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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Hype-Thinking. Über Dingdimensionen und Inzestformen (2007, Düsseldorf, Peras-Verlag)
Proömium, rein philosophisch
Versteht sich: ohne Re-präsentation gäbe es nichts, re-präsentativ entsprechend gibt es alles. Welches "es" aber ist dieser Gabe fähig? Eben: die Re-präsentation...
Wie aber kommt das "nichts"/Nichts ins Spiel? Es wohnt der Repräsentation selbst schon inne, dieser als Abhaltung von Präsenz; die seinsgenerierende Nichtsverhinderung bleibt so in sich nichtig.
Das also abservierte Nichts erweist sich in seiner unabsetzbaren Attraktivität als Widerspruch schlechthin; Kontradiktion des Letzttelos als Mord.
Präsenz, die im Rückzug in sich selbst die Re-präsentation: Realimaginarität, Zeitlichkeit aus sich entlässt, verbleibt eher in Sprache. Wohingegen das affine Register: das Vorstellen sich sensuell, gänzlich vorherrschend visuell und auf Weltverfügung hin ausgerichtet, wendet.
Vorstellen, das heißt vor-sich-Hinstellen, die allzeit magische Disposition alles Innen mit dessen Außenvor, dem Hinten; Disposition, die auf die Ersetzung desselben durch die unendliche Oberfläche, das infinite Superfizium, hinausläuft.
Mehr noch: alle Disposition erfüllt sich in Kausalität, das Vorgestellte wird derart zum von der Vorstellung Verursachten, Bewirkten - das einzig produktive Gedächtnis! -; nur dass sich die Vorstellung tunlichst sogleich als Produktionsgrund durchzustreichen genötigt ist, um alle Kausalität im Bereich des hypostatisch Vorgestellten rein innerhalb desselben freizugeben.
So die Urzeugung von Wissenschaft, die Ausmerzung aller Innenreservationen, die Degradierung der "res cogitans" zum überflüssigsten Gerücht.
A part: kapriziöse Auslegung der "Rücksicht auf Darstellbarkeit" -ja, die Rücksichtnahme auf das Vorstellen ist seinsnotwendig, denn sonst wäre nichts. Immer auch ist sie eine Rück-sicht: das Wunder,
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das eigene Hinten als Außenrepräsentanz des Innen wahrnehmen zu können.
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Desiderate (in alle Ewigkeit)
Die Herkunft wiederum der Re-präsentation. "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" Die Frage schlechthin, die zugleich schlechthin nicht beantwortet werden kann. Denn: wird sie gestellt, so befindet sich der Gesamtzusammenhang der Fragestellung bereits in der Re-präsentation selbst, im unabsetzbaren Vorlauf des Seins.
"Ex nihilo omnia fit" - die Nichtsstigmatisierung des Seins aber verführt apriori zum Kurzschluss von Sein und absolutem Ursprung, der Urblende vor dem Nichts; präjudiziert, widersprüchlicherweise die Re-präsentation selbst an diesen Anfang zu setzen - als pseudos des Gottes bis zu dem des absoluten Subjekts.
Die Seinsfragesubstitution durch die Nichtsabschirmung Metaphysik vermag zwar in Gedanken sozusagen, nicht aber realiter aufgelöst zu werden. Was aber heißt wiederum dies? - die Frage nach der Möglichkeit von Philosophie.
Re-präsentation muss getan werden. Ihr Exekutionsorgan ist die Arbeit. Deren schuldgenerische Gewalt, Kriminalität, wird kriterial in ihr zugleich gesühnt: Opfer der Arbeitskraft, sich opfernd opfernd. Ursyndrom.
Die Re-präsentation statuiert eo ipso das Gewaltverhältnis der Mimesis des Seins ans Nichts, ans Nichts in seiner Entzogenheit als Seinsdurchseuchung. Vergeblich zwar das Usurpationswesen dieser Urgewalt, ohne aber diese als Lebensprozess selbst aufzuheben - die Welt wird untergehen, gewiss: Sie bezeugt so ihre Frustration im letzten, vorher noch nicht (oder nur in magischen Vorwegnahmen), und überhaupt wahrt sich Welt zumal dann in ihrem Untergang, nicht umsonst umsonst.
Mache der Re-präsentation: aus sich selbst garantierte formende Arbeit am Stoff auf das eschaton des "vollendeten Humanismus der
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Natur" als "vollendete Humanität des Menschen" hin; die Ausschlachtung der unendlichen Superfizialität als Herleitungszusammenhang (Substanz und Kausalität).
"Vom schwindenden Jenseits der Götter" - der Schein des Respekts vor der absoluten Differenz, der von Sein und Nichts, scheint reichlich belohnt durch die unbegrenzte exklusive Differenzierung des genichteten Seins in allem Seienden; der abendländische Säkularismus, diese Inkarnationshypertrophie, als große szientistische Entschädigung für die gar in obligaten Despekt verkehrte Devotion vor Metaphysik: Wissenschaft - die (im doppelten Sinne der Bezeichnung) Exekution der Metaphysik bis zum vorletzten.
Das Nichts-gekränkte Sein mit seinem in sich unaufhörlichen Nichts-Rand, diese Zeitlichkeit des Seins selbst, wirft aus seiner instantanen Nichts-Parade, der metaphysischen Absolutheit (des Gottes, des Subjekts), den Seiendsausdruck schlechthin, Dinglichkeit, mit der entsprechenden martialisch-suizidalen Absolutheitsdelegation, aus: entropische Kulturkreation.
Hieraus ergibt sich auch die Unvermeidlichkeit aller Devianzen: nämlich als monierende Manifestheit der Sanktion der Arbeitsopferverweigerung, als ontologisches Dejekt der Exempelstatuierung der absoluten Differenz wider ihre angemaßte, unvermittelte, sie zum Scheine tilgende Possession.
Die wissenschaftskonstitutive Sehensprärogative ergibt sich aus der metaphysikgerechten Überprononcierung des Vor-stellens; und dessen Gewalthaftigkeit demonstriert sich nachgerade im Klangmord des Bildes, dem erwürgenden Hervorzerren alles Inneren: Ideierungseinstand, allzeit auf dem Tugendpfade der Gedächtnishypostase (Phantasma des produktiven Gedächtnisses), die, fortschrittlich in sich hinein entlassen, die Proliferationen der prothetisch maschinellen Medien ebenso wie den Niedergang immanent kritisch wirksamer Kunst und Philosophie präjudiziert. Womit wir in der Postmoderne angekommen wären.
Wunderwerke der Philosophie - pointiert die Freihaltung des Seins von seiner sofortigen Okkupation vom absoluten Ursprung, die Erstwindung der Existentialontologie aus der Metaphysik, dreister Einspruch, wie Philosophie neu erschaffend, solcher Seinsabstraktion, die die bestimmungslose, leere Größe Sein wie die Nichts-Epiphanie aufscheinen lässt; in mente freilich nur, realiter mit jedem Atemzug,
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mit jeder Handbewegung dementiert; auf die um des Himmels willen als wie auf eine isolierbare, in sich selbst zur Geltung zu bringende Alternative nicht gesetzt werden darf (vergleiche Heideggers Schicksal).
"Ist es auch Tollheit, hat es doch Methode" - die Philosophiemethode, in der so sich reproduzierenden Spitze des in letzter Not in sich hineingebildeten Gedächtnisses die Memorialität ephemerer Ewigkeit zu wirken: Aufwachen und Einschlafen, Geburt und Tod, Wesen und Sein clairevoyant ineins; jene die Metaphysik, diese ihr - immer stärker hervortretender ? - Schatten Existentialontologie, die beide sich, das so sich in seinem Unikalen anscheinend vorverlierenden Eschaton offen magisch antezipierend, aneinander, ganzsichtig, in sich verschlungen wachträumend, verweigernd bestätigen. (Vor)letzte Gnosis, je schon im Absturz des Todesavis. Mensch/Mann - der sterbliche Gott. Philosophie, die "inklusive Disjunktion" von Wesen und Sein, ist also möglich.
Psychoanalytisch genügte der Rekurs auf Freuds letzte Trickversion, den "Todestrieb", um in die eben skizzenhaft ausgefüllte Philosophiedimension, das Facharkanum, einzutreten. Was allerdings nicht ohne massive Tropologisierung, um nicht zu sagen: "Dekonstruktion" der Todestriebtheorie, wie zur Genüge ausgeführt, vonstatten gehen kann. In dieser Hinsicht bietet sich die Psychoanalyse als ein quasi überdeterminiertes Gebilde an: ursprünglich das geratene Unding eines Paradigmas "wissenschaftlicher Metaphysik", bildet sie zugleich die Krisis dieser ihrer genuinen Organisation aus, streift, um sich nicht sogleich metaphysisch-philosophisch zu bereinigen, die Gegensphäre der Hermeneutik, um es dann doch nicht aufhalten zu können, im Metaphysikrückfall deren existentialontologische Krisis mitzuvollstrecken, um alsbald aber wiederum zum scheinbar sichereren Ausgang zurückzufinden, um, im Kreise, um ... - wie lange? Aber immerhin: welch brüchige Totale!
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Fortsetzung Proömium, pathognostisch gemischt
So die innere generische Philosophie-Diskrimination: Seinsuntergriff Nichts-Provokation des Gottes, der Absolutheit, bishin zu ihrer erfüllenden Selbstzerstörung, des Widerspruchs der seienden Nichtsvollbringung. Dies so sagen zu können, das ist die ultimative Memorialität, sprich: Philosophie, dessen, was de facto das System der Körper und der Dinge und deren Vermittlung macht sowie was in diesem demgemäß sich dramatisiert. Dasjenige, was sich quasi zwischenmemorial psychoanalytisch als die Theoreme des "Todestriebs", des "Narzissmus", des "Ödipuskomplexes" dartut, deren interne Zusammenhangsverfassung auf dieselbe wie die zwischen diesem psychoanalytischen Gesamtkomplex und deren apostrophierten Philosophieversion hinauslaufen mag.
Zu erfragen ist demnach der Sinn der wie den Faktizitäten davoneilenden Philosophieinsistenz, des Abstraktionsnachdrucks. Die ewige Hoffnung treibt uns um, dass in der letzten Fülle der Gedächtnisausdünnung selbst memoriale Produktion gewährleistet wäre; welch Ansinnen sich auf die zweifellos gegebene memoriale Potenz der allgemeinen Formabbildung der faktischen Materialitäten reduziert. Vorgebildet sind diese Philosophieobliegenheiten in den Nachtphänomenen, vorgebildet in Sinne eines keineswegs zu seiner Nutzbarkeit zwingenden Memorialitäts-Apriori im nachhinein, nächtig des nähern ausgehend vom Unmaß der Prätention, den Tiefschlaf selbst zu träumen und damit den Entzug der Repräsentativität, das A-Repräsentivum zu beherrschen, und also vorlieb nehmen zu müssen mit dem Unding möglicher Vor-stellung des Übergangs in den erinnerungslosen Traumschlaf als der Geburtsstätte aller (klingenden) Formalitäten, die sich danach dann - der erinnerbare Traum - verinhaltlichen. "Ex nihilo omnia fit" - so wird dem Nichts/Sein das Wesen, die Idee, diese maskierte Nichtsepiphanie, in der perennen Jagd nach dem Ursprung entrissen; essentia, die sich in ihrer Tödlichkeit in das
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hinein todbringend entäußert, was sich als Seiendes, Erscheinendes, Werdendes gibt.
Von der psychoanalytischen Metatheorie her gesprochen, inkarniert sich die sofortige Konversion des Seins-/Nichtsaufkommens in die sich mitreißend suizidal vollendende Absolutheit, den Gott der Metaphysik, je in die Übersprünge todestrieblich der Sterblichkeit in tötende Gewalt, narzisstisch des Traumas der Selbstprivation in perfekte Selbstautarkie und objektreferent trieblich/generationssexuell ödipal der Inzestentropie in Inzesttabuisierung.
In diesen psychoanalytischen "Inkarnationen" nimmt sich die letztere, die ödipale, immer im Vor-/Rückblick auf ihren Nicht-Ursprung der philosophischen Letztabhebung der "inklusiven Disjunktion" von Sein/Nichts und absolutem Ursprung, als empirisch intersubjektive quasi-Basis aus, mit den vorausgehenden nur insofern hierarchisiert, als die ihr selbst schon innewohnenden Dimensionen der Selbst-Erfahrung und der Todeskontiguität nicht eigens hervorgeholt sind; welche nachgeholte Prononcierung das Krisisbewusstsein der progressiven Phantasmatik der thematischen Sequenz - Ödipuskomplex, Narzissmus, Todestrieb -, intellektuell jedenfalls, heilsam zu steigern vermöchte. Was aber der traditionellen Psychoanalyse in dieser ihrer kriterialen Körperinschrift der Metaphysikkrisis selbst empfindlichst fehlt, das ist die primäre, fundamental differierende Aufhebung der Letalität des Seins/Nichts in ihren psychoanalytischen Inkorporationen in Dinglichkeit hinein; und dies vor jedem subjektiven Ethos der einschlägigen Sublimationen, der der Gewalt, des Selbstgenügens, des Triebs, diese nahezu lächerlich machend; Aufhebung in die Ausfällungen prärogativer technologischer Objektivität, der Tabu- und zugleich Tabuverletzungsinstanz schlechthin. So der blinde Fleck der Psychoanalyse, die Ausblendung marxistisch der Primordialität der Warenproduktion kurzum.
Wie gesagt: Der Umschlag des Seins/Nichts ins wesent-liche, nur in selbstmörderischer letaler Gewalt sich erhaltende haltlose: am Ende wiederum Seins/Nichts-kassierte Absolute inkorporiert sich genuin in der Narzissmus- und Todestrieb-implizierenden Totale des Ödipuskomplexes, inklusive der - eben kritisch ergänzend vermerkten - Dinggenese, deren, des besagten Komplexes, Objektivitätsekstatik.
Nur fürs erste isoliert betrachtet (wie im Sinne der subjektivistischen Hypostatik der herkömmlichen Psychoanalyse) stellt sich an
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diesem Konvertierungsort, der ersten Erostätigung, das System der Inzeste ein, die, auf ihre vorausgegangene objektive Aufgehobenheit, auf das Ineins von Tabubruch und Tabutabuisierung, geöffnet dann verweisend, sich mit dieser korrespondieren.
Das System der Inzeste - selbst schon die Ödipusmythe gibt dafür mehr her, als die psychoanalytische Vereinseitigung auf den allzeit familial hypostasierten Mutter-Sohn-Inzest suggeriert. Gleichwohl steht diese Inzestart am Anfang, nämlich als Elternvernichtung durch den "erstgeborenen" Sohn: Vatermord und Mutterinzest, Absperrung der Exogamie, Herkunftsinkorporation - der ganze Wahn der Absolutheit. Allein, der also vergöttlichte Sohn krepierte geschlechtsmetamorphotisch an dieser seiner Ursprungsvollgefressenheit, wenn er seine Durchseuchung mit dem Giftstoff maternaler Weiblichkeit nicht wieder vomierte: Sohn, der, Vater-Tochter-inzestuös gerettet, mehr als der (Un)gatte wie zum Vater der eigenen Mutter wird, sich so die eigene Mutter als Tochter erschafft. So der dringlich erweiterte, in sich psychotisch gesteigerte Ödipuskomplex.
Die dritte Inzestweise, die von Bruder und Schwester, wäre die Verrücktheitsklimax, wenn sie, in sich konträr, nicht zu einer Art von simulativer Brechung je schon moderiert sein würde. Geschwister, welche die vorausgehenden Inzeste quasi spielen - die beiden machen den Darstellungsinzest, die mediale Theatralik, die Vermittlung.
Die geltend gemachte oral-kannibalistische, quasi vorzeitliche Akzentuierung der Inzestverhältnisse moniert die Untiefen der Subsistenzsexualität mehr, als dass sie der metaphorischen Drastifizierung derselben, der Inzeste, anderswo, auf den folgenden sogenannten psychosexuellen Entwicklungsebenen und in deren Fortsetzungen, zumal bloß diente. Freilich, der Vater-Tochter-Inzest geht dejektiv über das symptomatische Mutterauskotzen und das Wiederauffressen des Erbrochenen hinaus; vielmehr diesem entspricht die "natürliche" Defäkation und folgend die unnatürlichste Koprophagie: Teilveräußerung des Mutterleibeinbehalts zum erscheinenden CoverRest der Mutterleibleiche, töchterlich gefüllt wie zur Schwangerschaft extrauterin - so die Körperrückeinbildung männlicher Gebärung, der Dingproduktion: ecce filia divina! Letzteinbehalten wiederum stürzend apotheotisch zum hen kai pan der lebendigen Leiche, dem Absolutheitsabschluss/-anfang Leicheneigenfraß, der SohnesÜbervater, der zur eigenen Mutter sowie zur eigenen Tochter ward;
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der ultimative Ödipuskomplex, objektiv das Dingarkanum, sprich: die Bombe. Es scheint dann nicht nur vornehmer, ist auch überkompensatorisch platzierter, dass, immerhin, Athene dem Haupt des Zeus entspringt, und zugleich in voller Rüstung, der martialisch tod-bringenden toten Mutterleibhülle, dem töchterlichen Leichenhemd.
Und die Urese, davor oder danach oder auch unabhängig davon? Zweifellos: Sie ist das Außenvor der männlichen Amnionflüssigkeit, Liquidationstücke im Schein ihrer Harmlosigkeit.
Dinglichkeit: Tabu und Tabubruch zugleich - ja, in dieser als Todestriebrepräsentanz geht der Tod so wenig unter wie in der vergegenständlichten Läuterung des Narzissmus dessen Inflation, wie im objektiven Makrodispens des Ödipuskomplexes die diesem innewohnende Inzesttotale. Kein Untergang, Aufhebung vielmehr (selbst schon auf der Ebene der subjektiven Vermögen: der ja als Überich untergegangene Ödipuskomplex) im Hegel'schen Dreifachsinne: Verschiebungsschwund, kryptische Bewahrung, numenale Exzellenz; projektive Außenbergung als passagere Urdilation. Ding, in höchster Souveränität eo ipso suizidal als Bombe, mit seinem okkultant kontinenten Transsubstantiat der faeces-Körperdurchsetzung Leiche, in vollem Despekt der absoluten Differenz, lebendig. Rettender Respekt der Vermittlung dann in der weitenden Konzession Eltern-simulatorischer inzestuöser Geschwisterlichkeit, sach-lich der Mediengeburt, mit aller Hypothek der medialen Exklusivierung beladen. Womit wir wiederum in unserer Postmodernen bauchgelandet wären.
Selbst schon die Ödipusmythe geht vom Ödipuskomplex aus, der endogamen Rekassierung der Exogamie, indem der Sohn sich selbst zum eigenen Vater wird. Und die Reichweite dessen gedeiht bis zum Gesamtentwurf der "Abendländischen Metaphysik", der männlichfilialen Zentralperspektive.
Womit der Mutter-Sohn-Inzest, sozusagen als Materie-Akquisition, wie am Anfang steht. Ja, woher der Sohn, Ödipus, stammt, das ist manifest: er der Sohn des getöteten Unvaters Laios; wonach die Drittenposition zwar schon vorhanden erscheint, jedoch als supponierte substituiert - thebanisch prägt sich das Patriarchat nur kompromissuell schwach, sehr schwach aus (Laios lässt ja auch die Vorzeit-Sphinx wüten) - auf denn nach Athen! Woher rührt aber die Mutter?
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Im Sprung über die Genealogie der lokaste hinweg, wird man mit dieser Frage in matriarchalen Gefilden verenden; und das heißt, dass es allenthalben um die Zuschreibung der Vaterschaft zu tun sein wird, um die einseitige Monogamiedurchsetzung wider Frau, nämlich deren quasi natürliche Promiskuität, die den Mutter-Sohn-Inzest miteinschließt. In dieser Sphäre gäbe es nur parthenogenetische Tochtergeburten im Sinne einer auf Dauer gestellten Selbsthervorbringung der Mutter, in der sich diese verwandtschaftlichen Benennungen auflösen - jegliche Differenz als Filiationsbedingung hebt sich so auf, es gibt keine Zeit mehr; entsprechend auch keine Gesellschaftsform; Matriarchat wäre nur dann möglich, wenn Frauen bloß Mädchen gebierten, nicht-Institution indessen, in Zeitlosigkeit hinein verloren; Gedächtnisliquidation auch, in der die Gewissheit der Mutterschaft schwindet.
Also besteht der unvermeidliche Skandal, der ausgeträumte Traum des Matriarchats, darin, dass Frauen Söhne gebären (siehe das Hephaistos-Trauma der Hera selbst noch in olympischen Zeiten). Was soll man mit solchen alle weibliche Autarkie verstörenden Wesen überhaupt anfangen, mit diesem heteron, das auf sich selbst, das eigene Geschlecht, verweist, und, mehr noch, zum kopiehaften homosexuellen Zusammenschluss der Männer nötigen mag - bis hin zur christlich karrikaturhaften Bereinigung: der Geburt des Sohnes aus dem Vater vor aller Zeit? Elektras verhallende Agamemnon-Rufe - es spricht alles dafür, dass der nichts-sagende, geschichtslos entropische Mutter-Tochter-Inzest, Indifferenz-Nichtung, als erste die Tochter dazu veranlasst, den Vater-Dritten, dies immer de trop und trop peu zugleich, zu suchen. Wohingegen der Sohn immerhin den Anhalt von Differenz im eigenen Geschlecht, verweisend auf den anderen Mann, schließlich den Vater, aufweist. Freilich, in diesem Rückhalt droht auf den Punkt der Ödipuskomplex, ein abgeleitet homosexuelles sich-Verschlingen mit dem Pseudoausweg der Vaterbeseitigung. Gipfelt doch der Ödipuskomplex darin, in aller Verzweiflung den Vater herbeizuschreien und zugleich ihn, gelinde gesagt, vor die Tür zu setzen.
Also wird man Zeuge des Auseinanderdriftens der beiden freilich asymmetrischen Serien Gomorrha und Sodom, die sich indessen zur viskösen Notgemeinschaft der verlorenen Kinder geschwisterinzestuös zusammenbiegen mögen? Ja, letzteres, ständig motiviert durch
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ersteres, als die Notwendigkeit der zur Schau gestellten Vermittlung, in der, generationssexuell, der Sohn sich selbst zum Onkel mütterlicherseits und die Mutter demnach zur Schwester des eigenen Sohnes wird. Vermittlung aber vonwoaus zu wohin? Vom Mutter-Sohn- zum Vater-Tochter-Inzest, in dem der Sohn sich selbst zum eigenen Großvater mütterlicherseits und die Mutter also zur Tochter des eigenen Sohnes wird. Will sagen: Die Tochter bleibt zwar geschichtlich erstinitiativ, mehr aber nicht, denn die - wenn auch selbstreferentiell quasi künstliche - Mannsheterogeneität gestaltet sich doch zur mächtigeren Position aus, indem sich der Mutter-Sohn-Inzest-Transvestismus, die männlich-Filiale Aphanisis, abfängt im letzten objektiv fertilsten Sohneswahn der Tochter-Mutter-Erschaffung. Demnach besteht der volle Ödipuskomplex im Kompendium aller - stammfamilialen, jedoch in den Exogamie-, Großvater- und Onkelbereich übergreifenden - Inzeste, in deren erst in geringsten Bruchteilen ausgeschöpftem System.
Die Ödipusmythe selbst liefert dazu weitere Erkenntnisse. Anscheinend exklusiv hier der Mutter-Sohn-Inzest - als Fatalität umso fataler, weil von menschlich unverschuldeter göttlicher Verfügtheit, als Götterspiel außerhalb des bewussten Willens der Sterblichen. Wie aber soll auf diese zentrale lnzestweise der hergelaufene Ödipus zum König werden, wo doch dem Vatermörder und Muttergatten eben inzestuös Geschlechtsumwandlung und final der Tod bevorsteht? Es ist die Tötungspotenz, wohl eine Art von Totemismus, die zur Folie des entscheidenden aszendenten Schritts dient, die Stelle des Vaters der Mutter - bezeichnenderweise in der Tradition der Spartoi/der "gesäten Männer" - zu usurpieren: die Letalität des Mutter-Sohn-Inzests in den vital-produktiven von Vater und Tochter zu invertieren. Wovon die Mythe selbst aber nur indirekt Kunde gibt - Oedipus rex kann ohne diese rettende Umwendung jedoch nicht zustandekommen. Indirekt belegt sich diese zudem in der paarigen Nachkommenschaft des unmöglichen Elternpaars, in Ödipus' Söhnen/Brüdern, Eteokles und Polyneikes, sowie Töchtern/Schwestern, Antigone und Ismene; in dieser quasi fleischlich institutionellen Produktionsdeplazierung, dem zum Scheitern verurteilten Vorschein dinglicher Produktion, so als rediskriminierten sich die (Un)Eltern wie zusätzlich im Umstand, dass sich die erste Generation des verfluchten Labdakidengeschlechts (bis auf Ismene?) selbst auslöscht -
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Eigenabräumung der vorherrschenden Geschwisterlichkeit, um die wahre Herrschaft der Geschwister, von Kreon und lokaste, in ihre ursprünglichen Rechte wiedereinzusetzen. Was aber für eine Art von - ägyptoid anmutender - Herrschaft ist das? Im Vorgriff objektivitätsversiert gesprochen, so etwas wie eine vorzeitige technologisch noch ungedeckte Histrionik, ein letztlich haltloser protowarenästhetischer Vorlauf, zentriert um die Sphinx. Angesichts dieses Status mindert sich die Herrschaft des Ödipus zu einer differierenden Episode - Kreon war es ja, der die Schwester lokaste zum Preis für denjenigen, gleich wer er auch sei, aussetzte, der die Sphinx bezwinge und Theben damit von der Pest befreie. Der Stellenwert schließlich des Schwestermords durch den Halbbruder, der Sphinx durch Ödipus (jedenfalls in einer Mythenvariante), in dem der Einbruch der Vorzeit - vergeblich - beseitigt werden soll, besteht in der für den Fortgang notwendigen Ausblendung des Schwesterpostens, der lokaste, dem Beginn der groß angelegten notbedingten Intrige des Kreon, Ödipus passager den Platz zu räumen und zugleich die abspenstige lokaste dem Tode auszuliefern. So die ersten Ansätze einer "Dekonstruktion" des Ödipusschicksals als ausnehmende Politmythe in die des Kreon, des eigentlichen Drahtziehers, nicht zuletzt auch im Widerspiel mit Schwester lokaste, hinein. Obliquer Sieg des Ödipus darin: als konstitutives Letztopfer für die Polis Athen. Auf interkorporeller Ebene aber versammeln sich alle Inzestarten kompendiös zum System, dem Pendant des dinglichen Kulturprogresses.
Wie kommt es zu dieser Korrespondenz, dem einvernehmlichen Umstieg ins Objektive? Anfänglich die Selbstbehauptung des Skandals des Sohnes-heteron der Mutter gegenüber, wider den parthogenetischen Abschluss seines, des Sohnes, inversen Aborts, der maternalen Rückeinsaugung. Die geschichtsträchtige Konterkarierung dieser im Gattungsnichts endenden Entropie läuft fürs erste auf die Verlockungen der nicht mehr subsistenzsexuellen, der verschoben generativen "Heiligen Hochzeit", des Mutter-Sohn-Inzests auf Erwachsenenniveau, hinaus, in dem sich, wie in einer List der Vernunft, die alten Machtverhältnisse verkehren können und de facto verkehrt haben, und zwar in aller Folgerichtigkeit mittels der imaginären Amplifikation der Sonderpotenz des ungewissen, absenten, toten Vaters, dieses filialen Imitats der Todesinthronisation, der einzigen Bedingung der Möglichkeit, die letale Muttermacht in die des von rettender
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Vaterahnung flankierten Sohnes in den umgekehrten generationssexuellen Mutterverzehr, Materie-akquierend, umzukehren - "Ein Schwert verhieß mir der Vater, / ich fänd' es in höchster Not." Das offenbare Mysterium der Heldengeburt, der produktiven Opfergestalt des filialen Kulturheros, sagt es deutlichst: "Da er mich zeugt' und starb, / sie sterbend mich gebar ..." - Tristan und Siegfried for ever. Also reicht der konsumtionsfundierende Ödipuskomplex, durchaus (verbessert) kleinianisch gedacht, je bis zur Stunde Null, der Zeugung zurück, und setzt sich durch alle folgenden Entwicklungsstufen (es soll ja gar eine oral-kannibalistische Phase geben!) zwingend fort; und wenn's leidlich verläuft, immer auch Symptom-präludierend an der Begehrensnichtung haarscharf umso kräftiger vorbei. Das ist ja kein Gerücht, dass sich intrauterin physiologisch' beim männlichen Embryo das genetisch festgelegte Geschlecht gegen das hormonal-weibliche durchsetzen muss - freilich mittels des "toten Vaters" im Mutter-assimilierenden Sohn; der, auch wenn er in Konkurrenz zur Schwester treten sollte, gleichwohl dessen versichert sein mag, dass auch diese, als Tochter, den "toten Vater", weil weniger, noch viel mehr, um des selbsteigenen Bestandes willen geltend machen muss.
Das Glücken der vorgängigen Objektivitätskorrespondierung hängt von nachträglichen inzestintrinsischen Konditionen ab, die, wie paradoxerweise, auf Inzestabsperrungen, wenigstens -verschiebungen, und somit auf Dingabduktionen, Überleitungen und Vorbildungen von Gegenständlichkeit hinauslaufen. Vorgängigkeit der Dinge vor den nachträglichen Körpern? Gewiss, jedermann wird in Kultur hinein geboren, in diesem Sinne geht diese je den Subjekten voraus. Was aber nicht ausschließt, dass, im Sinne beider Binnengenealogie, beide aneinander zwar entstehen, doch diese in ihrer dinglichen Valenz die Prärogative innehat, als kleine Unsterblichkeit der Körperüberbietung, mit der es neuerdings freilich nicht mehr weither zu sein scheint - nicht zu vergessen, dass sich die Dingüberlegenheit immer stärker im technologischen Abfall konzentriert. Und notorisch verführt die Dingsuprematie zu ihrer pathogenen Körperusurpation, das geregelte "ungetrennt" und "unvereint" beider ins "ungetrennt" und "vereint" respektive "getrennt" und "unvereint" zu verderben.
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Zurück zu den überleitenden (Inzest)einschränkungen. Der Mutter-Sohn-(und Tochter)-Inzest erweist sich als restringiert auf die Schwangerschaft und die erste Phase des oralen Stadiums; diese sind die Topoi, die einzigen, der Inzestlizenz. Einschränkend verbindet sich die äußere temporale Limitierung mit je innerer Zeitlichkeit, in der Oralität zudem verzeitlicht repetitiv. Nicht weniger restriktiv - wider die apostrophierte Heldengeburt - der Mutterleibverzehr: wenn nicht fernab aufzehrender Vernichtung, dann bloß partiell, mit konservierend erhaltender Nachbildung versehen. Moderationen also auf ganzer Linie.
Mit dem Gewaltmoment der zweiten, der "oral-kannibalistischen" Phase, setzt die Tabuisierung, die erste lnzestsperre ein - wenn man aber geneigt ist, die Geburt als diese erste zu stipulieren, wäre es bereits die zweite. Hier begegnet der Vorschein dessen, was in der folgenden ausgezeichneten Phase, der "anal-sadistischen", an hart tabubedingter Kulturierung fällig wird, nämlich die strikte Inhibition des auf die Spitze getriebenen Ödipuskomplexes als Kopro-, Nekrophagieanfechtung, der Tabuinbegriff als zivil elaborierter "Ichkern", in sich abgemildert schon durch die zweite Phase des analen Stadiums - Einbehalten/Objektbemächtigung (versus Ausstoßen/Objektvernichtung); abgemildert aber als Übergängigkeit in gewaltstigmatisierte Objektivität.
Folgt die, psychogenetisch manifestiert, generationssexuelle Metonymik der Ödipusphase im engeren Sinne, ein scheiternder quasi-Probelaut; dessen Überwertigkeit, phallisch-exhibitionistisch, urethral kollabiert: die erhabene Liquidationspotenz degeneriert zur effeminierenden Lächerlichkeit des Verwässerns. Selbst aber wenn diese skandalösen infantilen Schandbarkeiten nichts denn effektive Gewalt im Objektiven mitprovozieren, wird man damit rechnen müssen, dass sich unterhalb des - eben schon von sich her urethral destruktionskonvertierten - Ödipuskomplexes die höchsttabuisierte exkrementale Todeseucharistie weiterhin, zugunsten der Mehrung an Tötungspotential, auflädt; wovon die genitale Sexualität ihrerseits nur profitieren kann. Und in dieser Unterwelt präpariert sich dann unablässig die Wiederkehr dieses Ur-Unbewussten, -Verdrängten als Dinglichkeit, notorisch die Dinge als Todestriebrepräsentanzen, allzeit verkannt als Todesrepräsentanzen; bildet sich die Tötungspotenz als Kongenialisierung mit der toten Materie, die gewaltausbildende
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Anmessung an diese, nach; das Arbeitsvermögen also, das als gattungskriteriales Ursyndrom das Unmaß seiner Untaten in sich selbst schlüssig abbüßt. Immer angemahnt sein aber muss der Seitenblick dieses Mannsgebarens auf die weiblichen Vor-Dinge: betreffend die Produktion die Schwangerschaft, und, die Antiproduktion/Destruktion angängig, die Menstruation. Wen wundert's dann, dass das männliche Kopistenwesen manches daran setzt, das weibliche Original, als solches freilich in seiner Kopie allererst entstehend, bishin zur Pathologie abzuwerten, um folgend darauf bemächtigend modo virili zuzugreifen ?
Du (sc. Sein/Nichts) nimmst die Dinge weg, in Staub zerfallen sie (sc. die Leiber). Kein Zweifel - die Dinglichkeit erscheint je schon avanciert zum Inbegriff rettender und ineinem verderbender Differierung, zur Erstgeborenen der "différance"; prärogativ, jedoch in beider mutuellen Vor- und Nachträglichkeit, sowie Inzeste-epikalyptisch bloß, und deshalb auch in ihrer wie suizidal gipfelnden Destruktionsbedrohtheit daraufhin - Krankheit, Kriminalität! - magieprovokant.
Nach all dem liegen die Objektivitätskorrespondenzen, also die (Re)produktionsdimensionen, zum bewegten System der Inzestarten fast schon auf der Hand. Im permanenten Ausgang vom Skandal des heteron - Mutter versus Sohn - bilden sie nachgerade die basalen männlich-Filialen Bastionen der Inzesteabsolvenz in Dinglichkeit hinein aus; nur dass sie eben nicht davor gefeit sind, geschliffen und gesprengt zu werden. Grob zusammengefasst: In der dinglichen Produktion fängt sich der Spitzenwahn des Vater-Tochter-Inzests ab: Sohn - der Vater der eigenen Mutter als seine, des Sohnes, Tochter; Sohn, der sich selbst zum eigenen Großvater mütterlicherseits würde. Und dies auf zuhöchst tabuisiertem koprophagischem Inzestniveau, dem ubw-Ultimatum, rückeinbehalten pathologisch die Psychose. - In der objektiven Konsumtion, abträglich korporell entsprechend dem Mutter-Sohn-Inzest - Sohn = der Gatte der eigenen Mutter, Sohn als sein eigener Vater - isoliert und neutralisiert sich die inkorporativ-inzestuöse geschlechtsmetamorphotische Aphanisisgefährdung des Sohnes, wird so, verflacht, zum wie selbstverständlichen Movens wiederum der kulturellen Produktion, auf die sie ja, unterstellt teleologisch, angewiesen sei, und entschärft das - seinen Pathologieabfang verunmöglichende - eigene Inzestsubstrat, die Nichtung selbst,
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zur Moderation der Neurose - insofern auch scheinbar nur die weniger gravierende Psychokrankheit. - In der gegenständlichen Zirkulation objiziert sich, zumal hier (schein)exkulpativ dilatorisch, der Geschwisterinzest - Sohn = der Bruder der eigenen Mutter als Schwester; Sohn = sein eigener Onkel mütterlicherseits -, kreiert so den sich als genuine Schaffung progressiv übernehmenden großen Simulationsbereich der memorialen Vermittlung von Produktion und Konsumtion und erschafft, körperrückgebildet, als theatralisierte Bloßlegungspathologie die Perversion, als dessen fortwährendes psychogenetisches Pendant sich das phallisch-exhihitionistische (urethrale) Ödipusstadium erweist; fast so, als sei alle Genitalität eo ipso vom Stigma des Als-ob gezeichnet.
Wie der männlich-filiale Objektivitätsübersprung funktioniert? Felix culpa der letalen Pointierung der betreffenden Inzeste am Scheideweg: entweder Tod/Nichts oder selbstverdinglichende Hergabe, projektive Kulturkreation, Arbeit, mit dem Zwischenwert Pathologie, die den Tod gleichermaßen wie die dingliche Veräußerung, in die Falle dieses sperrigen Interims geraten, sistiert.
Wie diese Pointierung des einzelnen vorsichgeht - "damit etwas sei, und nicht vielmehr nichts"? In vollem Despekt der absoluten Differenz und die Verschiebungs- und Verstellungs-/Entstellungssequenz im Betreffen der Inzeste rückwärts revozierend, im ablassend zulassenden Retrogang der "metonymischen Kausalität" (Lacan/ Miller) (?), passieren die stammfamilialen Inzeste vom ausgehenden Vermittlungsende des Bruder-Schwester-Inzests her je in die Entropien derjenigen von Vater-Tochter und Sohn-Mutter fort, um sich progressiv in die der von Körper und Ding, Leben und Tod, Sein und Nichts, je sich erhaltend zu alterieren - das ist wie die Chargierung jeweils des nächstfolgenden mit dem vorausgehenden und vice versa, bis zum berstenden Überlastungsfinale der Sein-Nichts-Indifferenz, wo sich, im Wiederrespekt der absoluten Differenz, die Geister scheiden: in die strengste Disjunktion bitterer Tod oder, im schaffenden Vorlauf dieses Rücklaufs wiederum, glückliches Leben, ja, aber als bleibend todgeweihtes allzeit, angesichts nämlich der - bis zur martialischen Enthüllung epikalyptischen - Selbstreifikation, des irenischen Inzestberge-Konzentrat, das, ungetrennt, doch unvereint, den bezüglichen Kontrapart Sein, Leben, Körper / Sohn, Vater, Bruder freigibt. Nein, aber hier doch umgekehrt: Mutter, Tochter, Schwester?!
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Nein, der Umtausch geht bloß den vorverdinglichten, nicht existierbaren - immer nur pathologisch quasi nur halb existierbaren - korporell inzestuösen Status weiblicher Übermacht an, nicht den der ordentlichen Dinglichkeitskorrespondenz, in dem diese, die weibliche Hegemonie, pseudologisch-sentimentalistisch fingiert zu werden pflegt. Es bleibt also wie paradoxerweise bei der todbringenden patriarchalischen, besser: filiarchalischen Vitalitätsauszeichnung, in der die widerinzestuöse, doch objektiv abgelöst inzestuöse Körper-Ding-Regulation, wiederum nicht nicht entropische Kulturmenschheit kurzum, prävaliert. Sind notorisch doch die Dinge die differierendsten Todes(trieb)repräsentanzen, Dingdurchsicht demnach auf das abgedeckte unendliche Loch des Nichts/des Todes.
Wo darin die homosexuellen Inzeste - Vater-Sohn, Mutter-Tochter, Bruder-Bruder, Schwester-Schwester - bleiben? So sehr wirken sie, sich überschlagend, als Inzeste-, als Indifferenzinbegriffe, Absolutheiten, dass sie sich in sich selbst hinein, sich als systematische Kopiefolien für die einzig de facto fruchtbaren Heteroformen hinterlassend, höchstmotivierend, selbst aber nichtssagend zurückziehen. Führend das Christentum in der mythologischen Manifestierung dieser körperlich nichts-/todesnächsten Latenz: Vater, der den Sohn vor aller Zeit zeugt, nicht erschafft, mitsamt der urverdrängten, als Hölle aber revenierenden christkatholischen Unterwelt, dem ewigen weiblichen Schatten des lichten Mannshimmels.
Diese körperzonale, ebenso wie vorbereitend psychogenetische Zuschreibung der Körper-Körperinzeste mag sich zwar fast schon wie von selbst verstehen, doch deren - auch formale: Nichts-abhaltend approximative - intellektuale Ausschöpfung endet ebensowenig (es sei denn in der Letztabwendung des Todes) wie deren Vollzugsmodi: Sohn-Mutter-Inzest/oral-inkorporativ, Vater-Tochter-Inzest/anal-eliminativ, Bruder-Schwester-Inzest/urogenital-demonstrativ, sowie nicht weniger deren notorisch prävalent zugleichgenerierte gegenständliche Korrespondenzen: Konsumtion, Produktion, "Aufzeichnung" (um diesen trefflichen Sammelbegriff des Anti-Ödipus für Vermittlung/Gedächtnis, ökonomisch Zirkulation/Tausch, zu verwenden), stillestehen - allzeit der im töchterlich koprophagischen Selbst(Selbst) fürs erste aufgefangene Einverleibungstransvestismus - die Mutterwerdung des Sohnes -; wenn man es so will: das dynamische Ubw von Konsumtion und Produktion, das sich in sich
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unabschließlich hochstreckt zur geschwisterinzestuösen Memorialität, dem TonBild Schrift, die sich folgend nicht nicht wie aufplatzend konkretistisch, als wäre sie die ultima ratio/der Ursprung/der Produktionsgrund insgesamt, gerieren kann, um sich passager im Selbstrückzug der Absolutheit zum Ur-Sprung, der Mediation, der ungebrochen gebrochenen Mitte zwischen allen Gegenüberstellungen, anscheinend bescheiden zu müssen.
Probat auch die Psychopathologieattribuierungen: das geschwisterinzestuöse simulative Entblößungswesen der "Aufzeichnung", pathogen subjektiv rückusurpiert - die Perversion; generationssexuell versiert das Mutter-Sohn-inzestuöse konsumatorische Ultimum des Ubw - die Neurose; die kopistische Hypertrophie produzierender Mannsrettung (Zeus und Metis/Athene immerdar) - die Psychose. Widersinnig aber scheint die Assoziierung des gravierendsten Inzests von Mutter und Sohn mit der angeblich schwächsten Pathologie, der Neurose. Nicht indessen nur, dass man das neurotische Krankheitsgewicht gewöhnlich unterschätzt - wie steht es doch dagegen im Anti-Ödipus geschrieben?: Einzig die Neurose sei unheilbar -, mehr noch gilt es hier gründlich zu unterscheiden zwischen der für unsere Breitengrade allfundierenden inzestuösen Ausgangskonstellation: Mutter-Sohn, dem Primärdifferenz-pointierten Geschichtsinitial, und derjenigen, der pathogenerischen, Habhaftungsoption der Bestreikung eben der Konsumtion dann nur, deren bloß neurotische Lahmlegung doch überaus lastend auf das darin kriteriale quid pro quo von Konsumtion und Produktion verweist, schließlich als jener Ausfall zur Buße für die quasi-Kriminalität dieser. Will sagen: Die pathologiestiftend kurzschlüssige Aneignung der Konsumtion kann nicht die äußerste Tiefe des stammfamilialen Ubw, dieses inzestuösen Allsubstrats, direkt betreffen, das nämlich wäre sogleich der Tod, ausschließlich vielmehr den Gebrauch bereits produzierter Dinge, dessen Verstörung, durch das Unheil getätigter Produktion hindurch, die besagte Ursprungskonstellation, vor dieser gerettet, indirekt allerdings evoziert; wofür die pathologische Schwereambiguität der Neurose dann steht, dieses Unmaß, in der Rettung des post festum productionis, diese durch die Prätention der Nachträglichkeits-überbietenden Totalität des Besitzens aufs Spiel zu setzen.
Der Schein der widersprüchlichen Einschätzung der Konsumtion, also des Mutter-Sohn-Inzests - Substrattotale oder Telosphase bloß,
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Schwerstinzest oder Neurose nur -, kommt nicht weniger in diesem impliziten Gegensatz Endogamie versus Exogamie auf. So nämlich - dass der Sohn sich selbst sein eigener Vater wird - geschieht einzig zwar die exogame Öffnung, tritt das ansonsten dispensierte "Väterlicherseits" überhaupt erst und mit in Kraft, jedoch um eben in dieser anscheinend negentropischen Fortschrittlichkeit sogleich umso gründlicher wiederkassiert zu werden, um von dieser fundierenden Letalität in Partialisierung hinein wiederabzulassen, um ... Dazwischen aber verschafft sich dieses Konträrgebilde seine Nahrung mittels der Vater-Tochter-inzestuösen getreuest virginalen geistigen (sprich: koprophagischen), die vom Vater unbefleckte ödipale Mutter gar als eigenes Geschöpf ausweisenden Produktivität, vermittelt durch den "Aufzeichnungs"-, Gedächtnis-entsprechenden Geschwisterinzest, wie oftmals skizziert.
Bleibt noch, an die vor- und nachkommende Binnenorganisation der Nacht, der Vermittlungsstätte schlechthin, durch die Inzestformen, inklusive ihrer korrespondenten Dingdimensionen, auch hier mit allen einschlägigen Problemen, zumal denen der Repräsentation, beladen, zu erinnern: NREM - Konsumtion/Mutter-Sohn-lnzest; (N)REM (- erinnerungsloser Traumschlaf) - Produktion/Vater-Tochter-Inzest; REM -"Aufzeichnung"/heterosexueller Geschwisterinzest.
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Da capo
auf ewige Desiderate hin
in der Art von Thesen, die insofern keine sind, als sie im Scheine von Zusammenfassung den Auftrag einer radikalen Neuschrift des scheinbar nur Resümierten implizieren.
1. Zum pointiert thematischen Zusammenhang von Dingdimensionen und Inzestformen, von Industrie und Körperpolitik
In striktester Fassung, die - schwierig genug - in aller Ausdifferenzierung dieser Korrespondenz durchgehalten werden müsste, fungiert primär die Dinglichkeit als das (Unbewusste des) Unbewusste(n) der konsanguinischen Körper, als tabuisierte externe Inzestkryptik, als allgemeines Außenexkulpat. Das aber heißt, dass die Körper-unbilligen Inzeste der dinglichen Kultur keineswegs ursprünglich vorausgehen, dass sie vielmehr sich sogleich dinglich (ver)bergen, also instantan ineins mit diesem ihrem Unterkommen entstehen. Ferner dass einzig in der Dinggeburt die Körper negentropisch widerinzestuös zeitigend freigegeben sind, und in dieser exklusiv kreativen Existierbarkeit sich den prärogativen Dingen, wie halbherzig auch immer solches ausfallen muss, unterwerfen - so die allbedingende Maßgabe der "Produktivkräfte", dieses sich säkular erscheinend zum Gebrauch verblassen machenden noumenon, der herabgekommenen Götter, nein: längst des Widerspruchs des Einen Gottes. Das heißt nicht zuletzt aber auch, dass die Dinge, re-noumenalisiert, sich allzeit wesensgemäß als Sprengkörper enthüllen können und so ihre göttliche Vorrangigkeit suizidal erfüllen - als regielich-magische Mimesis an den sterblichen Menschkörper, die sich selbst aber über den Kopf wächst. Und alle Pathologie besteht entsprechend in der usurpatorischen Anzapfung des martialischen Dingarkanums, in erster Linie immer schon vorkriegerisch und auch dinglich kriegsvermischt destruktiv kollektiviert, hin bis zu Krankheit im engsten Sinne: der autodestruktiven Opferinversion des Körperopfers im Sinne einer indirekten Therapeutik dinglicher Kultur in progress.
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2. Speziell zur Interkorporalität
Das Drittenzwischen der sterblichen generationssexuellen Körper machen not-wendig noterhaltend eben die Dinge. Deren Todeskraft-bedingten Vormacht wegen gerät, daran passioniert mimetisch, das leibhaftige Selbst-Anderen-Verhältnis eo ipso windschief: gibt die funktionale (versus ätiologische) Körper-Ding-Hierarchie, die der Sterblichen und der Götter/des Gottes, vielfältig: alle korporellen (und daraufhin symbolischen) Differenzen - Geschlecht, Generation ... - ausbildend, quasi nach unten weiter. Schlechteste Karten demnach für unseren Grundwert der Gleichheit/Gerechtigkeit, der Brutstätte universeller Paranoia.
Gewiss, ausschließlich durch den immerwährenden Einsatz der dinglichen (immer noch schlecht metaphysisch ausgedrückt:) Urdifferierung erscheint das Wechselspiel der sexuellen Körper zur Existenz emanzipiert. Gleichwohl will die Versuchung ja nicht innehalten, mehr noch: je schon hat sie reüssiert, nämlich mit dieser Fundamentalvermittlung, dem Auseinanderzusammenhalt des seinseröffnenden dinglichen Interims, kriegstreiberisch so auf allen Ebenen, als kulturgenerische felix culpa letztlich jedoch (wielange?), restlos einswerdcn zu wollen. Sich dieser Dingmediation, trotz aller Anfechtung ihres Wegfressens sozusagen, um der Selbstseinserhaltung willen anheimzustellen, das ist und bleibt aber das prekärste aller schlechterdings unabsetzbaren Unterfangen, denn zwischen mir und den Anderen haben, genaugenommen, rettende Bomben je schon Platz genommen; solange aber nur rettend, bis sie, ob der drohenden Verzehrung, ihr letal destruktiv sanktionales Innere - Todesverleugnung, fraktalisiert zum Selbst-Allessein, zu allen Inzesten - höllenlärmend entbergen. (Nebenher aber wird, bitte, anscheinend nur so, weiter gestorben ...) Und aller Fortschritt - der einzige Fortschrittsmodus außerdem - zweckt auf die Perfektion der Waffenförmigkeit aller Dinge, deren immer virtuellen Explosivstatus, ab. Und da nach dem Globalkriterium der dinglich-prothetischen Körperausschlachtung sich vollführend, tritt der erhabene Gottes-kenosis-Progress, unsere fortschreitende dingliche Kultur, teleologisch in Kontradiktion zu sich selbst.
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3. Wie der Anfang zu denken sei
Die Ausgangskonstellation - filiale Zentralperspektive - sei der Mutter-Sohn-Inzest; und dessen dingliches Kulturkorrelat die Konsumtion. Woher aber rühren die beiden ersten Bezugsgrößen Mutter und Sohn? Und muß es nicht ungereimt scheinen, dass so die Konsumtion den Anfang macht, wo sie notorisch doch, folgend auf Produktion und Zirkulation/Tausch/"Aufzeichnung", am Ende steht? Ferner kommen Kompabilitätsnöte zwischen dem unterstellten heterogenerativen Beginn - Mutter-Sohn - und dessen christlicher Umwendung - der urinitialen Sohneszeugung und Geburt durch den Vater - auf, insofern relevant, als die "Abendländische Metaphysik" sich auf sehr lange Wegstrecken hin doch christlich ausgestaltete.
a. Um die erste Frage anzugehen: Woher stammen Mutter und Sohn, so sie, antik jedenfalls, in principio seien?
Freilich, die Mutter betreffend, liegt der Grundirrtum der Absolutheit - volle Metaphysik bereits in vorzeitlicher Mythologie! - vor: Selbsterzeugung, mater ens a se, der Unbeginn der Tochtereinbehaltung, die nichtssagende allgemeine Inzestfolie. Reiner Eigenbezug aber fällt in die Nichtung, die buchstäbliche Nichtswerdung seiner selbst, muss um des Selbsterhalts willen, sich selbst, darin differiert aufhebend, heteronomisieren; wofür die Krisis, um nicht zu sagen: die Katastrophe der - selbstverständlich parthenogenetischen - Sohnesgeburt steht: göttliche Urmutter, die sich aus sich selbst ihren Heros-Widerpart Sohn erschafft; den sie sich aber, um Ursprung bleiben zu können - so die entscheidende zweite Absolutheitsstufe -, reinkorporieren muss; nur dass der Sohn, begleitet vom Tochterschatten der vordringlichen Vatersuche, Vater-definierend sodann, dieser Entmannung widerstreitet und so die Umkehr des desparaten Passiv-, in auxiliaren Aktiv-Mutter-Sohn-Inzest umstürzlerisch betreibt. Inwiefern er solche Verdrehung vermag? Mittels des Bruder-Schwester-Inzests, der Summe der Vaterschaft-generierenden, Mutterentmachtenden Geschwisternot, a priori plan ♀ homosexuell nichts zu gelten (Tochter) sowie aposteriori im zu annihilierendcn Unfall Heterosexualität (Sohn) item; nicht aber ohne realistischerweise befürchten zu müssen, dass der so sich abzeichnende filiale Herrschaftsantritt den
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dafür unverzichtbaren Schwestergebrauch vernichtend assimilativ steigert. Jedenfalls verschafft sich der demnach durch doppelt abusive Weiblichkeitsverunbewusstung machtvolle Sohn das große Präjudiz des Vaterpostens als des ihm allein gemäßen homo-Ursprungs, den Eigenzuspruch von Paternität, der dem weiblich noch unterworfenen homosexuellen Unvater vorausgehend parrizidal begegnen muss, immer umwillen des rechten Mannserhaltes, der allzeit überlasteten filialen, patriarchal genannten Hegemonie. Fehlt dann nur noch - und es holt sich sogleich auch nach -, dass der SohnVater sich, getreu dem mütterlichen Absolutheitsvorbild, dem kryptisch gemachten, von der Unvaterleiche, dem toten Vater gebührend gestützt, zum Schöpfer seiner weiblichen Vereinnahmungen aufwirft. Und das macht dann, wie häufiger schon markiert, immer im Ausgang vom umgedrehten Mutter-Sohn-, der Vater-Tochter-Inzest, in welchem der Sohn zum Vater der Mutter, diese zur Tochter des Sohnes, dieser also sich selbst zum eigenen Großvater mütterlicherseits übernimmt. So der unüberbietbare Phantasmatikgipfel des sich koprophagisch abschließend entropisierenden - später so genannten - Ödipuskomplexes.
Nur wider die Freud'sche Überschätzung der vermeintlich genuinen Rivalität zwischen Vater und Sohn, der später psychoanalytisch vielfach korrigierten (und indirekt auch wider die vergebliche Domestizierung des Ödipuskomplexes, diminuiert zum complexus simplex et familiaris, in seiner Restriktion auf die letzte psychosexuelle Entwicklungsphase des männlichen Kindes), erschien die Vatertötung wie marginalisiert. Gleichwohl mag sie immer noch als notwendiges Entree der Vaterkonstitution fungieren - definierter Vater, das ist der Sohn, der sich den Unvater realmagisch zueigen machte, um mit dieser in sich immer auch dubiosen partiellen Todespotenz die Schwester und zumal die Mutter, kulminativ einschließlich aller exkrementalen Mutterreste, schließlich zu assimilieren; um, also vermittelt, wie der maternal absolute, in sich selbst hinein versteckte Anfang, EinundAlles nämlich, zu sein. Wie öfter schon angesagt, bedürfte es bloß der Relektüre der Ödipusmythe, um, schon recht unverschlüsselt, alle betreffenden Antworten, aufzufinden: die Tötung des "realen Vaters" Laios, die Entmachtung der Schwester Sphinx (mit der - in ihr ja als Tochter aufzulösenden - Vorwelt im
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Schlepptau), die todbringende Heirat der eigenen Mutter lokaste - Theben als das Unbewusste Athens.
So die Genesesequenz der Geschichtszeit, unserer Vernunft/Rationalität. Man möge gewahren, dass der gesamte Ödipuskomplex dem grundlegenden, durchgängig als Dauerauftrag der Kulturmenschheit reklamierten synchronen Umschlag der unvermittelt leeren Indifferenz der Mutterherrschaft, des historisch inexistenten Matriarchats, in die vermittelt integrale Unterschiedslosigkeit der männlich-filialen Hegemonie, genannt Patriarchat, verpflichtet ist; und das heißt der vollständigen Internalisierung des Gesamtbestands prähistorischer allmächtiger, auf diese Weise dann restlos depotenzierter Weiblichkeit: derjenigen der sorroralen Patriarchatspedalisierung, der letalen Metonymik auch der Vorzeitgreuel in die Tochter, konsequenterweise, da die vormalige Ungeschichte in ihr, der vaterverfallenen, ja verendet; derjenigen am matriarchal entmännlichten, später dem "schwulen" (nur wie zufällig isoliert rein biologisch unterlaufene) Vaterschaft abstoßenden Geschlechtsgenossen; und final derjenigen, kraft der vorausgehenden Vereignungen, der Mutter selbst als filialer Aktivinzest: Mutterwerdung des Sohns zum Vater, zum Vater der eigenen Mutter als Tochter, komplett sodann - wir sind dabei, die Klimax des Abendlands zu erklimmen - als reinkorporative Tilgung des ganzen, skandalöserweise selbst in Indifferenzgestalt Differenz-monierenden exkrementalen Rests, der Mutterleibleiche. Vollendete Todeseucharistie, die nichts als Tod brächte, wenn sie sich nicht von diesem Höhepunkt aus objektivitätsekstatisch wendete.
b. Konsumtion - Ende oder Anfang?
Von letzterem, dem Dingübersprung erzwingenden inzestuös-koprophagisch suizidalen Endstatus aus, lässt sich das drängende Problem - Konsumtion, quasi eschatologischer Anfang oder prämienbedachtes jeweiliges Ende, Sterben/Mord oder, pathologisch, bloß Neurose? - lösen.
Die besagte Insichreflexion des Ödipuskomplexes, des Leidenswegs der männlich-filial alleinigen Machtgewinnung - von der Vorgeschichtlichkeit der absoluten Mutter hin zur geschichtsgenerischen Absolutheit des Vaters, erwirkt durch die bekannten Ödipus-Untaten alle - nötigt am Scheidepunkt der Todwerdungssuizidalität, des
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exkrementalen Vater-Tochter-Extreminzests, zur strikten restlosen Veräußerung dieses Kultur-avisierenden Inzestevorlaufs, zur großen allererst hominisierenden Dinglichkeitsverschiebung und -verdichtung/-entstellung dieses interkorporellen Indifferenzenpakets, der ganzen schon invertierten Vorzeitcharge. Doch weder die maternal durchherrschte Vor-, sprich: Ungeschichte noch deren filialpaternale, den menschschaffenden Kulturumschlag bereitende Subversion sind chronologisch vor-läufig sequentiell organisiert, vielmehr bilden sie ausschließlich das sozusagen schöpferische Unbewusste eben dessen, wohinein sie sich - die Dinglichkeit, sodann das Unbewusste des Unbewussten - versetzen müssen. Also wird man vergeblich nach einem historisch-faktischen Matriarchat forschen, und das einzig existente, mit der Menschwerdung zusammenfallende Patriarchat ist ohne instantane Dinglichkeit, Kultur materialiter, undenkbar. Was indessen nimmer heißt, dass die letztrettenden/letztvernichtenden Dinge nicht ohn' Unterlass ihre opferdeterminierte Reproduktion, Erhalt sowie Perfektionierung, einklagten; dass sie die sterblichen Körper zum Schein deren Immortalisierung durch die Fusion mit ihnen nicht verführten; und dass sie, zumal um ihres Fortschritts willen - so das reale Bewusstwerden des Unbewussten des Unbewussten -, Körper-mitreißend sanktional sich selbst zerstörten.
Zur Ausgangsfrage: Konsumtion - Ende oder Anfang? zurück. - Anscheinend simplifizieren und erhellen sich die opaken inzestuösen Körperverhältnisse, wenn immer deren Dinglichkeitsversion, isoliert, ins Spiel kommt? So steht hier, wie selbstverständlich, plan die Produktion an erster Stelle - es muss ja etwas geschaffen vorhanden sein, um gebraucht werden zu können; und davor erworben werden; und die Kraft der Produktion erwächst wiederum dem Verbrauch; so dass sich in den Inzeste-korrespondenten Dingdimensionen, der Inzestkörper-attachierten Industrie, diese in sich zirkuläre Abfolge ergibt: Produktion, Zirkulation (Tausch, "Aufzeichnung"), Konsumtion, respektive umgekehrt: Konsumtion, Zirkulation, Produktion. Anscheinend verbindet sich die hominitätskriteriale Objizierung mit einem Gewichtsverlust an Destruktivität, und also enträt die Psychopathologiezuordnung Konsumtion - Neurose des Widerspruchs? Ja, aber nur unter der letztlich haltlosen Kondition der zweckrational superfiziellen quasi funktionalistischen Abhebung der Projektionsmetonymik der reifizierten Inzesteberge, eben der Dingdimensionen. Allein,
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diese gesamtsubsistentiell notwendige Objektivitätsabstraktion gebietet äußerste Vorsicht - wundert es, dass, ob ihrer trieblich großödipalen Unterwelt, die sie, nicht nur koexistent, als Grundmovens vielmehr ihrer selbst nichts als benötigt, alle grausamen Phantasmen dieser Erde, gänzlich ihrer vermeintlichen moderierenden Trivialität entgegen, ausgeheckt sind; wie, wenn man es so wollen kann, an Pathologie, der scheinbar nicht vorgesehenen unendlich auseinanderfallenden Verpappung wiederum von Dingdimension und Inzestform, ablesen könnte? Umfassend trügerisch die Exkulpationsvalenz - Schuldabsorption und -epikalypse - von Dinglichkeit, mit ihrem Inbegriff, dem abgelösten Ursyndrom Arbeit, in der sich das Kulturvergehen an Natur synchron abbüße, so als sei es vergönnt (und es ist um den bezahlt unbezahlbaren Preis allererst realer Gewalt möglich), das initiale crimen der imaginären Muttersubstitution durch den allmächtigen (Sohnes)Vater - je imaginärer im Unbewussten, umso realer mörderisch im manifesten Objektiven - ungeschehen zu machen. Nicht minder illusionistisch in ihrer abundanten Fertilität, der Hauptpromotion der Produktivkräfte/der Warenproduktion, die große Verheißung, durch weiblichkeitstilgenden Verzicht, subjektiv, zumal in den Genuss des Verzichteten, vermittelt objektiv, der anscheinend Opferstoff-restitutiven Opferprämie für das Opfer der Arbeitskraft, zu kommen, den äquivalenten Rahm der, im Lacan'schen Sinne, "Kastration", sprich: den Dingfetisch toter Mutterleib Exkremententochter, abschöpfen zu können; in aller Phantasmatik - Seifenblasen = Stahlkugeln! - freilich vorausgesetzt, dass nicht je schon alle Kulturobjektivität, ungleich-giltigst, den dinglich transfigurierten Opferstoff, um ihrer Aufrechterhaltung und ihres Fortkommens willen, rein für sich selbst verwenden und also, und zwar im ganzen, den sterblichen Opferkörpern vorbe/enthalten muss, der, konsumtiv, bloß noch der sentimentalisch ferne Widerschein des scheinbar bloß wiederkommenden Renunziiertcn verhungernd eingedenklich nährt. Nur dass diese "pia fraus", das quid pro quo von Re-präsentation mit Präsenz, den Medienhimmel auf Erden bereitet; denn, on dit, hat man Alles und ist zugleich vor der Vernichtungsmacht des Alles bestens geschützt - abermals erstlichletztlich das alldebilisierende n-te Futur im Irrealis (HH).
Entschuldung ohne Schuldresidual, und Entlohnung bar der Detention - fürwahr: "Wir genießen die himmlischen Freuden". Fehlt
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also nur noch das Klammerphantasma eben des schöpferischen Gedächtnisses, der produktiven Vermittlung selbst - wo anders sonst sollten solche Erlösungen als im totalisierten Imaginären spielen? Ja, die großartige Oberwelt der konträren Unterwelt ist deren Bilderaffe, diese die Narrenspiegelung jener (wer noch setzt solche Spekulationen ein?), die den dauerinkulpierenden Parasitismus aller Dinge, aller Kultur, den Kollaps jeglicher Absolutheit anzumahnen sich untersteht; die in ihrem intellektuellen Draufsatteln von auflassend eigenbezüglicher horrender Imaginarität, einer Art von Protohalluzination einbildungshaft lizensierten, Kopro- zu Nekrophagie pointierenden Kannibalismus sich, allemal magisch, zwar zu schützen, doch dessen extern-dingliche Gewaltkorrespondierung (Attali: die "kannibalische Ordnung" just der Dingprothetik!) keineswegs zu ermäßigen versteht. Nein, der Intensitätsgrad der sich in sich selbst hineintreibenden intellektuellen Imaginarität(Imaginarität) ist immer auch das Maß der dinglichen Destruktionsmächtigkeit; und derart maßlos gar, dass man meinen möchte, die zum quasi blinden Fleck degradierte Generationssexualität beruhe einzig auf diesem wie urtümlichen Sadismus - zuerst die Blasen schlagende dingliche Sicherung der Subsistenz, dann erst die sich wie erübrigende fleischliche Reproduktion der Gattung. Die objektiv-mediale Hypertrophie der Vermittlungshypostase, Memorialität selbst als Exklusivproduzent, präfiguriert sich, nicht in zeitlichem Verstande, in der verwegenen Imaginarität von deren darin abgehaltenem, ja weggeschafftem Souterrain; und der Zwischenwert an sogenannter Realität, die materiellen Kulturationsobliegenheiten insgesamt, wie irdisch allexpansiv eingezwängt zwischen Himmel und Hölle, scheinen keine andere Wahl mehr zu haben, als sich nur noch in zufälligen Einbrüchen, buchstäblich holokaustisch, dartun zu können.
Die Vermittlung als Seinsgenerator, der Ur-Sprung als fundamentale Kreativität, Welt: einzig das Werk der zeitigenden (und einräumenden) Differenz, deren Plättung nicht das Paradies sowie am anderen Ende den Neuen Himmel und die Neue Erde, vielmehr die zum Nichts führende Apokalypse, den Untergang in sich selbst bleibend hinein, provozierte - welche Berechtigung aber gäbe es sodann noch, die Vermittlung, die Sein-Nichtsalternative der anfänglichen/endlichen Differenz, also die Kontradiktion (mit den folgenden kulturalen Initiationskontrarietäten des Geschlechts und der Generation, von
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Körper - Ding, Leben - Tod), diese Wunschkonterkarierung doch der Metaphysik, zu schelten? Monierbar bleibt nur deren wiederum fortschreitend reifizierte metaphysische Verkennung, aktuell die hegemonialen maschinellen Medien, inklusive deren fleischhaft imaginären Unbewussten: der Geschwisterinzest: nur dass die metaphysische Mediationsignoranz wenigstens zur inneren Krisisrestriktion ihrer (existentialontologischen) Überwindung ("Verwindung"), wenn nicht ihrer Verwertung, nötigt - weshalb?, weil der Respekt der letzten Dinge, wenn er sich heroistisch nicht abermals verkennen will, als Kontiguitätsmagie keine alternative Existenzforen, keine durchsetzungsbefähigte Konkurrenz gegen die distanzmagische Epikalyptik der verdinglichten Metaphysik bislang hat aufbringen können. Ubw-Geschwisterinzest? So gewinnt im ödipalen "apud inferos", zumal unserer Medienepoche, diese lnzestfonn, mehr als Subsidium deren filialen/patriarchalen a-realen Revolution, deren Zentrale indessen, gebührend an genealogischem Gewicht; und lässt auch gewahren, dass diese Unterweltsschmiede der menschlichen Oberwelt von deren Verkennungswesen sich vorgängig schon a fortiori nicht ausnimmt: notorisch angesichts des simulativen Geschwisterwahns und der folgerichtigen Sub-jektivierung der, betreffend die Vatersuche, dominanten Tochter/Schwester.
Weshalb aber dies große - wie die Psychoanalyse lehrt: vergeblich auf handliche Wissenschaftsmaße heruntergestimmte - Welttheater? Nichts darin dient nicht der als endgültig vermeinten Überdeckung des puren, unablässig überhaupttraumatisierenden Nichts, des Todes, bodenlos unterhalb des eingebildeten Unbewussten, der destruktionsvirtuellen ödipalen Absolutheitsvolte der kognativen Körper; Verhüllung, die sich in den vorerst differierend rettenden Dingen nochmals verhüllt, indem sie, inversiv entsühnend, belohnend, vergeistigend, die Erde global in ein Pulverfass, die Apokalypse im Wartestand der allgemeinen Rüstung, Kultur genannt, verklärt. Viele aber der Sterblichen und, davor, der Großteil der Dinge/der Götter bringen es nicht fertig, bis zum Jüngsten Tag, als wenn "die Welt zusammenkracht", auszuharren, und also führen sie mit letztem Ernst in letzter Nichtsmagie ohne Umschweife todesmimetisch den Menschweltkollaps im ganzen teilweise schon im voraus auf, und dies mit dem obliquen Zweck, im Wiederaufbau nach dem Kriege, mehr als bloße Reparation, Progressivierungsinbegriff hingegen, die
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sich postmodern im Absolutheitspseudos der Medien vollendende Kulturepikalyptik, unsere einzige Schutzmaskerade vor dem Tod, mit dem Lebensgesicht darunter verwachsen, angemessen auf Dauer zu stellen. Humanistisches Highlight Krieg - so war es und so wird es immer sein, bis zum Sanktnimmerleinstag, wenn der Tod Gottes nicht mehr seine kulturale Waffenresurrektion wäre; Krieg, selbst hinwiederum die irenische Verführung zur Prätention seiner ebenso apriorischen korporellen Inbesitznahme; derart der Erzeuger aller ihm auch untermischten fleischlichen Devianzen, unter denen - in unserem Philosophiekontext kontingenterweise, doch nicht geringer genealogisch instruktiv - deren tückische Opferinversionen, schwerpunktmäßig die Psychopathologien, prävalieren.
Schwerlich bedarf es noch weiterer Konstitutionserörterungen derselben, derjenigen ihrer Modi etwa, wie sie haltlos als letztes Glied in der Reihe der besagten Nichtsverschiebungen und -entstellungen Verfehlung und Buße scheindefinit abrundend ineinszubilden trachten, aber ihre Korrespondierung zu den Inzestformen mitsamt deren dingdimensionalen Tabuisierungen bleibt weiterhin spruchreif.
Also: ödipal dreifacher Mord und Selbstmord - Laios, die Sphinx und lokaste müssen daran glauben (immerhin, Frauen sterben - vorzeitreminiszent? - von eigener Hand), und zwar, Lacansch ausgedrückt, im Register des "Imaginären", dem Unbewussten (des Unbewussten) des Dingverhältnisses, traumadaptiv wie halluzinatorisch; in dem des "Symbolischen", des sich verschließenden Außenvikariats Dinglichkeit, differenziert nach den Ökonomiedimensionen Konsumtion, Zirkulation (et cetera) und Produktion; und in dem des "Realen", verstanden als Revokation des Umwegs projektiv kulturaler Externalisierung, als direkte Handhabe des Inzesteunbewussten im Außenvor (Vorsicht! man brennt sich die Finger weg!), als mehr denn nur vorgestellte, nämlich kriegstätigende sowie, in magischer Konsequenz, scheinfriedlich pathogenerische Enthüllung des Dingarkanums. Die Übersprungrealisierung des "Imaginären" - das "Reale"; das "Symbolische" - die alldifferierend umfangende Abhaltung dieser Krieg und Krankheit schaffenden Deplatzierung; die ab-/zuwartende Memorialität des letalen Potentials - das "Imaginäre". Die psychoanalytische/psychoanalysekritische Umschrift dieser Zusammenhänge ergibt die Staffelung: Tod; dessen vorgestellte Matriarchatsrepräsentanz, der nichtssagende Initialinzest von urbezeichneter
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Mutter und Tochter - die "Urverdrängung"; dessen, des Todes, Todestriebparaden: deren, des inexistenten Matriarchats, imaginiert ödipale filial-patriarchale Verkehrung, die Dreifachtötung; dann deren fetischisierende Objektivitätsekstatik, inzestuöse Dingaufladung sowie, interkorporell existenzgewährend, von dieser dinglichen Inzesteberge ausgehende -tabuisierung; und am ununendlich Wiederanfangstiftenden Ende schließlich der apo-kalyptische Kollaps der todestrieblichen Todesparade Dinglichkeit: Kriegszustand, beschwörend antezipiert en miniature je in der Legion der irenischen Kleinkriege ziviler Dissidenzen, grob unterscheidbar nach kriminell-explosiv und pathologisch-implosiv.
Todestrieb-immanent ginge die Ausdifferenzierung, allerdings recht freisinnig, noch weiter: "Ursadismus"/"primärer Masochismus" = Tod; "ursprünglicher Sadismus" = passiv Matriarchatsmimesis, aktiv Ödipuskomplex; "eigentlicher Sadismus" = Dinglichkeitsversion desselben; "Sadismus als Perversion", das ist die Destruktion auf Ding- und abgeleitet Körperniveau = Krieg und Devianz, unter anderem Pathologie. Auch könnte systematisch noch erwogen werden, dass der "primäre Narzissmus" der Passivitätsversion des Todestriebs, und der "sekundäre" dessen Aktivitätsgestalt zuzurechnen wäre ("sekundärer Narzissmus", das ist auch der Schein narzisstischer Positivität).
So auch wird die einschneidende Korrektur des psychoanalytischen Symptommodells: Trieb versus misslingende Abwehr überfällig; denn jegliches Triebgeschehen ist paradoxerweise selbst schon abwehrhaft, zielt ja auf die hierarchisierte Füllung der Bodenlosigkeit des Nichts mittels Todestrieb, passiv wie aktiv, Narzissmus, primärer wie sekundärer, Ödipuskomplcx, tödlicher Mutterinzest sowie Vatertötung und Schwesterselbstmord ab; und der Abwehrinbegriff, der das Abwehr-Abgewehrte immer auch unzuverlässig involviert, bis zum kontradiktorisch seins-, sprich: repräsentationslosen (Un)scheitern in Tod und Weltuntergang, besteht in der todgeweihten Kulturmaterialität.
Deren Kriegszusammenbruch nun betrifft an erster Stelle die Zirkulation und Konsumtion aussetzend mitreißende Produktion, in ihrem unüberbietbar grausamen Herzen die Phantasmavollendung im Vater-Tochter-Inzest: töchterliche Exkrementalgewähr der Mutterleibleiche, der also absolute Sohn als allmächtiges Vatermonstrum,
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der Usurpator jeglicher Differenz auf dem inkorporativen Kurzschlusswege der todbringend lebendigen Leiche, der Endlösung des Odipuskomplexes. Der höchste Gott ist ja nicht zuletzt der oberste Kriegsherr, in seiner sündenfälligen Kümmergestalt, psychopathologisch zuhöchst sodann, die Psychose: der Zeigefinger exkommunizierter subjektiv-korporeller, als solche sich, sie selbst, erhaltenden Differenzvernichtung, der abgestürzten Indifferenz, abstürzend sich eben noch auffangend zumal. So führt das Repräsentationsvermögen sich bloß noch als sein Zerbrechen aus (Schizophrenie), und alle Vitaldynamik als ihre Stillstellung (Depression).
Kriegsfall, der die Zirkulation, folgend der Produktion, den Handel/Tausch, die Versorgung, zum Erliegen bringt; und damit das Element der Vorführung der Dinge, der Warenästhetik (außerdem irenisch wie weiland im real existierenden Sozialismus!) buchstäblich von der Bildfläche verschwinden macht. Im Schwund dieses zu seiner Hypostase dauerverführenden Anschauungsmoratoriums, der dilatorischen Weihensweile dieses profanen großen Tischgebets, exekutiert sich (im Doppelsinn der Bezeichnung) die Effusion seiner ideierenden Verkennung, die himmlische Totalität der "produktiven Einbildungskraft", des schöpferischen Gedächtnisses, mindest des Vorgeschmacks des "Siehe, ich mache alles neu", als sei es erlösungsvergönnt, die Ur-Sprungsabsenz, die Vermittlungsretention, zum stupend erscheinenden Einstand zu zwingen. Und dieser ist ja dann auch demnach: nämlich die Toxikomanie der "künstlichen Paradiese" mit ihrem schönen Gewimmel an Fetischismushöflingen. Wer entsprechend aber den glitzernden Hofstaat der superfiziell ofensichtlichen Dinge, der lückenlosen Warenpräsentation, den universellen Unisex darin, wie kleptomanisch als sein ureigenstes Privateigentum nur noch konsumatorisch anzueignen, ja selbst zu sein begehrt - wer indessen möchte solches nicht? -, der sanktioniert sich selbst zugleich zum solistischen Perversling der alterslosen Schar seiner kollektiviert offiziellen pornographischen Gesinnungsgenosslnnen. Perversion, das ist das Delir der Nacktheit/Entblößung, die Epiphanie der Höchstlust des todesstigmatisierten Fleisches, die menschlichste Todesresistenz, verfänglichst Eros-prämiert - Lüsternheit, Obszönität, Zynismus -, Doppelhohn und -häme von Tod und Leben ineins, verfangenes Metapseudos. Fast könnte man versucht sein zu meinen, dass dieser nichtige Schatten der Warenwelt diese allein noch,
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freilich darin gänzlich auch verstrickt, aufkläre - jedenfalls bis zu deren kriegs-kon-sequenten innovativ objektiven tabula rasa-Privation.
Konform droht martialisch der Konsumtion der Hungertod, Ausdruck der Vornegation der Absolutheit an ihrem Bestätigungsort, dessen es freilich nur im souveränen Binnenspiel aus der Fülle des Gottes heraus, sprich: eucharistisch/toxikomanisch, bedürfte. Eben hier an diesem schlechthin unverzichtbaren Schlusspunkt muss sich der finale Krisissplit (wieder)ereignen: entweder die Höllenfahrt der Restitution der Mutterherrschaft oder dessen zum lichten Jenseits aufstrebende patriarchale Inversion - Gefressenwerden oder, allerdings, Fressen (und man weiß ja was), sei es oral-masochistisch oder oral-sadistisch erosexkulpiert, bis hin zur inempirisch endgültigen Triebcntmischungsmischung im Tode. Und nur durch den Gesamtdurchlauf dieser Krisismomente des vollen Unbewussten vermittelt, veräußert sich dieses zur detiniten Sphäre ordinärer Konsumtion, deren Gelingen sich, angesichts des Gewichts der einschlägigen Approbationsgefährdung, fast wie ein Wunder ausnimmt. (Großes Dcsiderat: der subsistenzsexuclle Metabolismuskörper)
Dass konsumatorisch Kultur je zwar insgesamt auf dem Prüfstand steht, jedoch nur noch - nach dein Vorausgang von Produktion und Zirkulation - das Supplement ihrer Endbewährung zu benötigen scheint, macht die Paradoxie der Neurosenkorrespondenz zur Konsumtion mit plausibel. Denn: In deren - weiß Gott wie immer angefochtenen - Gelingen hält sich der Rücksog der Fusionsbegierde, der Todesfährnis der produktionseröffnenden Anfangsumkehr, sich gänzlich zwar verstattend, mit aller selbstlimitierenden Macht zugleich jedoch auf. Und also erweckt die Teilgebrauchsstreikpathologie Neurose den Anschein minderen Krankheitsgewichts, doch ohne dass sich diese landläufig hoffnungsvolle Schwereeinschätzung therapeutisch verifizieren ließe - dafür ist das neurosenkonstitutive Aufgebot an Eindämmungs- und Partialisierungskräften allzu groß.
Die schiere Memorialitätssynchronie dieser permanenten Hominisationsprozesse, der so zwar gedächtnisgesicherten, gleichwohl - wegen solcher Assekuranzart? - labil verbleibenden, begegnet allnächtlich; notorisch fungieren Schlaf und Traum ja als existierensnotwendiger Einbildungshort des Vor- und instantan des Nachspiels kurzum der Kulturmenschwerdung selbst. Nicht weniger miteinzubeziehen sind deren dazu analogen zeitlich begrenzten Probeläufe in
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der frühen psychosexuellen Evolution/der infantilen Sexualität, körperzonal/organmodal benannt: der oral-inkorporativen, anal-eliminativen und im engeren Sinne ödipal phallisch-urethralen Obliegenheiten. In beiden Fällen aber stellt sich das Problem der dingdimensionalen Attribuierungen, ineins mit dem der Reihenfolge, neu. Denn: Bislang stand die Konsumtion/Mutter-Sohn-Inzest/NREM/Oralität am Anfang (1.), die Produktion/Vater-Tochter-Inzest/(N)REM/Analität dazwischen (2.), und die Zirkulation/Geschwisterinzest/REM/Urethralität am Ende (3.); erschienen demnach die beiden letzten Posten und auch der erste mit dem - korrigiert - letzten vertauscht. Stringenz aber stellt sich dann wieder ein, wenn die Kriterien Funktion versus Phänomenalität strikte auseinandergehalten werden. Nach jener Maßgabe gilt sodann die Sequenz von oben durchaus: die gestufte Kryptik/Halbkryptik von 1. und 2., und die simulative Demonstrativität von 3.; und über die Reihen- und Rangfolge von 1. und 2. (funktional verbessert in 3.) muss nicht mehr gerechtet werden. Nach dem erstgenannten Kriterium Funktion hingegen bleibt es bei der bekannten Version, objektiv jedenfalls, bei 2., 3., 1.
Ebenso wie in (N)REM, außenrepräsentiert in Zahl und Ton, gibt sich die anale Phase, unter Umständen urszenengeprägt, hybrid zwischen Erinnerungsausfall und -aufkommen; sowie NREM der vorhergehenden oralen, dem dunklen Opferinneren, dein Inkorporationsgeheimnis der Zerstückelung, beiderseits - wie alle diese Korrespondenzen - die Folie hegemonialer Imaginarität einführend und in sich ausbreitend, ferner ex post memorial-medial den Nichts-, halbwegs-Nichts- und eingebildeten Seinshof um die quasi späteren Ding- und Körperrealien bildend, ursprungsverdächtig entspricht; und REM dem exhibitiven, in seiner Überwertigkeit eo ipso geschwisterinzestuösen Scheinsein des im engeren Sinne ödipalen Gebarens.
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Dingdimensionen und Inzestformen
(im Überschlag)
Grundkonstellation/filiale Zentralperspektive: Sohn-Mutter-Inzest (Herkunft?)
1. Produktion/Vater-Tochter-Inzest(tabu)
Pathologie: Psychose
psychosexuelle Entwicklungsphase
Körperzone/Organmodus
Nachtphase
 
 
: anal-eliminativ (koprophagisch)
: (N)REM
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2. Zirkulation/Tausch/"Aufzeichnung"
Bruder-Schwester-Inzest(tabu)
Pathologie: Perversion
psychosexuelle Entwicklungsphase
Körperzone/Organmodus
Nachtphase
 
 
: im engeren Sinne ödipal-...urethral
: REM
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3. Konsumtion
Mutter-Sohn-Inzest(tabu)
Pathologie: (...) Neurose
psychosexuelle Entwicklungsphase
Körperzone/Organmodus
Nachtphase
 
 
: oral-inkorporativ
: NREM
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Christlicher Kahlschlag?
Sich auf die wesentlich kargere christliche Mythologie, codifiziert in ihrer kein Vertun erlaubenden katholischen Dogmatik, einlassend, kommt der Verdacht auf, dass die - im Sinne einer "wilden", verselbstzwecklichten, in sich sprachkreativ hineingeschriebenen Heuristik - vorgeführte systematische Dingdimensions- und Inzesteformskizze ausschließlich die heidnische Antike betreffe, vom folgenden Christentum demnach längst überholt worden sei und also der entsprechenden Großremedur, nicht zuletzt auf ihre neuzeitliche bis aktuell postmoderne Verfassung hin, bedürfe. Macht christlich doch den fraglosen Anfang - (zumal) "Hier ist ein Wunder, glaubt es nur" - die Geburt des Sohnes aus dein Vater vor aller Weltschöpfungszeit, zusammengehalten durch beider Liebesband, den Heiligen Geist. Gewiss, dergestalt gibt sich das Christentum ursprünglich als potenziert verrückter männlich homo-sexueller Papagei der antikisch weiblichen, als die wie unbesehene (freilich zuhöchst besehene), seltsam übergehende, gewaltsam abkürzende Substitution des patriarchatsgenetischen Komplexes des heteron-Einbruchs in die vorgeschichtliche Matriarchalität durch dessen isoliertes Resultat, als buchstäblich todernste Mannsparodie des im nachhinein initialen haltlosen, doch vorbildlichen/-dinglichen Mutter-Tochter-Inzests. So dass in der Tat die gegenständlich korrespondenten Inzestfornen christlich up to date-umgeschrieben werden müssten, zum Beispiel die der Produktion pendente ins Unding, dass, ebenso absolutheitswidrig, der Sohn der Vater des eigenen Vaters als sein Sohn, er selbst sich sein Großvater väterlicherseits sei. Man sieht darin sogleich die männlich emanzipierte Narrenspiegelung der vorausliegenden Mutter-Tochterindifferenz. Und, (teil)präziser noch, die Identität dieser allerchristlichsten Korrektur des Unbewussten der Produktion mit dem der griechischrömisch gefassten Konsumtion zuvor, also die Epikalypse des Mutter-Sohn- durch den Vater-Sohn-Inzest und damit zugleich, der
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besagten Ambiguität der Konsumtion wegen, jener prekäre Implizierung kurzum der Vorwelt insgesamt. Was nichts anderes heißt, als dass die dogmatisch festgeschriebene christkatholische Verbesserung des antiken Seinsentwurfs alle korrigierenden Omissionen desselben in sich enthält.
Diese "inklusive Disjunktion" macht auch den einzigen Grund dafür aus, dass der christliche Kahlschlag nicht eben denselben Vorzeitstillstand zeitigt, vielmehr, als in sich umgedrehtes ödipales Isolat, den entliehenen, mitnichten eigenverdienstlichen Inbegriff von fortschreitender Geschichte und, ihrem Wesen nach parasitären, Phänomenalität überhaupt. Ebenso konzediert ihre, des einschließenden Ausschlusses, nur durch Gewalt konservierbare Festigkeit notgedrungen allerlei Häresien, die alle, nicht eo ipso ohne Erfolg, irgend daraufhinauslaufen, die für den Christpatriarchalismus kriterialen Absehungen wenigstens ein immanentes Recht (wieder)zuverschaffcn - so wurde, beispielsweise, folgerichtig die Kompatibilität der uneingeschränkten Göttlichkeit des Gottessohnes mit seiner buchstäblichen Nichtebenbürtigkeit, seiner Entstehung aus dem Vater, früh schon und heftig zum Problem. Ferner, in engerem Zusammenhang mit den Irrlehren, sorgt der obskure Paganismuskern im Christentum negentropisch derart für dessen säkulares Produktivkräftefortkommen, dass es sich an jenem, renaissancenbildend: notorisch auf die Antike und nicht zuletzt das Judentums zurückgreifend, gründlich rekreiert. Und postmodern gilt sich das Unrecht des christlichen Patriarchalismus polytheistisch-pluralistisch endlich ab, kommt die geschmähteste Vorzeit in der sich also erfüllenden Endzeit wieder? Keineswegs - denn der krudeste Monotheismus des Kapitals erlaubt sich in aller martialen Sicherheit so nicht mehr als eine schöne Sonntagslaune.
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