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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Wozu Philosophie? (Pathognostische Studien VII, 2002, Essen, Die Blaue Eule, 13-19)
Vorbemerkung. - In den Wechselfällen der Zusammensetzung der "Fachschaft Philosophie" an meiner unheimischen Heimatuniversität imponierte jüngst eine rührige Gruppierung, die nach langer Zeit wiederum Wert darauf legte, mich zu vernehmen. Hier das Dokument dieser kleinen Renaissance: ein Vortrag in einem "Freien Kolloquium" der Fachschaft am 2. Juli 2001: "Wozu Philosophie?" - also ein Adorno-Tropos, eigenkonfessioneller Art.
"Wie aus der Ferne längstvergangner Zeiten" kommt mir der Titel meines Vortrags vor - fast nämlich halluziniere ich Adorno, der im unverhältnismäßig vollen Musiksaal der Universität des Saarlandes Saarbrücken, wo ich hauptsächlich studierte, um 1960 herum einen Vortrag fast desgleichen Titels hielt. Nicht daß die Frankreich-nahe, nicht indessen das damals aktuelle Frankreich aufnehmende, träge Nachkriegsprovinz aufgeweckt worden wäre (ich vielleicht ausgenommen), es reichte immerhin aber zu kleineren Irritationen und gar zu einem Wutanfall des Philosophieordinarius ebendort, eines emigrierten Ungarn namens Bela von Brandenstein, der sich gewaltsam zu dem den Saal verlassenden, allzeit verschreckt wirkenden Adorno Zugang verschaffte, um ihn mit der famosen Aufforderung zu stellen: "Das müssen Sie mir aber beweisen" - stellte er sich doch in die Tradition insbesondere Bolzanos, aller bürgerlichen Aufklärung christkatholisch wissenschaftlich abhold. (Ich käme ins Erzählen...)
Erlauben Sie mir heute bitte, da ich über das Worumwillen der Philosophie zu sprechen vorhabe, ein wenig confessio, auch des bevorstehenden Endes meiner Karriere (Karriere?) hier am Ort wegen.
Ich darf mit meinem fachlichen Steckbrief beginnen.
Großgeworden bin ich im Geist-hungrigen Nachkriegshumanismus mit starker Schlagseite zur nachgeholten Rezeption der Moderne. Zum Glück geriet ich universitär ins Fahrwasser dieser akademisch sublimierten Tendenz, und zwar mit der Aufnahme der großen bürgerlichen Gründungsphilosophien, der Philosophie des Deutschen Idealismus, und der Repristination dieses Aufklärungszugs.
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viel später dann in der "Kritischen Theorie" und, nicht zuletzt, in Sartre; von wo aus mir der Respekt weniger der Phänomenologie denn der Existentialontologie nicht schwerfiel, die Psychoanalyse, von der Philosophie her gar, geläufig wurde und unlängst auch der Anschluß an das moderne Frankreich glückte. Wenn ich mich selbst lokalisieren sollte, so setzte ich mich zwischen die Stühle der späten "Kritischen Theorie" Adornos und der kritisch verbliebenen Gestalten des "Poststrukturalismus", und ebendort in die tiefe Kuhle der "Pathognostik", sprich: der gelungenen Vermittlung von Historischem Materialismus und Psychoanalyse, außerdem auch in praktischem Belang.
Wozu Philosophie? Damit es mich gibt!...
Sie mögen nun vermuten, daß damit die Fronten geklärt sind - die große Front sei entsprechend der "Neopositivismus", die "Analytische Philosophie"? Nein, so einfach ist das überhaupt nicht. Von jeher nämlich bin ich an dieser mächtigen Philosophieform interessiert gewesen, insbesondere an deren marxistischen Motiven zu Beginn (Favorit: Neurath!); auch weiß ich mich in einem Ausschnitt derselben kundig: ihres Verhältnisses zur Psychoanalyse. Immerhin reichte die Faszination soweit, daß ich, in experimentell-sportlichem Verstande, ihre Begriffsanalytik bisweilen imitierte. Eine mächtige, auch fachpolitisch durchsetzungsmächtige Philosophieart - ja, seien Sie dessen eingedenk, daß "alles Wirkliche vernünftig und alles Vernünftige wirklich" ist, will sagen: in geschichtsphilosophischem Betracht ist die Funktion solcher Gebilde zu ermitteln immer fällig - man sollte durchaus übergeordnete Geschichtsphilosophie bemühen, um das, was sich als Philosophie versteht und ausgibt, wie die "Analytische Philosophie", in seinem historischen Stellenwert erkennbar zu halten. Wozu Philosophie? Eben um auch solches zu vermögen: Philosophie philosophisch aufzuklären.
Ich kann Ihnen überzeugt nur empfehlen, sich dem Studium eben gerade dieser Philosophieart, der "Analytischen Philosophie", zu widmen und die lokal gegebenen Offerten dazu zu nutzen, und zwar nach meinem Dafürhalten dergestalt, daß Sie die Selbsterhaltung von Philosophie in den intransigenten Versuchen ihrer wissenschaftlichen Abschaffung nach- und mitermittelten, um die Anhalte der Aufklärung von Wissenschaft und der wissenschaftsbotmäßigen Philosophie, die sich mit sich selbst nicht aufklären lassen, zu mehren. (Es soll ja Märtyrer gegeben haben, die, obgleich gebraten, gesotten, gekocht, überlebten!) Wozu Philosophie? Damit Wissenschaft aufklärbar bleibt, denn: "Die Wissenschaft denkt nicht" (Heidegger). Warum aber soll Wissenschaft aufgeklärt werden, philosophisch; was, wohlgemerkt, mit Wissenschaftstheorie nichts zu tun hat? Nun, jetzt ginge es philosophisch allererst los, und das ist keine falsche Versprechung - Sie hätten viel zu tun, wenn Sie mich, und sei es nur in dieser
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eingeschränkten Rücksicht von Wissenschaftskritik, als Autor einmal wahrnähmen. (Gleich zur philosophischen Wissenschaftsaufklärung mehr...)
Die Beantwortung der Frage: Wozu Philosophie? läuft freilich nur über das je veranschlagte Philosophieverständnis. Meinem gemäß sind philosophische Aufklärungssujets Logik/Logistik - als Teil von Mathematik, sehr relevant als Brücke zwischen den "zwei Kulturen", Natur- und Geisteswissenschaften -, ferner Wissenschaftstheorie und - das philosophische Dach derselben - die "Analytische Philosophie". (Soll ich deren Auswanderung in die Fakultät nebenan empfehlen?)
Betreffend die weitere interne Front legt sich keine solche Verlegung nahe: ich meine die Philosophiehistorie, die der Verwissenschaftlichung anderer Teil ausmacht. Noch dringlicher wohl als alle Ableger der "Analytischen Philosophie" bedarf diese, unsere Fachgeschichte, die ja viel weiter zurückdatierende, der wiederum philosophischen Aufklärung. Wozu Philosophie - eben auch, nicht zuletzt, um derselben willen, wenn immer Sie bedenken, wieviele Fachanteile historischer Observanz sind. Also: keine Ausgliederung der Philosophiehistorie anderswohin, in eine andere Fakultät, zwar, doch, so denke ich schon lange, daß ihre Definition als Philosophiewissenschaft versus Philosophie und damit ihre fachhochschulhafte Institutionalisierung, wenn überhaupt, geboten wäre. Ja, Philosophiewissenschaft - die Philosophiehistorie ist Produkt des Historismus als des großen Beginns der Szientifizierung der Kulturrezeption, kurzum: der Geisteswissenschaften, inklusive der Philosophie sodann, motiviert vom Pathos der dispositionellen Objektivierung. Weshalb muß man das? Aus "Angst des Philosophen vor der Philosophie" - es gehört nämlich intim/wesentlich/konstitutiv mit zur Philosophie im Ganzen, vor sich selbst auszuweichen, zu fliehen, sich zu verdrücken oder, umgekehrt, sich selbst anzugreifen. Und wenn immer dieses paradoxe Gebaren mitdazugehört - zugehörig in einem noch profunderen Sinne außerdem, sofern das Gegenteil dieser Angst wiederum nur eine andere, die konträre Art der nämlichen Angst am anderen Ende ausmacht -, ist es letztlich auch nicht möglich - erlauben Sie mir diese Hegelsche Volte -, die innerphilosophischen Weisen der Flucht vor der Philosophie aus der Philosophie heraus zusätzlich noch zu verjagen. Zu behalten aber sind sie bloß, wie angedeutet, als Philosophiesujets wiederum philosophischer Aufklärung.
Aber, um Himmels willen, was ist denn so ängstigend an Philosophie? Ihre Themen, nicht ihre Prozedur? Wenn sie gleichwohl ängstigt, dann müßte doch ihre Prozedur, das Ritual insuffizient sein? Eine "säkularisierte" Art von Magie, der die Beschwörung/Bannung ihres Gegenstandes nicht recht glückt? Oder ängstigt nur der Philosoph, der Magier, angesteckt-immunisiert, selbst also geschützt vor der Ängstigung der Philosophiegehalte, selbst nicht geängstigt, vielmehr machtvoll ängstigend?
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Ich falle nun mit der Tür ins Haus (womit sonst auch), indem ich verkünde, daß es nur eine einzige philosophische Frage gibt - das ist auch, auch komisch: so weit reicht die Notprätention immanenter Transzendierung - es scheint einen unabweislichen inneren Ansichtspunkt, ein entsetztes/erheitertes Kopfschütteln, selbst die "letzten Dinge" betreffend zu geben, wessen Kopfschütteln? - ; also die einzige philosophische Frage:
WARUM IST ÜBERHAUPT ETWAS UND NICHT VIELMEHR NICHTS?
Wozu Philosophie? Damit diese ihre einzige Frage gestellt bleibe. Aber haben Sie sich diese Frage jemals gestellt? Sind Sie mit derselben in Klausur gegangen, solange bis Sie entweder tot oder verrückt oder als kurierter Normalbürger oder eben als Philosoph wiederauftauchten? Oder gar als Philosophin? (Machen Frauen soetwas?) Gibt es Philosophinnen, nicht Philosophiewissenschaftlerinnen, Philosophinnen, in dieser erstletzten Dimension? Die Antwort auf diese einzige Philosophiefrage bleibt insofern aus, als sie nicht nicht tautologisch ausfallen kann: nämlich: auf daß etwas sei und nicht vielmehr nichts. Der Grund des zu Begründenden liegt also in diesem selbst, als Nichtgrund sodann, beschlossen, nicht indessen als Souveränität von Selbstreferenz, von Absolutheit, die wiederum das nackte Gegenteil ihrer selbst nur sein kann, vielmehr als der Seinshalt selbst, der altemativelos irreinem un-gehalten ist: nicht ist das Sein vom Nichts, dieser seiner memorialen Nennung, umsäumt und umhüllt, nein, dagegen durchdrungen, durchseucht. Wenn dem nicht so wäre, so stellte sich die Seinsfrage nicht, könnte sich garnicht stellen. Die Möglichkeit der Frage beweist deren Unbeantwortbarkeit.
Nun schelten Sie mich bitte nicht, daß ich philosophisch abhöbe und so schmählich selbst den letzten Rest des "Tua res agitur" sowie der großen aktuellen und immerwährenden gesellschaftlichen Probleme vernachlässigte, großspurig unter mir ließe. Nein, überhaupt nicht! Ich habe mich nur in diejenige Sphäre verstiegen, in der die Voraussetzungen eines Jeglichen, von Allem, was des Menschen ist, anzutreffen, wo die Entscheidungen über Alles, was der Fall ist, gefallen sind und fallen, zumal diejenigen unserer Heilsgeschichte des Unheils, der "Abendländischen Metaphysik".
Wie das? Das Sein ist, das Nichts ist eben nicht, "tertium non datur" - famos, nicht wahr? Das hört sich an wie das epikureische Argument wider die Todesangst. Allein, "das ist zu schön, um wahr zu sein" - es gibt zwar kein Drittes, doch das Andere des Nichts ist vom Sein nicht abgehalten, es ist allemal in ihm, so daß es einzig dieses, dieses Dritte - aber das geht ja so nicht - gibt, - tertium solus datur - und weder den Satz der Identität noch den der Kontradiktion. - So, nun habe ich mich logisch endgültig blamiert?! - Nein, wiederum nein, denn jede logische Kritik dieser un-logischen Seinsverhältnisse muß insofern verfehlt sein, als hier ja der Entstehungsort der Logik als deren anfänglicher Dispens, deren
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generische Negation angeht - ausgesagt/dargestellt freilich ist diese Negation nicht wiederum negativ, also unlogisch, und das heißt?... Am ehesten so: der unverzichtbare Logikkomplex - Indiz der Unverzichtbarkeit der Metaphysik - verbraucht sich in dieser seiner Genealogie, nicht etwa ist er so wie unbedingt obenauf.
Das aber ist die schlimmste Sache: das nichtsdurchsetzte Sein, die pure Grundlosigkeit, der Horror des Fasses ohne Boden. Also scheint Mensch (Mensch?) gehalten, diesen Horror zu parieren - muß er es? -, und die geläufige Art der Parierung erschafft die Metaphysik, die abendländische, die Kontrarietätsmaske der Ontologie, Schild und Schirm des "Wesens" vor dem "Sein/Nichts".
Wie das des nähern vorsichgeht? Ich hoffe allmählich so in Fahrt zu kommen, daß sich die Frage " Wozu Philosophie" wie von selbst zu beantworten anfinge... Wie also geht die Konterkarierung kurzum des Todes vonstatten? Durch eine anfängliche, ich bin versucht zu sagen: not-wendige, Verfälschung, eine insofern auch unaufhebbare Alteration, als ihr Kontrapart immer nur im nachhinein voraus als Movens ihrer selbst erhebbar ist, nicht indessen als ihre isolierbare Alternative. Auf den Punkt besteht sie, die Verfälschung, darin, die Grundlosigkeit des nichtsdurchzogenen Seins, dieses haltlosen Dritten-Alles, umzuwenden in dasjenige, was sich selbst sein eigener Grund sei: "causa sui", in das Absolute demnach: "ens a se", den Seinshervorgang aus dem Wesen, der "existentia" aus der "essentia", den Gott, der folgerichtig dann aus dem Nichts schafft: "creatio ex nihilo".
Mit dieser Gottesmaskerade des Seins/Nichts, der so entstehenden Metaphysik, der Ontologie-Epikalypse (wahrende Hüllung), kommt, wie sündenfällig, die ganze Unmöglichkeit: der menschheitliche, Menschheit ausmachende Widersinn des Absoluten in die Welt, die größte sich selbst dementierende Attraktion (buchstäblich: Anzüglichkeit), die Allewelt unter das Stigma der Opfergewalt als des Vollzugs ihrer Widersprüchlichkeit stellt.
So, da wollte ich hin: zu diesem Terror der notwendigen Seins/Nichtsabdeckung durch die Letztkausalität, die Inkulpationspotenz des Absoluten, das, widersprüchlicherweise, Schuld generiert und deren Gewaltabtrag durch das universalisierte Opfer (bürgerlich: das Opfer der Arbeitskraft) erfordert.
Dies meine Offerte der Manifestation derjenigen Philosophiesphäre, deren Kriterien Alle und Alles bestimmen. Keinerlei Anhebungen sind es, Alldurchdringungen vielmehr, deren Ignoranz mit zu deren Wirksamkeitsgründen gehört.
Sie haben es vernommen: ich scheute mich nicht, Ihnen, in voller fachpolitischer Absicht, eine existentialontologische Paraphrase vorzutragen, durchaus mit Befremdlichkeitsgefühlen begleitet, daß diese philosophiewürdigste Philosophieausrichtung, wie irrig sie auch in Heidegger fürs erste gewesen ist, aufklärend nicht mehr verfing; was sie selbst indessen auf ihrem höheren Stande zu
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prognostizieren imstande ist - die Metaphysik, zumal in ihren wissenschaftlichen Säkularisaten, ist eben stärker...
Wozu Philosophie? Um dieser Einsichten, dieser Wahrheit ("ich sage die Wahrheit"!), der Wahrung dieser Totalen willen, deren einziger Ort Philosophie ausmacht, auf die zu verzichten, verzichten zu müssen, welche Fehlanzeigen genau sodann bewirkt? Vom Philosophen dieser Sorte her wahrgenommen, jedenfalls eine horrende Leere, so als ob alles Menschheitskriteriale fehle -jenes kriteriale Übertreibung.
Als meinen Lohn der Angst so mancher Philosophen vor der Philosophie handle ich mir indessen manche Probleme ein:
Keinerlei Konvertierung in überprüfbare wissenschaftliche Aussagen ist vergönnt, Philosophie kann in alle Ewigkeit keine Wissenschaft werden.
Auch wenn ich, davon zwar Abstand nehmend, aber mit syllogistischen Engelszungen redete, was ich zur Not noch könnte, also die isolierte Immanenz des philosophischen Gedankens rein auf Konsistenz hin mir angelegen sein ließe, ich könnte dem Obligatorium desselben nichts nützen - Verbindlichkeit, die sich allzeit verflüchtigt, sich unliebsam nur wie sektenhaft kondensieren mag.
Auch an der überhistorischen Verfügbarkeit eines solchen Gedankenbestandes wird man mehr als Zweifel anmelden müssen: was? zu welcher Zeit? schafft solche Wahrheit, die, selbst wenn nur entlehnt, wie üblich, in ihrer (mehrfachen) Re-produktion sich wie ein henkaipan in restloser Evidenz -"selbst dann bin ich die Welt" - gibt?
Um zur Pointe des Philosophiezwecks zurückzukommen, desjenigen, der sich durch die galoppierende Verwissenschaftlichung, einschließlich deren philosophischen Therapeutik, in der Version der totalen Medialisierung ergibt:
ich sagte es schon: Philosophie solle die Krisis der Wissenschaft besorgen. Freilich, solche Attacke schlägt dem herrschenden Wissenschaftsverständnis und ebenso weiten Teilen dessen Handlangers, der "Analytischen Philosophie", ins Gesicht: ist es notorisch doch das überkommene Pathos, der ganze Stolz der Wissenschaft, der "wissenschaftlichen Weltanschauung", der Metaphysik, d. i. alles, was sich den Wissenschaftlichkeitsnormen, wie eng oder wie weit gefaßt auch immer, nicht unterstellen läßt, den Garaus zu machen. Meine Gegenthese lautet: wer solches behauptet und betreibt - Wissenschaft löse Metaphysik ab -, der macht den Bock zum Gärtner, will sagen: alle Wissenschaft ist die epikalyptische Exekution der Metaphysikepikalyptik, d.h. meinetwegen unbewußt, immanent notwendigerweise verhüllt, verdeckt; Exekution, d.i. die säkulare Realisierung in der Weise, daß sich die realisierte Metaphysik in dieser Realisierung als solche aufhebt: Vollstreckung, in diesem Doppelsinne gebraucht. Was nachzuweisen nicht schwerhält: siehe etwa den Cohensche Neukantianismus.
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Sich damit zu exponieren, das ist aber fast wie ein Kampf gegen den Rest der Welt. Bescheidung, die philosophisch schwerhaltende, scheint also angesagt, um nicht den Narreteien des Don Quichote im Geiste zu verfallen? Eben: die säkular wissenschaftlich exekutierte Metaphysik ist stärker, und der anders-philosophische Einspruch dagegen, so wie hier angerissen, befindet sich in aller empirischen Deutlichkeit auf dem Rückzug in eine - noch nicht einmal besonders noble - zusammenhanglose Pluralismusecke (kabelprogrammatisch), zum einzigen Zweck sodann, mit für die Amortisation der eigenen Vermittlungsgerätschaften, der einschlägigen Medien, die Sühne des eigenen Parasitismus, zu sorgen (bitte wenigstens Schriftphilosophie gegenführen!).
Wozu Philosophie demnach? De facto deswegen: um der Ernährung des " Überbaus", der "Ideologien" ebenda (so hätte man sich früher ausgedrückt) willen, indessen längst als recht schwacher Mitversorger - braucht man diesen überhaupt noch? Wie man sich aber als ein dem Anspruch nach nichtsdestotrotz anderer Philosoph fühlt? Auf immer noch recht langer Fahrt im Hades-Transrapid, mittendrin in einer überwertig hohen zugigen Kanzel mit unverstellter Aussicht zwar, doch - ja, was mangelt eigentlich? Was ich zum Abschluß noch sagen wollte: man ist memorial-intellektuell, philosophisch also, eben mittendrin, und übernimmt sich in dieser Lage, gleichwohl wissend im Ganzen.
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