Verwandlung von Schuld in Scham
"Krankheit macht die Leidenschaft, die Passion schließlich aus, die Vorausgesetztheit der gesamten Schulddimension in derjenigen der vollen Scham als Grenzwert der Binnenkritik dieses Apriori selber zu vernichten; den Terror der absoluten Hülle wie mit einem letzten Gegenschlag um des Körpers willen zu treffen; den allbewiesenen Schuldgott mit seinem aberwitzigen Widerspruch selbstgenugsamer Exkulpiertheit zu seinem Opferterrorismus gegen die eigne Schöpfung/wider das Fleisch zu stürzen; den Debilismus des Schuldgewissens zur einzigen Ehre des einzigen Schamerkennens endgültig aus der Welt zu schaffen."
Conscientia. Zu einer nicht mehr psychoanalytischen Genealogie des Gewissens; in: Pathognostische Studien II, 68
verspieltes Potenzial der Psychoanalyse
"Die Psychoanalyse könnte in ihren selbstliquidatorischen, nicht eigentlich ausgeführten und rezipierten Theoremen, zentral dem »Todestrieb«, eine Fundamentaltheorie des Opfers, bar der Utopie des Opferausgleichs oder gar der Opferaufhebung sein. Nicht zuletzt dann in praktischer Verfahrens­rücksicht bedürfte der Status dieser Fundamentaltheorie der Klärung, dies vielleicht unter dem Stichwort einer »Aufklärung ohne Alternative«, einer seltsamen Wissenschaftsaffinität demnach.
Die herrschenden herkömmlichen Psychoanalysen hingegen, die sich ihrer Binnenliquidation durch sich selber nicht aussetzen und die, vorher schon, ihre unmögliche Reinheitsverfassung zum Glück umgehen, sind Spitzenepi­kalypsen des besagten fundamentalen Opferverhältnisses, das sie eben als unerkanntes nur umso gewalttätiger reklamieren: kurzum: die Dingsklaverei, die prämierte Dingsklaverei, ganz einfach."
Anmerkungen zu Psychoanalyse und Philosophie; in: Zerstreuungen, 64