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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)     
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Somniale wie pathologische Nachträglichkeiten (Pathognostische Interventionen III, 2016, Essen, Die Blaue Eule, 27-40)
Das wärs doch: die maschinelle Memorierung dergestalt, daß meine Träume post festum auf dem Bildschirm eingesehen werden könnten; diese Paranoia pur. Allein, ists möglich, dieser szientistische Traum einer aresidual einschlägigen Semantikalienation, weitest über die esoterischen Exoteriksigna der nächtlichen Hirnstromableitungen in ihrer isoliert syntaktischen Dürre hinaus; die gesamtkunstwerklich mediale Repräsentation der somnialen - erinnernd fragmentierten oder gar ausfallenden aus dem NREM-Abyssos aufsteigenden - Repräsentationsvorgabe; cogitional uneingeholt womöglich von ihrer, wie gehabt reduzierten, vorlaufend technischen Externalität; Menetekel, abgedunkelte auf dem laufenden Papierauswurf? Für die Wissenschaft enttäuschend, weil, denke ich, abschlägig die Antwort. Sie gründet in der These der mehr als inkompletten Konvertierbarkeit der "res cogitans" in die "res extensa" - ohne Abstriche, schlechthin, über die cogitional rudimentäre Traumerinnerung hinweg, überhaupt unter der Sonderbedingung des Traums; also schier fernab eines eins-zu-eins-Abbildungsverhältnisses, kurzschlüssig zwischen dem reminiszent womöglich in toto entzogenen Traumgeschehen und dessen apparativ medialen Außenrepräsentation? Der gesuchte Grund des negativen Bescheids, des einfachen Wahrheitsdurchstrichs, liegt mitnichten, tröstlich, in der faktischen Vorläufigkeit aller Konvertierungsmühen, vielmehr in der sperrend grundsätzlichen komparativen Maß-losigkeit beider Relate: dort, bezüglich sichernd, ins Leere zu tappen, vorgängiger Repräsentation bleibend zu entraten, hier hingegen dem Trug autoreferentiellen Selbstgenügens, wie wenn das mehrfache Re.., widersprüchlicherweise präsentisch, die Zeit, den Tod zu tilgen, manisch zu erliegen. Der eh repräsentativ rezessierte Traum, höchstens memorial zerstückelt re-produziert, fortgedeiht, in Reserve philosophisch nur, zum Transversalemonitum der Seinsnichtsuntiefen abdriftig wie unter den szientifisch wohlgemuten Essentialismus, unsere singulare Welthabe des "n-ten Futurs im Irrealis" (HH) ins universelle alldispositionsverheißende Live erfolgreichst zu verfälschen.
Gratulatissime Wissenschaft! - dem weggeschafften Widerspruch, der bis-zum-es-geht-nicht-mehr seinsversessenen Repudiation desselben pflichtig, sich der anankastischen Epikalypse infiniten Seiendenmanagements anheimzugeben; abschließens-, vollendungstrunken dies gattungsprägende Spitzenopus des "Todestriebs" namens Wissenschaft in hypostasierten Erospurismus umzumünzen. Kein
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Wunder sodann, daß desselben Idolatrie, angeblich kontingent, anmaßendst martialisch nichts denn korrumpiert - Seinsnichtsnachholung, der "ontologischen Differenz", am Pseudos permanenter "Unschuld des Werdens".
Pathologie in diesem Zusammenhang: quasi voreilige alleingängerische Adaptierung selbst der Schaffenspräsumtion, prätentiöses und darum abzubüßendes Forcement, die unmögliche Repräsentativität deren motivationalen SeinsNichts-Ungrunds zu erzwingen, und dadurch, diese einzige Existenzgewährleistung entblößend, sanktional, bis auf weiteres, immer aber zur höheren Ehre deren fortschrittlich produktiven kurativen Mobilisierung, lahmzulegen. Pathologiehybride demnach: ganz auf Seiten zwar der hypostasierten Repräsentation, (kriegs)wissenschaftsfrommst, gänzlich durchkreuzt blockierend jedoch von deren invers ontologischen Vorhaltung - wenns hochkommt, allerdings de facto optisch, friedespassager konservative Abrüstungsmoren.
In objektivem Kriegsverstande stellt dar sich die apriorische Impossibilität des Repräsentationsobligatoriums des SeinsNichts, dieser subakut ontologische Explosivstoff schlechthin, als die "Waffenförmigkeit aller Dinge", just als Impedimentum dieses menschlichsten allen menschlichen Unterfangens, allzeit unbesehen verzweifelt erhaben, mutiert in die (vor)letzte todestriebliche Souveränität debilster Todesnichtung - pathogenerische Verfänglichkeit überhaupt, kurzschlüssig, folgend, über alle dingliche Martialisierung, auch approbierend, hinweg, die Überaneignung dieses aufgelängt finalen Rettungstrugs zu prätendieren; nicht unberechtigt wohlmeinend gedacht, immer aber zwielichtig doppelreferent zugleich hin auf abdriftig terrorisierende Existentialität sowie wiederum auf deren effektivst essentialistische Megaverkennungen; sich, also bilateral sistierend, aufopfernd, als sühnender Sanktionsempfang ineins mit kontradiktorischer Exemtion.
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Ewige traumgnostische Supplemente
Pathognostisch allfällig, wie bekannt, die Substitution kurzum aller somnialen "Tiefenhermeneutik" ("des paranoischen Exegese-Blitzkriegs der Ödipalisierung") durch den phänomenal primär scheinenden Antagonismus - schwach ausgedrückt - des Weiterschlafenwollens und des (Er)wachenmüssens. Versteht sich, daß diese deskriptiven Komponenten wiederum, verschoben, psychoanalytisch dechiffriert werden sollten: als Widerspiel der Inzeste- und -tabudramatik (später dazu genaueres mehr); so daß - zur Beruhigung psychoanalytisch irritierter Gemüter gesagt - einschlägig überhaupt nichts verloren geht, umgekehrt vielmehr die Psychoanalyse, sachlich, vermögentlich, expandiert.
Hier nun markiert sich der Ort der Genealogie des Traums, des trefflich sogenannten "paradoxen Schlafs". Handgreiflich doch der Kompromißcharakter dieses allnächtlichen Imaginaritätsgebildes: weder-noch/sowohl-als-auch des Schlafens wie des Wachens, wie ein quid pro quo beider Status, kontrareisierend greift je das eine in das andere über - so ist es, "physei", bar der "thesei"-Macht darüber, sind wir, wie fraglos, davon gegängelt, machen nur Aufhebens darum in den disfunktionalen Störfällen an Pathologie.
Ja, weshalb aber solch zwingende "Rücksicht auf Darstellbarkeit", Binnenhalt derart des Gezerres von Schlafbegier und (Er)wachensnezessität, inskribierteste Vermittlungsinsistenz sondersgleichen, sowie, zumal, weshalb, notorisch, die Überlebensnotwendigkeit des Träumens, dieses etabliertest rettenden Widersinns?
Fragen, die sich nur noch jenseits des psychoanalytischen Commonsens, dico philosophisch, von fast uneinholbarer Reichweite, ansiedeln lassen.
Hier - bis auf weiteres - bloß instruierende Konjekturen dazu: Es ist der unablässige Seinsdrang zur Repräsentation, der ultimativen Selbstaperition, des sichernden Auseinander- und Zusammenhalts der darohne ins Nichts abdriftenden, der besagten Extreme der Bewußtlosigkeitsstase/der sich selbst verzehrenden Überhelle - es sind eben diese Existentialattitüden, die, negentropisch, seinsasservierend perpetuieren. Und denen man es, a fortiori, abnehmen mag,
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solchermaßen "auf Leben und Tod" uns vor der letalen Doppelewigkeit unaufhörlich tiefschwarzer Nacht und während lichtestem Verglühen zu schützen. "Fortunati" wir, die Sterblichen, daß wir träumen können!
Allein, wird ein triviales Phänomen derart existentialontologisch nicht überbürdet? Zwar wäre ich der Letzte, der die oberflächlichen Erholsamkeiten unserer Seinsgarantien auf deren Deprimierung hin zu hysterisieren empföhle, doch sollte man den möglichen obsekrativen Schutz in derselben intellektuellen Entblößung für die höheren Denkungsstände nicht allzu gering veranschlagen? Existentiale Kustodie, die sich, bei genauerem Hinsehen, wie zusätzlich aber schwertut - aushöhlt denn nicht die besagte Kundtuensleidenschaft in all ihrer Vermögenssolidität die andere "leise Stimme" deren nichtenden Konterkarierung, den wie für alle Zeiten anständig parierten Widerpart just aller Vermittlungsliquidation, hier den wehen Durchstrich des Traums umwillen des kontradiktorischen "unbewußt - höchste Lust"? Und, mehr noch, läuft es nicht auf ontologische Verfälschungen, die obligaten, hinaus, sentimentalisch die zitierten Todesextreme zu repräsentativem Einstand zwingen zu wollen, der sie längst schon in die Namenlosigkeit (immer aber noch: Namenlosigkeit!) ihrer Nichtsabsorption endgültig verschwunden sind? Was ich, monierend, sagen möchte: nicht ebenso stichhaltig wie die durchschnittliche Verläßlichkeit, das Belassen des nicht weiter genealogisierten Träumens, dessen - mitgeträumtes?! - diffuses Souterrain, vorstellungsdepraviert, ja sich selbst, wie suizidal, überlassen. Und so findet man sich, erwartet, auf dem fluktuierenden Boden des "Todestriebs" ein: am besten sogleich der Traummechanik, die uns, arglos, am Leben erhält, nur daß sie, bisweilen, kontingenterweise meint man, entgleist, und unsereinen dergestalt, transszientifisch, dazu veranlaßt, ihre "faux pas" verboten zu essentialisieren und in die terra incognita ihrer nichtigen Ungründe zu überführen.
Nochmals: welch seinsremediäre Mediationshypertrophie, alle Nacht, und darin wiederum repetitiv, und jenseits aller subjektiven Disponibilität! Kein Wunder dann die large Willfährigkeit dieses somnialen Musters, bis hin zum traumverführten Fehl seinskreativer - viel mehr als -wahrender - Allimaginarität - voilà! der epochale
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Gipfelsturm, die hohe Zeit des "Heiligen Geistes", manisch desperates Ultimum der Verblendung, sturste Reifizierungspassion des in sich kontrareisierten Vermittlungswesens, paradigmatisch der "paradoxe Schlaf" namens Traum - so als sei dessen globale Kapitalhypostase gleich der finalen Machtergreifung des hochgetriebenen "Todestriebs" wider den, an dit, schwindenden Tod, prophetisch in Wahrheit dagegen die immer hinlänglich gesicherte Kasernierung - siehe die Vorwelt im Tartaros - der letalen Göttlichkeit Überhelle und wesensgleicher Rabenschwärze. Ganz einfach: je mehr - pars pro toto - Smartphones, umso mehr - na was?, davon derzeit abgeleitet, Flüchtlinge. Beinahe unverständlich, daß es, ob dieser doch höchst psychotisierenden Seinsverkennung in Potenz nicht mehr noch Verrückte gibt? Nein -"Kapitalismus und Schizophrenie" -, je schon gingen sie, a priori, in unsere, niemals nicht auch gebrauchten, überfüllten Waffenarsenale ein; und wenn sie sich gegen diesen ihren probaten Untergang in aller bleibenden Befangenheit wehren, ja, dann liefern sie sich eben selbst in die Psychiatrie, Helfershelferin der Rüstung, ein.
Genug ist nicht genug - es geschieht uns ja in Serie, drei- bis fünfmal pro Nacht, einzig außenherum im res-extensalen Schlaflabor zu ermitteln; halbbewußt cogitional im, sagt man, heilsamen Dämmer unserer nächtlichen Obliegenheiten - wohl dem, der confidenter darauf zu setzen versteht? Und es bedarf auch wohl keines besonderen zahlenmystischen Tiefsinns, die immanenten Zuträglichkeiten der Traumphasenanzahl aufzuklären: erfüllendes Dreimal, fünflich remotivierend - wohin dann? - wiedergeöffnet. Und so wird man, wenn man es eben so möchte, dem anfänglich numeralen Seinsuntergriff dieser sich selbst überlassen verläßlichen Beiwohnung, das abgedunkelt passagere Komprimat je des Menschheitsschicksals selbst, nimmer los - überleitend auch zur knallpsychoanalytischen Einholung um die Ecke herum des Inzestedramoletts, des also nur scheinbar abwehrflüchtigen, der besagten somnialen Distorsion, dem wider-sinnigen Traumwesen selbst.
Welch, gewiß nicht überflüssiges, primärprozessuelles Gewimmel, oftmals gnädig affektenentleert, um überhaupt, quasi normalpsychotisch, tolerabel zu sein! Metabesehen bedient dagegen meine fast ausgereizte Traumexegese nach Maßgabe des "Autosymbolismus"
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etc. die Nötigung des Zusammenhalts dieser wie archaisch diffundierenden Überfülle, leistet deren Bändigung mittels strikte integrierender Selbstreferentialität, dies allerdings um den - keineswegs unterschlagenen - Preis deren Absolutheitskollaps, der (Wieder)zersprengung ihrer im "funktionalen Phänomen" zusammengeschweißten Elemente - zu welcher - Desiderat! - anderen Reunion? So spätestens spruchreif wird, dem haltlosen Selbstbezug gemäß, die somnial au fond avisierte Folie, die auf Wegschlafen und Erwachen verteilte inzestuöse Wunschbedrohung und die tabuisierungsbedingte Errettung davor.
Ein Windhauch nur von Inzest, mitsamt seiner zerrigen Widerlegung, selbstdargestellt in der mediativen Überexpansion des schier notwendigen Träumens - gerade dessen, der Inzestedramatik, gehäufteste Unauffälligkeit steigert die subliminale Gefahr, eine Art von verschleiert verläßlicher Dauerbedrohung, die über die massiven Einbruchfährnisse der nächtlichen Aktualitäten hinwegtäuscht. Sperrig auch insonderheit die einschlägigen Inzestformationen, affektionserfüllt und nicht zuletzt ja geschlechtsdifferentiell, namhaft zu machen. So nominiert sich, aus der männlich filialen Zentralperspektive, der prekäre Tiefschlafsog (NREM) als Mutter-Sohninzest. Letal, wenn nicht aufgehalten, so, wie mechanisch, übergehend, dem erinnerungsbaren Vortraumschlaf ([NRREM) korrespondent, in die "Homöusie", den Vater-Sohninzest. Um sich darauf -"Rücksicht auf Darstellbarkeit" - in der Hybridität des, wie kontingenterweise, erinnerbaren Traumschlafs (REM), geschwisterinzestuös, jedoch die anfängliche Mutter-Sohnkontaminierung, konsumtiv entborgen miteinbringend, zu manifestieren. Und die Tochterkooperative? Ihrer im grundierenden Mutterverhältnis homosexuellen Selbstverlustigkeit wegen, transgressiv sogleich botmäßig dem Vater-Tochterinzest - der entropischen Geburtsstätt aller Technologie. Erhellt sodann - gesittet als deren Kapitalisierung - im maternal reabsorptiv verqueren Konsanguitätsmanifest.
Der reifikatorisch unbewußten Allusionen genug? Nunmehr begänne die ebenso obligate wie andauernd ausgesetzte Infinität der "venatio opinium"; in der ich mich fürs erste mit einem - Hausaufgabe! - Frageregister begnüge; nicht aber ohne mich zum Respekt der bisherigen meistenteils zerstreuten Fragmente dazu anzuhalten2):
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- die ♂-filiale Zentralperspektive;
- das Doppelgesicht des initialen Mutter-Sohninzests;
- das angehaltene Zwischenstadium der "Homöusie";
- das Zusammenspiel derselben mit dem Vater-Tochterinzest;
- die geschwisterinzestuöse Absetzung des Generationengefälles;
- die kultural korrespondenten Objektivitätsekstasen.
Sohnesschicksal: im rettend verderbenden Wechsel von NREM zu (N)REM progrediert die Homosexualisierung des Sohnes. Dubios wiederum befreit - REM, epiphanisch - im elternsubstitutionell konsanguinischen Bruderstatus.
Paralleles Tochterlos: im nämlichen Übergang der Tochter inverse Homosexualisierung. Haltlos eingerenkt in ihrem imaginarisierenden Sororismus.
Kulturpendant: ikonischer Glamour kapitalisierter Kriegstechnologie (kein Wunder bei soviel projektionsbedürftigem Inzesteaufkommen - "negativer Ödipuskomplex" - auf der entsprechenden Körperseite).
Ja, "venatio opinium" - mit etwas Glück bin ich mir mit meinen genealogischen Intuitionen voraus, harrend dann ihrer suppositionellen Einholung, die immer nur an einem vorläufigen Ende ankommen kann.
Traumexegetisches Intermezzo. - Nicht kommt der folgende Traum mir zur Unzeit, er paßt, ohne freilich darin aufzugehen, in mein erneutes Ansinnen, traumgnostische Einlassungen differenzierend fortzuschreiben. So enthält er nur noch Spuren meiner lange schon bestimmenden somnialen Aufregungen: unlösbare Schriftprobleme sowie Hüllenverluste, oftmals eingebettet in morgendliche Rückfahrten von vormaligen Tagungen, und macht dagegen in vielerlei Rücksicht sich wiederzurücknehmende Ausnahmen, an erster Stelle - Premiere! - solch bedrängende Realitätsanmahnung, daß ich mich ausdrücklich dessen vergewissern mußte, nichts denn geträumt zu haben.
Nun zu seiner Faktur. - Ich befinde mich, diesmal mit eigenem PKW, irgend auf der Rückfahrt nach Hause. In der Erinnerung kommt dazu
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eine Menge von Fragen, wie fragloser Unklarheiten, auf: von woher brach ich auf? Worin besteht das angestrebte Zuhause? Wo überhaupt bin ich geortet? Am ehesten noch imponiert, wenngleich fast dejä-vu-haft beeinträchtigt, die Vertrautheit eines ununterbrochenen Überzugs an unwohliger, eher fast schon wie todesrenunzierender Dämmerung (traumtypisch übergängiges Lichtverhältnis). Unbedacht vertraut auch das Autofahren (überwertig gehüllte Fortbewegung, flüchtig außenweltumsäumt imaginarisierend hinter Glas, dorsal sich zum Daueranstoß versammelnd). Gewiß, gewiß - unvergönnt jedoch deren verläßliche Intimitätsfreuden. Und dann erst die Malaisen des Fahrtenziels, im Voraus bereits, in seiner ausgesetzten Näherung, vorchangierend zwischen dem aktuellen Heim und dem verflossenen stammfamilial regressiven. Und, zumal, in je rettender Bedrohung, die gedoppelte Katastrophik des Wegschlafens/des Erwachens, obenauf vielleicht noch libidinös falsifiziert durch das "unbewußt - höchste Lust"/den erhaben salutierten Augenaufschlag: "Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag ...". Nun ja.
Und, zumalzumal - wo bin ich denn überhaupt? Rasch vorübergehend, bar allen Nachhalls, ungesättigt folgenlos, in der Schweiz. Zu ungestüm diese (De)platzierung, so als ob ich schon in den September dieses Jahres (über)gesprungen wäre, allwann im "Psychoanalytischen Seminar Zürich" ein Kolloquium zu meinen Ehren geplant ist - fürwahr ein solemnes Ziel, sehr zur Nährung meiner Eitelkeit - ich mußte es zwar erwägen, jedoch, seiner somnial recht unbrauchbaren Entfernung wegen, zweckmäßigerweise davon ab lassen.
Und wo bin ich denn sonst? Am ehesten, wiederum abgedunkelt, innerhalb der Auffahrt, von Essen-Rüttenscheid aus, auf die A 52, die des öftern ich zur Rückfahrt vom Besuch meines Verlags "Die Blaue Eule" benutze - eine genehme Wegstrecke, übersichtlich, sofern längerfristig zur Autobahn parallel verlaufend (so als setzte sie sich, wie unbegrenzt, als eigene Straße, fahrtschützend gemächlich, schlaferhaltend also, fort). Ja, doch diese schöne Zuträglichkeit schwindet in der Erinnerung an ein Protokoll, das ich mir ebendort wegen geringfügiger Geschwindigkeitsüberschreitung einhandelte - eine unsinnige Ordnungsmaßnahme, weil die lange Auffahrt zur Beschleunigung nachgerade, ungefährlich verkehrsgerecht, einlädt, und, viel mehr noch der Absurdität: der Anbringung nämlich des
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Meßgeräts kürzest vor der Abbiegung auf die Autobahn - sollte man hier etwa verlangsamen?! So auch, voll des Kopfschüttelns, die Annonce künftigen einschlägigen Unheils, getreu dem Wagnerschen Verdikt: wenn es um das Aufwachen geht, " ... dann nähme der Traum das Gräßlichste vor". 3)
Und so nimmt denn das Schicksal seinen selbstredend fatalen Lauf - nach einer jener szenenwechselnden Kurzunterbrechungen, die vermuten lassen, ob innerer Ratlosigkeit unbemerkt erwacht zu sein, um sogleich aber mit einem neuen verbesserten Anlauf weiterzuträumen? Ich parke nämlich - und der Traum nimmt an dieser doch einschneidenden Kommutation keinerlei Anstoß - in einem wohl nach Wuppertal, nächst unserer Behausung in der Rheinstraße, verlegten Waldstück (längst verlassene, kürzest repristinierte also reminiszent traumauflängend zweifelhafte Heimischkeiten), des näheren auf einem baumfreien, leicht abschüssigen, rutschig dicht und feucht blätterbedeckten Areal. "Ruhe vor dem Sturm", nicht eben gesicherte - etwas kippelige, nicht maxime gegründete - träumerische Mora. Mein Start kompliziert sich, allem Anschein nach indessen unerheblich dadurch, daß ich mich, bei minimaler Geschwindigkeit, vor einen - von einem weiteren gefolgten - auf der ausführenden Schotterstraße quer passierenden PKW, durch Handzeichen mit seinem Fahrer einvernehmlich, bona fide sanft einordne.
So als sei die weitere, weil gelingende, Domumreise nicht mehr der Rede wert (oder brütet diese Art von Amnesie unter der Decke etwa nur fortgesetzte Mala aus?), bin ich "tout de suite" am Ziel. Heimkehr aber wie in ein Totenhaus - noch ist Nacht, einzig die Mutter, unsichtbar, wachend wach. Bündelnder Blickfang aber dann - die Polizei muß überaus rasch reagiert haben -: ein gestreckt leporelloartiger (!) Strafzettel, Bußgeldbescheid über 30 DM (!), da ich zwei PKWs die Vorfahrt genommen hätte. Von der Lesbarkeit des skandalösen Wischs bleibt, irritierend, nur ein einziges Wort übrig: "verschärft" - verschärft nämlich sei mein Vergehen, eben weil ich zwei Fahrzeuge am flüssigen Fortkommen hinderte. (Woher ich das aber wußte, der ich, wohl aus Wut?, nicht mehr ordentlich lesen oder die an sich geglückte Lektüre nicht mehr komplett erinnern konnte?) Äußerst aufgebracht, wie exklusiv bei Paranoia üblich, beschloß ich, die Zahlung zu verweigern - und erwache, quälend wutentbrannt, und rarest gar unsicher, ob ich garnicht nur geträumt haben würde.
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Die reinste Kafkaeske - unausweichlich die Strafe für ein pures Nichts an Vergehen; je gekonnter die Flucht davor, umso härter, irrationaler fällt sie aus. Rien ä faire, die Wut bleibt mir im Halse stecken. Und also unterlasse ich es auch, meinem Aufbegehren wider die Ungerechtigkeit aller Welt nachzugehen und etwa zur nächsten Polizeistation zu eilen, um mich bitter zu beschweren - vergeblich, die Zeugen haben je schon verlogen gegen mich ausgesagt, ich werde in Handschellen abgeführt. Besser also bleibt es dabei, wie voreilig zu erwachen.
Was wird hier gespielt? Ja, die reinste Kafkaeske. Offenbar besitzt der Traum eine Art finales Selbstzerstörungsprogramm, am Träumer pathologisierend vollstreckt. Will sagen: ultimativ scheint er die Notbremse, autodestruktiv, ziehen zu müssen, um seines, längst schon dem Untergang anheimgegebenen, Selbsterhalts willen, die letzte Korruption, das Ultimum paranoischer Gottesfinsternis, Eschaton suizidaler/heterozidaler todestrieblicher Todestrunkenheit (immer am Tod vorbei) einzunehmen - koste es, was es wolle, ohne Rücksicht auf Verluste. Eo ipso dem armen Träumer zugemutet, läuft er, frustran, Sturm - in aller realen Halluzinatorik, fern noch des rettenden Reveilleufers - gegen die infamen Machenschaften unseres Willkürgotts, über den kein mächtigerer mehr gedacht werden kann, den allerchristlichsten Heilstopos des "unschuldigen Opfers", archetypisch des Gottessohns ja selbst, einzig befähigt, die paternale Gotteskrake, mitsamt der ganzen ächzenden Schöpfung, mit seinem Lebensopfer zu entsühnen. Ja, in aller Scheußlichkeit farbebekennend das Christentum, die Opferreligion schlechthin, erfolgreichst paranoisch ausgelotet der Umschlangspunkt purster Gottesverzweiflung in schiere apokalyptische Gewalt, das Gattungsschibboleth.
Gut, so aber macht der Traum, obstinat, sein Eigending, und rettet den Traumausführer durch sein Erwachenspromissum, seiner pathogenen Privation meistensteils entgegen. Umso dringlicher sodann die Räson meiner erwachenssanierten Traumsymptomatik, des horrenden Anflugs des quid-pro-quo von moribundem Traumschlaf und instabilem Wachensstatus. Gut, solche Intentionalisierung muß, wenngleich vom Traum selbst vorbereitet, dazukommen, dergestalt aber nötigt sie mich zur Probation meiner Verfallenheit an das, was ich erhaben fliehe: die Spitze der göttlichen Paranoia, die bleibend defizitäre Transzendierungskraft meiner sodann intellektualistischen
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Signifikanten, so als räche sich der Traum, zumal in seinen Extremen, an seiner exegetischen Aufklärung, so als führe diese ihm, paradoxerweise, nichts denn als Beharrungskräfte, gar Steigerungspotentiale zu. Ja auch alle Welt feiert die Verwechslung, die besagte "Signatur der Epoche" nahezu: die von sich her kriegslüsterne Medienhegemonie.
Wie stehe ich abermals nun da, Träumer, angesichts der ubiquitären Manie der medialen Seinskreation, deren Splendor, die epikalyptische Grelle, nur "auf Krieg im tückschen Frieden sinnt"? Sie lacht mich Toren aus, mich, den Traum selbst mitnichten, mein histrionisches Reaktionsgebaren bloß, selbst noch in dessen edelsten Wendung mich zum durch und durch obsekrativen(obsekrativen) Opfer, dem verheerend dienstbaren Aufstand gegen diesen epochalen Geistirrweg allzeit der Todeseskamotierung, zu satisfizieren. Traum aber bleibt, persistierend, Traum, akausal vorrechnend sich seinen objiziert kulturalen Fakes, den allmächtigen, denen ich, rebellisch, gleichwohl ja diene -je autarkisierte Einvernehmlichkeit inter se, hüben wie drüben, der somnialen Mechanik und den Gemächten der "produktiven Einbildungskraft", dem "farbigen Abglanz" martialisch weitweg entzogener, explosiv auflauernder Realität. Memo: die schlechthinnige Unverzichtbarkeit Traum, seiner wie naturalen Allvermittlungspotenz, dem einzigen Zusammenhalt der Doppelabdrift ins obskureste/luzideste Nichts.
Schwarzweißangelisch objektivitätsekstatische Medialitätspointe: die psychotische Gleichung Traum = Geld. Nun, kann es, kapitalismusimmanent, überhaupt etwas geben, das nicht waffenförmige Ware und also, unvermeidlich trotz aller Beulen, geldrepräsentiert (re-präsen-tiert) wäre - Geld, das Allmedium gleichmachend zum Himmel schreiender Verungleichung alles zwanghaft Medialisierten? Weltumspannend herrischer Kapitalismus, selbstsicher schaut er - seine beiläufig überflüssige Außenlegitimation - auf seinen gesetzlich verläßlich, körpergebunden wie natürlichen Traumkompagnon, und scheint so - welcher Trug! -, konservativistisch, zumal seiner Ewigkeit versichert.
Was soll ich mehr noch, in alle echobare Leere, sagen? (Viel mehr noch habe ich, trotzdem, zu sagen.)
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