Krankheit als Schuldflucht
"Wie immer besteht das Pathologieproblem darin, den Schuldaufriß, dermatologisch hier am Körper-Ding-Übergang als solchem (de)plaziert, zu fliehen; Pathologie als frustrane Schuldflucht. Man muß sich schon eine ganze Menge, ganze Systeme von Schuldfluchten einfallen lassen, wenn es etwa der Bedrängnis einer Therapie wegen nicht mehr vergönnt ist, das selbstsanktionelle Leiden, so es ein solches ist, als abschließende hermetisierende Sühne für die gnosisverdächtige Prätention in Krankheit zu betreiben; wenn also diese letzte Schuldflucht in die selbstinszenierte Eigensühne versagt."
Hautaffektionen und Werbewesen; in: Pathognostische Studien III, 173
Hautaffektionen
"Hautsymptome (...) bezeugen gravierende Probleme der doublierend dinglichen Selbstveräußerung, die purgierend exkulpative Selbstalienation bleibt im übergängigen Austrittslokal stecken, breitet ebendort sich flächig, vor dem Spiegelbild fliehend, symptomatisch aus. Solche Halbwegseinbehaltung/Halbwegselimination wirkt, aggressionsprovokant, nicht eben unaggressiv ("Feuermeldergesicht"!), macht den dermatogischen Patienten zu einer daherwandelnden auflauernd sichzurücknehmenden Bombe." [zum Beispiel eines Ekzems im Gesicht]
Revival 3, 110f.