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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Zur Hochkonjunktur der Pornographie (Pathognostische Studien VII, 2002, Essen, Die Blaue Eule, 32-38)
Vorbemerkung. - So, wie üblich, die seniorale Eröffnung des Wintersemesters 2000/2001 in "Psychoanalyse und Philosophie e.V." (Gründungsmitglied der "Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf e.V.") am 16. November 2000: thematisch durchaus anschließbar an den vorausgehenden wissenschaftskritischen Fetisch-Beitrag. Der also wissenschaftsmitfundierte manifeste Pornographieboom wird als prekäre Sozialisierung der darin enteigneten Perversionen geltend gemacht.
"Pornographie", das ist die "Hurenschreibe", nicht wohl die derselben selbst, vielmehr diejenige über diese. Selbst, ja gerade wenn sie "im Bilde"/bildlich daherkommt, macht sie eine mediale und damit eine memoriale Angelegenheit aus: ist gesprochen, geschrieben, ge-bildet/modern: photographiert und - aktuell vorherrschend - gefilmt, nicht also (wenn es solches gäbe) körperunmittelbar, dagegen den sexuellen Körper, durchaus geschlechtsdifferentiell, vermittelnd; unanständig gesagt: Wichsvorlage immerdar. Ist das nicht seltsam? Der Bedarf an einem Medium dafür das Zeugnis einer schwächlichen Künstlichkeit? Nein, überhaupt nicht, höchsten die Übertreibung des Normalfalls an - männlicher - sexueller Reaktion.
Denn: diese benötigt immer einer solchen Vermittlung, und zwar gipfelnd dann in der Art eben der sprachlichen, schriftlichen, bildlichen, filmischen Vorab-Repräsentation des weiblichen sexuellen Körpers, weil einzig die medial-memoriale Vor-stellung das Dispositions-, Bemächtigungs-, Herrschaftbegehren darüber phantasmatisch erfüllt. Will sagen: die sexuelle Erregung, weitest davon entfernt, triebhaft zu sein, besagt nichts anderes als die erotische Beglaubigung einer, wie immer auch nur eingebildeten, als solchen indessen zuhöchst realen Vollmacht, ja von Tötungspotenz.
Wie schon angedeutet: mit der psychoanalytischen Triebtheorie ist es nichts; wenn schon, dann mit der "Todestriebtheorie", hier dem "eigentlichen Sadismus", antezipiert u.a. in Adlers übergeordnetem "Willen zur Macht", der sich die "Maske der Sexualität" umbindet, um umso mehr zu reüssieren... Wäre dann nicht sogleich zu erwägen, ob nicht die uns geläufigen Sexualitätsformen, die
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nicht pornographischen, in ihrem Wesen doch pornographisch (oder mindest pervers) wären; und daß die Pornographie entsprechend das schamlose Plaudern eben aus dieser Normalitätsschule sein könnte - Plaudern und noch mehr, das, bedinSterweise, modisch würde?
Einsprüche dagegen:
  • Spätestens ab der dominanten Video-Pornographie muß ja die Pornoszenerie gespielt, und das heißt, in welchen Brechungen auch immer, zum Zwecke ihrer "Graphisierung" quasi direkt leibhaftig realisiert werden. Und spätestens beim Kinder- und Gewaltporno läuft dieses Problem notorisch auf. Es ist movie, das Fiktion und Wirklichkeit indifferenziert! (Da helfen nur noch - SF! - Hologramme!)
  • Durch das imaginäre hors-d'oeuvre könne man erst so recht auf den Geschmack kommen. Also die alte Frage (ein Dauerbrenner): verhindert Pornographie perverses Tun oder regt sie dieses vielmehr an? (Was soll ich dazu sagen? ...)
  • Es gibt doch ganze Einrichtungen, in denen nicht Pornographie genutzt, direkt vielmehr Perversionen getrieben werden; wobei Pornographie als Vor- und Nachgeschmack fungieren mag.
Was ist das Problem? Offensichtlich liegt die Gefahr in der durch Pornographie (im umfassenden Sinne) nicht endgültig zu bannenden und zu kasernierenden Perversion als der Verwirklichung/Verkörperlichung der pornographischen Imaginarität. Zugegeben auch: die Grenzen sind hier fließend; zudem mag man in den Milieus (den Sekten) realisierter Perversionen Vermittlungs-, Medien-, Imaginaritätsäquivalenzen auffinden, in denen sich die Differenz zwischen Pornographie und Perversion abermals verwischt (man denke etwa an die Exkulpationsvalenzen durch das Gruppenwesen und die Institutionalisierung); und, insbesondere, beide sind und bleiben in ihren abstrahierbaren Gehalten dieselben auch - gleichwohl tut ihre Unterscheidung weiterhin not, nämlich: Pornographie, das ist soetwas wie unterdessen Postmoderne-typische, d.i. medienbedingte entgrenzte Volkskunst, sexuelle Folklore, "sozialistischer Realismus" (kleinfamilial zur "Ehehygiene" [sic!] heruntergefahren) - sage ich: entgrenzt, so der Merklichkeit wegen, daß die Videohegemonie ("Okulartyrannis") sich erheblich indifferenzierend diesbetreffend auswirkt - siehe a)! - und eher wohl auch direkte Realisierungen (,action direkte`) provoziert - siehe b)! Und daß darüberhinaus - siehe c)! - außerfamiliale Single(?)zusammenschlüsse zu diversen Pornosekten mit den entsprechenden Einrichtungen nicht weniger für fließende Übergänge sorgen, indem sie innere Schutzäquivalenzen zur (auch ja) schützenden Porno-Imaginarität schaffen: allzeit Entschuldungselemente - Gruppe, Institution, insbesondere das Tauschwertreglement (wie weiland und immer noch bei der Prostitution).
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Was bleibt bei diesem enormen Indifferenzierungssog, der universellen Porno"Graphisierung", überhaupt noch von der alten Perversion übrig, von diesem Solo-Hybrid oft zwischen Krankheit und Kriminalität? Fast nichts mehr! Nicht zuletzt die Perversionen, die in ihre pornographische Scheinuniversalisierung verschwindenden, sie sind der Ausbeutungsstoff der neuesten Geschichte, jedenfalls der Medienepoche, der mediendeterminierten Postmoderne. Sehr zum Schaden außerdem der in der allgemeinen Pornographie sich verlierenden Perversen! Ich habe nämlich allen Grund, die These von der Entlastung des einzelnen Perversen durch den Pornoglobalismus anzuzweifeln. Wenns gut geht, so schüttelt er den Kopf über das hysterische Kopietheater allenthalben: über die Perversionspseudologie in Pornographie; und in weniger guter Stimmung und Verfassung, der weitaus häufigeren, fühlt er sich enteignet und verhöhnt, im Letzten verfolgt gar in sich hineingetrieben und also der Gefahr ausgesetzt, durch die Notbremse des Selbstbezugs seiner Pathologie sich umso mehr zu schaden (etwa zu dekompensieren). Wenn schon, so müßte er rettend gerettet zum Anführer des gesamten Pornowesens ernannt sein - eine Großaufgabe allerdings, der er sich gewiß nicht gewachsen zeigt... Ernsthaft - ich führe tatsächlich eine - obsolete - Ehrenrettung der - obsoleten - Perversionen wider die Pornographie im Schilde - was wohl sollte ich intellektuell auch anderes tun?!
Zuvor aber einige Überlegungen zur Konjunktur der Pornographie, dieser großangelegten Sexualitätsdemokratisierung. Ich mache keinen Hehl daraus, daß diese unübersehbare "Kratie" nicht anderes als Effekt der modern(st)en Medien, allgemein: KI sei. Inwiefern? Neu an unserer Epoche ist einzig der enorme reproduktive Beschleunigungsfaktor im ausdifferenzierten (und quasi gesamtkunstwerklich wiederzusammengeführten) Medienwesen, also die grandiose ProthetikfMaschinität der, allgemein gesagt, Gedächtnisdisposition. Mit diesem wuchernden Zuwachs - schwerlich ist die "elektronische Revolution" ein qualitativer Sprung! - einhergeht zweifelsohne der der prekären Verblendung der Disposition über die Zeit, kurzum: die Inflation der medial konsequent pointierten Unsterblichkeitsphantasmatik. Unschwer dann, von hier her den Pornoboom abzuleiten: er ist die Kopie der medialen Redundanz, und mehr noch: der einschlägigen "Vergleichgültigung"/Indifferenzierung aller Differenzen, der fortwährenden Grenzüberschreitung, einer unbegrenzten Liberalität: Offenlegung und Entsperrung, so als sei die unendliche Oberfläche Alles - die Hegelsche "schlechte Unendlichkeit".
Weshalb aber, inhaltlich, die Kaprizierung auf Sexualität, auf eine mediale "Kultur" (Barbarei) der "Partialtriebe", der Regression dahin? In dieser Regression genealogisiert sich Sexualität: scheint ihrer eigenen Entstehungsgeschichte mächtig. Mehr aber noch: in Sexualität vergleichgültigt sich Leben und Tod - sie ist/scheint demnach Alles (inklusive des Dingeinbezugs). Die "Letzten Dinge" voll also im Griff!? (Anderswo, über die Konjunktur des Mißbrauchs schreibend,
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entblödete ich mich nicht, den mißbrauchten, Vater-Tochter-inzestuös geschundenen Säugling als Schandmetapher von Video zu bezeichnen.)
Aber es hat doch vordem, in der 68iger-Zeit, die "sexuelle Revolution" gegeben, die scheinbar nur desselben Wesens wie der nachfolgende Pornokratismus sei? Dieser doch der Sündenfall jener: übelste Ausbeutung vs. gar höhere Moral? Zauberlehrlingshafte Warnungen wie die Herbert Marcuses vor der "repressiven Entsublimierung" im sexuellen Liberalisierungszuge avisieren die Wesensgleichheit beider, und die sexuelle Revolution - "Noch einmal mit Gefühl!" - macht den fast schon verzweifelten Versuch aus, den vergeblichen (hätte man es im voraus wissen können?), von der "Ideologie" her, die keine solche in diesem Falle sei, die "Produktionsverhältnisse", unter der obligaten Vernachlässigung der "Produktivkräfte", in Regie zu nehmen, Emanzipation also über die Basismoral der Gerechtigkeit körperlich zu betreiben ("Sexpol").
Das moralistische Eifern ist nicht mein Ding, wenngleich ich mich oftmals doch auch heftig aufrege, und also halte ich es, wie avisiert, mit der wohl schon apriori verlorenen Ehrenrettung der Perversion, als Pathologie freilich dann: mit diesem närrischen Kontrapunkt zum Pornographie-Universalismus; und, wie immer, versuche ich dabei, Krankheit als den Aufschluß dessen zu nutzen, worauf sie sich an Dinglichkeit, an Ware, selbst schon bezieht. Ich denke, es ist - um sogleich mein Perversionsbeispiel zu verraten - wohl abwegig genug angesichts der Pornoumstellungen und, davor, der der Waren selbst, die ja, was man allerspätestens seit Baudrillard wissen sollte, keineswegs, im Unterschied zum Perversen, im Stande der Unschuld sind - nämlich der Schuhfetischismus, eine hauptsächlich männliche Krankheit, die Angelegenheit von Privat- und Geheimreligion, eines Solo-Mysterienwesens.
In welchem der ökonomischen Hauptbereiche befindet sich der Schuhfetischist? Nicht in dem der Herstellung und des Gebrauchs, vielmehr des Tauschs, der Warenästhetik (Werbung/Reklame), jedoch auf deren Warenrealie bezogen, als kultischer Sonderverwender seiner auserwählten Ware. Sensuell herrscht das Sehen vor, fakultativ kommt Befühlung und Beriechung auch hinzu. Der Gebrauch reduziert sich, wider dessen Trivialität, feiertäglich sozusagen zur letzten Ausnahme-Intimität. Wie ein zärtlich obszöner Lover geriert sich der Fetischist, erregt sich durchaus auch an seinem exklusiven Liebesobjekt, autoerotisch final bis zum Orgasmus. Fetischbeschaffung und auch -verwahrung können sehr problematisch werden - es drohen Kleptomanie und Sichverschulden sowie Messiehaftigkeiten (wieviele müssen es sein?).
Zerren wir den Fetischisten weiter ans Licht, beschämen wir ihn, in mente, mit der Fortsetzung von Fragen: Was unterscheidet den gewöhnlichen Schuhinteressenten vom Schuhfetischisten? Jener läßt es sein Bewenden haben mit dem moderaten Respekt vor der Ästhetik
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der Ware: er wird sie sich, dem eigenen Geschmack gemäß, ansehen, jenachdem in wechselnden Stärkegraden in diesem Zwischenbereich, immer zweckrational ausgerichtet, weilen. Dieser hingegen, abweichend übertrieben fixiert auf dieses (wenngleich von sich her zur Totalisierung neigende) Interim, geht ein kultisches Verhältnis mit dem Ding, fetischogen dann, ein, betreibt dessen Sakralisierung, durchaus im Doppelsinne von "sacer": hehr und verrucht, mit einem Einschlag mindest von schwarzer Messe insgeheim.
Weshalb aber diese abweichende, deplaziert anmutende Insistenz auf dem "mythischen Verhältnis"? Der Selbstvervollkommnung wegen, aus einer Selbstdefizit-, einer "Seinsmangel"erfahrung heraus. Der Fetisch, das ist mein eigenes Außenvor in idealer Verfassung, meine ganze Selbstidealität, die ich mir, verehrend, gewogen zu machen suche, um an ihr teilzuhaben, ihre Fülle mitzugenießen. Unterstellt werden muß in diesem Pathologiebereich, daß das Selbstdefizitgefühl, die "Seinsmangel"erfahrung, die das (über)kompensatorische religiöse Gebaren provoziert, deviant stark - wie an die Todesgrenze geraten - ausfällt; und diese Sonderstärke der Schwachheit erklärt dann die symptomatische Überreaktion, die Hyperparade an dubiosester Frömmigkeit darauf. (Weshalb es bei der profanen Mehrzahl der Zeitgenossen aber nicht so ist?)
Inwiefern aber kann ein Schuh - das ist doch verrückt! - in die Gottesposition rücken? Ist der Fetischismus denn nicht eine einzige Travestie, nur noch schwarze Messe, und deshalb lichtscheu, todernst indessen in sich selbst verstrickt? Zweifellos anstößige Fetischkonstituentien sind:
  • das pars-pro-toto. Ein Schuh, das sind, im (Über)sprung gesagt, alle Waren (und die Füße sind der Körper insgesamt mit). Diese fetischistische Verdichtung, das ist der Konkretismus der Antinomik des Allgemeinbegriffs, der "Idee", und damit des Gedächtnisses als Ursprungspseudologie; und das ist die Ent-Ächtung des unter das Ganze unterworfenen einzelnen Teils, dessen Rettung nachgerade, die insofern aber unaufhebbar widersprüchlich ausfällt, weil sie eben dessen Abtrennung/Isolierung ausmacht, die, ultimativ dann, in einer prophylaktisch-antezipatorischen Todesbeschwörung besteht. Aber die Dinge sind doch von sich her schon Isolate? Ja, so stellt sich die schuldhafte Dinggenese selbstdar, die ganze dispositionelle Vollmacht der Produktion. (Unlängst formulierte ich die "fetischistische Zentrallogik" folgendermaßen: Nicht ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, je das einzelne isolierte Teil dagegen, dispositionell, viel mehr als jegliches Ganzes es je sein könnte.)
  • das Unterste zuoberst - ausgerechnet Schuhe! Dies Unterste, das ist wie die Insichreflektion des unterworfenen einzelnen Teils, und also gilt die doppelte Ent-Ächtung, die Rettung desselben als eine Art von Masochismus-Weihe des Verworfenen letztlich, "christologisch" nahezu:
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Füßeküssung Gottes, gottmenschliche kenosis. Allein, dieser Gipfel der Devotion ist in sich zugleich blasphemisch; und überhaupt werden die Korruptionen des Todes, immerhin: dinglich, ein wenig aufgehalten, nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß Mann, dem Weibe darin zunächst, dieselben erotisch heiligt. Erscheint der Fetischist so nicht wie die Figur des "armen Teufels"? Antwort auf die Leitfrage von eben: unter der Kondition der besagten travestischen Verstrickung eignen sich Schuhe zum Fetisch ganz besonders: ihrer in sich minderen Teil-haftigkeit wegen. (Kann man Mann [im Lacanschen Sinne] überhaupt noch mehr als kastrierten gewahren als bei der Anbetung eines Schuhs?)
Soweit die Rahmenkriterien des numinosen Schuhcharakters. Wie steht es nun mit den internen? Was macht morphologisch und funktional die Göttlichkeit des Schuhs - immer freilich in travestischem Verstande - aus? Fetischismustheoretisch macht Freud den Fetisch als Darstellung der "Frau mit dem Penis"/der "phallischen Mutter", als Dokument demnach der Verleugnung der Kastration (im Freudschen Sinne), dieser Realitätsverkennung, geltend; und rückt in diesem Betracht die Perversion in die Nähe der Psychose, der für diese mittypischen "Ichspaltung" ("Die Ichspaltung im Abwehrvorgang", 1938). Man siehts, meine ich, eben diesem Fetisch, dem Schuh, wie dem Fetisch aller Fetische, an: als Fußhülle der Fußgestalt funktional angepaßt, ist er doppelgeschlechtlich im Toten, dinglich, wo ja einzig solche Wunder extrapathologisch möglich sind: Penis und Vagina zugleich.
Wenn Sie genau hinschauen, so wirds freilich recht komisch, wie bei solchen wunderbaren Sexualsymbolen immer. Siehe das Exempel (Schuh) hier: ?, ein Hohlpenis; über die Hälfte an seiner Oberseite geöffnet, ausgeschnitten; horizontal querschnittlich gehälftet und vertikal gebogen hochgeführt; an der Testes Stelle ein Stumpf (der Absatz) - "aus zwei mach eins..." (Braucht der Schuhfetischist ein oder mehrere Schuhe je für den Gottesdienst?). (Weitere individuellere Eigenarten hier: feil-, schuppenkleidhaft, semitransparent, und so fort.) Gestalthaft im Ganzen, denke ich, wirkt dieser Schuh sehr sphingisch - eine mythologisch vorgegebene Versammlungschance? (Angelisch-schwesterlich - als Selbstobservanz der Vermittlung selbst...)
Und ?? Erkennen sich die Damen ebendort wieder, dort unten, wo es, wie man sagt, nichts zu sehen gibt? Was soll der Quatsch? Gewiß, die Bisexualitätssymbolik bleibt - wie wäre sie wohl generationssexuell: nach welcher Inzestart auszulegen? -, und diese Doppelgeschlechtlichkeit ist, auf dem Niveau der Geschlechtsdifferenz, göttlich: ein Element von Absolutheit, versteht sich. Und da der Unterschied des Geschlechts immer auch generationsdifferentiell mit ausfällt, und zudem ja das dingliche Symbol den Körper vertritt, ja dieser selbst, sich erfüllend, ist: totlebendig, "transsubstantiativ", ist die Göttlichkeit restlos, ganz, perfekt gewährleistet. Gewiß, diese erscheinende Absolutheit, dieser Gott,
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sie/er ist jedoch eine einzige Karikatur, gänzlich abstrus, wie im einzelnen ausgeführt, und der Fetischist ein Komiker, der hypokritisch vor einem menschlichen Artefakt, einer Standardmechane in die Kniee geht (Fetisch = das Gemachte?); von dem man annehmen müßte, daß er regressiv in der Phase der "Übergangsobjekte" steckengeblieben ist, sich wie diese seine Kuitgebilde ebenso, unproduktiv und ge/verbrauchsscheu, vorgeben läßt, die Tauschsphäre hypostasiert/totalisiert (hypostatische Überschwemmung, Seitenausweiche). Ja, aber der Fetischist lacht nicht, kann garnicht lachen, nicht auch in sein obligates Verlachtwerden einstimmen; nicht holt er im Witzlachen die Komik des erscheinenden Phantasmas hervor, nicht scheucht er dieses dann in das Dinginnere verschließend zurück, nein: keine Witzzündung, kein -verglühen, vielmehr die strikte Spaltung des Erhabenen und des Lächerlichen dergestalt, daß sich jenes übersteigert und dieses sich nicht mehr abhalten läßt und wie ein Einschuß der Unterwelt jenes schuldhaftest befällt. Wie gesagt: ein armer Teufel ist der Fetischist, der solo bis sektenmäßig unter der Decke seine schwarze Messe zelebriert und so im fraktalisierten "Tode Gottes" den Gott umso mehr beglaubigt - und wie beglaubigt! Aber ein Schuh ist doch ein Schuh, ist als Fußbekleidung gedacht. Wo also bleibt im Fetischismuszusammenhang der Fuß? Leer bleibt der Schuh - wie das? Im Gebrauch handelt es sich ja immerhin um die tote Hülle und das umhüllte lebendige Fleisch; wenn man es so hören will: den artifiziellen Uterus. Allein, eine Hülle um Nichts, um Luft, was ist das? Nun, dies Binnennichts, das bin ich fetischistisch selbst: die reine Fühlbarkeit, "pneumatisch". In der Tat: "Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden. So sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zuschanden..." Was ich sagen will: so wird der Schuhfetischismus zur beschwörenden Zitation, immerdar travestisch, des Sterbensmoments: der Hinterlassung der sterblichen (Mutterleibs)hülle und der Befreiung der unsterblichen Seele (des Sohnes) daraus: "Christi Auferstehung und Himmelfahrt" (Vatertag). Und selbst die sterbliche Hülle zerfällt, und die Lichtgestalt des Auferstandenen verschwindet himmelfahrend vor allen Blicken - Doppelnichts, das bei sich selbst ist, fetischistisch dessen ganze Häme.
Soweit meine überaus grobe Schuhfetischismus-Aufschlußskizze, diese Ehrensache eines obsoleten Negativs obsoleter Intellektualität, die ja in aller - vergeblichen? - Unverdrossenheit den schönen Schuh von dem mitnichten ausnimmt, was ihm sein Fetischist alles scheinbar bloß antut...
Thesen: Indem, inbegrifflich, Video Perversion und Pornographie zumal indifferenziert, ist es das "Original" der Körper-reintrojektiven "Kopie" Pornokonjunktur. So sind die pornographisch ausgebeuteten Perversionen mitsamt deren identischen Intellektualität verlorenzugeben. Sind die Perversionen doch zutiefst und unverhohlen häretisch christologischen Charakters.
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