peu seiner lebensbedrohlichen Schwachheit innewird, und - de trop - zur Hyperinquisition mutieren muß: Weiblichkeitsstigma des zuwenig-und-zuviel an Abwehr ineins.
Wie steht es - ebenso ein allgemeines immerleidiges Problem, auf alle Abwehrarten zutreffend - um die Gründe der Abwehrwahl, warum wird, beispielsweise, die Reaktionsbildung, und nicht etwa die Projektion, zur Defensive ausersehen? Wenn nicht alles täuscht, so wären, zur Antwort, übergeordnete Pathologieformen zu veranschlagen, die jeweils dann durch spezifische Abwehrmechanismen zirkulär charakterisiert sind; wodurch sich das Wahlproblem aber auf das der Krankheitswahl verschiebt. Meint man dagegen die Abwehrwahl je isoliert, ohne die besagte Subsumtion, begründen zu können, so geriete man ungründend ins Bodenlose - seis drum. So verweist, beispielsweise, die Prärogative an Projektion pointiert auf Paranoia, die an Reaktionsbildung hingegen auf männliche Hysterie mit. masochistischem Akzent. Aber, wie gesagt, diese Dachoptionen hängen zumal dann in der Luft.
Ihrer selbst Innewerden der Reaktionsbildung, jedoch mit instantaner Insistenz auf ihr? So der durchaus notorische Fall, das Aufklärungstrauma durch Härtung des Aufgeklärten, dessen Obstination -jetzt erst recht! - zu
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parieren. Jenes der paradoxe Rechtsgrund zur seiner eigenen Epikalypse sehenden Auges.
Die "christlich explizierte Todesverkennung" gipfelt in der Mythologie des Gottmenschen, des Christus: erlösende Heimholung der Menschheit in den Gott, endgültiger Sieg des Todestriebs über den Tod, die/der sich indessen als Siegesinversion, als Fleischesvernichtungsprogramm, herausstellt.
"Menstruationstraumatisch männliche Opferversessenheit" - Bluten die Frauen, so ziehen die Männer in den Krieg. Kreißen die Frauen, so bringen sich die Männer (sc. ad maiorem gloriam armorum, der Mannsgeburten) gegenseitig um (HH).
Hochbedingte Mutierung zur de-trop-"Hyperinquisition" - Modell: die Terroristin: überbietungsparanoischer Kampf gegen die Paranoia.
Krankheitswahl? Wählend wird man gewählt, so die unfreiste Freiheit. Daß dem so, unverbrüchlich, ist, dies Faktum erklärt sich selbst, absorbiert alle explanative Öffnung. Begibt man sich aber, angetrieben vom gleichwohl verbleibenden Ungenügen am bloßen Rätsel-Daß, der causa sui auf Erden, auf den Begründungsweg, so stellt sich, verschwindendes Unbedingtes, ein regressus ad infinitum ein; und jeweils auf dieser Route proliferieren nicht stellbare diffundierende Kausalitäten en masse. Also zurück zum Ausgang, der ganzen Seinskontingenz, die sich in sich hinein - der mißratene souveräne Gott - vorenthält. Todesbastion des factum brutum, zumal im Krankheitsfall, seduktiv zu seiner vergeblichen Erstürmung, in deren Refus sich allerdings rettende Differierungen (z. B. Symptome) zu etablieren verstehen. Begründung - allemal also auf dem Holzweg, innerhalb dessen Abfolge sich hochkompensatorisch verkennender großartiger Straßenbau zuträgt.
Regression. - Allgemeiner Abwehrkontext: das notwendige Management des Verdrängten, bestenfalls hier zu Produktivität (benigne Regression, im Dienste des Ich) versus schlimmstenfalls zu Symptomen (maligne Regression: Sichverschanzen, im Extrem Absturz in die Bodenlosigkeit der Desintegration, die schlechterdings mißratende - überhaupt noch so zu nennende? - Abwehr.
Aufgabe der Regression: abermalige Halt- und Schutzsuche, im Sinne eines lower start, unter Aufgabe vormaliger (Schein)sekuritäten, u. U. in tätiger Erinnerung an frühere, Sicherheit bietende Zustände; zum Zweck der Rekreation, die rückschrittsbedingte Einbußen an Anpassungsvalenzen verkraften kann. Gefahr aber des Wellness-Zusammenbruchs, des fortgesetzten Refugiumsverlustes, von der Selbsteinmauerung bis zur Dissoziation.
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Nicht wird, wie in der Projektion sowie in der Reaktionsbildung, das Verdrängte - inbegrifflich aller inkulpierende Autokreationismus, unsere obligate Todescamouflage - purgierend ver-/entäußert, respektive hypokritisch in Unschuld tropologisiert, nein, die Regression begibt sich auf die Suche nach einem Etablissement, in dem sie, um den Preis jedoch des Reaktionären, den Schutz einer neuen reduzierten Operationsbasis fände. Die Unterbringung, ja die Sicherheitsverwahrung des virulenten Verdrängten muß vorab arrangiert werden, wofür die Regression - dann im Sinne einer erhaben definiten defensiven Hilfsfunktion - stände, wenn immer sie die Haltlosigkeit im metaphysischen Todescountdown, opfernd: komplexitätsschmälernd, noch Einhalt geböte. Womit sie - psychoanalytisch übersehen - in den Rang - Urregression! - eines notwendigen Subsidiums, der der Assekuranz der Verdrängung, träte; sowie, in dieser Dimension, den Vorgang des Freudschen (notorisch also verfehlten) Todestriebs benennte.
Davor noch, innerpsychoanalytisch, wird man ihrer Verwendung schwerlich froh, denn zur benignen paßt Regression, des Stigmas des Rückschritts, dieser Notfallreaktion wegen, nicht so recht; und die maligne gibt ihr eben noch sicherndes regressives Wesen ganz ja auf: Dissolution - im so kollabierenden Gefängnis.
(Zur deskriptiven Differenzierung in metapsychologischem Betracht - topologisch, zeitlich, formal - siehe Laplanche/Pontalis Bd. 2, S. 436 ff. Eigener Beitrag: Über Regression. In: Freud und die Folgen Bd. 1. Hg. D. Eicke. In: Die Psychologie des 20. Jahrhunderts 11. Zürich/München. Kindler. 1976. S. 493-498)
Nochmals: die Regression, wie gehabt, unverzichtbar assistiert der Verdrängung, wenn immer diese den metaphysischen Abbauprogreß der Grundsuche im vorhinein reproduziert. Jene fungiert dann als das Expressis-verbis derselben. Gilt doch, todestrieblich, als Verdrängungssujet, aller Autokreationismus, den die Regression etappisierend entschleunigt und, an ihrem Ende, eben zur Konstitution von Abwehr, sprich: Verdrängung, vor deren Zusammenbruch, auffängt. Bis dahin muß es kommen, zur äußersten Reduktionsgestalt der metaphysischen Bewegung retour, zur betreffenden Entropie, um, an dieser Grenze, die Defensivgrundlegung - den brüchigen Halt, den jegliche Abwehr besorgt - zu garantieren. Gebändigt dosierte Regression, die ihr eigenes Rasen in den nichtenden Ungrund verdrängungsermöglichend sperrt - die Leichen müssen ja allerst in den Keller gebracht und ebenhier vergraben werden. Weiblich sind sie eh, die, pathologisch, als
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Untote spuken; woran sie, vorübergehend, ihr Rachevergnügen haben. Zwielicht demnach der weiblichen Regression: zwar zuviel schon deren zu enthalten, jedoch umso vehementer sich eben dagegen verwahren zu müssen.
Verdrängungstranszendentalie Regression, funktional vereindeutigt sodann auf Anästhesierung und Sühne zugleich ("O daß wir unsre Ur-urahnen wären ..."), vor dem sich widersprechend letalen Finale aber das Ganze an frustraner regressiv reduktiver Grundrecherche (wieder)versammelnd und, wie für alle Zeiten, in den Unort Ubw diskriminierend - so die einzige Rettung zwar, doch um den weiterhin fordernden Preis, sich von sich selbst, den prätentiösen Eigenunbilden, zu unterscheiden, ver-schieden zu sein. Nur wenn man die Regression von diesem Apriori abhält, mag sie, mehr schlecht als recht, danach, wie gesagt, expiativ und Indolenz verschaffend, aposteriori als Abwehr fungieren.
Man bemerke die Schwankungen, betreffend den Stellenwert der Regression, disloziert ins Gefüge der Verdrängung: von "Hilfsfunktion" über "Assistenz", "Assekuranz", "Expressis verbis" bis "Transzendentalie". Wie nun? Selbst wenn sie den Rang einer hinreichenden Bedingung einnähme, so wäre sie damit ihrem Bedingten nicht eo ipso schon überlegen, denn, wesensgemäß, ultimativ, zerschellte jene, zerschellenmachend, an diesem. - Primärobligation der Regression allemal, wie für die phylogenetische angeführt; trifft nicht weniger zu auf Freuds fehlaufgefaßten Todestriebmaterialismus: Heimkunft des Organismus in tote Materie - Satisfaktion der anthropos-Anmaßung mittels Schmerzminderung.
Spätere Verbesserung (?):
Wie aber verhält sich die Regressionsdynamik zu der der Verdrängung, mitsamt deren Zertifikationsformen, bislang dem Projektions- und Reaktionsbildungskomplex? Haben beide überhaupt etwas miteinander zu tun? Und wenn nicht, so fiele die Regression aus dem bisher geltend gemachten Abwehrrahmen, Regression - die Abwehrausnahme? So hat es zunächst den Anschein. Allein, beide interagieren, secunda vista, dann doch, und zwar, wechselseitig, als "Agents provocateurs": der nicht zuletzt ja Entschuldungsrückwärtsgang, die Regression in dieser Rücksicht, gänzlich dagegen zugleich der Schuldansammlungsort, ruft die Verdrängung, das Wegtun der Grundsuche insgesamt, des widersprüchlichen Schuldakkumulats, auf den Plan; so wie, umgekehrt, diese jene, und zwar als jener unverzichtbarer Unterhalt. Ohne Regression - in diesem fundamentalen Sinne der Paradoxie von ausnehmender Schuldaufladung und inständigem
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Entschuldungsansinnen - keine Verdrängung, und, vice versa, ohne Verdrängung keine Regression, als jener negentropisch rettende Wiederauflage. Prämisse: Regression - als metaphysische Bewegung schuldgenerativer Inbegriff, ineinem Exkulpationstrip schlechthin.
Sublimation. - "Das Fehlen einer zusammenhängenden Theorie der Sublimierung bleibt eine der Lücken im psychoanalytischen Denken." (Laplanche/Pontalis a. a. O. S. 481) - Mit der Veredelung (Verflüchtigung) des - in seiner Partialtriebbestimmtheit - widrigen Ubw in Kulturkreativität ist es so eine Sache; klingt, avant la lettre, wie C. G. Jungs Diskrimination desselben in ein arisches und ein jüdisches. Und Adorno? "Künstler (sc. und Philosophen) sublimieren nicht". Und ab H. Hartmanns "genetischem Irrtum" müßte die Sublimation, wie alle restierenden Manichäismen, doch ad acta gelegt sein (wenngleich Hartmann ja in Sachen Genesis versus Geltung konträr votiert)?
Es sei denn, Sublimation stehe, inbegrifflich, für, immer repressive, Kulturkreation überhaupt, prohibitiv der Barbarei, die, allerdings, eben nicht heterogen von außen einfällt, vielmehr sich als selbstmotiviertes Eigenprodukt der Kulturimmanenz einstellt.
In diesem Verstande könnte Sublimation ebenso die Absolvenz von Psychopathologie in Kulturaktivität hinein bedeuten (siehe Freud schon: Hysterie <--* Dichtung etc. - am Ursublimat Technologie scilicet vorbei). Und solange es den Exkulpations-, den Todesusurpationstrug: pointiert Dinglichkeit gibt (wie auch sollte er jemals aufhören?), solang gibt es die also definierte - narzißtisch vermittelte - Sublimation auch.
Sublimation als Abwehr? Abgewehrt wird als Kulturschaffung die dieser eigen innere Gegenhypostase pathologisch des Fleisches; nicht jedoch (?!) - aber sie müßte in aller Dinglichkeit geschehen - deren, der Kulturkreation, bewußtlose Hypertrophie; die frustrane Abhebung von dem, was, unheterogen, Selbstbezüglichkeitserzeugnis der Kulturation selbst ja ist.
"Narzißtisch vermittelte Sublimation"? = Interim des Libidoabzugs von den (Außen)objekten, sodann zum Zweck deren dinglichen Transfiguration, des Freiwerdens, der Umorientierung. - Je mehr selbstreferentielle Abstraktion der Sublimate, umso wachsender die Opfergewalt derselben.
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Supplemente
Konversion. - Sie ließe sich am ehesten wohl - nach der Maßgabe der Frage: "Wohin damit?" - der Projektion anschließen; Abwehrform der totalisierenden Metabasis eis allo genos in den Organismus und der Verpackung darin; irreführendes Versteckspiel, das, differentialdiagnostisch, immer noch konzediert werden muß, und weiterhin mehr Probleme aufgibt denn schon löste (Permeabilität der vorgestellten Membram zwischen Psyche und Soma versus beider Absperrung gegeneinander; Entgegenkommen der Organe; Noxegrad/Chronifizierung).
Naheliegt es wiederum, eine corps-matière-kreative Urkonversion zu postulieren - "Es ist der Geist, der sich den Körper schafft"; nur daß jener sich selbst als Dinglichkeitsprojektion und -(re)introjektion (Leib-Ding-Körper!) vorausgehen muß, um überhaupt wirksam werden zu können ...
Somniale Umgangsformen mit dem Verdrängten - "Wie nun?" -: die Traumgenerativa:
1) Rücksicht auf Darstellbarkeit, 2)/3) Verschiebung/Verdichtung, 4) sekundäre Bearbeitung; sogleich ontologisch dimensioniert im Sinne von Urdefensiven:
1) Abwehrhauptvalenz, die jeglicher Re-präsentation(repräsentation), eben auch der ikonischen, eignet. Rettung um den Preis, letztendlich, des abgestrittenen n-ten Futurs im Irrealis.
2)/3) Expansion/Metonymie versus Kontraktion/Metapher: todestrieblich verdrängungsförderlicher Ausgleich zwischen Fusion und Diskrimination (Attraktion und Repulsion)
4) aufgesetzte Normalitätsmystifikation.
Rücksicht auf Darstellbarkeit = ontologisches Postulat der Vorstellung, Re-präsentation; Verschiebung und Verdichtung = deren anzügliche/abstoßende Grenzwerte; sekundäre Bearbeitung = Neutralisierung
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Weitere Kommentare
Selbstverständlich: die kategorienhaltigen Interrogativa harren der Ableitung - sind es ja keine letzten Naturtatsachen (Subjekt-Objektdifferenz, deren Inter, mehrfacher Kausalitätsanspruch).
Freuds Unterfangen, die empirische/ontische Dimension der Abwehrmechanismen durch deren transzendentale - gar metaphysikkritische Philosophie - zu überbieten, scheitert am Hybrid der wissenschaftlichen Metaphysik, vermag aber existentialontologisch, wie hier skizziert, bereinigt zu werden.
Der schlechterdings arepräsentative Tod entzieht sich zumal in seiner wie ersatzweisen Vorstellung als Anderenleiche; und selbst hierbei von Entzug zu sprechen, ist zuviel schon der widersprüchlichen Benennung.
Wenn zum Gesamtbestand Projektion die initiale Abspaltung gehört, dann schluckt diese sozusagen das Abwehrapriori Verdrängung (mitsamt deren Zertifikationen). Allein, umwillen der Eindämmung der vielen Konfusionen hier, möge man die Absetzung der Verdrängung zum Abwehrapriori, sowie die Abspaltung bloß als Ouvertüre der Projektion, terminologisch wahren dürfen.
Weg damit! = Verdrängung; wohin aber damit? = Projektion/Introjektion. Und dann?: zurück marschmarsch, denn - betreffend Reaktionsbildung etc. - ist die Vermeintlichkeit, das Gegenteil meines Debets in Wahrheit der Fall: ich wasche meine Hände in Unschuld, allerdings, letzten Endes, solange - Unschuldsbeweis durch anderengeneröse Selbstaufopferung dann -, bis mir das Fleisch von den Knochen fällt - grandiose Leidensstunde der masochistischen Totale.
Wenn die projektive Identifizierung sich nicht per se schon in schwere Pathologie erledigt, so liegt doch die Rückkunft in die Immanenz der Verdrängung nahe, um ebenhier wahrzumachen, was überhaupt noch an - gesteigert wahnhafter - Abwehr vergönnt scheint: nämlich die Verleugnung mit dem schieren Kontrarium der - unabweislich abgewiesenen - Schuldimplikationen bis zum Rande aufzufüllen. Kopfstand der Verhältnisse, verdrehte Inkorporation. Bezeichnenderweise besondere Insistenz hier auf dem genetischen Irrtum und dem - doppelt genäht hält besser? - Funktionswechsel. Auch drängt sich hier - der Masochismuslastigkeit wegen - die Geschlechtsdifferentialität der Abwehren a fortiori auf.
In diesem Zusammenhang wird man behaupten dürfen, daß die Reaktionsbildung mitsamt ihrem Umfeld die Klimax an Pathologie generiert: Retour zum Opfer (nimm Dich zusammen!).
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Regression, kurzum: bis zur Entmenschung reduktive Flucht innerhalb der Verdrängungsimmanenz als, letztlich, deren Bedingung der Möglichkeit (ab nach Hause bitte!)
Sublimation, wenn schon - weshalb überhaupt das Ganze? -, dann das Dach der Abwehren: der über Menschheit entscheidende Dinglichkeits- _ Kulturauftrag wider deren fleischliche Einbehaltung.
Wie ewige freudianische Wirrsale: Ur-, ursprünglich versus eigentlich; pathologisch versus nicht-pathologisch ...
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Im Überschlag:
Abwehrrahmen:
Kulturauftrag, auf kulturimmanentes pathologisches Scheitern hin: Sublimation
Abwehrapriori:
Verdrängung (→ Urverdrängung)
Verdrängungszertifikationen:
Verleugnung
Verneinung
Ungeschehenmachen
Verwerfung
primäres Defensiv-Aposteriori:
Projektion (Isolierung, Selbstreferenzialisierung)
projektive Identifizierung
Introjektion/Inkorporation (Pathogeneitätsinbegriff)
Konversion (psychosomatisch)
Idealisierung
opfernde Rückwendung zur Verdrängungsimmanenz:
Reaktionsbildung/Verkehrung ins Gegenteil
Wendung gegen die eigene Person
Altruistische Abtretung (Extrem: das unschuldige Opfer, das sich für die anderen hingibt)
Grundsuche bei Elementarischem, wechselwirklich mit Verdrängung:
Regression, benigne versus maligne
Nicht gering die Versuchung, in dieser Auflistung eine Abfolge, je vom Regen in die Traufe und ins größere Faß, zu statuieren, an deren Ende mindest eine Symptomverfestigung stände, die dazu verurteilt wäre, die gesamte Sequenz - oder wenigstens Teile derselben - permanent vergeblich, im Zeitraffer, zu reproduzieren. Und unvermeidlich im Verlauf dessen, daß,
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pathologieintern, der ontische Abwehrkollaps die symptomgenerische Anfechtung der betreffenden Ontologieversion mitrevoziert.
Mitnichten schon ist hier ein letztes Wort gesprochen - mein Text stellt nicht mehr dar als einen möglichen Vorentwurf - Stoff auch für Seminare - zu einer gebührend großen transparenten Abhandlung.
Was es mit den besagten Leichen im Keller auf sich hat? Die Angelegenheit geht nur, wie man sich ausdrückt, metaphorisch auf: sie sind die memoriale Krypta meiner hochschuldigen kurzum: Todestrieb(un)taten, und verdrängt demnach wird die Reminiszenz derselben. Und wenn sie, im vorhinein schon, pathologiekriterial, bloß imaginär sind, so verstärken sich ihre Imaginarität und ihr bloßes nur-Gedächtnis - Scheinprärogative des inneren Sinns! - zu wachsender Einbildungsmagie aneinander. Aber kein Wunder dann, daß ihr Leichenkonkretismus die fötide Wahrheit über sie offenbart: und sie verfallen doch.
Abwehrparabel
Was aber soll ich denn anderes tun, als mich von meiner Urmalaise gründlichst abzusetzen? Weg damit, mit dieser Scheißsterblichkeit mitsamt ihren quälenden Adlati! Zum Abschied trampele ich auf Dir herum, und schlage drei Kreuze über Dich. Nein, Du hast keine Macht über mich, nein, Du existierst überhaupt nicht mehr ...
Allein, der Spuk will nicht weichen. Als unveräußerlicher Bodensatz hat er sich in mich eingesenkt, und zieht das unablässige Gedächtnis meiner vorgestellten Verbrechen akkumulierend weiterhin an sich heran. Aber vielleicht hat er mich, unbemerkt wiederkommend als die Dinge, je schon verlassen? Und also mehrten sich die Aussichten, das drängende "Wohin damit?" zu famulieren?
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