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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Ich, scribebouillard (Pathognostische Interventionen III, 2016, Essen, Die Blaue Eule, 107-122)
Eine noch nicht scriptakognitiv ausgetretene "heiße Spur": die Fundamentalaggressivität der Schrift (HH), vulgo "der tote (sie!) Buchstabe und der lebendige Sinn". Wie der repräsentationsgenerisch valente Vorrang beider: die buch-stäbliche Nekrophilie, Vitalblockade der Rätselzeichen, oder die passagere Floreszenz der seinsbegierigen Signifikanten? Kein discrimen ob so der Hypostase je beider, denn zuvor steht ihr transzendentales Verhältnis zu ventilieren an - im Vorgriff der Apriorismus allen skripturalen Bedeutungshomizids, umwillen der integralen Semantemewahrung, abermals ein reichlich angedunkelt ausnehmendes Todestriebgeschäft, im Sprung seine epochale Erfüllung findend in der EDV, des gewaltgerechten Endsiegs einschlägig des "corps matière" über den obsoleten "corps propre".
Aufkam sogleich auch die Frage nach der Koaggressivität des Schreibers ipse. Ja, selbst in ihrer reaktionsbildungsmäßigen Kontestation hält sie sich freilich durch. Und sollte der Scriptor, schreibend, expressis verbis, in Schrift, sich furios gebärden, so offenbarte er sich, im Ansatz symptomatisch, als Usurpationszusatz zur präsumtiven Mortiferenz der Schrift ja selbst schon, deren medial "schaffendem Tod".
Willkommen schreckend semisomnale Heimsuchung (abwarten, was die Träume dazu noch bringen mögen): geordnete Rudera unbekannt fremdsprachlicher Schriftsignen. Trotz aller nicht unberechtigten Hoffnung auf schriftszientifischen Aufschluß, so, gleichwohl, perseverierte das geängstigte Bewußtsein einer doch wie endgültigen Präklusion, falschechtes Todesvikariat nämlich, dessen cogitionales Pendant, lustdurchsetzte (wirklich?) Synkope, ich, weit genug von mir entfernend, in meinen Tiefschlaf je schon mitgenommen habe. Trümmerfeld, das sich, zudem, anankastisch justiert wie zu einem großflächigen Friedhof, zu unendlich identischen unbenamsten Grabsteinen, und ich, aufgewacht in diesen Horrortraum, hindränge eiligst zum richtigen Erwachen, in dem, auf der Stelle, die gesichtigen Toten ihren Gräbern entsteigen - nein, nein, die währende Totenstille kompensiert sich so nur im seinsdesideranten Kontrapunkt meiner guten Imagination, und ich hätte es eh nur zu tun mit den posthum verklärten Leibern, dem reminiszenter "lebendigen Sinn" der remanent "toten Buchstaben", apokalyptisch der "Auferstehung des transfigurierten Fleisches" (o Gnade der christlichen
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Mythologie!), höchst skandalös sodann, den Hyleausgang dieser Larvenvitalität, den Schandkadaver, am besten statim kremierend.
Ja, das tue eo ipso ich mir an, diesen floriden Spätmanichäismus, immer wenn ich, morgendlich noumenal berauscht, drauflosschreibe. Und wenn ich auf die schöne expiative Idee käme, für diese kriterial skribende Untat, gegen die ich mich immer vergeblich sperrte, so ich weiter schriebe, nur noch Nänien, Requien für diese desolate Fleischesstupra verfaßte, so entriete ich, reaktionsbildungsstigmatisiert, diesem imaginären Apriori der Schriftviolenz mitnichten ja.
Weshalb aber diese Hysterisierung selbst des schriftlichen Normalfalls, solch paralysierende Inkulpation, Schuldüberschwemmung gar gewöhnlicher, zumal dann gehobener, medialer Verrichtungen, wenn überhaupt durchdringend, die invidiöse Intermission der üblichen Geschäfte? Welch überwertig ontologische Spielverderberei! Wohin aber unsere hochprothetisierten Schriftproliferationen, von jeglichem Todeshauch "on dit" bereinigt, degenerierten, unendlich auslaufend ins Pseudos der Dingataraxie, juste, wie verkehrend, sich, im aufgelängten Anblick, in unablässige Elogien, versteinerte Leichen, reservierend. Gesättigte Ontik - ade! nur daß wir ohne sie längst schon, entschriftet auch, verhungert wären, indem wir allen angstfreisetzenden, -bindenden essentiellen Einspruch kommutierten in ihre a fortiori motivationale Mora bloß; und die darin funktional noch undomestizierten ontologischen Überhänge als solche belassen, und deren schlecht unendliche Binnenentropie abstrittig konzedieren mögen und ... Und also dürfte ich, schuld-bewußt, gleichwohl weiterschreiben?
Welche Befindlichkeiten aber leiten sich aus dieser hochdilemmatischen Schreibenssituation meinerseits ab? Das ist so wie beim Essen, und vielem anderen mehr, wenngleich wohl weniger nötigend: wider den Strich meiner wesentlichen Schuldigkeit, mal debetschwächer, mal -stärker, kann ich, komprobant, nicht umhin, den skripturalen Hyleoverkill nichtsdestotrotz spiritualistisch weiterzutreiben, wenn immer ich das Schreiben fortsetze; und alle unguten Gefühle dabei mögen sich in die Utopie schier purifizierter Schriftlichkeit passager versammeln, um aber - wider diese letale Flucht aus der Menschheit - in die heimischeren Schuldgefilde ungetrost zurückzukehren.
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Weitläufig, die Schriftpathologien. Inbegrifflich die Hypertrophie der skripturalen Tötungspotenz - am Endeanfang war der "tote Buchstabe", in höchster todestrieblichen Todesnot, als toter abermals getötet, um zum allerhöchsten Himmelsfake, dem herkunftslos "lebendigsten Sinn", Horror des absoluten "Signifikaten", dem Widerspruch exklusiv integrer Sprache, sehendlich Totale Schriftabsorption im ewigen Ineins von Sprechen/Hören, dies Gottesding Schriftmoloch, sich, abfällig sanktioniert, zu versteigen. Aber, bitte, lasten wir diese Fundamentalprätensiose dem armen Prätendenten Menschkreatur doch nicht als anmaßungsfundierte Pathologie an! Wenn überhaupt krank, dann ist es, zuvor dieser Gott nur selbst, Perversling kat'exochen, der zu sich selbst hin zynisch anlockt, um sich sodann dem Verführten als göttliches Strafgericht um die Ohren zu schlagen - grandios, nicht wahr? Wie aber diesem Schwachsinnsgipfel des "mythischen Verhältnisses", der tödlichen Lächerlichkeit aller Moral, überhaupt entkommen? Nimmer im Ethos festgezimmert schuldflüchtiger Frömmigkeit, nein, ganz anders, nämlich dem todesusurpatorischen Gott, bitte, vor sich selbst, widerlegend, erzittern machen, um in unendlich gebrochenem Ureinvernehmen meiner Selbstemergenz mit deren eigenrepräsentativ schlechthin entzogenen Nichtung, dem unauffüllbaren Nichts des vorgestellten Todes, also, differiert differierend traumatisiert, auf Probe - ontologische "sollertia" - fortzubestehen.
Quälende Halbschlaffrage, wie überhaupt kann es zur schrift-lichen "resurrectio mortuorum", der Vitalität des "toten Buchstabens", kommen, zum Totheitskontrapunkt des atmend "lebendigen Sinns"? Unterliegt man, gläubig, im Voraus, so nicht dem großen Irrtum des "Jüngsten Tags" - von wegen: "Auferstehung des Fleisches", des apokalyptisch gar auch noch verklärten, nein, das schlechterdings unvollziehbar pure Nichts, ins Meer zerstreute Leichenasche, deren letzter Konkretismus, verlorenster Diszeß der "Rücksicht auf Darstellbarkeit".
Die faktische Subsistenz dieses, also wie in Ewigkeit protrahierten, Finales wäre nur um den Preis meiner Selbstverkennung als Schreibender - und wie! -, widersprüchlicherweise, repudiierbar. Gewiß, doch die milde Krudität dieser Tatsächlichkeit verrät noch nichts über die Transzendentalien dieses penetranten Erosgemächtes.
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Nichts? Immerhin könnte sie, dieses wie selbstverständlich eingenommene Faktum, zur Besinnung darüber anleiten - bin ich doch dieser meiner Hauptarbeit, dem Schreiben, profunde anhänglich -, daß es nahezu sich um eine intellektuelle Entscheidung handle, sich der vornachgängigen todestrieblich reifizierenden Abtötung der Sinnendiffuse zu überantworten, und, zumal, den abgebüßt konträren Mehrwert dieser Mortalitätsverwandlung in Regie zu halten? Nein, von Verfügen - reinste Einbildungsnot - keine Spur, das ist - nicht umsonst so benannt - ein Triebgeschehen, und also kommitiert es uns, psychopompos, in den ultimativen Widersinn, miserables Gattungsstigma schlechthin, daß nämlich das Nichts das Sein nur entläßt, um es, aufgelängt lustbetäubt tötend, im Tode wiederheimzuholen. So die gesuchte Präsumtion, die wehe "Bedingung der Möglichkeit", daß ich überhaupt zu schreiben, dessen uneingeholende Travestie, vermöchte, fernab, zunächst, in dieser dichten Oberfläche, existentialer Behelligungen.
Nur ein wenig in diesen Jammer, diese Zumutung ohnegleichen, Spitzenphantasmagorie des eo ipso ja scheiternden "Todestriebs", eingefühlt, wird die neuzeitliche Großflucht in Wissenschaft, dieses unser Soteriologikum, schlagartig verständlicher: in die schwarze Ontologieamaurose, ursprungsusurpatorisch, und die mich deshalb, unbesehen, freilich nur in Kriegstreiberei hinein rettet.
Gleichwohl wäre es töricht hypokritisch, die doch in jedem Augenblick genutzten subsistentiellen Zuträglichkeiten dieser Art menschlichster Entmenschlichung Wissenschaft, todesbrüderlich geheißen, sich nicht voll zuzugestehen. Den immer frustran flachgehaltenen Preis dafür habe ich wenigstens angedeutet, und sich, nackt und bloß, den ontologischen Kontrarietäten verpflichten, höchstens taugt zu - folgend eher konservierenden, ja gesteigerten - Antraumatisierungen der dichtest essentiellen Allerfassungsweise, der dispositionsträchtig szientifischen Erschaffungen allen, depravierend oftmals zudem aufgefangen als höheres, sprich: martialisches Ethos. Und die Sache mit dem "toten Buchstaben" und dem "lebendigen Sinn", also den entsprechenden Sprach- und Schriftwissenschaften zugeschrieben, büßt, wie üblich ebenso entlastend wie trügerisch, ihre existentiale Gewichtigkeit, bis auf weiteres, ein.
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Auf diese fast fraglos gewordene Weise zurückgedrängt zwar der vor lauter höherer Wahrheit nur so strahlende tödliche Bann: das gleichwohl andrängende existentialontologische Souterrain, das, in seiner beifallssicheren Bescheidung, anmaßender Szientismus, die differierendste Hochrüstungsmystifikation aller Zeiten, in ihren kriegskonkretistischen Spitzen übergängig einsgeworden - Vermählungseschaton von "Wesen" und "Sein", "Metaphysik" und "Ontologie" - in/mit ihrer unnützen entgründenden existentialen Konterkarierung. Und trotzdem, ich muß sie, superobtestativ freilich, in ihrer ganzen imaginären Armut/verschlingend realen Allmacht, umso beherzter prononzieren. Also: "in pricipio erat scriptum", Derridascher Kopfstand der Verhältnisse - "Todestrieb" nämlich, der, anfangs, sich Lebensluft verschafft, immer mittels der Mortiferenz seiner "Signifikate", der Totheit der "Buchstaben", die einzige hinlängliche Bedingung deren Vitalisation indessen zu sprechenshörenspflichtig sprachschriftlichen "sinn"geburtlichen "Signifikanten", diesem, unmittelbarkeitsbar, also vermittelt prothetisiert medialen Geisterleben (und die Dingedinge?). Abermals: "Eros" vermöchte alleine sich, kompromissuell, imaginativ, zu behaupten unter seiner thanatologischen Fundus"condicio"; Nadelöhrpasse aller zerlaufenden Seinsvorgaben in den irdischen Himmel der solideren Sinnverstattungen. Und diese dann, proliferierend des einzelnen, werden eo ipso nichts anderes an den Tag legen, als sich - darin wiederum verdeckenden - Austragungen - perpetuierender "Autosymbolismus" (man wird davon irre) - der nämlichen genealogischen Basiskonstellation verpflichten, sprich: "Buchstaben", auf Kredit tot, und deshalb gierig nach Fleischesbeute, entstehen allererst in diesem ihren nichtenden Angang, huldvoll moratorisch angeschaut nur noch in interimistischer Memorialität ihres lebendtoten "Sinns". Imaginarität = Nichtsmitgift in aufgelängt passagerer Seinskonzession. Keine Chance eines Anderen? Janein - nicht zwar einer Alterität, jedoch die verblendete Hypostase solch transitorischer Abhebung - die hochkapitalistische Medienepoche, kriegspromovierend, mitnichten Medientamponade.
Schriftgnostische Schützenhilfe Jaynes? Nicht zwar, seine Ingeniösität, tauglich in empirisch historischem Genesisverstande, wohl aber,
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ausschließlich, a fortiori, einvernehmlich mit Kittler, in genealogischem Respekt: Schrift nämlich - der Auffang, die Wehr der, wie präpsychotisch sich verlautenden/verlautbarenden - "physei" oder "thesei"? - Dinge; Schrift, die Abtötung rettend des Vokaldelirs Vorweg - Stimmenhören, Akoasmen; Visualitätsinsinuation Sicht, kriterial, in Endfamulatur der Semantikintegrale, vehement todestrieblicher Umweg, Kreuzweg zum Gesamtkunstwerk Lektüre.
Ob sich die widergenuin vorgängige Phondhalluzinatorik diese ihre schriftgenerische Entmachtung gefallen läßt? Ja, jedoch unter dem Vorbehalt ihrer - pathologischen - motivierenden wie widerständigen Resurrektion (und, "am Ende der Zeiten", reservationsentledigt, übergehend in ihr Gegenteil). Auch refraktär fast, unsereinem zugedacht, in aller skriptural faktischen Stabilität, ein refüsiert subakuter Rachetremor des wie protosymptomatisch depotenziert entdelirierten Widerparts, anspornend zu intellektuellen Höchstleistungen der Apertur all dieser hochgetrieben schriftgenealogischen Obliegenheiten.
Geburtsschrei - das projektive Initial, Folie der Todesalienation, Nachhall memorial vorläufiger Dinggeburt, an der ich, Selbst, identifikatorisch, wie an einem Gott, fetischistisch festhänge, verwünscht verschwindend in diesem eh ja reifizierten Environment.
Vorläufig? Ja, sofern komplettierend gefolgt von der widerinzestuösen Freigabe des Mekoniums zu seiner weiteren armaturischen Transfiguration, und also dem Phonoeinsatz, dem Mirakel der Sprachgenese, dinglichkeitsversiert folgend der Schriftentstehung mit, überantwortet. Plazenta, nächtliche Nutrition dabei, ausgedient, aufgebrochen zu medial gesicherterer externer Subsistenzgewähr, "mammae" fürs erste.
Gedächtnishalterung durchweg, Rückverbundenheit nämlich der Identitätsgewahrung in der abreißend "projektiven" Entäußerung. Todesdefensive "projektive Identifikation" demnach das seinsgenerisch gerichtete Allensemble, in seiner Indifferenzpassion unvergessen vergeßlich ihrer todestrieblichen Abwehrvalenz, des suspensiven Existenzsubstrats, repräsentierlich, schlechthin.
Die Christmythe bezeugt es deutlichst: Sohnesprokreation aus dem Vater, prolongiert zur Weltschöpfung, insgesamt-Opferstoffexkrementation, "post redemptionem" revoziert im "Heiliggeistband der
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Liebe" zwischen beiden, der also bewährten "Homöusie". "Projektion" ergo zurückgeholt in der vermittelnden "Identifikation" mit dem "Projizierten", dinglich veredelter Scheißefraß sodann, waffensplendide Homoausschließlichkeit - "genitum, non factum, consubstantialem Patri; per quem omnia facta sunt" etc. notorisch - letzte, freilich versagende, Kultursoteriologie der Inkarnation.
Göttliches Weltenpatrimonium, einzige Erlösung, in sich konträr, nicht nicht die Martialität dinglicher Kultur, der "Gottseibeiuns" Waffen, Unding der dingegebärenden Todeseskamotierung; Flucht in den Gott vom gesplitteten Teufel weg, in diesen, so dann gänzlichen Gott, hinein. Welch magistisch stumpfsinnige Finesse: "Gottseibeiuns" - der Übergang, die Substitution dieser Bannungsfloskel, des obsekrativen Gotteszitats, in den also widersprüchlichen Teufelsnamen selbst -just die eben apostrophierte Fusion, Konterkarade des "Widerspruchssatzes", der splittigen Scheinerrettung von allem Unterweltwirrsal just unter meinem Hintern. Fliehend abgehobenes Sprachfake, härtend fixiert in seine flammende Verschriftung, den verglühenden Aufenthalt meiner Selbstkremation im Nichts (metabolische Verbrennungsprozesse zuvor?). Ultimative Doppelvertodung: namentlich ♀
A part - Dauerproblem, noch nicht explizit: ob all diese repräsentationsphilosophischen Intimitäten spezifisch - wie? - übersetzbar seien in - welche? - Wissenschaftsgegebenheiten? Was, beispielsweise, weiß man, physiologisch, über die Sterblichkeitsparierungen des mortalen menschlichen Organismus, kurzum: den "Todestrieb"? Wie dann vermitteln sich szientifisch solide Tatsachen mit unseren heterogen philosophischen Genealogiedekreten? Worin besteht der adaptive Sinn des hegemonialen wissenschaftlichen Zugriffs im Vergleich zum fragilen philosophischen?
+) Horrortagtraum: Schwulenaufstand gegen die weibliche Schriftbenamsung auf Bomben.
Zurück zum Geburtsschrei, dem Vorweg des ausgesetzten Todestumults. Fungiert er doch als Element des Frühparadigmas der Selbstalienation, als deren sensuelles Soundvehikel, der schieren Notwendigkeit, mich meiner tödlich selbstinzestuös autistischen Hypostase
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- Sterblichkeitsrausschmiß - "projektiv" zu entledigen. Demnach sieht -ja sieht - der Projekteauffang (wie das?) außenvor dann auch aus, und hält dabei mich - "projektive Identifikation" - an sich selbst, nichtend rettend, fest: nicht nicht derart, kriterial, nezessitiert der Binnenmortalitätstransfer in die Externität von "eo ipso" sodann essentiell waffenförmiger Dinglichkeit, singulär "mein Hort" und unikal "meine Zuversicht", im freigesetzten Widerhall meiner Selbstentäußerung, meiner selbst, martialiter dinglich doubliert und immer auf Widerruf, endlich, trunken, innezuwerden.
Sich ausausträumender Traum der Allverfügung, vollendete Selbstheimkehr in explosiver genderimperialer medial gekrönter kerygmatischer Selbstreifikation. Friedensforschung vor, um sich (pardon!) an diesem wehesten Apriori die Zähne auszubeißen. So auch verkommt jegliche spätere Repräsentation zur passager negentropischen Notgeburt hochgerüsteter Seins(ge)wahrung. Und, immer vergeblich, rüttelte ich - woraufhin? - an der immerwährenden Gefangenschaft in selbstverlustig abundant geschenkter Nachträglichkeit allen seinsgewährlichen Re-Re-Re - "es würde gewesen sein werden" (HH) -, dem verleugnet infiniten Differenzoktroi, meiner fülligen Suspension, dieses lächelnden Wahnsinn. Ja, woraufhin? Platon empfinge mich an der Jenseitspforte der "Ideen".
Selbstverständlich: alle Dinge/Waren/Waffen, Selbstrepräsentate, mitsamt ihrer diffus gethrillten "cogito" Einbringungen, sie sind schlechthin notwendige Epiphänomene ihres nachhallend entzogen nicht repräsentierbaren Immerdavordarinnen, wahrlich aber memorial re-präsentiert eben nur in dieser ihrer rückhaltig externen Alienation. Anmaßend bestraft hervorgezerrt so das untersagte Unding ewigen lives des dementen Nichtsgotts, dessen supplementäres Sageverbot höchst obsekrative Mißachtung verdient. Das möge nicht oft genug moniert sein: unterstellt, dies wie todesaffin absente Voraus, es sei das (bitte aber nicht das jungianisch deutsche) Unbewußte in Rein-, nein: in Schmutzkultur, just das "Verdrängte", das synkopisch Unausdenkbare desselben, ja, dann aufkommen diese meine "Posteriora", schützend auflängend "epikalyptisch" zwar, involvieren jedoch, restlos mindest, deren letalen Binnenterror als insidiösen Sprengstoff. Nein, keinerlei kulturpurgatorische Aussichten zugange, Kultur, dies objiziert selbige Unbewußte doch, von
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dieser ihrer eingewurzelten Destruktivität - die dissident vielbezeugte soteriologisch bitterste Pille -jemals zu absolvieren. Ob des "basics"Trugs agenealogischer Unbedingtheit der Repräsentate, der Pseudologie universeller Kulturirenik, zumal der - mit etwas einsprüchlich moralistischer "mauvaise foi" protegierter - Mohrenwäsche der Waffen, muß es nicht wundernehmen, und plausibilisiert auch quasi halbe Satisfaktionsrechte dafür, daß Pathologie, einschlägige Betriebsstörung, in aller verstrickt sanktionsprovokanten Ambiguität, rechtens die Usurpation dieser Urverkennung kulturaler Sanität prätendiert - paradoxerweise, denn es reicht nicht dazu, etwa Psychopathologie antipsychiatrisch im Ganzen gar damit als abgeschafft zu behaupten, mehr aber noch, möge es, vielleicht, eines Tages verfangen, alle Krankheitshypotheken in eine akkumulierte Opferumwendung zu versetzen, in die Konpromission des verräterischen Aberwitzes der Verfolgungsmacht des arkanischen Dingeinneren, die Brechung, wie unwahrscheinlich auch immer, solchen paranoischen Angsttributs an unsere also lächerlichen Götter.
Haben Sie, nicht zwar nur in Ihren Träumen, schon einmal wachend erlebt, daß Ihnen die gewöhnlichen Dinge um Sie ringsherum, etwa in Ihrer Wohnung, wie Erinnerungen, ja Erinnerungen, vorkamen, unsicher genau woran, vielleicht am ehesten aber irgend an Sie selbst, wie an Teile etwa Ihres eigenen Körpers, doppelt vage dies hin zur näheren Umgebung, wie zurück zu Ihnen konturlos selbst, ausgeweitet umringt vom fremdmachenden Entzug alldessen, was Sie aus dem Fenster jenseits - Natur? - erblickten. Und wenn dann dieser ungewohnte Unterschiedsmangel - bis auf den Ausschnitt an wie gleichgültiger Außenwelt - bedrängend wurde, nämlich die Dinge fast wie Grabmonumente anzumuten begannen - fehlte nur noch mit Ihrem Namen aufdringlich beschriftet -, ja, dann sind Sie, bitte aber an der Psychiatrie vorbei, reif geworden für die Aufnahme meiner folgenden Gedanken diesbetreffend.
Memorialversessenheit der kalten Sichtwelt draußen - versteht sich warum, denn, was genau sie re-präsentiert, das gibt sich nimmer preis, das hält sich wie versteckt, und frustriert so die Mühe seiner mehr als nur vage affektiven Gewährungen, den fernen "cogito"Einstand -ja nicht eben ein abendländisches Prinzipat - des innerlichen Beisichselbstseins. Erwartungsüberfrachtetes Sichkrampen an die
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einzig umrissene Selbstexternität, fliehend das meinseitige abgründig korporale Vakuum, den schreckenden Seinshiat. Schlechte Aussichten demnach, um der Wahrheitsstatuierung willen, eine gesicherte Diesseitsreferenz der wie sich selbst überlassenen, gleichwohl vulgo überbeanspruchten "Signifikanten" seinsassekurant auszumachen.
Grabsteininschriften - die mediale, hier die skripturale Supplementarität: die offenbar notwendige Insichreflektion der eh ja schon haltlos reminiszenten Dingeproduktion, Körpergedächtnis des Körpergedächtnisses, zumal in seinem prothetischen Progreß, und allzeit verführt, sich widermemorial produktiv verfälscht waffenlüstern zu übernehmen. (Willst Du wissen, was Du bist, so wende strikte Dich nach außen um und frage frage nach den Waffen danach an.)
Dingding mit Schriftding obenauf - nimmer zu überschätzen das nachträglich seinsrettende Repräsentationselement des Auseinanderund Zusammenhalts, Memorialitätsinbegriff, des gehörigen Binnendramas um die "Signifikate" und die "Signifikanten" - dafür steht ja, wie immer auch abgesetzt, isoliert, Schrift, prothetisiert dinglichkeitsverpflichtet Sprachschrift; deshalb prioritär, als wie in sich ausschöpfend seinsgenügliches Gedenkengedenken, überspielt defizitär, insofern sein inverses Herkunfts(Ankunfts)echo in Nichts verhallt, und, entsprechend einlastig, sein Visavis fehlpräsentisch massig inflationieren mußte. Unbeschadet aber dessen, des unermeßlich wuchernd deformierten Vermittlungs-, des Medienwesens, resultierte des Seins "état néant", immer wenn bar der - freilich bis zu ihrem Verschwinden darin involvierten - gedächtniskriterialen Renitenz, wenigstens subakut "in actu", das den Entropien des "ungetrennt und vereint/getrennt und unvereint" abgerungenes Urremember der Kohärenz/Distinenz, "conditio sine qua non" aller re-präsentativen Seinsgarde, so daß man meinen könnte, hierin selbst schon den universellen Produktionsgrund, unbedarft separat hergestellter medialisierter Vorgaben, anzutreffen - Schaffung und deren sicherndes Gedenken, die ineinander verschwimmen.
Das ist dann aber doch der epochalen Gedächtnisapotheose viel zu viel, und es möchte einem fällig dünken, just heutzutage, im medienhegemonialen Heiliggeistzeitalter, gegen dessen Strich zu bürsten: etwa Baudrillards globales "Hyperreales" zu entflechten in seine -
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wie immer auch vorab schon medial pseudodisponierten und - exkulpierten - Realitätsanteile, im Unterschied zu seinen zudem entstellenden Manipulationssupplementen dazu. Ein bodenloses Unterfangen zwar, aber doch, vielleicht, auf dem rechten Wege, wenigstens "in mente" einmal, vorstellend, die Welt vom malignen Trug ihrer Allimaginarisierung zu erlösen? Was aber bliebe sodann? Nicht mehr als der apokalyptische Horrortraum des Todesavis entmenschter "facta bruta", und alle kulturhominiden Erdenspuren, Phantasmagorien bloß, flüchtige Fakes, entschwänden in nächtig fernstem Niemandsland.
"Der tote Buchstabe und der lebendige Sinn" - Vorsicht! denn alle im Sprachschriftwesen emphatische Totenerweckung, Lektüre - erfüllt dann, leibhaftig konkretistisch, am "Jüngsten Tag" -, mache gefaßt sich auf die - verkürzt todestrieblich geheißene - Reversionsbegier, anästhetisiert endlich Ruhe zu finden ("0 daß wir unsere Ururahnen wären ...") im, immer auch instantan geflohenen, emanzipiert sinnflüchtig litteralen, Totheitsverenden. Währende Ambiguität - unser besiegeltes Los - "inklusivdisjunktiv", manischdepressiv je beidseitig, Scheinwahl nur zwischen den Doppelmagien, den kollabierenden Hypostasen je von Sprache und Schrift, "Tod und Verklärung", dem Höllennichts und dem anderen selben ikonodulisch himmlischen.
Leitmotiv: Aggressivität der Schrift und des Schreibers (HH). - Undechiffrierte/undechiffrierbare Fremdsprachenskripta = Terrorvikariate der "finsteren Nacht der Gottheit", sie überkommt, sanktional, mich, wenn immer ich, lammfromm, den schriftlich furoren Todesentleih, den kriterial todestrieblichen, abstreite. Kühnste Todesverschwisterung, Limes aller Verfügung, bis auf die Knochen, destruktiv, in aller Fertilität; verlöschend.
Pathologie, der Sturmlauf, frustrane, wider die Schmach der Dispositionsdepotenzierung, die ganze Lächerlichkeit des - je schon unerkannt eingeknickten - Gottespopanz' absoluter Selbstokkupation sich vermessen einzuverleiben. Wehe! er setzt dieser Sondergroteske, um seines Selbsterhalts willen (!), noch voll eins drauf, indem er sich, weltenrichtend - cave! todesparasitär tötend -, dagegen
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höchst sanktional verwahren muß. Nicht also vermag es dessen wundersam hypokritische Liebeskonversion sein, die mich, den Hörigen dieses unüberbietbar atheistischen Schwachsinns, von diesem paranoisch fauchenden Unding befreien könnte; ebenso, a fortiori, nicht der - von seiner Verstellung, dem todestraumageborenen Gottesphantasma bereinigten - Tod dann quasi selbst - wie auch? Und meine überforcierte Erkennung dessen aufhält nur, einen auxiliaren Atemzug lang, und, in Leere, überhaupt, meine Eindringlichkeit in seine eigenvermeidenden Reservate.
Unaufhaltsam nunmehr die Irrfahrt in den letzten existentialen Aberwitz - nicht bilde ich mir ein, ihn jemals ertragen zu können -, nämlich daß, sogleich schriftbezogen vikarisierend angesehen, der "tote Buchstabe" seinen "lebendigen Sinn" nur freigibt, um ihn, galgenfristgemäß, arbiträr alsbald zu rekassieren. Und, in aller unerfindlichen Spitzenabsurdität, dies einzig vergönnte Seinsintervall, re-präsentativ immer gebrochen, in seiner höchsten todestrieblichen Aktivität, erotomanisch zudem dauerdüpiert. Und wenn dem, adualistisch, hoffnungslos wirklich so wäre?
Wie stände es denn einmal damit, solche zutiefst ontologischen Intolerabilität als bloßes obsekratives Ultimum zu explanieren, was - vonwoher dann genährt? - mitdazuführen dürfte, den todestrieblich verkannten Todeshorror, Inbegriff letaler Gewalt, objektiv kultural zuvörderst, herabzustimmen? Ja, wer - wer? - wäre mir dabei behilflich, der ich davon ja, quasi naiv, verstreut, rabattiert, permanent Gebrauch schon mache, alleine indem ich, in irgend ungestörterem Selbstkonsenz, subsistiere? Ein ganz anderer, nicht mimetisch todesüberwindender, doch patient -komprobatierender Gott, der diesen dubiosesten Ehrentitel, um seiner und unseretwillen, je schon ablegte?
Nein, man wird die gerne gepanzerte Angst nimmer los, daß just die monadischen Dinge, "phantasos"somnial, zumal die gemachten, solche des "verum ipsum factum", recht selbstherrlich zu sprechen, ja, sichttrübend ohrenbetäubend sich zu verlauten begännen. So ja deren persekutorische Rache dafür, daß sie, in statifizierter Dienstbarkeit, die ganze projizierte Schuldlast der Sterblichkeit letztlich, körperdechargierend, zu hüllen gehalten sind, und darüber freilich, folgend, unvorhergesehen hysterische Klage führten.
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Jaynsche Kautel dagegen: das gehandelt armaturische Dingegewirr - welch fülliger Sinn! -, mundtotmachend visualitätsgenerisch festsetzen, wiederbannen, nur aber daß - das übliche Schriftdilemma - sich, medial nur verschoben und potenziert, der Dinglichkeitausgang restauriert, und also mit derselben Körperübermächtigung, a fortiori sinnentbindend, droht. Vom Regen der sich psychotisierenden Rüstungsstase in die Traufe des Übermaßes delierensanfälliger Inskriptionen.
Jaktationen des armen Schreibers - wie überhaupt vermöchte er, in alldiesen Bedrängnissen, seinen professionellen Obliegenheiten nachzukommen? Ich jedenfalls meine es zu können, und dabei ist es mir zumute, als sei ich von wilden Tieren umlagert, die, wohlwollend dauerschläfrig, ja verläßlich soporös, es großzügig verschmähten, mich aufzufressen (wie lange aber?). Und mein besonderer Beitrag zu dieser meiner - des Nichtvegetariers - Schonung: phylogenesefromm aberkenne ich ihnen, wie selbstverständlich, ihren archaischen Divinitätsstatus nicht.
Impetus des areminiszenten Geburtsschreis, im Zusammenhang alldieser pazifizierungsbedürftigen Pressionen ringsum? Durchaus! Nicht aber unterbrach ich, bisher jedenfalls nicht, mein tägliches Schreibensdelir, um zwischendurch (vielleicht aber des Nachts?), in Absicht dessen, der Natalphonemik, mir zugängliche Phänomenalisierung und Inregienahme, (wie urschreitherapeutisch), loszuschreien. Nein, und also bleibt, fürs erste schwach ersatzweise (?), mir nur die memoriale Invention desselben, nicht aber um es skriptural einzusperren, vielmehr um seine Folienvalenz für mein Schriften, hoffentlich auch affektioniert, zu erhalten.
"Gottseibeiuns" Waffen - mörderische Rekonziliation des Gottes und seines Teufelsgeschöpfs, Letzttrug der Nichtsauffüllung der zur "schlechten Unendlichkeit" verflachten Tiefenkaverne scheiternder Realitätsfindung; und deshalb, auf dieser seitenblicklichen Gegenseite, das höchste, überbesetzte Seinskonzentrat permanenter Kriegsbetreibung. Abdrift dahin, wie zum rettenden Ufer, weg vom liquiden Abyssossog gründender Reservationen. Wer wohl kommt hier nicht auf die abwegige Idee, daß derart, gut abendländisch christlich, die Höllen(groß)mutter und der himmlische Übervater sich, fusioniert, diskriminieren? Jene der Widersinn eingefrästen Überallschattens,
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reminiszente Rachepenetration verderbend jeglichen Seinsaufkommens, verglusend angefachter Vorzeitschein, die Noxe allen Werdens. Und dieser - welch ein Gott! (gehen wir gleichwohl in Deckung) -, selbstreferent flüchtig todesverwundet, igelt er sich, der reinste Sprengsatz, in sich ein, stachelig nach außen eben noch gnädig warnend. Und so schließen die beiden den ewigen Nichtungsbund fürs ganze Leben.
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