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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Schimpfwörter - aufgeklärt wider ihre besinnungslose Ubiquität (Pathognostische Studien XII, 2013, Essen, Die Blaue Eule, 152-178)
1. Lesetext zum Semestervortrag in "Psychoanalyse und Philosophie e. V." am 13.12.2012
Exposee
Weitest geöffnet erscheint die Schere zwischen dem inflationären alltäglichen - selbst klassenunspezifischen? - blind psychohygienischen Gebrauch eines fixen Repertoires an Schimpfwörtern und deren - unseren doch vorhandenen Denkmitteln einzig würdigen - pathophilosophischen Aufklärung.
Mein Vortrag wird sich diese - unsere betreffenden "Gewußtheiten" womöglich in "Erkenntnisse" umwandelnde - (trans)psychoanalytische Aufklärungsart angelegen sein lassen; rekurrierend auf eine Auswahl gebräuchlicher exkrementalsprachlicher - wohl deutschtypischer? - Schmähungen.
Mehr sei jetzt noch nicht verraten, vorsorglich jedoch eine Vorwarnung ausgesprochen für alle hochanständigen Zwangsgemüter: meine Ausführungen nämlich werden malediktiös - wie auch anders? - "kein Blatt vor den Mund nehmen".
Da ich kein Kulturanthropologe bin, ist es mir nicht vergönnt, Sie mit Dokumenten der kulturellen Relativität auch der Schimpfwörter zu bedienen. Einfällt mir dafür bloß das Klischee der Unterschiedlichkeit deutscher und amerikanischer Maledikta, jene nämlich seien vordringlich exkrementaler und diese i. e. S. ödipaler Observanz, letztere mit ihrem Standardbeispiel "Fuck your mother!".
A part: nicht auch nutzte ich die Gelegenheit, mich einschlägig zu informieren durch den Umstand, daß die damals einzige Professorin in unserer Philosophischen Fakultät, die Altphilologin Ilona Opelt, die mich, mir
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"Charisma" attestierend, ausnahmsweise schätzte, die auf einer Asienreise mysteriös zu Tode kam, über "Lateinische Schimpfwörter" habilitiert hatte.
Wohl aber könnte ich dagegen dessen wohlbedarft sein, daß die gesellschaftliche Folie in subjektiv körperlichem Betracht unseres Sujet, der Dialektik der Verwerfung ("forclusion") der Exkremente, "thesei" erlernt werden muß, ohne daß damit das Gegenteil, infantile und extrem pathologische und epikalyptisch wissenschaftliche Koprophilie (an Beispielen dafür mangelt es ja nicht) naturalistisch "physei" ursprünglich wäre.
Den einzusozialisierenden, also dissidenzbefohlenen sozialen Fond der Desavouierung der Ausscheidungen versuche ich mich anhand meines naheliegend ersten Schimpfwörterbeispiels - Scheiße - anzunähern. - Halten wir es doch einmal anfänglich dazu mit einer protostatistischen Strichliste, wie oft wir pro Woche etwa von diesem inflationären Malediktum rein privat Gebrauch machten. Fürwahr, das in unseren Breiten ubiquitäre Scheißeverdikt wird unbesehen - bewußtlos, besinnungslos - gesprochen; und sein Synkopismus nachgerade avisiert seine - kaum aufgeklärte - funktional hohe Bedeutsamkeit, und nicht deren widersprüchliches Gegenteil -"Viel Lärm um nichts" - einer "quantité négligeable".
Noch konventionell psychoanalytisch angesehen, fungiert die Interjektion "Scheiße!" psychohygienisch, also im Sinne einer purgierenden "Projektion": ich entledige mich, eliminativ wütend, einer Selbstunwertkomponente, einer Eigenmißrätlichkeit, einer inneren Unratsakkumulation. Wohin aber "projektiv" damit? Intersubjektiv unadressiert (inskriptiv dagegen würde ich, mindest "Scheißkerl" verlauten), verflüchtigt sich der, ja, Fluch - "Exsekration" - in Allewelt, und magisch kriterial bloß der befreiende Verwerfungsakt, wohingegen das Repudiationsprodukt ob seines dissipativen Schwunds mich - prekärerweise? - von der obligaten "(Re)identifikation" in der "Projektion" zu entbinden scheint? Ja, im Sinne eines verhallenden Echos, bis hin zu teuflischen Akoasmen und Stille und
Weiter nun, psychoanalytisch: Und ich, ganz wie der Gott, sprach: es, die mißglückende Angelegenheit, die Privation meiner Regie darüber, werde Scheiße - weg damit auf der Stelle! - und es ward sie auch. Aber nein, nein! Das Mirakel der exkrementalen Transsubstantiation bleibt aus, bleibt eingebildet, verbal ver-faßt sublimativ: memorialisiert also bloß die Realdefäkation (stellen Sie sich einmal vor, bei jeder Scheißeexsekration überfiele Sie unaufhaltsamer Stuhldrang!), wenn immer diese ihren
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Projektionscharakter (vor/nach)prononciert. Und folgerichtig, sublim entmaterialisiert (doch materialiter daneben auch) übereignen wir uns, scheißeselbstver- und entfluchend, dem ins Leere vertönenden vulgären Sadomasochismus - der infamen Nachträglichkeit von Weltschöpfungsminiaturen - unserer ansonsten vielleicht friedlichen Tage.
Vielerlei psychoanalytisches Wissen um den "Analcharakter" ist gewiß zwar gewährleistet, doch bleiben die betreffenden Theoreme oftmals auf halbem (und noch wenigerem) Wege stehen. So etwa - ich nehme die Gelegenheit wahr, damit zu meiner weiterführenden Scheißreklamation überzuleiten - entfällt die Folgeverfolgung des unadressierten "Projekts", das sich dem demiurgischen Überhaupt heillos korrupter Welt eo ipso zugesellt, indem es mich aber, passager, entlastet - so ja das Los therapeutisch aufgelöster Symptome: kurzum: Rüstungspromotion (und mehr), phonetisch verdeckt bis zum lärmend tödlichen Weltenschweigen, wenn immer ich mir die Narretei, meinem Fluch nachzuhorchen (aber bitte/bitte nicht!), nicht versage. - Ferner: trotz allen Verwindungsansinnen, verharrt die Psychoanalyse axiomatisch in biologistischer Metaphysik - die körperliche Ausscheidung gilt als naturale Matrix ihrer exsekratorischen Sublimate, quid pro quo des Scheißeverbalismus und der -realie. Daß jenes affektionierte "Imaginarität" - die "symbolische Ordnung" usuell auf der Kippe - in ihr Realpendant symptomatisch zusammenzukrachen pflegt, das macht noch kein Argument für dieses Ursprünglichkeit. Ohne nun diese triftige genealogische Spur fortgesetzt aufzunehmen - in kategorialem Verstande sind beide, das Fluchwort und seine sensuelle Korrespondenz, in einem Verhältnis sogenannter "Wechselwirklichkeit" begriffen, will sagen: sich voneinander abstoßend, ernähren sie sich, ihre Positionen entsprechend tauschend, aneinander; und die exsekrativ grenzwertige Kulturprärogative jenes, des bloßen Schmähverbums, konterkariert sich, wie reparativ, in der Supposition dieser, realiter materialistisch dann - "mysterium civilis" -, als Trug der "prima causa".
Voilà! so die Groteske beider Begegnungen: die Sinnlichkeit des Verfluchten, hämt, übergängig olfaktorisch penetrant, seiner mentalistisch reinen Verfluchung hinterher, und diese rümpft, widersprüchlicherweise, die eregierte Nase über dieses; bis sie - möglicherweise? - in eingedenkendem Lachen je über sich selbst im Verein, (re)konsentieren; und dabei vielleicht auch dessen innewerden könnten, daß sie ihren Stoff nebst dessen halbherzigen Sublimaten eben nicht, außenverweisend (wohin?), aus sich selbst beziehen.
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Was mich, selbst innerhalb regelrechter Psychoanalyseoptionen, in diesem leichtfertig obliviösen Zusammenhang, transmoralisch freilich, besonders stört: die gängige Trivialisierung unseres doch wuchernden fäkalischen Schimpfens.
Eben, "man will nicht wissen" (Lacan), impudent gemahnt sein an die in ihrer Ausblendung ständig manifeste Unterwelt unserer lichttrüben bourgeoisen Großgeschäfte (sic: Geschäfte!), die sich fortwährend an dieser mitkreieren - ohne den den Äther überfüllenden Fluchenstumult löste sich die soziale Kohärenz auf, bräche unsere "gesellschaftliche Synthesis", kurzum: der Kapitalismus, zusammen. "Fortiter exsecrate ergo"!, in voller Ummäntelung aber hypokritisch derart, als sei, vergleichbar dem unschicklichen Furzen: festgehalten übergängige feinsinnliche Materiatur des also abgebogenen Fluchens, überhaupt nichts geschehen (wunderbare Szene in Bronnens "Exzesse": der mikrige jüdische Atlatus sitzt dem feisten Unternehmer auf den Schultern und deliriert: "Luft ist Luft, Geschäft ist Geschäft ... ").
Vorläufig bereits transpsychoanalytisch geäußert, bewirkt die abgedunkelte Fluchens- und Beschimpfensfunktion die totalisierende Einbeziehung der exkrementalen - subjektiv körperlichen sowie sublimativen - Mikrogepflogenheiten zu deren umfassenden Makropendants, abgehalten deren verräterischen Lustkathexe (und auch, vielleicht, deren Aufklärungsvirtualität?) wegen. Unser tagtäglicher Minisadomasochismus erweist sich, umso verrückter, als eine Art von psychohygienisch depressivem Quasiwitz, der, in aller persistierenden Flüchtigkeit, die Primordialität unserer Großexistentiale wie subsidiär untergreift und - bitte wegschauen! - teleologisiert. Memo hier die Brandrede meiner Hauptausbilderin, sie besaß die rarere Gabe, Scham und Wut in einen erythrophoben Paroxysmus ineinszubilden - Inflammation über mangelnde Erwachsenenreife, in unseren Dejektionstätigkeiten - o weh! - Lust zu empfinden. Viel Vergnügen! - rufe ich ihr ins Grab nach - mit der georderten Ausscheidungsbegleitaskese, die totale Obstipation nachsichzöge; die die initiierende, sustentierende, prämierende Algolagnie sanktional quasi halbiert, um, im Scheine der subversiven Austrocknung derselben ihm die letzte Ehre, grausamste Sensationsisolierung, zu erweisen.
Allein, die "ultima ratio" des von Mystifikationen nur so trotzenden Exkrementaltheaters ist längst damit noch nicht gestellt. Befremdlich unverwegen in diesen ontologisch ultimativen Dingen die konventionelle Psychoanalyse zumal, welche die Antwort darauf schuldig bleibt, was denn
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den wahren Grund des ebenso unerfindlichen wie eingefleischten Aufhebens um diesen "Erdenrest, aufs peinlichste zu tragen", ausmache. Also: ohne Umschweife, wie sagt man?, auf den Punkt gebracht, und immer auch dessen besonnen, daß alle innerlich ausgefühlte Synchronie die diachronisch bourgeoise Eingrenzung all dieser Maßnehmungen nicht aufhebt: es ist die Scheiße, die moniert, daß alle unsere todesgenötigten begehrlichen Absolutheitsprätentionen zum Scheitern verurteilt sind; daß jegliche Verletzung des Inzesttabus sich großsymptomatisch rächt; daß der indifferenzanimose Differenzeinschlag, paradigmatisch repräsentiert in den Exkrementen, uns in verzweifelte Verlegenheiten, die des fortgesetzten Managements dieses hominisierenden Sündenfallcoups, stößt.
Der Reihe nach (metanoite!):
Bitte, unterstellen Sie das Gesamt des Metabolismus, der Nutrition, dem "Begehren", d. i. der Passion des restlosen (restlosen!) Einswerden mit dem Nutriment, dem oralen Grundinzest, der subsistentiell basalen Indifferenz. Kein Weg führt daran vorbei, sofern diese Supposition sich ja als Seinsgenerator schlechterdings vor-gibt, wenngleich, dawider, tödlich ausfiele, wenn diesem Ursprungssog nicht in sich und durch sich selbst Einhalt geboten wäre: je in dessen Abbremsung wie in Rationen sich die Gesamtdigestion im Zusammenhang ausfällte; allzeit davon bedroht, sich - Ralentation - pathogen zu überrennen: sich, dann schließlich letal, ganz auf einmal, zeittilgend peremptorisch, zu vollstrecken.
Resultierend faktischer Selbstdarstellungsinbegriff dieses Remediums - Sie ahnen es wohl? - ist unsere Dejektionsspitze "Defäkation", die da zwingend bekundet, daß die alimentäre Inzestrechnung nimmer aufgeht, sich bloß polysymptomatisch (Scheißenssuspensionen!) nichterfüllt.
Scheiße = konkretistische Differenz-, Einschnittsanmahnung also, Rettung zwar vor der Fata morgana des Begehrensziels, zugleich aber letzte Zumutung ("check") der unbezwingbaren Sterblichkeit, kreaturgenerisches "memento mori", selbst schon anläßlich jeden noch so komischen Furzes - zum Glück differiert, überlagernd, der bloß manisch nicht-infirme "anale Frohsinn": atemschöpfend rückgebundene Distanzierung der Begehrenswehen im Vorübergang. Schimpf und Schande über dasjenige, was mich, allerdings zeitigend/verendlichend, gleichwohl einzig am Leben erhält, das Paradoxon demnach der Differenz-, Dissoziationsmaterialität.
Wie aber sollte es dabei, dieser überspannten Dialektik ("fair is foul, and foul is fair"), sein Bewenden haben? Inwiefern könnte das ominöse
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"Begehren", die lebendige Leiche, darin zur Ruhe kommen? Nein, nunmehr muß es kulminieren, wesensgemäß, in reinster Todeseucharistie, der (Vor)letztrepudiationsattacke wider die Soterologie der - wie naturalisierten - Differenz, sprich: der Koprophagie, des Exkrementalinzests, des analen "Uroboros" (siehe Man Rays ingeniöses "Das Gebet" - Oration = Allusion der "unio mystica", korporell abgründig aufgeklärt). Mensch, an der Wegegabelung: entweder sich, entmenschend, an der eigenen Scheiße zu Tode fressen, oder aber - Lokal der kulturalen Allererst-Hominisation, (schein)"metabasis eis allo genos" - das fäkalische Dokument der rettend skandalösen Differenz in die Urdifferierung der Dinglichkeit, der menschheitskriterialen Kulturkreation, erhaben wundern. Ja - die Gattung hat sich für diese gründende Fission eh schon, anfänglich, entschieden. Höchste Vorsicht, bitte, aber hier: der Mittagseinzug der langen - kopro-, ja nekrophagischen - Schatten, der herkunftseingedenkend unausbleiblichen, an Pathologie erfüllt sich, in seiner höchsten Anmaßung, zum Weltenbrandeschaton: der Rache des Dinglichkeits-usurpatorisch disponierten Aufschubs. Also die große Alterität unseres Dingehorts, sie ist und bleibt, in ihrer Vollendung, ein sublim gehärteter zerfallsbedroht explosiver warenästhetisch geschönter Scheißhaufen, denn auch die Dinge, zumal die Dinge wollen wiederum aufgefressen werden, und sie werden es in der globalen Persistenz des supermartialischen Dinginzests ("Arschmahlzeit der Dinge"), außenvor objektiv, sowie anhaftend den Körpern in sanktionierter Mimesis an ihre externe Destruktion. Fazit - o nein, unser Thema, "Schimpfwörter", habe ich nicht vergessen! -: immer wenn ich "Scheiße" fluche, genealogisiere ich, wie synkopisch, verdichtet, in "projektiver Identifikation", die über Menschheit entscheidende/Menschheit aufgelängt vernichtende Kultur(re)naissance, und mein widersprüchliches "Damnatur" der nichtsdestotrotz mich vorerst in Sicherheit bringenden inzesttabuisierenden Differenz - daß ich mich des konkretistischen Sterblichkeitsunrats meiner selbst, wutaufstampfend imaginär obsekrierend, entledige - tönt mir - Waffenecho - "wie Geisterhauch zurück", besser: wie die dumpf lärmende Druckwelle von Explosionen, will sagen: der Dispositionskomik des - Sprengmeister her! - externalisierten Differenzverwahrs. Man muß sich eben zu helfen wissen, um nicht, seinsnichtend, der Widermenschwerdung - fürwahr die Sache der Analität, unverkürzt aber auf die "anale Phase" - anheimzufallen: allzeit kriegsführend nämlich die Unbewußtheitsbergung der Differierung = die Dinge als deren suizidale Waffenförmigkeit in toto, Aufschubsklimax, bis-zum-es-geht-nicht-mehr (der mörderischen Todesabstreitung), zu existieren. Und promovierende Episode dessen, der also
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gipfelnden Differenzparadoxierung, macht, gelegentlich, mein wohlgefälliges Scheißefluchen aus.
Wie auch sollte man solches wissen wollen? Bürgerlich kapitalistisch halte man es mit der Opportunität, dies Fluchen auf den Defäkationsnachtrag - Scheiße, imaginär, zu Scheiße, real - einzuschränken, immerdar in der Obhut der "Privatisierung des Afters" ("Anti-Ödipus"), in unserem Bauherrenscheißhausmodell, umnebelt von antifötiden Duftsprays - die olfaktorische Prärogative, Vikariat der Koprophagie, versteht sich -, denn auf diese Weise zumal ableisten wir unseren diurnen Part zur Rüstungsindustrie.
Aber mit der Verwerfung der "faeces" scheint es - über alle kulturanthropologisch notwendigen Relativierungen hinaus - in unseren Regionen nicht allzu weit her zu sein; so daß das Mirakel deren Umschlags in Dinglichkeit, die Flucht vor dem exkrementalinzestuösen Selbstuntergang (doch aufgeschoben in das transfiguriert Geflohene letztinzestuös hinein), nicht gar so horribel wundersam ausfällt, der Analität mitsamt der "analen Phase" etwas von ihrem genealogischen Sondergewicht und ihrer hominisierenden Abgründigkeit abzieht? Hinzukommt - nicht zu vergessen - der psychoanalytisch eingebrachte anscheinend ebenso moderierende Umstand, daß primär nicht Dinglichkeit selbst, vielmehr deren Tauschwertvereinnahmung - folkloristisch bestens bewährt: Scheiße = Gold/Geld - als dejektives Transfigurat durchweg veranschlagt wird; dessen Verschiebung also auf das Allmedium jener, der Dinge, sogleich als Waren, modern eo ipso kapitalisierte Technologie - nichts, was ohne Ankauf und Verkauf ("Finanzierung" und "Zahlung") existierte -; so daß wir tunlichst sogleich isoliert nicht von Dingen, sondern, der besagten essentiellen Kontamination wegen, von Waren sprechen sollten. Und mein Scheißefluch evaporiert, probierend, im, an dit ermäßigten Bimbesäther, vielleicht bevor sich dieser, je materiell ungedeckter, umso begieriger, auf unseren scheinverewigten Dingeleichen niederläßt und sie todesbelebend - die reinste Explosionsweihe - perfundiert.
Nicht nur, daß wir "aus dieser Welt nicht fallen können" (Grabbe), anscheinend geht darin auch nichts verloren - dem ist ja das Recycling - wie weit reichend? - vor. Heimsuchen wir also Kläranlagen, und machen wir uns auch mal Gedanken darüber, ob die strikte Ausblendung der Toilettenangelegenheiten auf Weltraumschiffen, zumal auf deren Replikatoren hin, nicht verräterisch sein könnte? Die grassierende grosso modo was sonst denn todesepikalyptische Abfallwiederverwertung, Todestriebabrundung sondersgleichen, reproduziert, objektiv nachträglich, ad oculos, in ontischem
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Betracht, die, kurzum, Warentransgression des Körpermülls; und, womöglich, überkommt meinen habituellen Fluch das medien- und dingmetamorphotische Lachen - "Was die Verdauung übrig läßt, daraus macht der Mensch noch Watte ..." (Kästner).
In psychoanalyseherkünftig generationssexueller Lesart verinbegrifflicht sich der liberierende Heteronskandal im maternalen Körper: dessen begehrlichste Ganzverschlingung, der vollendete Ödipuskomplex, gewährt die widersprüchliche Gnade seines seinserhaltenden Mißlingens, dargetan in der Mordsperfidie des Mutterleibleichenrückstands, der Exkremente - Laß ab von dem, was Dich, unabweislich zwar, passionierend, zur Existenz appelliert, Dich jedoch, am Ende, umbrächte; gib Dich, wenn immer auch "contre coeur", nicht der Erlösung schlechterdings, doch dem - gleichob unverläßlichen bloßen - Aufschub Deiner Apo-kalypse hin, gnadenlosgnädig überführt Dich das Andere an Maternalität, exponiert exkremental, Deiner unreformierbar kreatürlichen Ohnmacht; und auch der getötete Vater läßt sich nicht zu reiner Dienstbarkeit an der mörderischen Sohnesindividualität zwingen. Doublebind-rettendverderbende Eltern - immer auch Unelternkongregation aisthetisch in meiner Scheiße.
"In principio" also, wie immer, der Mutter-Sohninzest, auf seiner ödipalen Heldenspitze: "Da er mich zeugte, starb, sie sterbend mich gebar", doch der Heros bleibt mit Eigenscheiße eingeschmiert, bleibend heteronomisiert, die er in einen undurchdringlich ehernen Panzer transfigurieren muß, um seine todbringenden Kriegsgeschäfte fortzuführen. Und die übrigen Inzestformen? Auf die Tochter folgerichtig inzestuös abgesehen, entwindet sich der Vater seiner ödipalen Dienstbarkeitsnichtung, invertiert die - wie erfunden vorzeitliche - "Magna Mater" zur - wie einzig faktisch probierten - "Magd des Herrn", der tochteridentischen Erschaffung der eigenen Mutter. Wie ihm das, patriarchatsgenerisch, gelingt? Allein ob seiner zeugenden Unverzichtbarkeit, der je schon, selbst in ihrer Ignoranz (?!), durchgesetzten; so daß dem Vater-Tochterinzest, objektiv dimensional, ja die "Produktion" entspricht, und der von Mutter und Sohn an die letzte Stelle, die "Konsumtion", rückte, jedoch von hier aus, wahrhaft ultimativ, erstrangig wiederum, seiner, des Verzehrs, kreative Aufhebung immer erneut - Nachschubprovidenz - motiviert. Und die göttliche Tochter mag sich dann noch, schwesterlich allzeit vermittelnd (geschwisterinzestuöse Mediation), dieses zirkularen Übergangs hin und zurück mittragend annehmen. Scheißegnosis vollends also: die Inzesttotale macht sich, exkremental skandalös
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faszinierend, kryptisch; und unsere memorial genealogische Weile dabei bezieht ihre sich in sich rückverschlingende Morakraft aus den untranszendenten Benefizien dieses menschheitlichen Insgesamts.
Arschloch. - Beileibe nicht nur, doch, in meinem Erfahrungsumkreis, gehäuft, spezialisierte sich, nicht selten mit feministischem Akzent, das beliebte Obsekrationsverdikt "Arschloch" - widernarzißtische Invektive - auf Mannsdesavouierung weiblicherseits. Worin aber besteht der intersexuell entwertende Vorwurf? Scheinbar einfach darin: Du, Mann-o-Mann, bist kein Mann, die läppische Karikatur eines solchen; denn Du hängst an Deinem schönen After wie am Tropf, will sagen: bist regressiv fixiert einzig auf diese "erogene Zone", auf Deinen algolagnischen Hinternhiatus; verkommst in der erosversessen schmerzenden Lustspürung Deines dubiosen Scheißens, das, vor nachgerade lauter manisch überzogenen Anregens-, Tragens- und Beglaubigungssensationen, sein "memento mori", Inbegriff des physiologischen Differenzmonitums, darin vergißt. Und das soll eines erwachsenen reifen Geschlechtsrepräsentanten, männlicher Grandezza, würdig sein?
"Arschloch" - sein Schimpfwortgebrauch passiert - nicht zuletzt in Ehekrächen - in, jegliche ausführende Besinnung absorbierenden, Verdichtung; irgend explanative Weitläufigkeit brächte seinen lähmenden Bombeneinschlag um seinen Effekt, verscheuchte das (projektiv) supponierte infam aufdringliche Mannsgebaren eben nicht. Solche implizit erhobene männliche Großidealität aber schlägt insofern den Abweg ihrer dialektischen Selbstvernichtung ein, nämlich als sie die ganze just exkremental obsequente Heteronomie der "genitalen Sexualität", deren partialtriebdeterminiertes vordringlich subsistentielles Ausscheidungssubstrat, verkennt: in ihrer abstrakten, sprich: Mutter-unreminiszenten, Männlichkeitsreklamation deren überlastetes Reklamat, den konkreten Mann vis-ävis, oblique kastriert: ihm sein unabweisliches heterogenes Existierensfundament entzieht. Und wenn dem nun nicht so wäre, was sollte Frau denn dann mit dieser, ja, priapistisch netten Keuschheit - Wunschkonterkarierung in sich und durch sich selbst - überhaupt anfangen??.
Höhepunkt der Beschimpfensdialektik: die sadistisch hämende Verfängnis der Beschimpfenden. Exklusiv nämlich wehrt unsere "Magd des Herrn" ihren perversen Ungatten, Sankt Joseph, den gar nekrophagischen Gierhals, ab, allzeit zur höheren Ehre des "Himmlichen Vaters", des
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mutterauslöschenden Transfigurationsgaranten, und in allesvergoldender Radiation eigenpräpariert die Gattung ihren - wie lange noch ausgesetzten? - Exitus. Denn jegliches lubrikationsprämiertes ♀ Anblaffen scheinverliert sich in unseren mutistischen Waffendepots, harrend des Höllenlärmechos deren Endzeitsolvenz.
Arschlochschmähung, inversiv gesteigert zum "Leck-mich-am-Arsch", die verruchte Praxis dieses Deines schier unwürdigen Gelüsts - quasi koprophagisches "hors-d'oeuvre" -, sie kannst Du haben, ich biete sie Dir, meinen verschmierten Anus, voll des Zynismus, an - nur zu! Restgesitteterweise aber, indem ich es (ich habe mich in eine wütende Frau verwandelt) bei der bloßen Vorstellung dieses "sodomitischen" (Klossowski) Unterfangens belasse -, bestände der also ultimativ Geschmähte auf dessen leibhaftiger Realität, so könnte ich selbst, nun ja, in Verlegenheitsnöte geraten, und er gelänge fast obenauf? Ja, allemal widerlegt meine S(M)Wollust, selbst wenn in "kalte Wut" entaffektioniert, jeglichen unbefangenen Metaüberstieg, und selbst dieses mein intellektuelles Kopierwesen entkommt der Rückfesselung an ihr im Geiste Gefesselten, dieser Unterweltcrotte (Abwässersystem), nicht. Und freilich, derart zumal, bereinigt eo ipso sich unser genealogisch imaginärer Vorübergang, Lichtspaltöffnung zur ontologischen Hexenküche, der anale "cunnilinguus" in seinen Dinglichkeitspendant außenvor hinein: die abgelöste explosive Differenzverbergung: unsere progredienten Waffen.
Das Gelingen solch alltäglichen Tributs an den Fortschritt an Rüstung, abdriftig in die Preiskürung sadistischer Körperlust, kommt, weiblicherseits hier, nicht ohne überkompensatorische Urethralitätsimpulse aus - Pißnelkennacktarschtriumph: Urstoff zum kosmischen Losprusten, wenn nicht, ja wenn nicht die Paradoxie derart affirmativer Aufklärung, des doppelzüngigen Mythos (buchstäblich) der Waren- = Waffenschmiede herrisch zur Disposition stände. Man verfalle demnach bitte nicht dem larmoyanten Irrtum, es ermangele unserem Generalfetisch kapitalisierte Technologie an sichtapparenten/-klausulierenden Probationen ringsherum; nein, opak und impermeabel konglutiniert inflationär deren essentielle Ubw-Involution - vollgedröhnt unsere Tinnitus-anfälligen überbaulichen Ideologieohren, und, nicht anders fasziniert, unser trunken debiler Huldigungsblick. (Und die "niederen Sinne"?)
Angenähert erscheint die Schmähungspointe in der Zitation des personalisierten Organsegments ("Arschloch"), nicht des Produkts ("Scheiße") und nicht des entsprechenden Akts ("Scheißen", mit seinen terminologischen
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Variationen, jenachdem?). Am vorläufigen Ende dieser Sequenz resultiert ein Zuwachs an Obszönität: wie das Avis des nackt aufklaffenden "en-soi" (Invitation zur Homosexualität) - "Die Augen gingen ihm über ... ": isoliertes Fetischzoom, Versammlung einer hämorrhoidenumkränzten "Ästhetik des Häßlichen", postmodern eine besondere schönheitschirurgische Kommission. Und der obligate Todeshauch der naturwissenschaftlichen Medizin verewigt die aufgehaltene Verwesung, den finalen Übergriff des Produkts auf sein verwahrtes Produktionslokal.
Solidarisches ♀-filiales Mutterauxilium: Deine schmähliche koprophagische Begeilung am intestinalen Endstück der Mutterleibleichenepiphanie, den opferindizierenden "faeces", lasse ich, Tochter, also verfluchend imaginär tätig, auffliegen? Gewiß, doch so nur "post festum", in konsumatorischer Schuldverschiebung immer auf Mann, im Sinne reparativer Exsequien, verstrickter diskriminativer Verbrüderung ("inklusive Disjunktion"), indem Tochter die eigene maternale Kadaverrelique ja dem sich offiziell derart entmännlichenden Sohn zum inzesterfüllenden Fraße offeriert. Welch schöner bilateral scheißehöriger Austausch, wie wenn, wenngleich bannfluchbelegt, doch dadurch mitnichten gehindert, umwillen kriegspromovierend entsperrter Objizierung, sich die anfängliche Wunschkonstellation (re)stituierte: im nachhinein - des Teufels gottestherapeutischer Sieg - allererst herstellte. Genealogisch reminiszentes Tochterwerk der analisierten "bösen Brust", und der mißratende Heldensohn gebührlich der Koprophage. So die maliziöse Narrenspiegelung unserer superwarenästhetisch insonderheit blankgeputzten, geschmückten, auch ♀-vorbenamsten (früher gesegneten) Waffen. Bitte demnach die Daumen fest auf das noch so geringste performanceverführende Leck der Obsekrationsverbalismen, an deren Spitze das "Leck-mich-am-Arsch", drücken, sonst nämlich wäre uns ein PsychKG sicher. Ja, doch unsereiner befände sich "hinter dem Mond", wenn er nicht auch wahrnähme, daß just solche polizeireifen Szenarien in der Pornoindustrie gefilmt und vertrieben werden; der besagten - befangenheitslastigen - Dialektik des flüchtigen Schimpfens durchaus angemessen.
Der genealogische Zugriff auf Homosexualität läßt - historische Gerechtigkeit? - fast alles derzeit zu wünschen übrig. Eingerückt hier in den Schimpfwörterkontext, basierend auf der möglichenunmöglichen, nämlich zu martialischer Objektivitätsekstatik verpflichtenden (kontingenten), Verwerfung der Exkremente, gelten folgend die - sicher mehr als unbeliebten - Monita, die sich wider die homosexualitätskonzentrierte Festung
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nachgerade postmoderner Gegenaufklärung, unlaut unter der Hand, zu richten riskieren.
In der grosso modo dafür blind rehabilitierten vordringlich männlichen Selbstreferenz des Geschlechts imponiert der zonale Substitutionscharakter: After statt Scheide; was, abgelebt früher auch bei uns, als sanktionserforderliche Natürlichkeitsverletzung, Monstruösität, firmierte. Innerhalb dieser kriterialen Surrogation bildet sich ferner das "quid pro quo" der betreffenden Organmodi aus: travers erscheint die Ausscheidungsfunktion durch die der Einverleibung, Elimination durch Inkorporation, episodisch ersetzt. Was - dem Übersehenwerden zuwider - so anmuten mag, als regrediere dieser homo-sexuelle Grundakt Analverkehr, retro"metabasis eis allo genos", zum oralinzestuösen Beginn, als memorialisiere er, deplatziert tätig, den besagten Sündenfall des restlosen Mutterverzehrs, der sich ja, exkremental differenzdrohend, rettendverderbend, dementiert. So, folgerichtig, das Präludium des ganzen Aberwitzes, inzüchtig nimmer "zu ruhen und zu rasten", bis sich die Selbstabsolutheit, letztendlich verschoben als Suizidalität der Dingkulminate Waffen, essentiell todesbetrogen, erbötig machen möge.
Der Analverkehr präpariert, hypostatisch, die "resurrectio mortuorum", Totenerweckung der Mutter, auf daß sie sich, revitalisiertetes Fleisch, zur totalen Eucharistie, der Indifferenz des Aufgangs in ihr, mortale Erosvollendung, retrospektiv restituiere. Doch der manisch konkretistische Wahn der Scheißebesamung fusioniert mit seinem inneren Kontrarium: daß nämlich die losgelassene Effusion, Inbegriff zeugender Lebensklimax, an ihre peremptorische Todesgrenze, abstürzend depressivierend, stößt - nein, das paßt - ekle (delikatessische) Mixtur - (nicht) zusammen, und die erhabene Thaumaturgie der Todesparade umschlägt in den Schein der Gegenmagie von Leichensalbung, wie das rein körpergebundene Unterweltsakrament der "Letzten Ölung" ("Salzung"), Moment tiefverzweifelter Todesweihe, als sei die infernalische (Un)prokreation der - nichts denn zugleich drangegebene - Todesdispens. Fürwahr, wenn schon zu werten - ein profund menschliches humanistisches Kunst- und Meisterstück, die männliche Homosexualität, reifiziert Waffeneloge auf ihrer Spitze, die ganze Diligenz der Rüstung: "unbewußt, höchste Lust" deren, allein durch deren Progreß lizenzierte, unterdessen konsequent demokratisierte, pornographisch gar entintimisierte, realgenealogische Körperkorrespondierung.
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Ein System demnach der Konfusionen, und zwar
  • der Organlokale (After mit Scheide);
  • der Organfunktionen (Elimination mit Inkorporation) sowie
  • dieser Permutationen Zweck (reminiszent materialisiert letzter Lebensgruß - wohlplaziertdeplazierte Ejakulation - mit Totenerweckung). Ein durchaus martialitätskonservatives nötereich ebenso stupides wie artifiziöses Unterfangen, das vormals Allzuviel von unseren ontologischen Betriebsgeheimnissen verriet, um nicht entsprechend mortiferent verfolgt zu werden; dessen in diesem Rahmen - töricht wenn subversiv beanspruchte - moralistisch rationalisierte Konzession sich solo dem Solidisierungsprogreß unserer objektiv universellen Kriegsgeschäfte verschuldet.
Freilich, das ist mir, scheinbar restringierend, wohlbekannt: nicht alle Homosexuellen wandeln auf solchen quasi realmythologischen Pfaden, unbedarft dann aber dessen, Falsifikationsvorwände des rückverfleischlichten Waffenarkanums aufzubringen. Und wenn auf diesen Nukleus eingeschworen, so liegen oftmals Idiosynkrasien nahe, ob die "glans penis" nicht doch vor einer möglichen Scheißekontiguität präservativisch geschützt werden solle. Gebührende Zurückhaltung auferlege ich mir auch, betreffend die Publikation im Milieu allerdings rarer koprophagischer Rituale. Und das Dauerdesiderat weibliche Homosexualität? Allem - trügerischen? - Anschein nach tritt die "Rückseite der Medaille" hierbei in den Hintergrund, nicht zwar notorisch als Sujet weiblicher Kastrationsattacken gegen Weicheimänner, wohl aber als dasjenige inverser vorderfrontiger Polemik, oft mit besagtem überkompensatorisch urethralem Einschlag.
Zurück zu den ausgewählten Fluch- und Schimpfwörtern: "Scheiße, Arschloch, Leck-mich-am-Arsch", bei denen es nunmehr sein Bewenden haben möge. Sie also zahlen bewußtlos Tribut - im Kurzschluß gesprochen - an unsere Rüstungsindustrie, indem sie dem heroischen Sohnesmann (eventuell auch mir, in der Scheißeformel eigenkonsekrierend, selbst), weiblicherseits, homosexualisierend, die "schwarze Messe" "negativer Ödipuskomplex" anheften: ihm, demgemäß, seiner unsublimiert muttermörderischen Lustkathexe, den gebotenen Soldateskahabit, nichts denn die Kriegsobjektivität der regressiv "analen Fixierung" selbst, absprechen, jedoch, ja, um deren universellen Restitution willen. "Unser tägliches SM gib uns heute" - welch feministischer Debilismus, just in seiner Schmähung den wilden Krieger widersprüchlicherweise zu reklamieren, nicht zuletzt
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aber die Mannschaft des "wilden Denkens", die - versklavten - Ingenieure, die - innigster Tochterwunsch - den Mutterleib dinglich/merkantilisch transfigurieren. Und der ganze Rest der Weibsandrophobie versammelt sich im "mise à mort" der paranoisch sich zerfleischenden Mannenblase.
Der Üblichkeit des - insbesonders männlich adressierten weiblichen - Beschimpfens raube ich also die Unschuld? Ja, wenn mein einsamer Einspruch öffentlich verfinge, unvergesellschaftet aber mit allem - die Verführung dazu ja nur steigernden - moralischen "damnatur". Was aber bezwecke ich selbst mit dieser meiner - scheinbar bloß metapositionalen, anarchisch nämlich befangenen - Aufklärungsart? Die Utopie - um nicht sogleich zu sagen: das Unding - unbegrenzter Obsekrationslizenz ineins mit -genealogie, wie gehabt: der nachsetzenden Inzestuösität der Koprophagie, dem Notfallmanagement der vorausgehenden exkrementisch mißlingenden inkorporativen, anlangend an der - über Menschheit entscheidenden - Bifurkation des korporellen umso tödlicheren Todestods versus dessen kulturale Extremveräußerung, der Rüstung.
II. Noch Lesetext-durchsetzter Vortragstext
Zunächst ist festzustellen ein schreiendes Mißverhältnis zwischen dem wuchernden Gebrauch von Schimpfwörtern und der Unaufgeklärtheit des in ihnen Besagten, kurzum: ihrer sich subakut stark entziehenden Grundfunktion. Diskrepanz, die für die ausnehmende Bedeutung derselben, als wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen, des Makrounbewußten, zeugt.
Kulturhistorisch, -anthropologisch würde man über die Gültigkeitseinschränkungen, die Relativität des Schimpfwörtergebrauchs, und mit auch womöglich über dessen allgemeine Prämissen, zünftig belehrt. Aber auch je kulturimmanent wäre man genötigt einzuräumen, daß diese, dessen umfassende Voraussetzungen, einsozialisiert, gelernt werden müssen, eben nicht von Natur aus vorgegeben sind; wie, zum Beispiel, die infantile Koprophilie, beibehalten in entsprechenden Erkrankungen, und, nicht zu vergessen, in ihrer wissenschaftlichen Neutralisierung, belegt.
Folgend gilt nun die enge Kaprizierung auf - typisch deutsch geheißene - exkrementale Schimpfwörter, ausgerichtet auf deren allgemein kulturelle
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Verankerung: inbegrifflich bürgerlich die Verwerfung der Exkremente. Fürs erste das Schimpfwort "Scheiße", außerdem mehr ein Verfluchungs-, ja Selbstverfluchungsverdikt als ein solches der Anderenbeschimpfung. Zudem wehre ich mich dagegen nicht, daß mir eine weitere charakteristische Einschränkung mehr oder weniger unterlief: nämlich die fast ausschließliche Beschimpfungsadressierung, ausgehend von Frau gegen Mann.
Eingeschränkt also werden folgend die Schimpfwörterverwendungen
  • zeitlich auf die Großepoche der Vorherrschaft des Bürgertums (Kapitalismus),
  • hierin auf das neuerliche Deutschland (etwa von der Nachkriegszeit an bis heute),
  • inhaltlich auf eine Auswahl exkrementaler (Selbst)verfluchungs- und (Fremd)beschimpfungswörter (namens "Scheiße, Arschloch und Leck-mich-am-Arsch");
  • im Hinblick auf deren Ableitung aus der Verwerfung der Exkremente; - selbst wiederum - trans- und superpsychoanalytisch - ableitbar aus den Bildungsgründen, kurzum, des Kapitalismus;
  • und dies abermals weitgehend eingegrenzt auf das Geschlechterverhältnis: weibliche Ausfälligkeiten gegen Mann.
Der Akzent wird fallen auf die apostrophierten Ableitungen, und auch auf letztere Einschränkung: auf die "feministische" Aggressivität. Also möge man sinnlose Falsifikationsmühen wider diese genau ja festgelegten definiten Dimensionen unterlassen!
Herkömmlich psychoanalytisch - reichlich ausgestattet mit manchem Wissen über den "Analcharakter" - fällt der Schwerpunkt auf die projektivpsychohygienische Leistung des Beschimpfens, in der Selbstverfluchung "Scheiße" mit mir selbst dann kurzgeschlossen. Wohin aber in diesem Fall mit der mich selbst vom je betreffenden Übel reinigend entlastenden Projektion, dem eo ipso entwerteten Projekt? Und zudem: wie steht es um die Haltbarkeit dieses Fluchs, so ja die wirkliche Verwandlung des Verfluchten in Scheiße, unbeschadet deren Fluchensreklamation, ausbleibt? In letzterem Problem hilft man sich mit dem Als-ob/Wie-wenn, also metaphorisch ("Ein Wort für ein anderes"). Fürs erste einverstanden - doch damit bleibt der Selbstverfluchung mittels Scheißemetaphorisierungen nun, hinsichtlich des Schicksal des Entäußerten, das ja nichtsdestotrotz mir anhaftet, mich gleichwohl zu durchdringen nicht unterlassen kann? Eben weil es mich
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nicht verläßt, verstrahlt es wie herrenlos in alle Welt, und die obligate "Identifikation" in der "Projektion" schluckt diese, um sich zugleich unendlich zu verlieren. Will sagen: wenn ich mich selbst, eigene Tätigkeiten, scheißig verfluche, so werde ich den in Scheiße angeblich konkretistisch gemachten inneren Dreck-übertragenerweise nicht los, indem ich seiner in diesem seinem Verharren, paradoxerweise, ineinem verlustig gehe. Das mag man dann das letzthinnige Scheitern, die Auswegslosigkeit (Aporetik) der Selbstbezichtigung mittels Schimpfwörtern nennen; Umstand, der einen Grenzwert der "projektiven Identifikation" - über unsere psychoanalytischen Standarderörterungen hinaus - einbringt.
Wohingegen das echt psychoanalytische Begriffsfeld "projektive Identifikation", allerdings nicht ohne Hapern, angesichts der Fremdbeschimpfung greift; pointiert letztlich paranoiatheoretisch: das Projizierte/das Projekt schlägt auf mich, selbst wenn ich es ins Weltall schösse, zurück. Und weshalb? Zusammengerafft ganz einfach: die Sterblichkeit bleibt unquittierbar - bis wohin die traditionelle Psychoanalyse wiederum nicht nach- und mitdenkt. Doch die also ordentlicheren Verhältnisse scheinen sich spätestens in Anbetracht der ausgewählten Beschimpfensdimension, des Geschlechterverhältnisses: den Mannsaffront durch Frau, erneut zu verwirren. Denn es will sich nicht recht schicken, es dürfte nicht simpel angehen, daß Frau, gleich wie Mann, die eigenen Exkremente verwirft - auch in dieser Angelegenheit ist Geschlechtsdifferentialität angesagt -, nämlich, im Vorgriff (und deshalb knapp nur) gesprochen, - nochmals ein unbeachteter Grenzwert der "projektiven Identifikation" (das Tochterlos!) -, Weiblichkeit erleidet, wesensgemäß, ineinem zu wenig und zuviel der ontologischen Differenz; und diese Zerrissenheit erledigt sie, sozusagen superprojektiv, in der ausschließlichen Beschuldigung von, den Ausgleich des "de trop/trop peu" versagenden, Mann.
Nicht weniger im Vorgriff sei noch angedeutet, daß die einbehalten zerstreuten, in dieser Doppelung also projizierten, inneren, scheißemetaphorisierten Mißhelligkeiten gleichwohl ein rückgebunden abgespaltenes Außenunterkommen, eine kryptische Heimstatt, von jeher fanden: zumal der Irrläuferschein, die eigenverfluchend rückgebogene Projektion, schlägt sich ihrer Außenentsprechung, der Rüstung, nährend zu.
Ebenso, jedenfalls in ihrem Problemkern, vorgriffig der Rekurs auf die besagte Metaphorisierung: alle strafwürdigen Mißrätlichkeiten, die eigenen wie die fremden, seien Vikariate von Scheiße. Also tätigte sich "Scheiße" als wahrer Ursprung, als natürliche Folie der Herabminderung alles dessen,
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was einem, wie eine avitale Kontinuitätsunterbrechung - Differenz-, Diskretions- (also Todes)Stattgabe widerwillen - in die Quere kommt? Nein, aber nein! Denn dergestalt erschliche sich die undurchsichtig pure Tatsächlichkeit des entwerteten Exkrements die, in naturalistischem Verstande, Position der "prima causa". Wohingegen der Nichtgrund beider, des Pseudoursprungs "Scheiße" mitsamt seiner Stellvertretungsfülle, im Dachverband der - hier ja noch nicht ausgewiesenen, abgewiesen bestätigten - Dialektik des - vorerst noch rätselhaften - Differenzaufkommens (des Inzesttabus) beschlossen liegt; so daß, kategorial, wider beider metaphysisches Gefälle, von der Reziprozität der zweie zu handeln wäre, die, nicht auf Hierarchisierung, vielmehr auf totalisierende Abrundung abzweckte. Und das sind psychoanalysekritisch durchaus triftige Korrekturen, die es auf das branchenüblich beibehaltene wissenschaftlich säkularisierte "Ursprungsdenken" abgesehen haben.
Und wenn denn schon auf Vorgriffskurs, so bliebe noch anzumerken, daß die überkommene Psychoanalyse wenig nur für die Aufbrechung der Bedeutungslosigkeit unserer tagtäglichen SM-Huldigungen im exkrementalen Verfluchen/Beschimpfen beitrug. Auch mag man argwöhnen dürfen, daß der Scheißeschimpf sich quasi normalpsychotische Performanz unterstellt ("Und ich sprach: diese meine Unbilden seien Scheiße, und sie wurden zu Scheiße"); wohingegen es sich dabei bloß um Worte, nichts als Worte, Worte, freilich weiterhin materialiter konkretismusbegierig, handelt. Und diese Imaginaritätsdepotenzierung scheint die abgesetzte vormalig performative Überwertigkeit dadurch zu entschädigen, daß sie sie zu naturaler Ursprünglichkeit überzieht.
Darauf zielen alle Aufschließungsansinnen ab: auf die "Verwerfung der Exkremente", unser höchst brüchiges Schibboleth der bürgerlichen Kulturation überhaupt, den Fundus seiner Vollstreckung (unter anderer) in unseren fäkalischen Schimpfwörtern. Weshalb also sind wir, wenngleich in aller Zwiespältigkeit, dazu gezwungen, unsere Ausscheidungen, zuvörderst die kompakten, zu diskriminieren, fast derart stringend von uns wegzuhalten, am besten sogleich gänzlich abzuschaffen, als befände die Achtung des Analtabus über den Fortbestand der Gattung? (Siehe Fritz Teufel, der seine Notdurft im Gerichtssaal verrichtete!) Und die Antwort: sie, die Exkremente, bezeugen, fürs erste, die große Schmach, daß alles orale Begehren: das Einswerden mit dem Nahrungsmittel, korporell anfänglich ja mit dem Mutterkörper, arg versagt. Denn sie kommen auf als provokant
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versinnlichte Mahnmale eben dieser Differenz, des menschlichen Körpers und seiner alimentären Waren, des nutrimentalinzestuösen Scheiterns.
Aber inwiefern ist uns dann überhaupt noch Ernährung vergönnt, in diesem "mise-ä-mort" letaler Wunscherfüllung? Verschuldet diese, Begehren, sich nicht einer riesigen Übertreibung? Nein, allzeit verbleibt sie die Unterwelt ihres oberweltlich existenzermöglichend zeitigenden Aufschubs, einschlagend als rettende Todesauslieferung an das Differential der Indifferenzdifferierung.
Und der Beweis nachgerade für die - obenauf als Universalität tödlicher Gewalt sich ausbreitende - Begehrensunterhöhlung: just die besagte "Verwerfung der Exkremente", monierend ja, daß der Metabolismus schiefläuft, indem er dadurch gelingt. Also tragen unsere Ausscheidungen die suspekte Doublebindbürde der "felix culpa": bringen uns - Querschläger der Fusionserfüllung - zur Weißglut, ob ihrer widerapotheotischen Abweisung, einerseits, zwar, jedoch in ihrer anderen Seite muß unsere kreatürliche Gotteswut, um der todes- = gewaltstigmatisierten Existierensermäßigung willen, halbherzig diskriminativ, erlöschen.
Auch wird aller manische Triumph des intestinalen exkrementenbezeugten Lustmords, diese Binnenorestie, des mächtigen Schuldaufkommens darin wegen, (wieder)umschlagen in die depressive Verstörtheit begehrlicher Bankrotterklärung, von der man annehmen sollte, daß sie sich zur Zeitstattgabe normalen Scheißens - dieser Frommheit, des wie elementaren Gottesdienstes - bescheiden täte? Zum (Unglücks)glücke ja, auch; wenngleich, eo ipso, nimmer, im ganzen bezwingbar, die inzestuöse Unterweltmotivik in ihrer aufschiebenden Zeitigungsparade aufgeht, sich wenigstens in der Fülle ihrer Pathologien als solche rückmeldet, und, mehr noch, diese im Tode, leer transzendent-endgültig, kassiert - ganz zu schweigen noch von all dessen vorgängig martialischen Objizierung grosso modo. Und nun?
Auch wenn wir, wider unsere Großanmaßung Absolutheitsbegehren, noch so pietätsvoll "die Kirche im Dorf zu lassen" trachten, uns, sei es oral, sei es, insbesondere, anal, widerinzestuös der Begehrenszähmung verpflichten (und, leider, die nämliche zynische Entfesselung im kultural-Objektiven dabei zu vergessen pflegen), in unserer Ubw-Krypta rumort es auf Differenzauslöschungskurs, unablässig, indifferenzierend, weiter, und die höchste Anfechtung diesbetreffend vermöchte nicht nicht auf den gipfelnden Exkrementalinzest, Koprophagie, auszugehen, um deren sündenfälligen Profanierung auszuweichen, doch daran, an dieser Flucht, zugleich
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zu verrecken. Der entbunden fäkalische Leichenschmaus, unser infernalischer Eid auf die inkorporative Tötung des "faeces"-Todes, betriebe den gerechten Suizid der Gattung. Offensichtlich indessen haben wir längst Mittel und Wege gefunden, dieses Eschaton wenigstens auszusetzen - mit den schlechtesten Aussichten aber, es jemals quittieren zu können, denn: wie sollte - wieder vorauseilend gefragt - die Durchseuchung der projektiven Kulturexternalität eben von dem, was sie involviert, derart transfigurierte Scheiße nämlich, überhaupt enden?
Welche - rettenden? - Mittel und Wege denn? Schauen Sie sich einmal, allein in diesem Raume, um - alles Menschheitsingenium versammelt sich in der Schöpfung von - neuzeitlich spätestens dem Warencharakter unterworfenen - Dinglichkeit. So daß wir je schon - und wie! -, großflächig antikoprophagisch, gerettet sind; nur daß diese, die einzige, Rettung alles Unheil ihrer (Nicht)herkunft (aus dem Nichts) wie im Wartestand von Rüstung, in sich, explosionsvirtuell, birgt. Genealogie, also post festum, kann eo ipso nicht produktiv sein, gleichwohl fängt sie, in ihrer Nachträglichkeit hypostasegefährdet, die mehr als allstündliche Obligation der vollen Wahrung dieses gattungskonstitutiven Basistabus zusätzlich auf.
Wenn nun nicht alles täuscht, so steht, groß gesprochen, Menschheit hier vor dem Scheideweg, das Koprophagieverbot zu befolgen - wohin das aber führt(e)? -, oder es - frevelnder Rückfall ins direkt tödliche Vorzeiteschaton - zu mißachten. So daß eben dies Tabu, Aufschub schlechthin, zur Zentralbedingung der (erst)zweiten (Kultur)menschwerdung avancierte, und, als solches, das generationssexuelle i. e. S. ödipale Geschwister in aller genealogischen Dringlichkeit, wider seine übliche Auslassung in dieser Funktion, subsistenz-, arbeitsbezogen - Rückerstattung von Sexualität an den scheinbar heterogenen Bereich der vormaligen "Selbsterhaltungstriebe" - ergänzte.
Wohin die dauerverpflichtete Tabudefensive, mit ihrem Begleitschatten gegenbesetzlicher Überbürdung, führt? Ins zunächst befreiende Apriori der uns dichtest umgebenden Dinge, in diesen gebührenden "Untergang des Analkomplexes". Wie aber genau geht dieser Wunderhiat vonstatten, der Wechsel der inzestuösen Körperangelegenheit Koprophagie in die abgelöst dingliche Kulturperistatik, die je schon, bis auf ihren entzogen motivationalen Entstehungsakt, verwendungsfordernd vorgegebene? Sie führt mit sich die entscheidend widerinzestuöse Inkorporationssperre - am Zubiß auf Dinge bisse man sich ja die Zähne aus (wenngleich eben diese unmögliche Totheitsverschlingung, die "Arschmahlzeit der Dinge", die Realimaginarität
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der Psychose ausmacht) -; orale Klausur, die, (über)kompensatorisch, die ablenkend kulturgründende Verzweiflungstat der Naturmetonymie erheischt, nämlich sich, ersatzweise, (sentimentalisch gesagt) an der "Erde" zu vergreifen, wobei dieses Großsurrogat dann, seine Körperentsprechung rigide verdeckend, die aufschubbegünstigt universelle Vorherrschaft, wie "in aeternun", doch kriegsfalsifiziert gefestigt, übernimmt. Zuvor aber erheischt die besagte Erde, Gewaltumlenkung schlechterdings, um daraufhin zum Opferstoff allererst zu taugen, den deviierten Inzestbegehren, Vorentwurf ihrer wissenschaftlichen Schändung, untertan gemacht zu werden. Will sagen: die ihre Herkunft abdeckende herrschaftlich kompensatorische Handanlegung an "Natur" muß sich, um ihres Erfolges willen, substantiell über diese kriteriale Zurichtung vermitteln: über "Erde" als Gottesscheiße: mittel des Heils der Skandalrelique der inzestuösen Selbsteinschränkung des Schöpfergottes, dieses Widerspruchs; freigegeben sodann zur nachträglichen Zweitschöpfung der Menschkultur, dergestalt aber, daß ausschließlich deren erneutes Inkorporationstabu, unmäßig ausdifferenziert als Makroanankasmus Wissenschaft, installiert erscheint. Also "mathesis universalis" gerüstet, vergeht einem, langzeitmoratorisch, in diesem stoffgefesselten universalkreativen Scheißebau (!), der terrenophagische Appetit (oder haben Sie im Traum schon einmal Erde gefressen?). Nur daß, im Parasitismus der "Form" an ihrer "Materie", solch schönste Abstinenz sich, weiterhin hungernd, selbstsabotiert, indem sie beider Zusammenhalt explosiv aufs Spiel setzt, halbherzig zwischendurch in aller Mikro- und Makropathologie, sowie, final-ohne-Ende, je im Tod und Weltuntergang.
Da capo - der Anmahnung dieses Tartaros-Tiefstlevel des zivilen Unbewußten kann es gar nicht genug sein! -: der Transit in den kulturkonstitutiven Dinglichkeitsabfang, Sublimation schlechterdings, deckt sich mit dem Hegelschen Aufhebensbegriff: wertsteigernde Liquidation im Verwahr. So sich zwar wiedergibt die haltende Haltlosigkeit der Dingsubstitute, nicht aber mit schon direkt die innere Nötigung dazu. Was sie ausmacht? Die inzestuöse Aporetik, ihr vorschnelles "count down" zum Tode, entgegnet mit der heteronomen Autonomie, der liberierenden Abhängigkeit "auf Gedeih und Verderb" von der tellurischen Makroversion der Exkremente - Unwegsamkeit allzeit begehrenstraumatisierter Subsistenzsicherung in der Erdenfraßbarrage, der schlechthinnigen Arbeitsobligation, die mich davon kurierte, opferlos "die - inexistente - Platte zu putzen"; wiewohl, ohne den Durchhalt dieser verdrückten Begier, das Nichts ihrer obliquen Satisfaktion verbliebe. Also schiebt sich der tödliche Kurzschluß der Koprophagie,
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unser "Overkill"-Inzest, auf die dingliche Simulationsumhüllung derselben auf, in welcher, allzeit gewährlos, Inzest und -tabu, kulturgenerisch sublim, kontaminieren.
Nicht zu vergessen aber angesichts dieses Barbarei-Kulturchorismos, deren kriegesvirtuelle "inklusive Disjunktion" indessen, eine Art ontischer Versöhntheit zwischen beiden, ein stilleres Fest der Rekonziliation, das, unbeschadet aller Tragfähigkeit, über beider polemischen Abyssos hinwegzutäuschen schwerlich unterläßt: kurzum die progredienten mehr als nur gelegentlich appetitverderbenden Recyclinglisten - man entsinne sich der Düngung mittels Menschenkot, der ehemaligen Berliner Rieselfelder (die mir bis heute den Genuß von Blumenkohl verleiden), und, nicht zuletzt, postmodern in Science fiction, der Replikatoren auf den Raumschiffen. Lassen wir uns durch solche halbwegs epikalyptischen koprophagischen Teillizenzen bitte nicht täuschen, bitte - so nämlich führt die kulturgenerisch kriminelle Untat der hochfetischistischen Dingesublimation überhaupt nicht aus der Welt - im Gegenteil: sie wird derart, intramundan, gefährlich, bloß trivialisiert.
Mehrfach war vordem von "Vorgriffen" die Rede, die jetzt eher wohl, in der Folge der Explanation der Schimpfwörterfolie, der kriterialen "Verwerfung der Exkremente", durchsichtiger werden könnten. Nun, fürs erste mag der antezedente Akzent auf der Geschlechtsdifferentialität befremdlich anmuten - inwiefern denn sollte, fluchend/selbstverfluchend, "Scheiße" (pardon!) in den Mund zu nehmen, bei Frauen anders ausfallen als bei Männern? Da ja in geschlechtlicher Gleichartigkeit spielend, veranschlagt sich der intestinale Mutterlustmord töchterlicherseits, exkrementendokumentiert, zumal wenn vaterverlassen homosexualisierend, in höchster Grausamkeit, und reklamiert dagegen entsprechende Maßnahmen körperlich flachgehaltener reaktionsbildungsmäßiger Totenpietät - zwiespältige Anforderungen jedenfalls, die die weibliche Teilnahme an den Mannsgeschäften der - ebenso brutalen, jedoch immanent quasi legitimeren - Heteronbemächtigung, und zwar, trotz allem Feminismus, bleibend, erschweren.
So sind wir auch schon mittendrin in der gebotenen generationssexuellödipalen Version des exkrementalen Inzests, mitsamt seiner kulturalen "Aufhebung": die "faeces" imponieren als vatergesegnete Mutterleibleichen, nekrophagisch abgesperrt umwillen der ♂-filial getätigten Ding- = Warentransfiguration; und das Tochterwerk substantiiert sich, unbeschadet aller Exkurse ins technologisch produktive Mittun, in der alten kulturexkulpativen
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Mediation dieser "physei-thesei"-Zäsur. Also zeugt der magische Scheißefluch von - zum ordentlichen Gegenteil motivierenden - passagerem Mißlingen dieser unserer Menschweltformel.
Bisher galten die Exkremente als Körperpendants zu den Dingen = Waren; was aber der psychoanalytischen Tradition zu widersprechen scheint, in der nämlich Geld sich in dieser Korrespondenz wohletablierte. Auflösung dieser Unstimmigkeit?: nicht nur daß Dinge, Technik i. w. S., längst restlos tauschwerterfaßt zu Waren, - "conditio sine qua non" ihres Bestehens - durchkapitalisiert nur erscheinen, Geld, selbstbezüglich, viel mehr noch, darüber hinaus, wie zur einzigen Transzendentalie der "Produktivkräfte" avancierte - Skandal ja des Marxismus, der von der Brechung dieses Kontaminierungsbanns träumte, faktisch vergeblich, und wenn, utopisch, nicht, "vom Regen in die Traufe", verschoben gewaltsteigernd bloß, geriet. Wenn nun aber, gründlicher metaphysikverdächtig (und mehr), die herkömmliche Psychoanalyse Geld exkremental (re)inkorporierte, so wurde sie, bewußtlos, zur Helfershelferin der kapitalistischen Identitätsphantasmagorie der Ware, der Dinge-Medien-Kontamination; außerdem, so symbolistisch überfrachtet, leidlich phänomenal dazu berechtigt, ob der, wie immer auch changierenden, Uniformität der kompakten Ausscheidungen.
Also: suchte man nach einem Rechtsgrund der besagten eingebürgerten psychoanalytischen Proportion - Geld = "faeces", unterschiedlich zur Unterstellung Dinge/Waren = "faeces" -, so landete man im steinernen Herzen des fortgeschrittenen Kapitalismus: der Binnenindifferenz der Ware, der illuministisch großen Wahrheit der Fusion von Kapital und Technologie, pseudonatürlich totalisierend flankiert von unserer unablässigen Scheißerei, gar der Reklamation der Exkremente als kongenitaler Ursprung dieser ihrer Beanspruchung. Und also befänden wir uns, innerhalb der Psychoanalyse, auf dem "ideologiekritischen" Kreuzweg, dem kapitalistischen Grundaxiom: der apostrophierten Indifferenz, dem vollendeten Warencharakter - daß sich der Äther Kapital je schon in alle Dinge fetischisierend einfraß -, mit seiner exhaustiv naturalistischen Scheißextrapolation, ohnmächtig "in mente", den Garaus zu machen. Allein, es bleibt doch unausgemacht, ob der Kapitalismus, diesbetreffend, der psychoanalytischen Metaphysik, zu seiner supplementären Stützung, überhaupt bedarf? Unterhalb deren mehr als Marginalisierung, gewiß, "ad inferos" verlegt; zuoberst dann erscheinend als seine obligate Blutrunst. Dabei bleibt es: unübertriebenübertrieben subventioniert, offen subakut, die Legion unserer
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Scheißeflüche die kultural amplifizierte - sofern todesaufschiebend - eingeholt selbstmörderische - "projektive Identifikatorik".
Arschlochaufschluß. - Da schilt eine jüngere Ehefrau ihren nicht wesentlich älteren Ehemann innerhalb eines heftigen Streits um Ausfälle beruflicher Selbstbehauptung seinerseits, mit entsprechenden Negativkonsequenzen für die finanzielle Situation der kleinbürgerlich leidlich etablierten Kleinfamilie, noch ohne Kinder, er sei ein "richtiges Arschloch" (vorher, etwas milder, ein "Weichei"). Ein banaler alltägliche Casus? Gewiß, aber was genau wird in dieser typischen Invektive bedeutet -, fragt man sich ja - warum wohl? - auffällig kaum.
Nun, der ordinär entgleiste Vorwurf betrifft, im Jargon gesprochen, fürs erste eine "Regression" nach der Maßgabe einer "analen Fixierung" - ob, in seinem auch wohl mitprojektiven Charakter, zurecht oder nicht, das bleibt zunächst hier noch in Frage. Präzisiert hält Frau "kastrierend" oder auch nur kastrationsbestätigend, Mann wütend vor, er sei gefangen in den zweifelhaften algolagnischen Gnaden seines Afters, niste sich hierin infantilistisch ein, anstatt wie ein "rechter Mann", autonom nämlich genital, sich, als professioneller Versorger (und womöglich Zeuger), honorabel durchzusetzen. Ginge Mann danach auf schuldeinbekennenden Zerknirschungskurs, so ereilte die Streitenden der ganze Trug des "mythischen Verhältnisses": die rachedurstige List der Unterwerfung, der verschlagene "Sieg durch Niederlage". Viel üblicher dagegen die selbstapologetische Widerrede, die nicht selten in paranoisches Geschrei ausartet. Aber, vielleicht, "kriegen beide noch die Kurve" und überlegen, rational, wie dem familialen Notstand, jenseits der unterlaufenen kleinbürgerlichen Tragikkomödie solcher Ehestreite, abzuhelfen sei? (Nein, ich fühle mich gar nicht zynisch erhaben darüber.)
In unserem genealogischen Verstande aber führen diese streitigen Leidenschaften viel profunder noch ins bürgerlich kapitalistische Arkanum: Du hängst an den eingefleischten Sauereien des frühen Mutterverhältnisses wie "am Tropf", frönst in der schließenden Zirkularität von Schmerzlust rein nur Deinen Mordgelüsten, anstatt mir, wie doch vorgesehen, der Diskriminationsgehilfe meiner filialen Individuation, der rettenden Loslösung von der Mutter, zu sein. Recht besehen, bist Du schwul, und machst mich lesbisch, gänzlich unbrauchbar zum angepaßten Heteroehemann. Man beachte bitte: wider alle eingebürgerte moralische Schutzdisziplin diesbetreffend, desavouiert jegliches Arschlochverdikt Homosexualität, und,
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makrologisch demnach, via "negativen Ödipuskomplex", begünstigt sie den allgemeinen Kriegszustand.
Extrem der Parierung: Hose runter, anfurzende "demonstratio ad oculos" des erwachsenen womöglich hämorrhoidendekorierten antikischen "Knabenkränzchens"? Nein, überdurchschnittlich verbleibt die Schimpfenskanonade, restvornehm verbalistisch, im Imaginären, regt auf diese Weise gebührend vermittelt, einschlägige SM-Sensationen an, erspart sich den nackten Anblick dieser versammelten "Ästhetik des Häßlichen", der teuflichen Epiphanie des "en soi" - welch schöner Humanismus inmitten seines (Schein)dementis! -, rücklings verächtlich gesichtsprivativ. Man gewahrt die beidseitige Gefangenschaft in dem, was zur Freiheit führen sollte, die vorhersehbarunvorhergesehene Bauchlandung aller "Projektion", allzeit ja "projektive Identifikation". Im Hinundher des "schwarzen Peters" rückfesselt sich die Wunschabgeltung allen Unheils (inbegrifflich der Sterblichkeit) in dessen flüchtig nur abgehaltenen sensuell integralen Beglaubigung. Arschlochperegrination - sich erschöpfend verdämmernd im Tiefschlaf, am anderen Ende identisch mit immer tautologischer Rationalität, die nur wähnen kann, von dem gereinigt zu sein, was sie, wenngleich nicht für die Ewigkeit, zu absolvieren versteht.
Das versteht sich demnach: die "Projektion" verfängt eo ipso sich im Gegenteil ihres Ansinnens: Rausschmiß und Anderenkontaminierung mit dem eigenen inneren Dreck schaffen diese unheilige Interiorität mitnichten aus der Welt, leisten nur eine Art passagerer Psychohygiene. Und deren Preis bleibt unentrichtbar, nimmer geht solche Binnenmüllabfuhrrechnung auf. Aus seiner Scheinbeseitigung tritt das widrige "Projekt" bloß bestärkt hervor, und ist hinkünftig hinter mir, dem "Projizierenden", paranoisch her; womöglich bis es - "Reintrojektion des Projizierten" - mich nur umso weher rückbefällt.
Innerhalb dieses gelingenden Scheiterns aber zeigt in unserem Beschimpfungsbeispiel sich eine scheiternspedalisierende groteske Asymmetrie. Schilt Frau Mann "Arschloch", so müßte sie die selbsteigene Afterverunglimpfung, der Projektionslogik gemäß, diesem, als dieselbe, unterstellen. Das aber geht nicht an, sofern, eben auch hier, die Geschlechtsdifferentialität durchschlägt: "Arschloch", männlich, und "Arschloch", weiblich, sind, zweierlei, nicht dieselben; so daß die besagte Schmähung nicht verfängt, weil sie eine Vertauschung des Geschlechts deklariert, die, als solche wiederum aber, die basale Absicht des Verfluchungsunternehmens ausmacht. Nun stehen unsere beiden Geifernden sich, vorgestellt
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geschlechts-metamorphorisch, gegenüber, letztlich in beidseitiger phantasmatischer Wunscherfüllung - passe doch der "Penis- und Gebärneid". Wenn dieses Witzfinale letzter Konservativität aller projektiven Pseudosubversionen sich nicht in Weltenwiehern auflöste, ja, dann wäre die Weltendämmerung in der Tat, ohn Aufschub, unaufhaltbar. - Das sei wenigstens noch angerissen: der, wie gehabt projektionsschwächende, Geschlechterkontrast zieht sich daraufhin zusammen, daß, weiblicherseits, die hetero-Brechung der vorgegebenen generationssexuellen Homogeneität im nachhinein ansteht, während, aufseiten des Manns, der Einschlag der geschlechtlichen Heterogeneität, deren notwendige Kontrareisierung fordernd, sogleich erfolgt - Weichehärte dort, bloß Härte hier? (Und wie beide zusammen intrigieren?)
Aber nicht nur absurdifiziert solch Binnentropie des Geschlechts unseren Ehestreit, zudem sein Umwillen: die Reveille echter Männlichkeit, geht, indem sie auf genitale Autonomie pocht, arg in die Irre. Sie nämlich gibt es nicht, denn selbst alle erektile Abstraktion - Schlappschwanzparierung, "Durchstarten" - verdankt sich, konzentriert, dem defäkationsbezeugten manisch übertüchten intestinalen Muttermord, und dann ist es nur noch die Frage, ob und weshalb dieser exhibitive Fleischesaufstand stichhält oder aber kollabiert. Jedenfalls beweist seine Solidität, die ♂-sexuelle Potenz, mitnichten seine Autonomie, nein, einzig beruht er auf dem priapistisch gewaltverdeckenden Zuwachs an Schuldvakation. Eine Lanze demnach für den, on dit gewaltmindernden, homosexuellen Zusammenbruch? Lieber nicht, denn alle sexuelle Mächtigkeit regredierte so auf die Faszination des intim "entprivatisierten Afters", in ihrer Spitze gar in der Art wie sakramentaler Todesweihe - "mysterium perversionis" - der besamten Exkrementation. Viel mehr aber noch: objektivitätsekstatisch definiert der solchermaßen "negative Ödipuskomplex" unseren Kriegsfundamentalismus, der die Effekte seiner Beschwörung subjektiv im Fleische - Paradoxie aufhaltender, -längender Probation - assimiliert. Und das schimpflich dekorierte "Arschloch" vermöchte infam als "die Kurve zu kratzen", sofern ihm ja, bedingterweise, die Chance offensteht, seine Schande denselben objektiv schadbaren Afterausgeburten kriegsfütternd zuzugesellen und, zum Scheine, derart zu neutralisieren.
Schlußpointe dieser kryptischen Kriegshetze: die halbwegs geöffnete Ambiguitätsschwäche der Verfluchung - daß die paroxymale Wehr wider das Verfluchte, den Männlichkeitsabriß (Dokument maternaler Spätrache), in sich selbst demselben zugleich huldigt und willfährt - stärkt sich progredient in angenäherter Vereindeutigung letzterer Reverenz, und assoziiert
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sich derart der objektiven Vorgängigkeit, dem verdeckten Makroverfluchtheitsapriori unserer eo ipso todgeweihten Kultursubsistenz - und wie unausbleiblich die apokalyptische Vision mich blind anblickender soldatischer Natesmassen, die alle (pardon!) "den Arsch aufhaben". ("Gleich und Gleich gesellt sich gern.")
"Leck mich am Arsch". - Wie aber kann ich mich, also fluchend, vom hinderlichen Anderen lossagen, indem ich mich in dieser Art, der koprophagischen Offerte, ihm, imaginär, präsentiere? Im zivilen Zusammenhang wanderte die Verwirklichung dieses zynischen Angebots in die Pornographie - Realimaginarität! - ab. Und daß sich der koprophagische Imperativ auf das Lecken, den Mahlzeitnachgang, das genußbestätigende Finale, die Abrundung des erfüllten Essensvorausgangs ("den Teller ablecken") einschränkt, kehrt sich in die gesteigert fastidiöse Vorenthaltung des höllischen Wunschnutriments um ("1eck Dir die Finger danach!"), foppt so, des Hohnes, der Häme voll, den mannahungernden - wenn verführt - Verführten. Und die, denkt man: wegverfluchbare, Hinderlichkeit, das Genante des Anderen konzentriert sich allemal auf dessen projektionsvirtuelle Widerspiegelung meiner andrängenden Mißhelligkeiten, je der eigenen Binnendiskordanz (der Sterblichkeitsverwerfung).
Coup sodann des (Schein)reglements all dieser projektiv-identifaktorischen Fährnisse: ich speise Dich, tantalosqualvoll gar (= Konkretismus des Imaginären) mit der Dringlichkeit meiner Loswerdungen, infiziere Dich, mich davon absolvierend, damit, und entkulturiere - wie verbalistisch fiktiv auch immer -, ja, entmensche Dich in der Regreßhypostase des dinglichkeitskreativen Motivs - halbiertes magisches Gebaren, anscheinend zu meinem Vorteil ("Verrecke an diesem exkrementalen Höllenfraß!") -, der Koprophagie. Von einem Sichlosmachen vom Anderen aber kann die Rede nicht sein, umgekehrt bedarf ich, perpetuierend, seiner - als des Müllschluckers meines todesbedingten Selbstunrats. Im Sodomitismus meiner regressiv animalischen Analhygiene ginge ich das intimste Verhältnis, die Unterwelthochzeit, mit dieser meiner Ausscheidungsamme ein, so sie, als solche, unter der Erde, dieser schwarzen Eucharistie - dem geschlechtsvertauschenden Tochterwerk, mit vorne dem Blutpfuhl - willführe, und ich, der durch falsche Versprechen - ungedeckte Imaginaritätswechsel auf Realität - geköderte, infernalisch Ungestillte, sich nicht selbst noch an den ableckensbestimrnten "faeces"-Spuren erbrechen müßte. (Und wenn ich sie dagegen dem - dann noch grausamen - Verdauungsbinnentempel anheimgäbe? Was weiß man über den Metabolismus solchen Unnutriments?)
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Selbst aber wenn solcher - pathologisch ja reservierte - Anarchismus verfinge, ja, dann schlüge, wie mythenhaft, des Beschwörungsszenarios einer Part, der Verrat, in den anderen, die Botmäßigkeit, unaufhaltsam doch?, um, und die wie infinite opake Involution, objektiv desselben, nähme diese Opferumwendung, diese Therapeutik, zu ihrer höheren Ehre, lächelnd souverän, in sich auf.
Und welcher immanenten Verhaftung in diesen unseren Scheißgeschäften erwiese sich mein ausladender Text? Ob er nicht, sublimissime, dem - abgestoßen lüsternen? - Leser das nämliche Himmelsbrot wohlfeilböte? Und was denn diese Art insistenter Aufklärung überhaupt soll, indem sie den Rezipienten in die (buchstäbliche) Aporetik dieser tödlichen Menschheitssystematik gnadenlos hineinjagt? Wenns, existenzsichernd, sehr hochkäme, wäre unendliche göttliche Trauerarbeit, gottmenschlich nachgefühlt, angesagt? Und am unfernen Horizont auflauerte die absolute Radikalisierung Nekrophagie? Nein, eh schon wirkt sie als sich nachbildend ultimatives Körpersubstrat, Koprophagie wie vorschützend, ihres vorgängigen Nachtrags Kriegswirtschaft.
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