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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)     
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Psychoanalyse der Ästhetisierung von Gewalt. Von der Grausamkeit der Musik (Pathognostische Studien XI, 2011, Essen, Die Blaue Eule, 34-49)
(Lesetext zum Vortrag gleichen Titels innerhalb der öffentlichen Ringvorlesung über "Ästhetik und Gewalt", ein studentisches Projekt, organisiert vom Studium Universale und der Fachschaft Philosophie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, gehalten am 4.11.2010)
Nicht ohne Beklommenheit stehe ich hier, hauptsächlich doch als Repräsentant von Philosophie, der es mir, hiesig, in diesem meinem Stammfach, oftmals sehr übel erging; so daß ich meine erste Heimat, Philosophie, - ebenhier ja längst schon pensioniert - durch meine zweite, Psychopathologie, psychoanalyseherkünftig, jedenfalls institutionell, glücklich ablöste ...
Folgend nun kapriziere ich mich, unter dem Dach meines Kontaminats von Philosophie und Psychoanalyse, Pathognostik genannt, auch als ausgebildeter Musiker und Musikwissenschaftler, auf meine alte Liebe Musik - nicht zuletzt in der Voraussicht, daß diese sich als Musterbeispiel des Problemkomplexes "Ästhetik und Gewalt" - Musik, sodann paradoxerweise, Ausgeburt von Grausamkeiten - erweisen ließe.
Von derjenigen Gewaltsamkeit wird die tastende Rede sein, die alle Kultur, alle Kulturation, derart stigmatisiert, daß deren Erfüllung, und eben nicht deren Sündenfall, der Krieg, der die Körper mitreißende Kultursuizid, ausmacht. "Pallas Athene weint" (Krenek), nicht aber der Irrationalität des Krieges wegen, vielmehr - der allervernünftigsten Kriegsgöttin einzig würdig -, wenn der Krieg allzu lange auf sich warten läßt oder zu früh endet.
A part: Freilich, "Ästhetik und Gewalt", demonstriert an Musik, im Rekurs auf einschlägige Mythologie, hätte auch anders gewendet werden können, zum Beispiel, gemäß den Fragen, ob überhaupt, und wenn, dann wie, inwieweit und auf welche Art begründet, Ästhetik (umfassender: Kunstphilosophie) das der Kunst eigene Gewaltwesen, womöglich gipfelnd in Musik, thematisiert. Ohne auf solche ehrenwerten historischen Umschweife zu rückzugreifen, gehe ich dagegen wie unmittelbar auf das "thema probandum" Musik mitsamt deren mythologischen Erklärungsmöglichkeiten zu. Also wird Mythologie als Explanationsparadigma, als genealogischer Musterfaktor, und deshalb in Allgegenwart, Synchronie, hier und jetzt, ins
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Spiel gebracht; fernab davon, sie im Sinne einer Vorform, ja am besten sogleich von Abfall der wissenschaftlichen Rationalität wertzumindern.
Zunächst, Gewalt angehend, einige einschlägige Rahmenbedingungen dazu: zur Gewalt, der die Kultur als solcher selbst schon eignet, danach dann enggeführt auf Musik, die Orpheusmythe.
Das bezeugt bereits, in aller Frühe, aller Mythos, daß nämlich alle Kultur auf Schändung von Natur beruhe - Gewalt bedeutet hier destruktive Naturausbeutung: ohne Restitution.
Nun, das kennt man doch, diese Polarisierung: Die Kulturbefürworter, die -apologeten zeihen diese kulturgenerische These maßloser Übertreibung, des "sklavenmoralisch" inkulpierenden Etepetete, indem sie - bestenfalls - Symbolik in bare Münze verfälsche, mit in sich weitest entfernten sexuellen Analogien scheinerklärendes Schindluder treibe. Nein, nein, "Du darfst, ja, Du darfst", am besten uneingeschränkt, wider solche Projekte der Depravation, der Aushungerung der Menschheit.
Dagegen die Kulturkritiker, die -pessimisten, die -pathologen, zu denen ich mich, mythenlegitimiert und nicht eben wenig angefochten, gerne zähle: die gattungsmörderische kulturale Profanation von Natur kann, als Tatsächlichkeit, längst nicht mehr geleugnet werden. Allein - so spreche ich gewiß nicht solo, zur Warnung -, die konträre Entfesselung von Natur, ihre lebensphilosophische Emanzipation aus den Banden der degenerativen Kultur, macht keinerlei Alternative zu dieser, der Kultur - bloß aufschiebenden - Gewalthaftigkeit, aus, ganz im Gegenteil. Es mag einzig angehen, in mythischem Verstande, von der nicht weniger grausamen Rache der Natur an ihrer kulturalen Nichtung ("Tand, Tand, Tand, das Gebild von Menschenhand") zu handeln, davon, daß beide in ihrer Destruktivität eschatologisch zusammenfallen (Vorgeschmack dessen: die Atomkraft).
Was nun? Wir werden, im Extrem, mit einer letalen Konkurrenz beider rechnen, und uns zwischendurch dazu bequemen müssen, auf wechselseitige Ausgleichsverhältnisse - schwierig, ja unmöglich genug, des Vorlaufs der "Produktivkräfte", kapitalisierter Technologie, unserer heiligsten aller Kühe wegen - zu drängen? Solche Skepsis ist der Grund auch dafür, mich den ehedem Realo-Fundi-zerrissenen Grünen nicht anzuschließen. Wahrscheinlich, nicht nur fürs erste, müssen solche Dilemmata - für immer? - ausgehalten werden? Aber wie? Mittels engagiertem "Transversalismus"?
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Nach diesen geschichtsphilosophischen Erwägungen nunmehr eher angewandt psychoanalytische zur (inter)subjektiven Binnendramatik dieser Verhältnisse: Kultur beruhe - kurzum, mit Freud - auf "Triebverzicht", deutlicher, kruder noch: auf Opfer - auch hierin geizt der Mythos mit stringenten Belegen nicht -, sprich: Weiblichkeitsopfer, noch genauer: Opfer der Weiblichkeit - immer Todesvikariat - im/am Mann durch denselben, zum Zweck seiner Zurüstung zum Kulturerschaffer. Letztlich jedenfalls (nur letztlich?) steht es demnach um den Mann und seine Kultur reichlich schlecht ("Hiroshima, mon amour" ...). Denn die Gewalt des Weiblichkeitsopfers kehrt sich immer auch gegen den - so sagt man - rein mann-haften Opferpriester; und, davor, auflauert fortwährend die "Wiederkehr des Verdrängten", des Abgespaltenen, dessen, worauf, den "Trieb" (?) in der Konsequenz fortgesetzter Todesbannung ("Todestrieb"), resigniert werden mußte, als kultural objektives Gewaltsyndrom, gipfelnd in Waffen.
Man könnte, waghalsig, hier von einer progressiv objektiven a-Homosexualisierung sprechen, innerhalb derer Sexualität im Fleische zu nichts mehr als zur Prämie jener, der objektiven, Beförderung taugt, eben noch hinlänglich heterosexuell geöffnet, weil sonst ja Depopulation drohte, so daß die großen technologischen Vemunftsgeschäfte, der Nutznießer ledig, ja sinnlos würden. (Nein, für globales, davon ausgeschlossenes heterosexualisiertes Kanonenfutter ist, anderswo [künftig ebenso durch die "Reproduktionsmedizin"], bestens gesorgt. Und das Problem der technologischen Schandbarkeiten erscheint permanent überlagert von demjenigen allerbedrängtesten, der "sozialen Gerechtigkeit", dem der Aufteilung der Warenfetischgnaden - Gewalt über Gewalt, der "Herrschaft des Menschen über den Menschen" just auch hier. [Jetzt wäre noch die unabdingbare Fetischisierung der "Produktivkräfte", selbst schon als Ungleichheitsgenerator, nachzutragen.]) Worin nicht nur die dämonisierende Schwächung der Elternposition beschlossen liegt, ineins damit eben auch die apostrophierte Homosexualisierung, wider den ersten Augenschein das Weiblichkeitsrevers der männlichen Vorherrschaft.
Weshalb ich, im Kontext der Kulturgenese, den Sublimationsbegriff außeracht ließ: Kultur, das Natursublimat, Feminität in Virilität transfiguriert? Ganz einfach, weil derart alle Opferkruditäten exkulpativ in Veredelungsmaßnahmen manichäisch verdampfen. Welcher Mißgriff im Medienwesen unserer Postmoderne seine epochale Großinstitutionalisierung fand: allentschuldende Inregienahme durch selbstreferentielle Imaginarisierung mit der entsprechenden Sexualitätsgrundfolge Geschwisterinzest. Worin nicht nur
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die dämonisierende Schwächung der Elternposition beschlossen liegt, ineins damit eben auch die apostrophierte Homosexualität, wider den ersten Augenschein das Weiblichkeitsrevers der männlichen Vorherrschaft.
Weiblichkeitsopfer? Männer, geht in Sack und Asche, und stimmt das große Sühnerequiem für alle verbrannten Hexen an, auf daß sie wiederauferständen? Wenn das so einfach wäre! Selbst - paranoiatheoretisch gewendet - im Urkampf der Geschlechter diskriminativ fusioniert ("inklusive Disjunktion") das Unelternpaar, die gänzlich ausgeblendete Mutterseite nistet sich in deren martialischer Mannskopie, als rächenden Treibstoff und Todesavis, dauerhaft ein, und alle mütterliche Unschuld ist dahin. Und dies zumal in der Helfershelferschaft sodann der Tochter, der Walküre der Sohneshelden, die, im Übermaß, hart an der Grenze ihrer Geschlechtsmetamorphose, dem göttlichen Vater militärisch beispringt, um die homosexuell tödliche Mutter auszulöschen. Jenachdem, je nach den inzestuösen Stärkegraden, kann, das weiß man, dieses töchterliche Emanzipationsansinnen schiefgehn: Tochter bleibt im Geburtskanal stecken, ihr Unterleib mutiert zum Fischschwanz, abgerissen ihr Kopf, eingehend in den Weltgeist, und der stark bebuste Oberkörpertorso? Caput- und Abdomen-lose Galionsfigur - so im Vorgriff, das sondertöchterliche Nymphenschicksal, Eurydikes Wetterleuchten.
Halt! Thema verfehlt?! Ich sollte doch über "Ästhetik"/Kunst "und Gewalt", auf - mythologisch aufgeklärte - Musik zugespitzt, sprechen, sprach bisher aber, im allgemeinen, über Technologie (Naturbeherrschung) und Gewalt, so als hätte ich - der Fehlanzeige wegen, Ästhetik/Kunst und Gewalt überhaupt assoziieren zu können? - beider Zusammenstellung eben durch die von Technologie und Gewalt, um des thematisch Fündigwerdens willen, unter der Hand ersetzt. Und wenn denn Ästhetik/Kunst und Gewalt sich ausschließen sollten - wie es das alte urbürgerliche Vorurteil der Hierarchie zwischen "Zivilisation" (Naturwissenschaft, Technik Ökonomie) und "Kultur" (Kunst, Religion, Philosophie) unterstellt -, so hätte ich diesen menschheitlich doch verheißungsvollen - Ausschluß sogleich, wenigstens, markieren müssen, anstatt ausgiebig mich neben dem eigentlichen Thema herumzutreiben.
Um mich nunmehr aber der Themenstellung gebührend zuzuwenden, rufe ich zunächst, als Prämissen meines weiteren Vorgehens, mittels marxistischer Anleihen, auf: die umgekehrte Rangfolge zwischen Zivilisation und Kultur: jene die "Basis" und diese der "Überbau", jene die "Produktivkräfte" und (dazu nicht konträren) "Produktionsverhältnisse", diese die
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"Ideologien" obenauf. Was nichts anderes hieße, als daß - mitnichten dann noch marxistisch denkbar - jenes (nicht mehr auf die "Produktionsverhältnisse" eingeschränktes) Gewaltwesen bis in dieser Spitzen durchschlägt - Kultur demnach, die Probationsinstanz naturwissenschaftlich-technologischer Naturbeherrschung, mitsamt deren ökonomischen - allkapitalisierenden - Managements, parasitär daran, deren Konsolidierung, immer reklamemäßig, nach-helfend.
Ideologisch kulturale Gewaltbeglaubigung? Selbst wenn sich alle Kulturbefangenheit in Gewalt als solche, je genregemäß, aussagen, kritisch mitoffenbaren ließe, so sitzt Kultur, gleichwie, immer noch (im doppelten Sinne der Bezeichnung) der fertilsten Destruktivität, kurzum: der "Abendländischen Metaphysik" im ganzen auf. Und also vermöchte ich, wohlbegründet dann, der Gewalt nicht weniger in Kultur, Kunst, Musik - und dies mit Hilfe von Mythologie - nachzusuchen.
Zunächst aber vernehme man eine der vielen probaten Entstellungen der Musikteilhabe an der gewaltigen neuzeitlichen Rationalität, an der Schwelle zur Hegemonie des Bürgertums, des morgendämmernden "positiven Zeitalters": musikentblößt rezitiere ich (singen Sie, bitte, im Geiste Schuberts sublimierende Musik dazu) ein exemplarisches Zeugnis (klein)bürgerlichen Initialkitsches: Franz von Schobers Gedicht "An die Musik" (man möge, gleichwohl, barmherzig damit umgehen):
"Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,
hast mich in eine bessre Welt entrückt!
Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen,
ein süßer, heiliger Akkord von dir
den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen.
Du holde Kunst, ich danke dir dafür!"
Sie haben es vernommen, solch schöne "consolatio musicae", aus deren sentimentalistischem Schlummer ich Sie - avisierte ich mich doch als "Spielverderber" - nunmehr zu wecken nicht umhinkomme. Sogleich nämlich verfrachte ich Sie in die scheinbare Banausie der musiktheoretischen Analyse, der ernüchternd hochrationalen Musikmechané, in die artistischen Listen der Gefühls- und überhaupt Aufregungsmache. Ebendort antreffen Sie das ab Renaissance aufwärts wetterfestete Idiom der "Dur-moll-Tonalität", ein Paradigma nachgerade - ich werde nicht müde, es zu predigen
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- an aisthetischer Rationalität, und also voll der obligaten Gewalt, die diesem unserem mächtigen Seinsentwurf allemal innewohnt. Ihre Hände in Unschuld zu waschen, nein, das kann auch Musik, alleine diesbetreffend, mitnichten. - Zum durchschnittlichen Würgegriff der "musikalischen Handwerkslehre", wie an den Musikhochschulen doziert, zugesellen sich die Qualen des Instrumentenerlernens, eben auf Vermittlungsmedien, die - "Tontechnik" - selbstverständlich dem Maschinenfortschritt unterstehen. Und selbst die talentiertesten Überflieger, ja gerade diese, sind, unbeschadet aller "Funktionslust", zu eiserner Disziplin gehalten. - In diesem Zusammenhang bitte nicht vergessen, daß Komponieren, auch wenn nichtentfremdete, so doch verzehrende, zu Pathologie hin gratwandernde, Arbeit ausmacht. Der Vernunftsgewaltenpartizipation von Musik genug?
Wenngleich, nachweislich, auf höherem künstlerischen Niveau angesiedelt, dürfte hier sich Schuberts Musik mit Schobers verräterischer Poesie infiziert haben, nämlich mit dem Eskapismus in "bessre Welten und Zeiten", die, je schon, bloß als vergangene, sich, voll des Trugs, als gegenwärtig behaupten (Musikgestus "Eingedenken"). Wem fällt dazu nicht Beckett ein?: "Es wird ein schöner Tag gewesen sein", HH-radikalisiert zu: "Es würden bessre Welten und Zeiten gewesen sein werden sein werden sein werden ..."
Lachen darüber, das einem rasch verdirbt (gleichwohl sollte man es hüten?); und selbst die aufgeklärte Dauerung seines Gehalts (so wie schriftlich hier) kommt gegen die große Destruktivität des präsentisch verfälschtesten "n-ten Futurs im Irrealis" niemals an. Man höre es, die ganze "pia fraus" erfüllter Gegenwart, des göttlichen "nunc stans", einmal ab: deren selbstreferente Absolutheitshimmelfahrt, voll des mörderischen Todeshauchs, auto- und heterodestruktiv maskiert von ihm, des Todes, Außenerscheinung, als Kadaver, peremptorisch sich entziehend, restlos restend ereilt. Beifallssicherer Sentimentalismus dieser Art = bösartige Gewaltverbrämung, Krokodilstränen. Lachen darüber, das einem rasch verdirbt, und den blanken "Schmerz der Endlichkeit" (Hegel) darunter hervorholt, um ihn sogleich, womöglich mit großem bewundernswert virtuosem Aufwand, zu betäuben (und vielleicht sogar imstande scheint, dieses ihr Grunddilemma, rein aus eigenen Mitteln, mit zum Ausdruck zu bringen).
Selbst ja schon mediales Memorial, widerfährt Musik, (vor)romantisch hier, gestisch so zudem, die endlos eingedenkende Insichreflexion: arme toxikomanische Unendlichkeitsfeier des Eigenwiderhalls, nichts anderes,
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horrenderweise, als der Vorgeschmack dessen dinglicher Einlösung, "avant-gôut" von - Bomben.
Auf dieser Verheerungsfährte gelangt man, fast wie von selbst, pathologieversiert zu den - gegenwärtig vergangenen und deshalb, zum Scheine, umso zukünftigeren - "bessren Welten und Zeiten". Folgen Sie mir also nach Grafenberg - die körperanhaftenden, -durchdringenden, nicht schon/noch nicht absolvierten, herrschaftlich pathogen einbehaltenen Waffen wirken sich als Psychose, selbst-verlustiges Prätentionsrevers der Himmelsentrückung, auf Erden, aus.
Das weltlich abgestürzte Jenseits, Pathologie, geht aus suizidalem, ebenso Anderen todbringendem Bombenfraß hervor. Und Kunst, zumal Musik, beschwört diese Seinskatastrophe im Grunde; und treibt die Obsekration - verhallendes Selbstgedenken - selbstbezüglich in sich selbst hinein - der sterbende Gott. Und derweil, unaufhaltsam, geschieht gleichwohl eben das nebenan, was sie, also seiend vergeblich, von Anfang an kon-genial damit, zu bannen sucht: Apokalypsen.
Es ergeht dabei Musik wie dem menschlichen Herzen: Kontrarietätsorgan von ataraktischer Maschinität und höchst sensibler Affektioniertheit. Und man weiß dann auch nicht mehr so recht, auf welche der gegensätzlichen Seiten das musikgenealogisch streitige Götterbrüderpaar, Apollon und Dionysios, gehört - "Triebmischung" beider wohl, so sie sich, wechselseitig, entropisch, permutieren?
Musik und Gewalt - die Orpheusmythe gibt den zwingendsten Aufschluß darüber: Musik, sie ist künstlerisch erstgeborene Ausgeburt des "Todestriebs", will sagen: sie nährt sich vom Phantasma, ja vom Wahn der Zeitdisposition, provoziert durch den nicht selbsterfahrbaren, bloß außenvorgestellten Tod, durch das Sterblichkeitstrauma.
Im Mythos nun avisiert sich diese - menschlich notwendige - Selbstüberhebung, Aberwitz des Selbstseins des Todes selbst, in Orpheus' Gabe, Bewegtes, Lebendiges erstarren zu machen, und, umgekehrt, Entlebendigtes wiederzubeleben. Letztvollstreckt sodann - Orpheus' prominenter Hadesgang - in der musikalischen Erweckung Eurydikes, der (on dit) Gemahlin, von den Toten. Musikheros, der die absolute Lebens-Todesgrenze, von hier nach dort, in der falschen Richtung sozusagen, unmöglicherweise, überschreitet. Und das Totenreich steht Kopf.
Der "Todestrieb" besteht, gemäß meiner Lesart, in erosmotivierter Todesparierung - Eros indessen nicht als Gegenspieler von "Thanatos", vielmehr
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als dessen - vergeblich sich verselbstzwecklichenden - Parasiten angesehen. (Freud: die "Lebenstriebe" seien "ursprünglich Trabanten des Todes") - Inwiefern bloß "außenvorgestellter Tod"? Der Tod ist die Arepräsentativität schlechthin (so schon, dem Sinn nach, Freud), repräsentiert (?) ausschließlich als Anderenleiche. Was mich mitnichten aber, epikuräisch, von Todesangst befreit, im Gegenteil, denn des Todes absolute Entzogenheit stürzt mich in einen Sprachabbruch, den ich nur noch schier inhaltslos, und deshalb des Horrors voll, zu sagen vermöchte, so als ob ich, also sinnlos sprechend - Megaanmaßung des Philosophen - erotisch obenaufbliebe, außerdem pedalisiert vom widersprüchlichen Umstand, daß Eros doch nicht von Nichts zehren könne. - "Menschliche Notwendigkeit" des Wahns der Zeitverfügung? Darohne wäre nichts; dadurch/damit ist zwar Alles, Alles jedoch, wie zur Bestrafung, todgeweiht. (Siehe den "Spruch des Anaximander"!) - Musik - "erstgeborene Ausgeburt des ,Todestriebs"` in der Kultur-, Kunstsphäre? Denn Musik vollzieht, memorial, die Ablaufform von Zeit selbst, geht, todesbeschwörend, magisch schützend, dem also mehrwertig belebteren Leben "ans Leder": Zerrung von Pro- und Retroaudition; beider Marge = Gedächtnis; mitfortrückend aber sich verlierend: an seinem Ende nicht integral; vergeblich in den Anfang rückstürzend. Welch haltloses, sich aus sich selbst auf das göttliche Unding Zeitlosigkeit hin motivierendes Gebilde! Und kein Wunder dann, daß dies aisthetisch erkannte Desaster bis zur Unkenntlichkeit - wie auch immer - ausgeblendet werden muß?
Zudem ergibt sich, in Sachen "Todestrieb", der Vorrang von Musik aus ihrem extrem regressiv-progressiven Charakter: involviertes Binnen des tönenden Mutterleibs, permissiv schon für - anders respondierte - Außensonanzen, der Brücke zur Verlautung, extrauterin, der Voransage des Erklingens. Auf daß der gehüllte Protoklang nicht aber in sich erstürbe; damit er sich zum - von daher, dieser Interiorität, ausgerichteten - AußenvorRundherum, welthüllend, hergebe, bedarf es, wie sonst nirgendwo in den Künsten, eines erheblich technologisch rationalen Austreibungsaufwands. Und nur wer imstande, diese krude mechane-Wesensseite von Musik bei Bewußtsein zu halten, vermöchte sich dagegen zu immunisieren - Lacansch ausgedrückt -, die musikalische Hinfälligkeit der "barre" (viel Vergnügen!) zwischen "Signifikat und Signifikanten", schopenhauerisch, beteuern zu müssen, anstatt sich dessen, der Musik, Hypersignifikation zu vergewissern.
Beides paßt doch bestens zusammen: die allzeit prangend übertünchte Hilflosigkeit der Zeit-, der Todesbeherrschung, Ummäntelungsmemoria der temporalen Verlaufsform selbst (vermag sie jemals nackt hervorzutreten?), einerseits, und die Hybridität der dinglich rigiden Außenverlegung der Innenretraite, lautender Exorzismus des unlaut Umhüllten, andererseits; beides liiert im tonlich operationalen Sichwidersprechen des Seinswiderspruchs Zeitlichkeit.
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Mythos als Genealogiemethodik - ich mache ihn geltend als Anmahnung auch, nicht minder, der Kunst, hier musikgenerisch unverzichtbar erforderlichen, Opfer - Monitum allerdings, das, höchst ambige, die einschlägige Opfermasse nicht revolutioniert, diese, unvermeidlich beglaubigend, vielmehr in ihre Krisis treibt, und es dabei, bei solcher aisthetischen Gewußtheit - "das höchste der Gefühle" - bewenden lassen muß; nimmer unverführt, zur "Reklame für den schlechten Lauf der Dinge" (R. Merker), breitgestreutest, zu verkommen. Und auch verallgemeinert sich die Spezifität hier der musikgenerischen Opfer in die Allgreuel der Gattungsgeschichte.
Der Mythos sagt es recht penetrant: Musik ist, konstitutiv - ja, "Ästhetik und Gewalt" -, opfergegründet. Fürs erste muß die Nymphe, Naiade Eurydike, Orpheus' Gemahlin, gleich doppelt daran glauben; und obendrein, schließlich, Orpheus ebenso, wie bekannt. Der psychoanalytisch geläufigen Ausdeutung des Weiblichkeitsopfers, nämlich daß Mann, sonst der Kulturkreation, seiner Wesensbestimmung, unfähig, die eigene Weiblichkeit durch sich selbst opfern, sprich: in produktivem Verstande nach außen projizieren müsse; daß - mit Freud, kurzum - Kultur auf "Triebverzicht" beruhe, widerspricht den im Mythos doch realen Anderen- und Selbstopferungen nur dann, räumt man diesem, dem Mythos, traumanalog, seine konkretistische Drastik an "Rücksicht auf Darstellbarkeit" nicht ein - sind doch alle somnialen "dramatis personae" nichts als veräußerte Selbstanteile des Träumers.
Die Sache mit dem Weiblichkeitsopfer erweist sich weiterhin - über die herkömmliche Psychoanalyse hinausschießend - als folgenreich. Denn die Austreibung der Weiblichkeit aus dem - also kulturschaffenden - Mann durch denselben selbst kommt dem höchstphantasmatischen Exorzismus des Todes gleich, sofern Mutterfrau dem filialen Mann als dessen, des Todes, Primärvikariat einsteht. Somit eignet der Opferausfällung Kultur (Kunst, Musik) allzeit das Stigma toter Weiblichkeit (Dinge = Mutterleibleichen, Todestriebrepräsentanzen!), mit welcher der Opferpriester, mitsamt seiner Gefolgschaft, projektiv-identifikatorisch, fetischgemäß, infiziert bleibt.
"Triebverzicht"? - nein, recht eigentlich Pathologieverzicht, nicht-Renuntiation der Hergabe; nur daß alles solcherart Ver-/Entäußerte, differierend bloß und epikalyptisch, das körperlich-subjektive Kranksein - Kulturpathologie voran! - bis zum bitteren Kriegsfinale - übernimmt.
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"Sei ewig tot in Eurydike" - Musik demnach medial sonorärer, als solcher technifizierter: haltbar gemachter Weibskadaver, sauberes Leichentransfigurat, therapeutisches (= dienstfertiges) Ding; so bereits die totlebendig purste bloße Fleischesreminiszenz, als, rückwirkend, einzig Eros-allererstWeckung. Und nicht nicht muß sie sich als wie "Waffenruhe vor dem Sturm", Rüstung, kundtun, weil sie, sozusagen, alle Ptomaine nach wie vor ununschuldig, in sich enthält; wohl aber befähigt, selbst noch diesen ihren Exitus hörlich vorzustellen bis ...
Weshalb aber figuriert eine Schlag-ins-Wassernymphe, Naiade Eurydike, konkretistisch als Opfertier? Dinge = (adipöse) Mutterleibleichen, dingliche Medien = (anorektische) Tochterleichen - töchterlich indessen sui generis, musikbezogen nymphisch. Nymphendefiniens entsprechend: es ist die "gebrochene Mitte", Vermittlungsriß: die armen Vormenschinnen, halbgeboren, bleiben, wie schon vordem angesprochen, im Geburtskanal stecken, einerseits bedroht, von der (Un)mutter (regressiv phylogenetisch: Fischschwanz!) resorbiert zu werden; und, andererseits, davon, daß der (Un)vater, vom anderen Ende her, ihr den Kopf abreißt, um sie, geschlechtsmetamorphotisch, der himmelsabdriftigen Mannsherrschaft einzuverleiben ("nicht Fisch, nicht Fleisch). Und der acephale Oberkörper: der Busen? Lockmittel bloß, zu violenter Liebesraserei, frigide resonanzlos, verführend. Und Arme und Hände? Auf Erden auf dem Rücken zusammengebunden.
Gut, eiskalt läßt sie gar Göttermänner auflaufen, dies jedoch um den Letztpreis ihrer Opferung; "Tod und Verklärung" in Kultur, Musik, hinein. Ausgeblendet hier die Kehrseite der nymphischen Frigidität: Nymphomanie (bis hin zur "weiblichen Ejakulation"); Rache für die Opferung: der männermordende Vamp; in der Orpheusmythe offensichtlich ausgelassen, weil der Rigorismus, die Konsistenz der Musikgenese keinen Aufschub, keine Machtinversion - wie ungenerös! - duldet. Also obliegt es Kulturmusik, der Dissoziation der Nymphenhybride mit Aufhaltung und Zusammenhalt, Integration, "Orthopädie", zu begegnen.
Imponierend nymphentypisch Eurydikes Tod (vergleichbar etwa dem Daphnes und Sphinx'): Verfolgung durch einen Vergewaltiger, Frigiditätsdoublebind-Parade, namens Aristaios; zweifelhafte Errettung durch Erdmutter Ge, erscheinend im Schein der Bisexualität einer giftigen Schlange; tötende Sublimation in Musik, dem direkten Verschwinden in der Totenberge Unterwelt. Musikgenerisch grausam geht es also zu, und doch voll des Raffinements, nämlich: des Täters Orpheus Exkulpation zuhauf: nicht er - "felix culpa" - der Nymphenbedränger, Unhold Aristaios vielmehr, ein
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Mensch, nicht auch damit ausdrücklich beauftragt - so die Mohrenwäsche aller Göttlichenbeteiligungen; Zwischenstück der vorzeitlich tödlichen Heimholung der Tochter durch Ge's mannstravestische Schlangenepiphanie, die weibliche Tötungsart Giftbiß. Musik, die tote Naiade, hadeseingehüllt (NREM auch); Musik, die Rückkehr in den lauthals erstickten Uterus im Toten, ihres Austritts, ihres extrauterinen/oberweltlichen Erklingens harrend, Orpheus, der also in die Unterwelt hinabsteigen muß, um sie wiederheraufzuholen, damit, wenigstens Musik, sei, und nicht vielmehr - Seinsloch Musikfehlanzeige - Nichts.
Weiteres Musikgenealogikum demnach im Kontext von "Ästhetik und Gewalt": rigide Schuldabfuhr in Mensch, Götterpurgierung Hominisation, ineins mit ebenso die Überirdischen exkulpierendem Gebrauch der "aetas prisca". Musik - Zusammenspiel folglich von überchargiertem Mensch und anstelliger Archaik. Wie aber könnte sie, also gebaut, sich überhaupt zur Erscheinung/Erhörung bringen? In dieser Götterentrückung, im Finale des Menschheitszerplatzens mittels der (wieder)zugelassenenen freßbegierigen Vorwelt?
Die Antwort scheint einfach: nur ein Tod der Eurydike reicht nicht aus, sie muß - unmöglicherweise, so die ganze Häme der Unterwelt, Hermes' inklusive - gleich zweimal sterben - freilich war sie nach ihrem Tod - wie im Hades denn möglich?! - niemals mehr lebendig. Und das heißt nichts anderes, als daß sie, - mediengerechte - nymphisch filiale Weiblichkeit, bis auf den Krotzen, reliquienlos, geopfert werden muß. Selbstverständlich aber mit entsprechender Kulturentschädigung, nämlich derart Musik, mittels Noten und Instrumenten (und, später, Aufzeichnungs- und Wiedergabemaschinen), reproduzierbar zu machen, vorabschließend ihr Memorials beizugeben - die endgültig (?) tote Eurydike transfiguriert in ein Notenblatt, der verbesserten Leier angeheftet, in der Voraussicht des Recorders. Zum großen Nutzen dann für die so mitkultivierte Tochterfrau, sofern sie, einzig auf diese Weise, sich von sich selbst, und damit, darüber vermittelt, von der Mutter zu diskriminieren vermag: Weibsleiche Ding - der ?-filiale Individuationsinbegriff, das singuläre -mittel; zumal im Falle der Medialitäten, weil hier ja die anfänglichletztliche Homo-sexualität zwischen Mutter und Tochter, allnichtender (nicht)Ursprung, zitiert erscheint, um - heikel genug, da um den Preis töchterlicher (gleichwohl emanzipatorischer) Selbstalienation - zur peremptorischen Abschaffung eben durch todesfertilste Kultur anzustehen. Blendwerk der Oberwelt, "die Sonne bringt es an den Tag": (wider den hörlichen Famabetrug) sichtliche Todesverifikation. Und so ward
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zum perfekten Musiker, zugleich jedoch zum verlassensten Menschen auf dieser Erde - Glucks "Ach, ich habe sie verloren ..." erfaßt mitnichten die schwarze Trauer seiner Totenklage, "Reaktionsbildung" der Todesanklage, Moderierung des Phantasmas der Totenerweckung. Der musikgenerischen Grausamkeiten, Dokumente von "Ästhetik und Gewalt", genug?
Nein, "genug ist nicht genug" - Orpheus selbst, den Todtod Eurydikes überbietend, muß geopfert werden (nicht sich suizidieren) zur Sühne seiner musikerschaffenden von ihm abgezogenen Kriminalität. So kommen auf - christlich dann ausnehmend - die Topoi des "unschuldigen Opfers" und der "Kenosis des göttlichen Sohnes", des scheinbar widersinnigen "sterbenden Gottes", des weltumfassenden gottmenschlichen Opfertiers ("Osterlamm"...). Ausgleichende Gerechtigkeit - der als solcher ausgeblendete Täter, umgekehrt zum expiativen Opferfinalisten - großer Versöhnungstusch! Nein, aber nein, "tot, alles tot" (aber die noch-Sage dessen?). Schuld und Sühne, im Tod vollendet, also nicht vollendet und dies grundlose Gebilde, Musik, reminiszentisch gefestigt hinterläßt; als ob bereits im Sterben sich die Leichenstarre löste - allein, alle (Er)lösung verliert sich in der Unerfindlichkeit, dem unaufhaltsamen Entzug, als Todeswiderhall verkannt, zugleich.
Die Mänaden, Rächerinnen Eurydikes Tod, taten ihr krude gerechtes Werk: "zerstückelter Körper", der, im visuellen Außenvor, den Widerparts der Spiegelbild"orthopädie" (Lacan), Phone, groß aufbringt, künftig jedoch derer, des Erscheinungsgehalts und -fassung wegen, bedürftig bleibt. Welch Travestie auch der Halbehalbe-Nymphengestalt - man siehts doch! -: der abgetrennte unverdrossen schaurig weitersingende Kopf des göttlichen Musikanten, auf seiner Leier festgenagelt, auf dem Meer nach Lesbos (sie!), so seine Heimkunft, schwimmend. Muß ich das sexuelle Urszenario, hörensgeblendet, überhaupt noch offenlegen? Dezent, ja verschämt nur soviel dazu: Eurydikes algolagnischen Schreie transfiguriert Orpheus in Gesang; und ihr autoerotisch traktiertes Genitale ins Leierspiel. Blut- und Wasserklangaustritt, menstruationsdurchmischte weibliche Ejakulation.
"Das Letzte, was sie (sc. Kunst, beispielhaft Musik) vermag, ist die Klage um das Opfer, das sie darbringt und das sie selbst in ihrer Ohnmacht ist" (Adorno, Ästhetische Theorie, 84). Orpheus und Eurydike - obscure metaphysikbefangen - aufklärend, wie der Mythos selbst, und Musik womöglich obendrein -, auf den Punkt gebracht:
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Der göttliche Künstler beweint die Nymphe, den masochistisch aufbereiteten halbgaren Opferstoff seiner Kunstfertigkeiten - Naiade - Fischweib! - die er, rechtens doch?, umbringen ließ. Seine Nänie aber macht bereits die bereinigte Fassung allen Klagewesens aus: absurde Totenerweckung, moderiert zur - immer noch anmaßenden - Todesanklage, und diminuiert dann zur bloßen humilen Totenklage. Verschlagener Schreibtischmörder, der über der Leiche der Gemordeten gleichwohl in Tränen ausbricht und zusammenbricht - und sich, letztendlich, überführt, abführen und, zur gerechten Strafe, hinrichten läßt. Sich auftürmende Serie von eingedachter Schuld und Sühne, die in der Memoria dessen, faktischer Musik, diese ihre entrückte Herkunft, selbst wenn miteinbekannt, immer noch epikalyptisch machen muß, um überhaupt bestehen zu können? Sollen wir uns ewig an ihre Selbstverdeckungshabilitäten, ihre "Unsterblichkeitsstrategien" (v. Braun), halten müssen??
Bibliographische Hinweise
Zu meinem philosophischen und psychoanalytischem Werdegang:
Revival 2. Szenen einer Nicht-Karriere in der Düsseldorfer Philosophie. Essen. Die Blaue Eule. 2002. Genealogica Bd. 30. - Revival 1. Nachklänge der Leiden einer psychoanalytischen Ausbildung. Mit einem Geleitwort von Wolfgang Tress. Düsseldorf. Psychoanalyse & Philosophie. 1999. - Nach meiner Pensionierung 2002 arbeitete ich zunächst als Gastwissenschaftler, jetzt als freier Mitarbeiter in der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie/LVR-Klinikum Düsseldorf, mit Schwerpunkt auf Fortbildung.
Unter dem Titel "Ist Musik wirklich so grausam, wie von der Orpheusmythe unterstellt?" referierte ich 2010, jeweils kontextangepaßt, an der Robert Schumann Hochschule (mit Aussicht auf Publikation) sowie in der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Düsseldorf e. V.
Ältere Publikationen zur Orpheusmythe:
Klang-Kallistik. Notizen zu Orpheus und der Schönheit von Musik. In: Der Schein des Schönen. Hg. D. Kamper/Ch. Wulf. Göttingen. Steidl. 1989.
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S. 411-424. - Ebenso in: Pathognostische Studien II. Logik, Sinne/Affekte, Musik, Bildende Kunst. Essen. Die Blaue Eule. 1987. S. 172-190. Genealogica Bd. 17.
Eurydike-Algorithmus. Zu Jacques Lacans vergeblichen Rettung der Psychoanalyse. Ebd. S. 191-197.
Eurydike und der Lärmschutz. Zur Synchronie des Mythos. In: Mythos, Realisation von Wirklichkeit? Vorträge aus dem II. Verlagskolloquium 1987 in Bochum. Hg. K. Bering/W. L. Hohmann. Essen. Die Blaue Eule. 1988. S. 199-220.
"Was kostet den Kopf?" Orpheus abermals (und nur ein wenig anders) (in unserer - bereits traditionsreichen - Art eines offenen Briefs). In: Was kostet den Kopf? Ausgesetztes Denken der Aisthesis zwischen Abstraktion und Imagination. Dietmar Kamper zum 65. Geburtstag. Hg. H. Neidhöfer/ B. Ternes. Marburg. Tectum. 2001. S. 45-53.
Zur Pathognostik siehe hauptsächlich: Pathognostische Studien, 10 Bde., 1986-2010. Essen. Die Blaue Eule, in meiner Reihe Genealogica. Ansonsten in meinen Veröffentlichungen ab ca. 1980 passim.
Krenek - gemeint ist: Ernst Kreneks Zwölfttonoper "Pallas Athene weint".
Verzeichnis meiner Publikationen mit mythischen Referenzen (von 1980 bis 1991). In: Oedipus complex. Zur Genealogica von Gedächtnis. Wien. Passagen. 1991. S. 161-164. Referenzen u. v. a.: Asklepios, Athene, Hephaistos; Daidalos, Narziß, Ödipus; christliche Mythologie. - Später hinzugekommen ist Artemis (Dreizehnte Vorlesung: Mythosophie. Überlegungen zur Erkenntnisfunktion des Mythos [am Beispiel der Artemis-Mythe], mit Diskussionsberichten/Nachträgen von P. Tepe, R. Heinz, K. Th. Petersen; Vierzehnte Vorlesung: Mythosophie [Fortsetzung], mit: ebenso). In: R. Heinz/ P. Tepe: Pathognostik versus Illusionstheorie. Mit Beiträgen von K. Th. Petersen. Essen. Die Blaue Eule. 1994. S. 217-239. Illusionstheorie, Ideologiekritik, Mythenforschung Bd. 5. Hg. P. Tepe.
Zu Hermes: Hermes-Tücken. Zur Metaphorik und Mythologie des Übersetzens. In: Pathognostische Studien VII. Texte zu einem Philosophie-
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Psychoanalyse-Finale. Essen. Die Blaue Eule. 2002. S. 83-95. Genealogica Bd. 31. - Ebenso in: Übersetzung als Paradigma der Geistes- und Sozialwissenschaften. Oberhausen. Athena. 2006. S. 67-80. Beiträge zur Kulturwissenschaft Bd. 6. Hg. V. Borso/Ch. Schwarzer.
Transversalismus - neben der "inklusiven Disjunktion" und "polyvoken Konjunktion" zählt die "transversale Konnexion" zu den anödipalen Synthesisformen (siehe: Was ich am "Anti-Ödipus" immer schon nicht verstand und immer noch nicht verstehe. In: Anti-Ödipus. Gast-Hg. R. Heinz. texte. psychoanalyse, ästhetik, kulturkritik. Heft 2/2000. Wien. Passagen. S. 75-92. Auswahl eigener Publikationen zum "Anti-Ödipus" darüber hinaus: ebd. S. 75 f. - Siehe ebenso: Jenseits von Lacan. Zur postmodernen Psychoanalysekritik des "Anti-Ödipus" (Auch eine Revue). In: Pathognostische Studien V. Engagements an eine kritische Fortschreibung der Psychoanalyse namens Pathognostik. Essen. Die Blaue Eule. 1999. S. 192-2 10 (insbs. III Bombengnosis). Genealogica Bd. 27.
Zum Triebbegriff: Zur Kritik des psychoanalytischen Triebbegriffs (halbwegs noch im Rahmen der Psychoanalyse). In: Pathognostische Studien X. Afinale pathognostische Überfälligkeiten und Altlasten. Essen. Die Blaue Eule. 2010. S. 15-19. Genealogica Bd. 43. Sowie: Triebtheorie. In: ebd. S.20-31.
Die fetischistischen Produktivkräfte selbst schon als Ungleichheitsgeneratoren: Kainsmale. Animationen zu einer unzeitigen Philosophie der Arbeit. Düsseldorf. Peras. 2008. (Insbs. Arbeit und Interaktion. S. 120-130)
Zum Geschwisterinzest als korporelle Medienkorrespondenz: "Alle Menschen werden Brüder ..." Mytho-sophische Anmerkungen zum Geschwisterproblem. In: Geschwisterlichkeit. Horizontale Beziehungen in Psychotherapie und Gesellschaft. Hg. H. Sohni. Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. 1999. S. 55-66. Psychoanalytische Blätter Bd. 12. - Ebenso in: Pathognostische Studien V. Engagements an eine kritische Fortschreibung der Psychoanalyse namens Pathognostik. Essen. Die Blaue Eule. 1999. S. 13-22. Genealogica Bd. 27.
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Zu Schober/Schubert: Franz Schubert. An die Musik. Versuch über ein Musiklied. In: Beiträge zur Geschichte der Musikanschauung im 19. Jahrhundert. Hg. W. Salmen. Regensburg. Bosse. 1965. S. 139-150. Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts Bd. 1. - Repr. In: Retro 1 (19651980). Aufsätze und Rezensionen. Essen. Die Blaue Eule. 2005. S. 13-28. Geneaolgica Bd. 35.
Zum n-ten Futur im Irrealis: Referendum. Heide Heinz, Melanie Heinz: n-Future. Es würde ein Traum gewesen sein werden sein werden. In: Somnium Novum. Zur Kritik der psychoanalytischen Traumtheorie. Vol. 1. Wien. Passagen. 1994. S. 125-128. Passagen Philosophie. (Von mir vielemale als Topos verwendet.)
Zum Begriff Eingedenken (fast immer im Zusammenhang der weiteren Musikgesten "Verheißung" [Barock] und "Vergegenwärtigung" [Klassik]): Es würde gewesen sein werden sein werden. In: Neuerliche Orphizismen. In Wagner, Ludwig, Nacht, Musik. Wien. Passagen. 1998. S. 93-95. Passagen Philosophie. (Hier auch Thematisierung des Verhältnisses von NREM und Musik). - Ebenso: Eingedenken. In: KoreFashionista. ModeSchönheit-Körper-Opfer. Düsseldorf. Peras. 2008. S. 38-45 ("Eingedenken" hier nicht expressis verbis musikbezogen)
Zum Todestrieb: u. v. a. - zuletzt kompendienhaft -: Todestrieb - Programm einer Revision. In: Todesnäherungen. Über Todestrieb, Urverdrängung, Zahlenmagie, Spekulative Chirurgie, Frühmetaphysik. Düsseldorf. Peras/ Psychoanalyse und Philosophie. S. 21-83.
Daphne: von Apollon verfolgt, von Ge in einen Lorbeerstrauch verwandelt ("Heil Dir im Siegerkranz ...!"); Syrinx: von Pan verfolgt, von Ge in ein Schilfrohr, dem Naturstoff der Panflöte, verwandelt.
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