»Süchtigkeit aller Körper«
"Das Schlagwort von der Süchtigkeit aller Körper meint keine Epochen­schelte, vielmehr die Benennung eines quasi anthropologischen Elements der körperlichen Grundverfassung, nämlich - durchaus im Sinne des Freud'schen »primären Masochismus« als Philosophem - das apriorische Zuwiderhandeln des in diesen seinen Taten betrügerischen, doch lebens­erhaltenden Eros gegen alle Annoncen von Thanatos: die erhebend absorptive Abdeckung der korporellen Todesverderbnis, das manische und ebenso invers manische selige Vergessen der prinzipiellen Körperdepres­sion; das Urunternehmen der Tilgung aller Schuld der Mortalität, freilich um den Preis der Liquidierung des verfügenden Subjekts bis hin zum Finale der (Selbst-)Bewusstlosigkeit. Ohne diesen »primär-masochis­tischen« Genuss der Sterblichkeit, ohne die immer auch trügerisch tröstende Erosbegleitung des Verfalls, kein menschliches Leben, ohne diesen Aufschub schlösse es sogleich mit seinem Ende »triebentmischt« kurz."
Kainsmale, 57
Waffenhaftigkeit der Dinge
"Die Waffenhaftigkeit aller Dinge, die Süchtigkeit aller Körper, deren Pseudoentsühnung durch dinglich-mediale Imaginarität - sie sind keine Hirngespinste, vielmehr die Wesensbestandteile des Unbewußten unseres »Existenzentwurfs«, zuoberst angeschwemmt als diesem nichts als dienstbare Pathologie (Schleife nur desselben), inklusive deren - anders hoffnungsvollen? - therapeutischen Angangs."
Abermals eine »Hinführung zu einer Psychoanalyse der Sachen« (Pathognostik); in: Pathognostische Studien X, 113