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Rudolf Heinz: Zur Philosophie von Krankheit
aus: Retro III, 2006, Essen, Die Blaue Eule, 145-153 - Der Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre auf dieser Website freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.
(Zur Zitierbarkeit sind die Seitenzahlen angegeben.)
© Prof. Dr. Rudolf Heinz.

Die Philosophie der Krankheit hat wesentlich bessere Zeiten gesehen, und zwar bezeichnenderweise um die Schübe der ersten Medienrevolution herum, zu Beginn unseres Jahrhunderts. Dies notorisch im Ausgang von der Phänomenologie sowie der Daseinsanalytik/Existentialontologie, die weit in die Psychopathologie hineinstreute. Alle diese reputierlichen Krankheitsphilosophien sind in ihren Vertretern zwar irgend Psychoanalyse-provenient, gehen aber über die Psychoanalyse kritisch dergestalt hinaus, daß diese in ihrem Zwitterwesen zwischen Wissenschaft und Philosophie philosophisch vereindeutigt werden sollen. Ich darf davon ausgehen, daß die
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einzelnen Ausrichtungen bekannt sind, die später dann ihre Tradition im Lacanismus, in der Schizoanalyse des "Anti-Ödipus", in Irigarays Feminismusversion und zuletzt in unserer Pathognostik fanden.
Was nun ist an diesen Krankheitsphilosophien spezifisch philosophisch, in Absetzung wogegen? Sie setzen sich von der naturwissenschaftlich begründeten imperialen Organmedizin ab, teilweise aber auch von ihrer Mitherkunft, der herkömmlichen Psychoanalyse, sofern diese sich als wissenschaftliche Psychologie versteht. Die Pointe der Absetzung von diesem psychoanalytischen Selbstverständnis besteht in der Kritik der psychischen, genauer: psychogenetischen/lebensgeschichtlichen Kausalität, dessen in der Psychoanalyse veranschlagte Reichweite bezweifelt, wenn nicht im Ganzen in Abrede gestellt wird.
Was aber tritt an deren Stelle?
Phänomenologisch die Wesenheiten;
daseinsanalytisch/existentialontologisch die Daseinsmodi/Existentialien;
strukturalistisch die begehrensdynamisierten Strukturen/Funktionen;
schizoanalytisch die Maschinenordnungen;
pathognostisch die Leib-Gedächtnis-Dingdramatik.
An einem Beispiel, der Klaustrophobie. - In phänomenologischer Betrachtung ist die Angst, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten "Phänomen": ein zwar abweichendes, in seiner Dissidenz jedoch sinnhaftes Gebilde, das in einem Befindens- und Verhaltensstatus besteht. Eher befindlich ist der Innenzustand: der Affekt Angst; eher verhaltensmäßig: der Gesamtausdruck desselben. Die Abweisung einer Hierarchie zwischen diesen Phänomenbestandteilen, etwa nach der Maßgabe ihrer Wissenschaftsdignität, ist typisch phänomenologisch: alle Phänomendimensionen gelten gleich und bilden ihrer ursprünglichen Gegebenheitsweise nach eine Einheit.
Was aber ist der Logos dieses einen Phänomens, der Klaustrophobie? Logos, das ist der Zusammenhalt, das Wesen, das Bleibende, ohne das die Phänomene nicht sind, was sie sind. Und die Klaustrophobie, wesensgeschaut, ideiert? Das sagt sich am besten moderat exotisch, lateinisch:
angor - Beklemmung, Angst, Bangigkeit;
ango - beengen, zusammendrücken, würgen; (sich) ängstigen, beunruhigen, quälen;
angustiae - Enge, enger Raum; Kürze; Mangel, mißliche Lage, Verlegenheit; Engherzigkeit;
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kurzum, psycho-somatisch-topologisch: ENGE.
Wenn man nun fragte, was solche Sprachfeierlichkeiten an allem Kausalitätsverweis vorbei mit Therapie zu tun hätten, so gälte als Antwort, daß längst noch nicht alles vom Angang auf dieser phänomenologischen Ebene damit gesagt sei; und ferner daß die Recherche solcher Ideierungen auf ihre Effekte hin, ihr Beschwörungscharakter wohl, eben auch in therapeutischer Rücksicht einer weiteren Erörterung würdig sei.
Wie also schreibt sich daseinsanalytisch/existentialontologisch die Wesenheit Enge fort? Ebensowenig kausalistisch so, daß gerade solche Dissidenzphänomene nicht nur bevorzugt erscheinen, daß sie vielmehr - und so mögen sie sich bereits von sich aus geben - quasi unabständig gemacht werden. Will sagen: solche logoi liegen recht spürbar, fast wie unmittelbar, im Körper quer. Mehr aber noch: der Zauber der phänomennologischen Zauberworte (angor, angustiae ...) färbt sich schwarzmagisch in dieser Wendung ein: die Wesensmagie geht zu Bruch, weicht derjenigen des Seins - Todesanmahnung, die die Abwendung durch Zuwendung, ja Aufnahme und Einverleibung, radikalisiert in magischer Rücksicht ersetzt. Wann nämlich geschieht Kontraktion, wann auch Expansion? Im Verletzungsfalle, auch schon einem imaginären, drohenden, nicht eo ipso körperlich materiellen, ziehe ich mich selbstbezüglich auf mich zurück und in mich zusammen, versuche den ultimativen Schwundwert, die Nullstufe meiner selbst einzunehmen; und dies vorausgehend überhaupt, in ontologischem Verstande, im Sinne des Urtraumas sozusagen, nämlich: selbst-seiend auf der Stelle Sein von seiner Nichtsherkunft stigmatisiert zu erfahren. Kaum daß ich die Augen aufschlage, bin ich mitten im Leben vom Tod umfangen ... Und das Revers der Enge, das ist die infinite Selbstexpansion, die Endlichkeitsparade am anderen Ende. Deflation - Inflation - es fehlt, wie immer pathologisch, der Ausgleich, die Vermittlung, die Weile des Gedächtnisses.
Wie lauten hier nun unsere pathognostischen Voten? Wir machen den magischen Charakter, die magische Prophylaxe der Pathologien (und überhaupt der Abweichungen) stark - sie sind imaginäre mißratende Sterblichkeitsparaden. Unsere psychoanalytische Rückbezugsgröße ist entsprechend der Todestrieb. Pedalisierende Absetzungsfolie dafür ist Lacans strukturalistischer »linguistic turn«. - Ferner beziehen wir expressis verbis die Dingkontexte in diese Seinsdramatik ein; dies in kritisch rückgewendetem Ausgang vom "Anti-Ödipus" (und nicht zuletzt auch in Reverenz zu
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Heideggers späten Technikphilosophie). Wir verfahren Technik-mythosophisch, spielen das Symbolisch-, das Symptomatischwerden der Dinge dergestalt aus, daß der Symbolgehalt selbst schon den Produktionsgrund derselben ausmache.
Also lautet unsere Leitfrage für die Klaustrophobie: Was ist ein geschlossener Raum und weshalb ängstigt dieser? Ja, die Decke fällt einem auf den Kopf, der Fußboden hebt und senkt sich, die Seitenwände kesseln mich ein, zerdrücken mich ... Das passiert aber nicht real, ist also die Vorabbeschwörung, die mißratende, die in sich steckenbleibt, der Kriegskatastrophe (oder auch einer Naturkatastrophe), so wie wir diese auch träumen können. Also ängstigt sich der Klaustrophobiker ganz einfach davor? Gewiß - davor aber begehrt er sich selbst als den obersten Kriegsherrn. Weshalb? (Weshalb Krieg, weshalb bringt es die Menschheit nicht zustande, den Inbegriff ihrer selbst, Kultur, nicht zu zerstören?) Pallas Athene weint nicht! - weil Zerstörung der phantasmatische Gipfel der Herrschaft über Zeitlichkeit, Vergängnis, Tod sei: der verheißungsvollste Schein der endgültigen Abwendung des Nichts, paradoxerweise, homöopathisch. Und Krankheit ist diesem Phantasma hörig, im Extrem soweitgehend, daß sie sich die Strafe, die auf dem Fuße dieser Todesusurpation folgt, als Selbsthermetisierung zirkulär hypergläubig selbstverpaßt. Und die letzte Katastrophe dieser Gläubigkeit, das ist die unabweislich horrende Evidenz, daß die Vollmacht der Zerstörung, der oberste Gott, selbst von derselben Urangst geschlagen ist, wie wir, die Menschen, die ihn fürchten, so er uns zerstört. (So der "Tod Gottes".) Ob dieser Bann gebrochen werden könnte? Wenn, würden dann diese ängstigenden Mauern um uns uns nicht mehr befürchten machen, sich unendlich zu verdicken und/oder zu verdünnen? Wenn, würden sie dann bleiben, wie sie eben sind, vermittelnd eben dieses äußere Innen mit dem nämlichen abgesperrt außerhalb, und selbst nicht mehr im Sinne gelingender Magie? ...
Nicht vorgetragene Notizen zum pathognostischen Aufschluß der Klaustrophobie
Der geschlossene Raum, das meint ein rein inneres Außen, das das äußere Außen rundherum gänzlich absperrt. Die Übergangs-, die Vermittlungsstelle macht die Wand als Wahrnehmungs- und Bewegungs- (und auch Geruchs)sperre, nicht eo ipso aber eine solche der Verlautung (Klopfzeichen!). Geschmack bleibt hier außenvor, reserviert dem inneren Außen
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des Mundes; so daß man von hierher schon befürchten müßte, daß der Klaustrophobe Gefahr läuft, »geschmeckt«, also aufgefressen zu werden.
Kriterium dieser Sperre ist der Nicht-Spiegel, die A-Reflektion wenigstens der Seitenwände. (Inwiefern aber vermögen dann Fenster kaum oder garnicht zu beruhigen?)
Das ist jetzt bereits eine durchaus skandalöse Angelegenheit: die Vermittlung als a-reflektorische Sperre! "Ich hab mein Spiegelbild verlorn ..." Und dieser Verlust effektuiert die heillose Auslieferung meiner selbst als reines Abbild (ungebrochene Reflektion als Reflektion) an den Anderen.
Der Andere fungiert als die mich anblickende/spähende Wand, hinter (unter/über) der nichts als sie selbst nur sich befindet; sprich: die "hypostasierte/totalisierte Vermittlung ", die folgerichtig auch den Restraum, in dem sich der Klaustrophobe befindet, kassiert; die in alle Richtungen unbegrenzt expandiert.
Prärogative der Wände- vs. Decken- und Bodengefahr. Die Wände bilden den quasi natürlichen "Halbkreis" der frontalen Anseh- und -gehbarkeit sowie deren dorsalen Gegenteils. Folgerichtig kommt das Hinten, Inbegriff unaufhebbarer Auslieferung, kompakt auf mich zu, flankiert vom schwächeren, weil hybriden Entzug des Oben und Unten dann.
Die innersymptomatische Rettung der Tür- und/oder der Fenster(vs. Decken- und Boden)öffnung: entscheidend ist die Schaffung eines Fluchtwegs, wenigstens eines pars pro toto partieller Entsperrung, einer Korridor-, einer "Strom"(vs. "Einschnitt")bildung, die - eben innersymptomatisch bloß: letztlich dasselbe in Grün - in Aussicht stellt, daß ich, über meine rettende Spiegelung hinaus, mit meinem Spiegelbild einswerden und also selbst zum Spiegel werden könnte. (Geschlossene Fenster können demnach nicht mehr als quasi symbolische Entsperrungen sein; und offene, jenachdem ...). Wohingegen Decken- und Bodenöffnungen zusätzliche akrophobische Vertikalgefahren heraufbeschwören: vom Regen in die Traufe. (Überhaupt stellt die Klaustrophobie das Kompendium aller Phobien, als einzelne selbst dann, dar.)
(Auch) phobisch verwechselt sich die Bewegung mit der Ziel-vorwegnehmenden Wahrnehmung und also mit dem "radio" der Verlautung: immer wieder, notorisch die "hypostasierte/totalisierte Vermittlung" ("der fliegende Pfeil ruht"); Klopfzeichen sind der Beweis. Dauerdesiderat demnach: physiologisch hier die Betroffenheit des Vestibularsystems und auch die Metabolismusbeteiligung zu recherchieren!
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Der Angang der Klaustrophobie liefe auf eine "Begehrens"-determinierte somnial-mythosophische Verhaltenstherapie hinaus, sensuell vordringlich auf Maßnahmen des Bild-Ton-Ausgleichs als Lokomotionsgarantie im Kontext des Kriminalwesens der Architektur.
Spätere Supplemente
Klaustrophober Architektur- und Maschinenkrimi: ein im Ganzen innenspiegelnder und zugleich durchsichtiger sowie restlos runder Fahrstuhl, der dauertönt; und der voll besetzt ist; und der, ohne sich zu öffnen, permanent rauf und runter fährt. Der reinste Hohn! Vertigo und Synkope drohen; und bevor sie eintreten, beginnt man sich zu schmecken ... Selbst der schwächere Angstanfall hat etwas von der Aura einer Eigengeschmackshalluzination an sich. Isolationshaft, ihr Gegenteil dissimulierend.
Es ist der eingebildete Geschmack der eigenen Exkremente als der Körpermetonymie der besagten hypostasierten/totalisierten Vermittlung, des Inbegriffs der Indifferenz als des schlechthinnigen Differenzmonitums. (Selbstverständlich: die psychoanalytische Rückübersetzung - intersubjektive Ödipalisierung - dieser Verhältnisse ist gänzlich unproblematisch. Doch zu welchem Zweck sollte sie vorgenommen werden? Supplementär! Gewiß, hauptsächlich dann aber im Sinne einer Prognosendeduktion, betreffend lebensgeschichtliche Zusammenhänge.)
Vorsicht auch mit dem Korridor! Wohin führt er? In Hotels beispielsweise oft zu einem Fenster und auch zu einer (Not)treppe. Und im Jenseits des Fensters? Ganz von ferne müßte beim Blick hinaus leise Musik erklingen ... Orpheus, der zwar die Spiegel passierte (Korridor-"Strom"), doch auch dessen Geschichte geht ja, durchaus katastrophisch, weiter. (Auch sollten wir bei der Asthmatikerin Radcliffe in die Lehre gehen!) Ultimative (Nicht)therapie (zuhöchst innersymptomatisch): der (Klaustro)phobe würde zur Orakelstatue (frei nach Jaynes) ...
Die Krankheit Klaustrophobie ist die schiere Gläubigkeit der Phantasmatik des phobischen Objekts im Ganzen, des geschlossenen Raums; dessen Begehrensaufladung quasi am falschen Ort des Gebrauchs als horrendes henkaipan aller Produktionsdimensionen.
Volle Geltung des Absolutheitsphantasmas, der Selbstautarkie; Inbegriff derselben hier: die dingliche Hülle in der Art der Mediation/des Transits als Sperre: Wand. Außenabhaltung rundherum, es gibt kein Außen.
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Solche totalisierte Sperre ist rüstungshaft, wie eine kugelsichere Weste. Und freilich entstammt diese mir, ja ist ich selbst als Wunderautotomie aller meiner halbtoten/halblebendigen Übergangsorgane und meiner sogleich reifizierten Exkremente.
Unterschied zwischen Umwandung und (Um)kleidung: indem ich mich im Inneren des geschlossenen Raumes frei bewegen, mich um die eigene Achse drehen kann, potenziert sich die Selbstautarkie hin zur Ganzsicht auf mich selbst, so daß ich gar mein eigenes Hinten sähe. Womit die Nichtspiegelung der Wände zur Reflektion schlechthin wird: Spiegelbild sowie Abbild meiner selbst (overkill aller Anderen).
Selbstverständlich ist der geschlossene Raum nicht differierend eckig, vielmehr rund; letztlich ich selbst als unendliche Kugel in restloser SelbstDurchsicht (Parmenides!). So das Indifferenzdelir, erschöpft, klaustrophobisch.
Unschwer, den sanktionellen Kollaps desselben zu präjudizieren: kurzum: der Gott als Isolationshaft. Eben: Gebrauch ist nicht Herstellung (und auch nicht Handel); mitnichten gibt es nicht den Anderen arbeitsteilig auch als Produzenten; ein geschlossener Raum ist nicht Alles (selbst als pars pro toto immer auch pars); die Sperre Wand ist nicht die Vermittlungstotalität, vielmehr mediative Unterbrechung; ich kann nicht selbst meine Halb- und Ganzautotomata transsubstantiativ sein; je mehr Spielraum, mich expansiv um meine eigene Achse drehen zu können, umso mehr Hinten und gar Innen und ab-bildliche Anderen-Observanz; die Wahrung der Inkommensurabilität von eckig und rund ist existenznotwendig.
Nachtrag zum Handel. Nicht weniger gilt phantasmatisch die Indifferenz von Ding und Bild. Voraussetzung aber der Imaginarisierung ist die dingliche Selbstreferenz als Tautologiestatus; was in sich der Indifferenz von Körper - Ding widerspricht.
Therapie als Gebrauchstravestierung: Kopfstand/Handstand. Allein, nach der wahren Therapieart muß man nicht lange und weit suchen: es sind alle Mutterleibprothesen in lokomotorischer Rücksicht, im etablierten Extrem Raumkapseln und Taucherkugeln. Will sagen: der ontologisch sowie lückenlos ontisch eingesperrte Mensch (Gottesgefängnis) hilft sich derart, daß er, homöopathisch, in härtester Einkapselung der Gefängnismauern sich in die unmenschlichen Sphären hinein begibt. Hierarchie entsprechend, doppelt: der Gottesperfektionierung und des menschlichen Absturzhorrors von der Höhle über das Haus bis zu den "mobilen Eigenheimen"
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auf Erden und, darüberhinaus, in Wasser und Luft.
Die Tautologie der Vermittlung der Sperre/Wand, deren Selbstbezug, sei die Voraussetzung der Imaginarität derselben -ja, einer bildlosen Imaginarität, dieses Paradoxon indessen, das, Ein und Alles, totalisiert, absolutes Ge-hör: phonetische Aufgeladenheit, Tonleitung rein in sich, nicht nach außen, ohne Abgabe, und freilich auch ohne Eingabe, ist. Instrument/Mittel selbst schon als Zweck, und also wird mich dieses Wandphantasma mit seinem ohrenbetäubenden, -zerreißenden Höllenlärm zu seiner Nährung opfernd aufzehren. Tiefschlafverzehr, weckensverhindert, Feuertod Erwachenslöschung. Quasi organologisches Äquivalent zum klaustrophoben Anfallsultimatum, der Ohnmacht, wäre, differiert, der Hörsturz demnach. Ohropax sodann die nachhelfende Anlage eines Fluchtwegs wenigstens ins träumende Erwachen hinein. Antigoneismus. So die Geschlechtsdifferentialität auch der Klaustrophobie: Frauen/Töchter müssen demnach lebendig begraben werden, weil sie Leben (Schwangerschaft) und Tod (Leichenbestattung) nicht recht unterscheiden können und zugleich überunterscheiden: Menstruation.
Gottes-Ex - die letzte Überwertigkeit von Pathologie: Unabweisbarkeit des Todes Gottes zwar, dessen volle Übernahme aber: ich, Phobiker, erlöse dich, schlotterndes Ding, von deiner Angst, indem ich mir diese schamanistisch zu eigen mache...
Als zweifellos besonders instruktiv erweist sich die krude Ödipalisierung der klaustrophobischen Situation im Ausgang vom Normalfall der Raumbenutzung:
Sohn, rundherum mittels Vater im Verein mit Tochter vom letalen Außen der Mutter abgesperrt.
Und der pathologische Kollaps dessen:
Die Hüllensperre bricht zusammen, der Insasse, unendlich entblößt, zerspringt in tausend Stücke: Negativ-Geburtsreproduktion.
Anders die Verhältnisse bei Frau/Tochter:
im Normalfall erweist sich die Hüllensperre als porös; bei Krankheit schließt sie sich zu infiniter Opazität: Geburtsinversion, Zusammenquetschung auf Null.
Vielleicht unterscheiden sich klaustrophobisch Sohn und Tochter dadurch, daß bei jenem sich die Expansion, bei dieser hingegen die Kontraktion infinitisiert; wobei beide Bewegungen sich jeweils - coincidentia oppositorum,
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so oder so herum - in sich kontrareisieren?
Die innersymptomatische Selbsthilfe pars pro toto, etwa wenigstens eine Tür angelehnt zu lassen, wäre ein magischer Akt: Vorabbeschwörung der nichtenden Expansion en petit, jedenfalls beim Mann. Und bei Frau quasi Doppelmagie entsprechend.Die innersymptomatische Selbsthilfe pars pro toto, etwa wenigstens eine Tür angelehnt zu lassen, wäre ein magischer Akt: Vorabbeschwörung der nichtenden Expansion en petit, jedenfalls beim Mann. Und bei Frau quasi Doppelmagie entsprechend.
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