Name
Passwort
Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
Dieser Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.
Zur traumatologischen Gedächtniskonstitution im Ausgang von der Psychoanalyse I und II (Pathognostische Studien VI, 2000, Essen, Die Blaue Eule, 123-129)
Vorbemerkung. - Anbei Arbeitspapiere aus dem Kontext zur Vorbereitung eines Sonderforschungsbereichs (...) an der Philosophischen Fakultät der hiesigen Universität, die, also deplaziert, überschießend eine Art von Kurzfassung der eigenen - auf das Gedächtnisproblem hin enggeführten - Philosophie wiedergeben.
I
Die veranschlagte Philosophie zweckt auf die Genealogie ihrer thematischen Objekte, hier, allgemein, Gedächtnis, ab. Was heißt, daß jeglicher Phänomen/Bedeutungsbestand zum Zwecke seiner Ausweisung in die denkend operationale Aktualität seiner selbst re-klamiert werden muß - an diesen einzigen Ort seiner Gegenwart, die je schon in sich vergangen ist und also sich auch nicht abschließt; wofür der Begriff des Unbewußten in dieser formalen Rücksicht stehen könnte. Zwar sind die fraglichen Theoriebestände je schon vorgegeben, in ihrer Vorgegebenheit jedoch paradoxerweise zugleich allererst herzustellen; wonach die genealogische Methode Reproduktion und Produktion in einem wäre, und Gedächtnis demnach in seiner theoretischen Eigenerfassung sich zumal selbst voraussetzt.
Nun aber zu den avisierten Psychoanalyse provenienten Theorievorgaben.
Ich komme nicht umhin, mich der traumatologischen Gedächtnisgenealogie anzuschließen, insofern diese bislang alternativelos geblieben ist. Sogleich als problematisch freilich erweisen sich deren Übertragungen in den sozialen Makrobereich, hier auf das Kulturelle Gedächtnis. Um diese obligate Problematik aufzufangen, dürfte es indessen nicht genügen, eine Art von pragmatischem Zuwarten zu empfehlen: Möglichkeiten und Grenzen dieser Extrapolation nämlich operational auszutesten, dem müßte vielmehr eine kategoriale Verhältnisbestimmung des Einzelnen und Allgemeinen, des Subjektiven und des Objektiven vorausgehen.
Was aber heißt traumatologische Gedächtnisgenealogie? Der Titel impliziert die These, daß Gedächtnis durch Traumen entstehe; daß das memoriale Grundkonstituens die Selbstempirie einer umfassenden Erschütterung ausmache; wobei der apostrophierte produktiv-reproduktive Doppelcharakter von Genealogie sogleich verfängt.
Was wird traumatisiert, wodurch und weshalb mit der Folge Gedächtnis?
123
Das Wodurch der Traumatisierung ist inbegrifflich die Erfahrung von Differenz. Das Was die vorhergehende Ausschreitung der Indifferenz - vorhergehend nicht in zeitlichem, vielmehr binnengenerativem Verstande: kein traumatisierendes Differenzerleben ohne die interne Unterstellung der gegenteiligen Indifferenz des so erzeugten Differenten, ebenso kein Indifferenzanhalt, der nicht sich am Grunde der im doppelten Sinne katastrophischen Differenzstatuierung befände. Weshalb aus der Indifferenz-fundierten Differenztraumatik aber Gedächtnis resultiert? Um der Konservation, des Zusammen- und Auseinanderhaltens willen, immer im Sinne der erotischen Vermittlung der Extreme der tödlichen Phantasmatik der Indifferenz und der ebenso tödlichen Traumatik der Differenz, als der Weile beider wechselseitigen produktiven Parierung.
Dieses memoriale Moratorium kommt indessen niemals zur Ruhe und ist auch außerstande, seine letalen Grenzwerte in sich hinein bleibend aufzulösen, und vollstreckt zudem an sich selbst wiederum seine eigene Funktion als das zerfallsanfällige Hybride von Unterbrechung und Stetigkeit zugleich.
Das Fragen aber hat kein Ende: weshalb die Transgression der Indifferenz am Grunde aber dann? Nicht kann sie ultima ratio sein, sofern sie sich umgekehrt der Kontrarietät des vorausgehenden Differenzüberfalls verschuldet, so daß beide Bestimmungen ineinander gebildet unbegrenzt endlich grundlos in sich zirkulieren. Gedächtnis, das sich am Ort der Differenzsperre der Indifferenz, quasi als Vertikale/Hochbau des Übergangs, nur zum Scheine andersartig als die von ihm zu vermittelnden Größen, ausbildet...
Erlauben Sie mir bitte, den gedächtnisgenealogischen Gedanken nicht weiter noch in sich hineinzutreiben, stattdessen, der hier beabsichtigten programmatischen Genealogieskizze gemäß, sogleich zu den Differenzgehalten überzugehen.
Drei traumatisierende Differenzdimensionen sind geltend zu machen, die, initiationstheoretisch sowie psychoanalytisch kriterial (die Psychoanalyse als Initiationssäkularisat!), den gesamten Differenzenraum erschöpfen: die des Geschlechts-, des Generations- und des Lebens-Todesunterschieds. Letzterer, existentialontologisch hochstilisiert zur Distinktion Sein-Nichts (und davor zur ontologischen Differenz Sein versus Seiendes) repräsentiert sich als das Kontrarium von Körper und Ding sowie beider Vermittlung (Medium). Im Zusammenhang pflegen diese Dimensionen, immer unter der Sog-Prärogative der Lebens-Todesdifferenz, wie nach Bedarf zu vikarieren.
Hier aber schon wird der Umstand penibel, daß keine der Kundgaben zur Ausdifferenzierung dieser traumatisierenden Grunddifferenzen nicht aus der einseitigen männlich-filialen Zentralperspektive heraus gesprochen ist - auch die Gedächtnisgenealogie fällt geschlechtsdifferentiell und entsprechend weiblicherweise
124
die gedächtniskonstitutive Indifferenz-Differenzdramatik anders aus (wie darstellbar, wenn überhaupt?).
Das Indifferenz-Differenzwiderspiel läßt sich als dasjenige von Inzestbegehren und Inzesttabu wiedergeben:
jenes das Phantasma, dieses das Trauma, und immer auch in voller Permutabilität (?) umgekehrt. Und nicht schaffen objektiv Kodifizierung und subjektiv Konditionierung die auf diese Weise verlaufende gedächtnisgenealogische Polemik jemals ab.
Der Austragsort der Inzest(tabu)zwänge liegt in der zweiten Differenzdimension, der der Generation, in der auf die primären kognativen Verhältnisse bezogenen Generationssexualität. So jedenfalls die konventionelle Option, gegen die in einer Psychoanalyse-fortschreibenden Wendung zu erwägen wäre, ob nicht auch die beiden äußeren Differenzdimensionen in isolierter Version, die der Geschlechts- und der Lebens-Todesdifferenz, nämliche Austragsstätten sein könnten: jene die Sphäre der Homo- versus Heterosexualität, und diese des Lebens-Todes-Antagonismus als universaler Bereich der Dinglichkeit (Technik), des Widerstreits zwischen der basalen Differierenswertigkeit der toten Dinge und der Indifferenzklimax deren belebenden Transsubstantiation, des nutrimental ja realisierten quasi-Inzests mit den Dingen, dieser sublimen Nekrophilie. Innerhalb der üblichen generationssexuellen Restriktion werden als betreffende Arten unterschieden:
der Mutter-Sohn-, der Vater-Tochter- und der Bruder-Schwester-Inzest sowie die korrespondierenden Tabus. Diese Reihenfolge stellt zugleich deren Stufung nach dem Intensitätsgrad des aktualisierten Indifferenz-Differenzkampfes dar.
Jetzt schon mag man gewahren können, daß die mutuellen Paraden von Phantasma und Trauma - der Dauerauftrag der (Reproduktion der) Hominisation selbst als solcher - unabläßlich und in buchstäblichem Sinne unabdingbar sind. Womit in dergleichen Permanenz eben das Gedächtnis auf den Plan gerufen erscheint: als instantan erfolgreicher und immer auch scheiternder grandioser selbiger Nothelfer der Drittenfunktion der Vermittlung, bis hin zu deren Selbstreferenz als Erinnerung dann.
Die Entwicklung, um nicht zu sagen der Fortschritt der psychoanalytischen Theorie (Metapsychologie) bei Freud und, nach deren Maßgabe wiederum, in der Geschichte der Psychoanalyse enthält viel mehr schon als Subsidien der Darstellung des thematischen Problems: der Indifferenz-Differenz-traumatologischen Gedächtnisgenealogie. Es ist kurzum die Kon-sequenz von Sexualitäts-, Narzißmus- und Todestriebtheorie als einschlägiges Paradigma in progress. Indem die erste sich im Ödipuskomplex verdichtet, beinhaltet sie bereits diejenigen Indifferenz-/Inzestzurichtungen an gebrochener Selbstreferentialität,
125
die sich in der zweiten dann ausdrücklich exponieren, um in der immer noch anathematisierten dritten ihren Abschluß, weil auf die Lebens-Todesdifferenz und damit auf dingliche Objektivität übergreifend und also den überkommenen (Inter)subjektivismus der traditionellen Psychoanalyse vorquittierend, zu finden. Wie unscharf auch immer gibt diese evolutionäre Theorientrias ebenso das Verlaufsmuster der Psychoanalytischen Bewegung bis in die Gegenwart vor und läßt an Auffangwertigkeiten der betreffenden Empirie, insbesondere der Aufklärungs-provokativen Devianzen, schwerpunktmäßig Psychopathologie, nicht viel zu wünschen übrig - bis auf Maßnahmen der innertheoretischen Homogeneisierung und vor allem der Abweisung der Freud-typischen Dualismen, auch derjenigen der Internalisate Bw versus Ubw, Überich versus Es, mit deren - dem Dualismus widersprechenden? - Vermittlungsgrößen Vbw (?) sowie Ich.
Die Themenzentrale der Psychoanalyse, Psychopathologie, bildet sich aus der Masse der Theorie-an-stößigen pathogenen Dysfunktionalitäten im Widerspiel von Indifferenz und Differenz, Inzest und Inzesttabu. Allemal sind es Vermittlungs-, in diesem Sinne also Gedächtnisdefekte, die, in sich hineingetrieben, kurz vor der Todeserfüllung derselben abbiegend, Krankheit definieren. Vielleicht könnten, Psychopathologie-differentiell dann, die apostrophierten Einzelmodi der Gedächtniskonstitution - Ausgrenzung, Berührung, Vereinnahmung - die drei Hauptgruppen psychiatrischer Erkrankungen mitindizieren: Neurose, Perversion, Psychose.
Soweit die Überlegungen zur traumatologischen Gedächtniskonstitution im Ausgang von der Psychoanalyse, der kritischen Lektüre nicht zuletzt auf mögliche Brauchbarkeiten hin, den Aufschluß des Problemkomplexes Kulturelles Gedächtnis zu optimieren, anempfohlen.
Die vorgelegte Programmskizze dazu stellt einen kurzen Abriß meiner Veröffentlichungen etwa der letzten fünfzehn Jahre dar und wäre demnach problemlos in einen umfänglicheren Abhandlungstext hinein explizierbar.
II
Zur philosophischen Herkunft der Problemstellung
Das Problem, von woher etwas stamme und wie es sich in seinem Sein erhalte, die Frage also nach dem Verhältnis des Ursprungs zum Entsprungenen, ist so alt wie die Philosophie selbst (und älter noch). Mit dieser metaphysischen Grundfrage kommt bekanntermaßen ein System von basalen Topoi im Zusammenhang
126
auf, die nicht zuletzt die Obligationen der Abgrenzung der Herkunftsinstanz vom Herkünftigen, beider Auseinander- und Zusammenhalt, kurzum die Problematik der Vermittlung und damit des Gedächtnisses - Zusammenhalt des Auseinanderfallenden/Auseinanderhalt des Zusammenfallenden - betreffen.
Ebenso notorisch unterliegt die gehaltliche Füllung des Ursprungs-Entsprungenen-Schemas - von den Urstoffen der Vorsokratiker bis zur behaupteten Metaphysikkonterkarierung der Existentialontologie, dem Nicht-Ursprung Sein - einer historischen Evolution, d.i. die Entwicklung der "Abendländischen Metaphysik".
Im Verlauf dieser Geschichte, in der Neuzeit, beginnen, im Schein von Metaphysikkritik, die sich dadurch konstituierenden Wissenschaften sich die metaphysischen Kategorien anzuverwandeln, nachdem diese immer schon, nachgerade faktisch-konkretistisch, die Menschheitsgeschichte dieser Sphäre beherrschten.
In diesem szientifischen Säkularisierungsprozeß spielt die Psychoanalyse eine besondere Rolle. Jedenfalls in der Art, wie wir sie selbstkritisch auf ihre Philosophiepotentiale hin traktieren, vermöchte sie zu einer - mit allem Bedacht gesagt - Version von "Philosophischer Anthropologie" zu werden, welche die wissenschaftlich-psychoanalytisch Ausdifferenzierung der von Hause aus metaphysischen Kategorien zwar zu nutzen verstände, nicht jedoch deren szientifische Hypostasierung betriebe. Und so gewänne sie die offene Fertigkeit einer wissenschaftsvermittelten Philosophie und umgekehrt zugleich einer philosophievermittelten Wissenschaft; und könnte so auch ihre alte Hypothek des Subjektivismus abtragen. Für die metaphysischen Kategorien und deren wissenschaftliche Realisierung bedeutete dieses Hybride, daß sie in ihrer verbleibenden wissenschaftlichen Relevanz ihre metaphysische Herkunft mitsamt deren Krisis gleichwohl nicht verleugnen müßten.
Zur psychoanalytischen Version der Problemstellung
Die psychoanalytische Wendung des genuin metaphysischen Ursprungsproblems - ambige zwischen Wissenschaft und Philosophie, die so sich wechselseitig in ihre Krisis führen - betrifft die Entstehung (Genealogie) des Unbewußten, das nicht irgend vorgegeben existiert, vielmehr gemacht wird: sich nämlich als Artefakt der metaphysischen Bewegung, derjenigen hin zum Ursprung, erweist. Dieser entscheidende Rückgang besteht in der Imaginarität einer Grenzüberschreitung, die entsprechend sanktionell abgewiesen wird und
127
das Jenseits der Grenze als offlimits/Tabu hinterläßt: das Unbewußte als den Inbegriff des "Verdrängten".
Die Reservat-Gehalte nun des Unbewußten sind die Inzeste - traditionell psychoanalytisch an erster Stelle der Mutter-Sohn-Inzest - als die nach ihrem Schweregrad gestuften, letztlich tödlichen Weisen der Anmaßung des Ursprungs/des ausschließlichen Selbstbezugs.
Die psychoanalytischen Theoreme dazu bilden die Steigerungssequenz: Trieb/Sexualitäts(Ödipuskomplex)-, Narzißmus- und Todestriebtheorie, worin in immer neuen, sich radikalisierenden Ansätzen sich das Zentrum der halbwegs wissenschaftlichen Metaphysikanverwandlung Psychoanalyse, die menschliche "Exzentrik"/die Ursprungsekstatik mitsamt ihrer Disziplinierungsobligatorik austrägt.
Die ganze Haltlosigkeit der notwendigen Absperrung des Ursprungs/der Inzesttabus bildet den Grund von Pathologie als eine Art der kompromisuellsymptomatischen "Wiederkehr des Verdrängten". Im Zusammenhang des thematischen Grenzproblems finden diejenigen Abwehrvorgänge eine besondere Berücksichtigung, die das Innentabu nach außen verlagern und so ein Feindesland jenseits der Grenze des eigenen Territoriums festlegen: Spaltung, Projektion und Isolierung; deren Kollaps dann sich auf den Punkt krankheitsgenerativ auswirkt: Pathologie als zusammenbrechende Abwehr.
Soweit die Voten der herkömmlichen Psychoanalyse in grobem Überschlag und auf die thematische Problemstellung hin adaptiert. Dabei belassen, würde indessen die Chance verspielt, sich gegen die charakteristische subjektivistische Einengung der Psychoanalyse mit deren eigensten Mitteln immanent aussprechen zu können. Eine solche - zur "Psychoanalyse der Sachen" (Sartre) gedeihende - Fachverfassung findet sich bei Freud selbst schon vorbereitet, und zwar in den Korrespondierungen zwischen Pathologien und Kulturgenres, und vermöchte in die dingliche Sphäre von Naturwissenschaft und Technik insbesondere mittels einer entsprechenden Umschrift der Todestriebtheorie - die Dinge als Todestriebrepräsentanzen - ausgeweitet zu werden. Für den - dann ebenso erweiterten - Begriff der Disziplinierung des Unbewußten bedeutet diese innovative Amplifikation, daß deren vordringlicher - nicht Überich-, vielmehr Ich-bestimmter - Modus die dingliche Kulturschaffung im ganzen ausmache: als produktive Wiederkehr des Verdrängten; a-pathologische Ausnutzung des Unbewußten; gelingende Spaltung, Projektion, Isolierung; realisierte Metaphysik, rechte Vermittlung zwischen dem (gemachten) Ursprung und dessen (dieses bedürftigen) Entsprungenen; das also reüssierende Gedächtnis als Sicherung dessen Auseinander- und Zusammenhalts. Diese innerpsychoanalytische Objektivitätsversion
128
nötigt dazu, den gesamten fachlichen Theoriebestand daraufhin umzuschreiben. Selbstverständlich aber hebt sich in dieser Version Pathologie nicht auf, im Gegenteil: sie universalisiert sich in die mitbefaßte Objektivität voll hinein, und zwar als deren Kriegshaftigkeit.
Die reklamierte Dingreferenz ließe sich innerpsychoanalytisch auf die Theorie der "Übergangsphänomene und -objekte" beziehen: deren infantiles konsumatorisches Paradigma. In diesem Zusammenhang nähme ebenso der Fetischismus, auf seine objektive Ausweitung zum "Warenfetischismus" hin - auch medientheoretisch vielversprechend -, Platz. In der Konzentration auf das Vermittlungsproblem käme nicht zuletzt der Traum - die Mediation schlechthin? - mit ins Spiel; und traumimmanent dessen Transitkrisen, die Übergänge in Tiefschlaf und Erwachen. Und verfahrenstheoretisch schließlich, im Zusammenhang der therapeutischen Stabilisierung der Domestikation der Überschreitungen, das "Übertragungs- und Gegen übertragungskonzept".
Um zu einem realistischen theoretischen Basisprojekt werden zu können, bedarf es in dieser Gedankenmasse präziser selektiver Akzentuierungen. Diese gehen fürs erste auf die interne Revision des psychoanalytischen Theoriebestandes aus, die kritische Durchsicht der gesamten sogenannten "Metapsychologien", zusammengefaßt: auf die Genealogie des Unbewußten im Sinne einer Synthese von Sexualitäts-, Narzißmus- und Todestriebtheorie; die Dialektik demnach der Inzeste und der Inzesttabus, einschließlich deren - der Abwehr - pathologiebedingenden Hinfälligkeiten. Und danach, rahmenmäßig im Ganzen kritisch, betreffen sie - der Hauptakzent (und mehr) - die Ablösung des traditionellen psychoanalytischen Subjektivismus durch eine "Psychoanalyse der Sachen", will sagen: die mehr als nur supplementäre psychoanalytische Theorie der gesellschaftlichen Objektivität, einschließlich deren Pathologien, insgesamt.
129