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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Über das Dingphantasma (Pathognostische Studien VI, 2000, Essen, Die Blaue Eule, 109-115)
Vorbemerkung. - Im Wintersemester 1999/2000 las ich über "Technikphilosophie im Poststrukturalismus". Da ich mich selbst, meiner Dingphilosophie wegen, als einschlägigen Autor dieser Thematik und dieses Kontextes geltend machen darf (und zudem meine Hörer mich als solchen nachdrücklich reklamierten), stellte ich diesen meinen philosophischen Schwerpunkt - im Zusammenhang des Verhältnisses von Technik und Psychopathologie, des Wunschproblems der Veranstaltung - in extenso dar.
Der folgende Text gibt einen besonderen Ausschnitt aus der Vorlesung wieder, sofern er auf den Inbegriff der Dingphilosophie, das "Dingphantasma", kompendiös abzweckt. Er umfaßt die nachträgliche Ausführung von vorbereitenden Notizen. Gehaltlich knüpft er insbesondere an frühere kritische Gedanken zu Sloterdijks "Kritik der zynischen Vernunft" in einer Korrespondenz mit Thomas Macho (Brief an Thomas Macho. In: Logik und Inzest. Revue der Pathognostik. Vol. III. Wien. Passagen. 1997. S. 161-167. Unter: Referenzen) an.
Wie kann im Kontext der Psychose (= Schizophrenie) jedes ordinäre Ding, ein Stuhl zum Beispiel, zum schieren Dämon werden? Nicht aber, daß solche Dämonie eine subjektive Projektion ins objektive Ding, das damit nichts zu tun hat, wäre, nein (ceterum censeo!), wenn schon Projektion, dann ist es diejenige der Dingeherstellung im vorhinein schon, das Wesen des Dings selbst, und also höchstens ver/abdeckbar, nicht aber als bloße Zutat wiederabzuziehen. Antwort: der Erklärungstopos der Wahl heißt notorisch Dingphantasma, das, wenn immer bei der Psychoanalyse geblieben sein soll, sich mittels der Freudschen Todestriebtheorie am schicklichsten auslegen läßt.
Von hier aus gilt die These, daß Dinge Todesrepräsentanzen, aufgeklärt: Todes-nicht-Repräsentanzen, nämlich Todestriebrepräsentanzen seien. Jener Begriff besagt die Phantasmatik des Dingphantasmas, dieser hingegen dessen Kritik. Eine Art der Kritik indessen, die das Kritisierte in keiner Weise zu beseitigen befähigt ist; folgenlose Kritik demnach ohne Alternative.
Inbegriff dieser frustranen Kritik: per definitionem ist der Tod nicht repräsentabel, er ist die A-Repräsentativität schlechthin und einzig fungiert das Hominitätsartefakt des Todestriebs, kurzum: das Begehren, als Produzent des Dings, dingphantasmatisch als Todesrepräsentanz. A fortiori fraglich bleibt dann, wie es denn überhaupt möglich sei, so wie hier, philosophisch-memorial über solchen schlechthinnigen Entzug, die absolute Reservation, gleichwohl handeln zu können. - Aber müßten die Dinge, davor, nicht Tiefschlafrepräsentanzen sein? Vorschlag der Bereinigung dieser Unstimmigkeit: Dinge seien im strikten Sinne
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Todestriebrepräsentanzen, wohingegen als NREM-Repräsentanzen, sprich: als solche des Phantasmas dieser Nachtphase(n), die Pflanzen firmierten? Fortgefahren werden könnte in naturphilosophischem Betracht sodann mit den Zuordnungen von erinnerungslosem Traumschlaf mit den Tieren, und danach - nach Phantasos und Icelos/Phobetor? Beide aber tauchen selbst im erinnerten Traum mit auf. Einfällig hier auch der Naturbegriff: Natur- vs. geschaffene Kulturdinge, die sich indessen nicht wesentlich unterscheiden, denn Natur zeigt sich immer nur humanistisch vindiziert und nimmt in dieser Beanspruchung gerne den Grenzwert materialer Kreationsheteronomie ein (wie triumphierte weiland ein Kollege: Aber an der Herkunft der Steine, aus denen die Brücke gebaut ist, bricht sich deren ödipale Symbolisierung, selbst wenn diese die Produktion selbst schon bestimmt! - Wirklich?); wenngleich die Autonomie der Kreationsform(en) dagegen sich letztlich nicht halten läßt: Urzeugungen sind sie nicht, (Körper)projektionen, Körper und Ding in einem erschaffend, vielmehr.
Zurück zur schlechthinnigen Nicht-Repräsentierbarkeit des Todes, Einspruch dagegen: widerlegt denn die Leiche nicht dieselbe? Nein, für wen denn soll sie sie widerlegen? Für den Toten selbst? Doch nur dann, wenn unterstellt werden dürfte, daß der Tote seinen Tod, diesen seinen Zustand, zu erfahren, und Erfahrung ist immer irgend repräsentierlich, vermöchte: eine contradictio in adiecto. Entsprechend muß man auf das künftige Jenseits lange warten, Leichen nämlich pflegen sich nicht über sich mitzuteilen, bis die isolierte unsterbliche Seele den Todestransit, für ihresgleich freilich nur, bezeugte. Mensch aber - das sei besonders vermerkt - läßt indessen nicht davon ab, vom ursprungssüchtigen Leben her den Horror des Nichts, den Tod, als "Ursadismus"/"Todestrieb i.e.S." zu erotisieren und in diese Lustkulmination die ultima ratio zu setzen: "Unbewußt höchste Lust" - "selbst dann bin ich die Welt", singt, primärmasochistisch totalisiert, Isolde (als Frau für Mann). - Und für die Überlebenden? Ebenso nicht. In der Ansicht und in allem Weiteren, was mit der Leiche angestellt wird und werden könnte, wird mitnichten der Tod vorgestellt/repräsentiert (gar repräsentiert, worin die Präsenz mich ja diesem Nichts angliche), vielmehr eo ipso eben diese seine A-Repräsentativität seiend angezeigt/indiziert. Wenn überhaupt, dann gibt sich der Kadaver als Anzeichen/Symptom des Todes als Gestorbensein, als "Rücksicht aufDarstellbarkeit" des Todes als Negation derselben in sich: so der generische Limes der Repräsentation, deren insichreflexives AnfangEnde, AndrangVerschwinden. (Höchstwahrscheinlich zeichnen sich so nichts anderes als christologische Mytheninbegriffe nach?)
Das Symptom Leiche, dieser Widerspruch, wird also, humanistisch-zirkulär, notwendig: wendet paradoxerweise die Not der Nicht-Menschlichkeit. Man stelle sich einmal vor, dieser größere Erdenrest, dieses Ganzexkrement, wäre nicht, etwa wie in Ödipus' Falle (Ödipus auf Kolonos!), und, davor, gäbe es keinerlei
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Exkremente/Dejekte: Mensch hinterließe sich nicht in seinen verworfenen Ausscheidungen und letztlich abschließend nicht in seiner Selbstausscheidung in toto als Leiche, ja dann wäre er kein sterblicher Mensch mehr, sofern die, wie gehabt, notwendige Kadaverfunktion: das erscheinende/seiende Monitum der absoluten Differenz, die des Lebens und des Todes (und mit dieser womöglich auch alle weiteren abgeleiteten Differenzen) entfiele. "Das Grab ist leer ...": die Menscheit quittiert, nein, zugleich, immer zugleich allererst peremptorisch vollstreckt, exekutiert im doppelten Sinne der Bedeutung. Hier wäre denn auch der Ort, die Bestattungssitten auf die Modi der Leichenwiderspruchsparaden hin zu mustern.
Die Dinge als transfigurierte Leichen, die Hypokrisie der verwunschenen/verwünschten Leiber, im "Unheimlichen" (Freud) gespenstig (Transfiguration = Verwandlung, Verklärung) - innerhalb der Philosophie tut man sich mit solcher Rede schwer, ganz im Gegensatz zur Kunst: man denke etwa an Andersens Märchen... Wie aber genau wird nun aus der Leiche das Ding, vergleichbar der Metamorphose der Scheiße in Gold/Geld? Als Fuge/"Schematismus" zwischen Körper und Ding mahnt sie, wie apostrophiert, die absolute Differenz, Sein versus Nichts, an. Als dieses Fundamentalmonitum aber ist sie zugleich in sich Indifferenz-stigmatisiert: auf Verfalls-, Auflösungskurs hin zum "organlosen Körper"-Rückstand; so daß sie an sich selbst vorgibt, was sie ineinem dementiert: wie die Häme des bösartigen Gottes, der sich hingibt, um sich, hingegeben, in sich selbst hinein zu entziehen. So der Austrag des ganzen Widerspruchs der Repräsentation der A-Repräsentativität selbst, die Leiche als der (bitte die metaphysische Redeweise zu entschuldigen!) Ur-double-bind des Gewährensvorenthalts.
Aber schon auf "ontischem" Niveau weiß man, was double-binds anrichten: tückisch verführend/inkulpativ aggressiv machen sie schuldabwerfend wütend - bitte, was denn nun?: unbetrügerisch das eine oder das andere! Und da die Leiche per se auf dieser Doppelung zu beharren nicht umhinkommt - man sieht es und man riecht es ja, des Hörens gänzlich ledig, versetzt sie in die verzweifelste Rage, der Zumutung der Selbstläufigkeit ihrer überaus beschleunigten Fäulnis das gerechte Ende zu bereiten und sie tunlichst bald wegzuschaffen. Nicht? Im Falle - gar auch noch subjektiv ausgestalteter - Liebe wird die Verzweiflung nur umso heftiger, umso frustran heftiger aber zugleich die Reaktionsbildungen wider die blankeste Wut darin.
Sensuell, wie gesagt, entfällt das Gehör ("... antwortet nimmer ..."). Und das heißt: Die Leiche abstrahiert das Sehen, koppelt es ab vom Nichtvollzug der Einheit von Stimme/Gehör, deren Bedeutung potentialisierende Sichtvorgabe, treibt es selbstbezüglich-auflösend in sich selbst hinein: Sehen, das sich am
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Kadaver blendet, Riechen, das am Verwesungsgestank ruch-los wird - die Sinne schwinden in Ohnmacht und der Atemkörper wehrt sich wider die Katatonisierung mit Asthma. (Auch Bilder verschlagen einem manchmal den Atem.) Leichenrezeption, die demnach in die Entropie, den letalen Sog der seienden A-Repräsentativität, deren Leichensymptoms, hineingerät: Ent-Doppelung als das Ende, und umso mehr muß dieses scheußliche Ding weg. - Affektiv nicht weniger der nämliche double-bind: anlockende letzte Keuschheit, zuschlagende letzte Obszönität, die Urfalle unverschämtester Schamhaftigkeit, Andachtshäme. Alle Näherung der Indifferenz provoziert das letzte Gericht der Differenz. - Womit denn auch verstehbar werden könnte, daß die absolute A-Repräsentativität des Todes diese ihre memoriale Rede über sie, diesen ihren verbal-skripturalen Begriff, eben nicht zerstört. Die Notwendigkeit deren Leichensymptomatik macht das Gedächtnis, ja mehr noch: läßt Gedächtnis, der Unwiderruflichkeit des Todes wegen, philosophiegenerativ sich in sich selbst hinein verschlingen. Gedächtnis: die besagte Leichenfuge, die ganze menschliche Kunst indessen, nicht sogleich zum Opfer des Molochs des Widerspruchs der leichenrepräsentierten A-Repräsentativität des Todes zu werden, vielmehr den Zwischenraum des Nichtmehr/Nichtschon fluktuierend auszufüllen. Nichts nutzt es, daß die Dinge und zumal deren Naturstoff währen, nein, die Währung (!) besteht einzig im Zu- und Abhalt des Körpers zu denselben, in diesem memorialen Interim der Behaltung, dem (buchstäblich) abstrakten Aufsatz vergeblicher und doch rettend geschehender (a)dispositioneller Zeitumkehrung, dem abgehobenen eigenverweislichen Beisichselbstsein der Repräsentation, fürwahr dem "Geld als Ware", (dem Traum), allgemein: der Schrift. Schrift - visuell vereinseitigt eben das hypostasierte Leichensymptom, die übergängige Repräsentation der A-Repräsentativität; integral als Sprachschrift, auf Sprache, Verlautung hin, eben diese, die A-Repräsentativität: laut-lich erfaßt und ineinem abgewendet: Gesicht, in undienstbarem Dienst des Gehörs, in diesem sich aufhebend, rück-ständig indessen als Räselbild. Und umgekehrt? Gehör, sich opfernd ins Schrift-(Un)-Ge-sicht, unaufgängig als was? Lärmende Stille, differierend aufgemacht retour als das Lesen (wiederum) der leichensymptomatischen Repräsentation der A-Repräsentativität Schrift. (Und die sogenannten niederen Sinne? Item, betreffend Geruch und Geschmack?) Im doppelten gegenbeweglichen Sinne führt die Sensualität das Gedächtnis, die Re-Präsentation, den Sinnabhub, aus; in dieser Verbindung reißt der Sinn aber nur dann, wie gehabt: im unvermiedenen/unvermeidlichen Falle der Selbstbezugshypostase je der einzelnen, also vereinzelten Sinne; und die Künste fangen diese Hypostasen allzeit irgend in progress auf. Perennes Desiderat: die immer überlastete Vermittlung/Mediation.
Reveille. - Leiche: Erfüllung und Aufhebung der nächtlichen Selbstreferenz des Gedächtnisses als Reversibilität der Zeit, Un-zeit, wie nur-noch-Raum, Raumtotum, null und unendlich, und als diese Perfektion in einem das ganze
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imperfekte Rasen der zeitlichen Unumkehrbarkeit an dieser allerlächerlichsten Raumstelle von Körperdinglichkeits-Stase. Der Gott selbst von Verwesung ereilt, der man, ihres eigenen Tempos wegen, ja kaum mehr nachkommt und die man tunlichst, da sie das in sich sanktionierte Phantasma bis zur Unerträglichkeit fortdemonstriert, den Blicken und nicht nur den Blicken entzieht. Sensuell zum letzten der Zersetzungsgeruch: Dokument des Endsiegs des exklusiv ein-richtigen Zeitlaufs, der umso mehr akzelleriert, als quasi auf ihm sein Gegenteil sich in sich frei vollendet: Unsterblichkeitsgestank. Dies unser Beitrag zum vermeintlichen Fluchtweg vom "Raum zur Zeit".
(Tagesreste. Philosophisches Annuarium 1997. Wien. Passagen. 1998. S. 65)
Doch die Vermittlung bedarf des Vor- und Nachgangs wiederum dessen, was sie wesentlich abhält: der Dinge. Überfällig zwar, die Leiche wegzuschaffen - in der sublimen Nekrophagie, dem Sarkophag der Erde, als Präparation der Dinggeburt aus diesem ihrem kadaverbelebtem Stoff, wider die Zombie-Entropie des direkten Leichenfraßes (siehe "Die kannibalische Ordnung"!) -, doch ihre Beseitigung nur würde zur Katastrophe schlechthin, wenn nicht das Wunder vollbracht wäre, daß sie sich dinglich transfigurierte und ihre Kontradiktion sich in diesen ihren Dingtransfiguraten auflöste - freilich immer bloß bis auf weiteres dilatorisch liquidierte. "Du nimmst die Dinge weg, in Staub zerfallet er" (sc. der Körper). Das Absonderungswunder, ja, mystisch gesagt, der Gottesgeburt, des Dingphantasmas. Es ist die hominide Todesverzweiflung, die die Dinge macht: die tellurische Externalisation der Nekrophagie mitsamt der abschließenden Kopro-Nekrophagie. Nur daß, katastrophisch im doppelten Sinne (nicht aber in diesem Sinne infinit katastrophisch), eben das Ding sich zugleich als Inbegriff der Differenz erweist - und eben deshalb diese Ermahnung zumal in sich selbst auf immer gebotenem/verbotenem Indifferenzkurs tilgen muß. Ja, "Maschinen sind sterblich wie Leute" - welch ein aufklärerisch salopper Hochmut! Denn ihre Sterblichkeit macht ihre martiale Erfüllung: endlich die Körper-cogito-gerechte Dematerialisierung ihrer Materialität, restlose universelle Indifferenz.
Als Kriterien des Dingphantasmas kommen demnach in Frage: Dinglichkeit als die selbstgemachte (verum ipsum factum!), restlos willfährige Double-Idealität meiner selbst; erfahrbare/erfahrene Indifferenz, DifferenzIndifferenz; Körper als währende, alle seine Sterblichkeitsschuld tilgende Immortalitätsüberbietung seiner selbst - fürwahr das Ding, phantasmatisch als Todesrepräsentanz, nein, mehr noch: -präsentanz: die Todesverfügung.
Hört man es nicht krachen, wie am jüngsten Tag? Denn: der lange Schatten der Apotheose ist das Opfer, haltbar/unhaltbar letztendlich konsumatorisch als Manie; die Empirie des seienden Nichts folgerichtig in sich kontradiktorisch; und die Dinge tot, nur tot (in diesem hinterhältigen Sinne in der Tat Todesrepräsentanzen) und also Schuld nicht tilgend, vielmehr absorbierend und akkumulierend, allemal Waffen/Bomben. - Süchtigkeit der Körper, Waffenförmigkeit der
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Dinge, inbegrifflich der Vermittlungsausfall der dinglich prothethischen Vermittlungsinflation.
Aber bitte, das wäre doch ultimative Aufklärung comme il faut, bei Bewußtsein gehalten und getätigt endlich die Verabschiedung allen Übels, der mörderischen Phantasmatik des Dings?! Schön wärs? Nein, überhaupt nicht, denn wäre solche Aufklärung keine Kritik ohne Alternative, reine Krisis also nicht, so besorgte sie, mehr sodann denn eine rare Immanenzphase von Evidenztotalität/Gnosis sozusagen, paradoxerweise zumal im Dienste der produktiven Verdunkelung, apriori schon das Nichts: nähme nichtend dem Körper die Bedingung seiner Möglichkeit weg. Dingphantasmatik, die um des Seins willen nimmer aus der Welt zu schaffen ist.
Was aber bleibt Mensch stattdessen? Exklusiv, diese dunkle Gnosis in sich selbst epikalyptisch zu machen; er hat keine andere Wahl - die Schlagworte - Süchtigkeit aller Körper und so fort - avisieren es schon. Unhilflich weiß er sich bewundernswert zu helfen, indem er nicht eben bloß die amnesierende Teilnahme am Opfermal, davor bereits das Opfer, das Opfer der Arbeitskraft selbst - wie die vorgängige Todesweihe des sterblichen Körpers -, erotisiert: die Ubiquität des Workaholics, das Ursyndrom Arbeit: Schuld und Sühne ineinsgebildet, ataraktisch weggehüllt in affektionierender Hüllung. Die Algolagnie der Arbeit schon tritt in die Position des "eigentlichen Sadismus", der Eros-Thanatos-Kontaminierung; die Kreationspotentialität "ursprünglicher Sadismus" ist selbst bereits in Vorwärtswendung Abkömmling des "primären Masochismus", der in seiner Endversion dann das Sterben - "hebe-phrenisch" - final sexualisiert. Differenz, allemal nur konzediert als lustprämiert unwahrgenommene. Wonach der zerreißende Widerspruch der Empirie des seienden Nichts (Nekro-Nekro-Koprophagie) allzeit katastrophisch (doppelt gemeint) nach außen gebracht, dingproduktiv fundamentalprojiziert und in seinem Außenvor bei- und abgehalten sein muß. Ich sprach schon vom Mirakel der Gottesgeburt, des Dingphantasmas hier - metaphysisch ist es nichts denn konsequent, dem Gott Transzendenz zuzuschreiben: er sei vorgängig ganz für sich selbst dasselbe wie Mensch, nur eben des menschgenerierenden Einspruchs dagegen, eminenter bis zur Unendlichkeit, ledig. Und schließlich - ich deutete es vordem an - häuft dieser Gott, die Dinglichkeit, die basale Schuld des sterblichen Körpers in sich an, macht sich also explosiv, um gleicherweise wie der Körper zu verfallen: vermeintliche Schuldtilgung, stattdessen -absorption und -akkumulierung; welche dingliche Verwesung zu des Gottes, des toten Dings letzter Vollmacht wächst: seiner martialischen Suizidalität. Gottes-, Dingklimax Bombe, nach dem Vorbild indessen des Nutriments: wenn nämlich alle Dinge Nahrung sein würden, zermalmbar, "selbst dann bin ich die Welt", und keinen peniblen Rückstand gäbe es dann, weil es ja Dinge, selbst schon Leichentransfigurate, ausmachen. Ding, der Moloch des Körpers; Körper,
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die Liquidation des Dings. Indifferenz von Körper und Ding im Ding, Transsubstantiation selbst dinglich.
Wie also kann im Kontext der Psychose (= Schizophrenie) jedes ordinäre Ding, ein Stuhl zum Beispiel, zum schieren Dämon werden? Ganz einfach nunmehr, darf ich hoffen?: Insofern der Psychotiker das Dingphantasma unnachlaßlich zu sein, selbst zu sein begehrt, das heißt zumal, den Absturz des "Todes Gottes" und dessen Auffang darin: den Progressionsvektor des "primären Masochismus" zu konzedieren verweigert, und also in seiner kurzgeschlossenen puren Selbstapotheose den Abgrund des Gottes, des Dingphantasmas, sanktionell an sich vollstrecken muß? Weshalb aber? Und wodurch, kausal, vermittelt?
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