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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)     
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Transsubstantiation. Über Tausch und Christentum oder: mein großes Tischgebet (Pathognostische Studien I, 1986, Essen, Die Blaue Eule, 161-186)
Der Kapitalismus, die zivilisierte Maschine aber wird sich als erste auf der Konjunktion etablieren.
...: so erzeugt sich die Kontinuität des kapitalistischen Prozesses in diesem stets verschobenen Einschnitt des Einschnitts, anders gesagt in der Einheit von Spaltung und Strom.
Daß der Finanzierungsstrom eine ganz andere Macht als der Zahlungsmittelstrom wiedergibt, bedeutet, daß die Macht unmittelbar zur ökonomischen geworden ist.
(AÖ, S. 288, 296, 321)
Captatio benevolentiae.
Da ich davon abkommen mußte, den folgenden Text vorzutragen, erübrigt es sich, um Verständnis für seine Nichtvortragbarkeit zu bitten.
Wie ich hoffe, bar der Opfertücke, aber bitte ich um Nachsicht, mich nicht auf die fälligen "Amplifikationen" insbesondere in die Dogmengeschichte hinein eingelassen zu haben. Hätte ich es versucht, so wäre zu der intensiven Totalisierung in philosophischer Rücksicht diese speziell-historisch extensive hinzugekommen, wohl mit der Folge einer unzumutbaren Gedankeninflation? Gleichwohl hoffe ich davon ausgehen zu können, daß mir durch diese historische Enthaltsamkeit keine gravierenden Fehler in der "Neo-Gnostifikation" des Christentums unterlaufen sind.
Aufrichtige Abbitte aber leisten müßte ich bei denen, ohne die ich in meiner Gedankenführung entschieden unsicherer geblieben wäre: einigen Kranken, deren Christlichkeitssymptome mir das Christentum neu erschlossen. Je effektiver der intellektuelle Parasitismus daran, um so heilloser nämlich könnte der Riß zwischen Krankheit
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und solcher Einsicht im Scheine beider Konvenienz geraten. Ich werde mich demnach besonders darum bemühen, solche Enteignung von Nicht-Besessenem als Nicht-Besitz, pathognostisch-tätig, rückzuerstatten; falls solches möglich sein sollte.
Referenz:
Er nahm am Abend vor seinem Leiden Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen gen Himmel zu dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, sagte dir Dank, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten:
Nehmet hin und esset alle davon:
Das ist mein Leib.
In gleicher Weise nahm er nach dem Mahle auch diesen wunderbaren Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte dir abermals, segnete ihn und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten:
Nehmet hin und trinket alle daraus:
Das ist der Kelch meines Blutes,
des neuen und ewigen Bundes
- Geheimnis des Glaubens
das für euch und für viele vergossen wird zu
Vergebung der Sünden.
Tuet dies, so oft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis.
(Gesang- und Gebetbuch für das Bistum Trier, Trier - Paulinus Verlag - 1955, 361)
Hungerpflanzenindustrie.
In diesem festgelegten rituellen Szenarium begegnen - um mich sogleich (wieder den ersten Ohrenschein) terminologisch auszudrücken - Dinge; man ist versucht zu sagen: elementare,
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basis-industrielle, solche der Alimentation: Brot und Wein, die wie stellvertretend für alle anderen, die es allein schon zum Zwecke von deren Herstellung in Fülle geben muß, stehen. Eine Art von Repräsentativität demnach, die sich dadurch auszeichnet (und deshalb auch zur Ding-Exemplarität schickt), daß sie Mangel, Trieb: Hunger und Durst, kurzum: Subsistenzsexualität (vs. Generationssexualität?), evoziert. So der Kontext: diese Sexualitätsart, sogleich, gebührend menschlich, industriell versiert und entsprechend - dies müßte ausschlaggebend sein - vom alimentären Mutterkörper (der Plazentaernährung, dem Stillen etc.) weggeraten, in diesem physio-logischen Sinne mitnichten elementar. Gewiß, solche merkliche Industrie-Abdrift scheint fürs erste insofern Sinn zu machen, als die apostrophierte Mutterleibdienstbarkeit alimentär unter Kindsvorbehalt steht - man stelle sich einmal vor, der Mutterkörper müßte nicht nur Embryonen und Säuglinge ernähren, wo er gar selber doch der fortgeschrittenen Industrienahrung bedarf? - Doch geht der Sinn dieser Ersetzung schwerlich in dieser wie natürlichen Progression der Nahrungsbeschaffung auf; nicht nur supplementär käme (der Schein) eine(r) Substitutionsredundanz hinzu, die wie auf die Verhüllung eines frühen (ja erinnerungslosen) Schandmals hinausläuft. Besonders auffällig noch in dieser ersten Szenensichtung mit besonderem Blick auf die besagten Dinge: nämlich daß diese, stofflich, die Tierheit - Kuhmilch und Ochsenfleisch etwa - überspringen: zur Grenze des Anorganischen in diesem ihrem Vegetabiliengebrauch hintendieren; dahin also, wo es den Anschein haben kann, daß Töten hier weniger Töten, keine schiere Gewaltanwendung sei; wo also, schuldlogisch ausgedrückt, im resultierenden Arbeits(Opfer)produkt eine durchaus trügerische Konvenienz zwischen der Dingfunktion überhaupt (Schuldabsorption, ja -vernichtung) und, speziell hier, der auf fast-Null hingehenden Schuldmassen-Dingeingabe - fast Unschuld bearbeiteter Pflanzenbestandteile - sich stark macht.
Seltsame Verhältnisse - aber das ist nur der harmlose Beginn des
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"Geheimnisses des Glaubens"! -, vorläufig festgemacht an diesen ersten Beobachtungen:
daß
1) das Trieb-Mangelzentrum, Hunger/Durst, Subsistenzsexualität, die je individuelle Reproduktionsnötigung, in der Wandlungsszenerie avisiert ist (und nicht Sexualität i.e.S., Generationssexualität - jedenfalls nicht in dieser Dinghinsicht?),
2) auf der Stelle progredient industrielle Nahrungsmittel - in "repräsentativer" Auswahl (doch das ist wohl weniger bedeutsam noch?) - aufkommen (und eben nicht, wie immer dann auch bloß "symbolisch" einbringbar, die physio-logisch basalen Mutterleib-Nutrimente),
3) die exemplarischen Agrikulturprodukte ihrem Stoffe nach rein pflanzlicher Herkunft sind (und nicht animalischer; was wohl mit einer besonderen Schuldermäßigungsobligation/Exkulpationsabsicherung zu tun hat).
Lassen diese Maßnahmen nicht anfänglich schon eine mit Ausschlüssen/Einschlüssen operierende Mannheitsausschließlichkeit wittern? Ich denke, schon. Mannssache die Subsistenz, metanatürlich und immer auf Heils-, also Entschuldungskurs?
Paulinchen war allein zuhaus.
Eh prägt, wenn man wiederhinzublicken geneigt ist, eine seltsame männlich-monosexuelle Verfassung die Abendmahlszene: geschlechtlich nur Männer mit einem nicht-paternalen Obermann, generationsgemäß Kinder mit Oberkind/Brüder mit Oberbruder; wenn Frauen, von denen wohl auch biblisch nicht die Rede ist, so geschwisterlich neutralisierte sozusagen, die vollends indessen zu Männern würden, wenn sie gegen diese ihre Neutralisierung opponierten. Geistlichkeit, Militär: Elternabsenz. Doch da ist ja noch das Essen, Brot und Wein; tote Dinge, Industrieprodukte, der Subsistenzdienstbarkeit, die nicht ohne deren Zerstörung abgeht, geweiht, und die vor allem nicht umstandslos dieser ihrer Bestimmung übergeben werden können, davor vielmehr einer
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unverständlichen, jedenfalls wider den Augenschein gesetzten Metamorphose unterliegen sollen: der besagten Verwandlung, Transsubstantiation: "Das ist mein Leib","Das ist der Kelch meines Blutes". Was geht hier an merklicher Konsumdissidenz vor? Man möchte, modern gesagt, meinen, daß sich die Normalmahlzeit, das Brüdermahl (und jedes Essen ist ein solches) psychotisierte. Das heißt nichts anderes - und in der Tat wird einzig noch in den psychiatrischen Anstalten Groß-Theologie betrieben -, als daß die im Gebrauch sich erfüllende Tautologieversion der Dinge kollabiert; daß deren Makro-Unbewußtheitsverschluß aufreißt; Dinge, die im Zustand der inquisitorischen Auflassung ein terroristisches Gespensterleben anzetteln, das ohne den Einsatz von Kautelen dagegen, woraus dann die sogenannten Symptome entstehen, sogleich tötete; Blutgerichtsbarkeit der Dinge, zumal der inkorporierbaren, der Nahrungsmittel, deren Destruktion und Inwendigkeit wegen: Binnen-Bomben-Körper-Sprengung. - Was aber soll dieser - als bloß sich-vorstellender fraglos pathologisch geheißener - Ding-Tautologie-Aufriß Psychose (letztlich)? Das Dingphantasma (daran maßnehmend instantane Selbstautarkie, ebenso phantasmatisch), dieser abendländische Universalschein scheinbarer Todesusurpation, er bricht so zusammen. Die säkular-konsumatorische Unbesehenheit der "Ursprungs"-Besetzung, -Anmaßung, wird, sofern sie nimmer auf Dauer zu stellen sein kann, von einer Art vorsorglicher Rache des verbrauchten, nein: seinen Verbrauch konterkarierenden "Ursprungs" - einer imaginären, wie magisch-antezipatorischen Dingrache - ereilt; von einem Rachekollaps des Dingphantasmas selber, der die je zur Verteilung anstehende je generierte Schuldmasse in strenger Disjunktion des Fleisches Seite zuschreibt (und in der Selbstdestruktion, dem Dingsuizid, seine Absolutheitserfüllung, die psychotisch annoncierte - Krieg, Apokalypse schließlich - findet). Skandalös (und mehr noch) in der Brüderrunde sind also die Dinge: die industriellen (vs. "natürlichen", mutterleiblichen) Nutrimente; die ansonsten doch nichts als verständige Mitanwesenheit von Brot und Wein -
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dieser einigenden Dritten, dieser Kohärenzmedien der Gruppe - breitet sich in terrorisierender Aufdringlichkeit aus; diese Dinge als der unendliche uneinziehbare Todesschatten der Brüderlichkeit, der die Brüder untereinander mit Gemetzel - Opferdelegation an die Fleischlichkeiten sodann selber - bedroht.
Es ist durchaus nun statthaft, diese Humanität-fundierende Pseudologie der Anmaßung hinwiederum des Pseudoursprungs, die sich in keiner Weise zwar aufrechterhalten läßt, doch selbst in ihrem Zusammenbruch noch, ja erst recht in diesem/als dieser selber sich in undurchbrechbarer immanenter Zirkularität erfüllt, kurzum: die Dinge, das Ding-Phantasma, generationssexuell/sexuell auszulegen, wenn immer, immanent genealogisch (nicht anders, weil sonst immer nur unter der verfehlten Prärogative des Subjekts, der Person, von Paranoia als Normalität etc.) die Binnenorganisation der Dinge-schaffenden Opfervorgänge eingesehen werden will. Nach dieser auch christlich unvermeidlichen Lesart sind (sind!) bis auf weiteres (also bis zum Opfertod des Sohnes expressis verbis) Brot und Wein die tödliche Inquisition der Eltern über die Kinder; kommen diese Nahrungsmittel als parentale Todesepiphanie Konsum-störend, -verhindernd auf. Abermals: inwiefern dem so ist? Insofern die humanistische Menschauslegung, eben weil sie im apostrophierten Dingphantasma kulminiert, reinrückwirkend, möchte man meinen, Generation und Geschlecht un-ab-dingbar (!) nicht weniger, ja insbesondere mit derselben Originaritäts-Phantasmatik besetzt und dies offensichtlich derart gekonnt besorgt, daß man meinen möchte, diese Existenzkathexe sei exklusiv (und exklusiv gar auch in dieser ihrer abgeleiteten Version).
In bewußter Absichtlichkeit habe ich eben von den Eltern gesprochen und nicht vom Freudschen Vater, dem Urhordenvater als Basis-Totem; so daß spätestens hier eine ausgiebige Kritik der herkömmlichen Psychoanalyse opfer- und schuldlogisch fällig wäre. Freud (in Totem und Tabu, Studienausgabe IX, S.437):
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"So bekennt sich denn in der christlichen Lehre die Menschheit am unverhülltesten zu der schuldvollen Tat der Urzeit, weil sie nun im Opfertod des einen Sohnes die ausgiebigste Sühne für sie gefunden hat. Die Versöhnung mit dem Vater ist um so gründlicher, weil gleichzeitig mit diesem Opfer der volle Verzicht auf das Weib erfolgt, um dessentwillen man sich gegen den Vater empört hatte."
Nein, das Fundamentalverbrechen, der Sündenfall, besteht nicht so einfach im Vatermord, vielmehr im Vermögen der Repräsentation, zumal wenn es sich in seine Letztgestalt, Dingschaffung, hinein sättigt; im Ansinnen der Ding(Selbst)phantasmatik ("Entsühnung durch maschinelle Transmission" etc. (Bahr)). Und, darin eingegeben, ist (in letzthuldigender Vernichtung) mitnichten nur der Vater, vielmehr zuerst der Mutterkörper (nur noch in Vernichtung), und dies mit Hilfe des überleitenden Tochterstatus, der die Vater-Mortalität zu ihrem Formzugriff auf die Mutter-Materie ermächtigt. Freilich reißt in diesem transzendenten Metzgerladen der himmlische Vater alle Gewalt sodann an sich; doch wenn man genau genug hinschaut, so wird man gewahren können, daß dieser höchste Gott längst sein Casablanca hatte: nur-noch-Mann nur-noch-Frau, Mutterleibsleiche, gebührend tot. Was sogar in der industriellen Doppelgestalt des corpus Christi, direkt abendmahltheoretisch also, sich wie naturphilosophisch verdeutlicht: Blut als Animation-Kohärenz des Fleisches, nachgestellt im weindurchtränkten Brot - die generationssexuelle Verteilung liegt - was Philosophen insonderheit wissen könnten, wenn sie sich noch mit dem Form-Matrie-Problem beschäftigten - auf der Hand: Blut als Vater-Tochter-Inzest als die Totaldisziplin des Fleisches, Mutterleibs etc.
Die (Christus-induzierte) Psychose der Brüdergemeinde, sie bestände demnach darin, daß die Nahrungsmittel zu inquisitorischem Hadesleben auferstehn; daß sie, wie paroxysmal, anhaftend, fernab von hilfreicher symbolistischer Brechung, die toten Eltern, deren lebensgefährlichen Hunger, zitieren (was jeder Schizophrene bestätigen kann: daß die Speisen zumal unter schrecklichen Hungerqualen leiden) ; daß offensichtlich zwar, typisch
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homosexuell-paranoisch, der tote Ding-Papa hinter den armen Mördersöhnleins her ist, doch daß sich hinter dieser Eingeschlechtlichkeitsmaske, nicht zuletzt, zünftig signalisiert in den getrennten Doppelgestalten, Brot und Wein, unverhohlen fast schon Urmutter, die Tötungspotenz der Frau, abortierend, menstruierend nur noch, annonciert (im Augenblick des Todes wäre sie selber hervorgetreten). Erste Phase des Heilswirkens (wie anders sollte man diese ungebrochenen fraternalen Wirren bezeichnen?): im Angesicht fortgeschritten agrikultureller Grundnahrungsmittel, deren Gebrauchsbestimmung es ja ist, zerstört zu werden (und die sich deshalb zur Indizierung des Opfereintritts einzigartig eignen, zumal wenn ihre Zusammenstellung - Brot und Wein, getrennt - selber schon Tod "symbolisiert") vermag niemand - so das Christusverdikt -, der die mörderische Ungeheuerlichkeit dieser befreienden Anmaßung nicht sogleich spürt, sich nicht vorkommen wie ein Abort, wie Menstruationsdejekt vor dem dürftig nur mit komischer Gerichtspaternalität verdeckten Mutterleib-Inkrimination. Sich vorkommen wie? Nein: dieses selber sein (sein!). Dahin ist die Differenz zwischen Subsistenz- und Generationssexualität; und die "repräsentative" Auswahl von Brot und Wein doch kriterial; und, vor allem, der Sprung über die Animalität hinweg in dies vegetabilische Totem, das so beruhigend unblutige, fast schuldlose, verkehrt sich ins nackte Gegenteil seiner löblichen Absicht: je vegetarischer das Nutriment - Dingpendant zum schlechterdings dann unschuldigen Gottessohnesopfer und, in scheinbarem Kontrast dazu, in seinem Zerstückelungstelos das basale Waffen-, Bombenmodell doch! -, um so greulicher sein inquisitorisch austretendes (ansonsten vorbehaltliches) Innenleben.
Fortschritte in der (immer noch gläubigen?) Erkundung dieser Glaubensgeheimnisse? Am Anfang der ganzen miserablen Vergeblichkeit des christlichen Heilswirkens steht derjenige Schein-soteriologische Einbruch, dessen authentische Auflassungsform später dann als Psychose (Schizophrenie) verurteilt wird; und sein Kerygma: es ist keinerlei Verlaß auf die Dinge (aufs Ding(Selbst)phantasma),
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die nicht nur entropisieren, ihre Entropie gar auch als ihre Erfüllung unaufhaltsam ausgeben. Was insonderheit im Falle der Nahrungsmittel - je künstlicher, um so gravierender - ausfällig wird, zugleich sich aber an diesen, der Manifestheit dessen wegen, zurücknimmt. Jedenfalls ist Schuld, die vorausgesetzte, auf diesem Wege des Dingphantasmas der Schuldabsorption nicht aufhebbar; es bedarf dazu weiterer Maßnahmen. Man siehts ja, eucharistietheoretisch, in der Brüderrunde: in ihrer Monosexualität wie geschaffen, wenn schon nicht das bellum omnium contra omnes zu induzieren, so immerhin doch, repräsentativ, den Christus in Gänze als, wie man meint, allererst erlösenden Opferstoff, als Nahrung der martialisch hungernden/dürstenden Dinge, Brot und Wein, dagegen abzusplitten; prophylaktisch jetzt noch, doch bald am Kreuze de facto (und auch mit ein bißchen Splitrealie schon davor: wegen Judas, des Verräters, als solcher bezeichnenderweise dadurch signifiziert, daß der Herr das Brot in den Wein tunkte, bevor er es dem Abtrünnigen reichte).
Plötzlich im letzten Sommer.
Treten wir also ein in die Mysterien der Selbstkonstitution (Reim Dich oder, nein: und ich freß Dich!): wie ist die allzeit drohende Psychose (fürs erste Schizophrenie, und, davon abgeleitet "personalisiert", Paranoia) als das prophylaktische Imaginäre der Aufkündigung der Konsumgnaden des Dingphantasmas in die Martialität der Erfüllungsform seiner selbst, Ding-Explosion, hinein abzuwenden?: die Frage, vor der der Christus beim Abendmahl stand. Und seine notorische (wievielmal auf dieser Erde in dieser Minute repetierte?) Antwort: Brot und Wein sei er selber, sein Fleisch und sein Blut. Was soll diese (mindest doch unlogische?) Antwort bedeuten? Man könnte durchaus doch auf die Idee kommen, dieser besonders sensible Mensch habe, entsprechend besonders leidvoll, die Entfremdung erfahren und offeriere nun angemessene Maßnahmen für deren Aufhebung? Transsubstantiation, die demnach aus dem Opfer der Arbeitskraft den Rechtstitel der
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filial-kollektiven Possession des Arbeitsprodukts ableitet; drastische Anmahnung dieser Legitimität? Kommunismus. Gewiß; aber der Gottessohn überführt, transsubstantiativ, im vornhinein diese naheliegendste Lösung des Menschrätsels schon des Irrtums, indem er die Schuldkategorie beibehält, wodurch er historisch insgesamt scheußlichst Recht behält. Man wird, christlich, dagegen behaupten müssen, daß die zunächst vermutbare filiale Selbstimperialität - ich bin die Dinge selber, also guten Appetit! - als Verfolgungsinversion (und als solche: Normalitätsinbegriff) nicht verfängt/nicht verfangen kann, solange es nach Fleisch hungerndes Fleisch und nach Blut dürstendes Blut triebhaft-mangelempirisch gibt; daß auf dieser buchstäblichen Existenzgrundlage dieser Selbstanspruch an mich selber mit keiner Methode dieser Welt hinlänglich begründbar ist; daß, man möchte oft meinen beliebig, das Selbstdouble/das Dingphantasma Opferdefizite auf des Fleisches Seite zu ahnden sich stark macht; daß die Allheit der Usurpation des Todes sich bloß in sich selber hinein, apokalyptisch, auflösen läßt; daß, wenn man dies, diesen Urschein der Unabkömmlichkeit des Gottes des Menschen materialistisch, nein: nichts denn szientistisch, überspielt, just alles Heil nur noch in den Universaltod hineintreibt und damit den verrückten Christus gattungsgeschichtlich en gros bestätigt, was er (= die früheste christliche Theologie) so ja nicht wollen kann, weil dieser Gott durch sein Opfer, seinen Tod, auf einmal und einzig und für alle Zeit vernichtet sein sollte. Christus, der Gottessohn, der Gott, den Vater restlos kennt; er kennt ihn allzu gut, als daß er nicht wüßte, daß nur der (Sühneopfer)tod selber diesem ganzen grauenvollen Spuk ein Ende zu machen imstande wäre. Wie recht er hat.
Allein, diese admirable Theo-Logik - jawohl, Christus der erste Atheist - demonstriert zugleich, ebenso für alle Zeiten, a-soteriologisch die Unmöglichkeit der Unmöglichkeit des Gottes des Menschen, wenn immer es keine Chance gäbe, den Schein des Todes nicht nicht nicht in den Schein seiner Usurpation - Ding(Selbst)-
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phantasma-generativ - hinein abzufangen (doch indem ich diese Kondition hier formuliere, wo bin ich dann). Wenn der Christus von sich sagt - blasphemisch/atheistisch (auf Gotteslästerung lautete ja die offizielle Anklage auch) -, er sei Gott selber/sein Fleisch und sein Blut, das seien diese nutritiven Todesusurpations-Exempla, Brot und Wein, die selber in tödlicher Gier hungern und dürsten, bis schier nichts mehr existiert, was sie nicht aufgefressen hätten, so ist er in der Inversion des erst recht "masochistisch" immunisierten Opfers, als Leiche in letzter Anmaßung des Schuldverschwindens, eben nichts anderes als dieser Gott, den es zu vernichten galt, und, Erlösung! auf ewig lebe wohl! Gott, der Mensch wird: die Inkarnation als autozirkuläre Selbstperfektionierung Gottes, der den Menschen gar sich selbst als Opferstoff enteignet; Erlösung als Gottes Selbstopfer an sich selber: Fortschritt in der Nichts-Stigmatisierung aller Menschheit, ♀. Freud (Fortsetzung des Zitats):
"Aber nun fordert auch das psychologische Verhängnis der Ambivalenz seine Rechte. Mit der gleichen Tat, welche dem Vater die größtmögliche Sühne bietet, erreicht auch der Sohn das Ziel seiner Wünsche gegen den Vater. Er wird selbst zum Gott neben, eigentlich an Stelle des Vaters."
In der Tat - doch fehlt auch diesmal (wie fast immer) die psychiatrische/psychosentheoretische Pointe: die Ausweitung in die Todestrieb-Sphäre und, zumal, in deren Fortsetzung, den Dingbezug. Wenn schon von Vatermord gehandelt werden soll, so besteht dieser in aller Konsequenz in der Lebensgefahr, die unbesehenes, das heißt: unberechtigtes, parasitäres des Gegenopferfundaments bares Essen mitsichführt; Essens-Illegitimität, die die Gier der Speisen, die Inquisition der Nahrung (sich das Gericht essen und trinken) auf den Plan ruft. Vatermord (eh schon verfälscht phallisch-metaphorisch gesagt): die Essensblockierung, und die Sühne des Vatermords: die heillose Sicherstellung der Möglichkeit des Essens, dessen Restitution dadurch, sich selber zur Speise zu offerieren; und dies, versteht sich, sonst nämlich behielte die Sühne einen um so Rache-provokativeren Makel, in restloser Unschuld (schon vor deren Herstellung im
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Tode. Schuldausnehmung a priori). Wie unendlich grausam der Vater ist; derart blind in seiner Rache, daß er nicht mehr gewahren kann, daß dieser aberwitzige Widerspruch der vorgängigen Exkulpiertheit des Schlachtopfers, des eigenen Kindes, den Opfereffekt aufhebt/aufhöbe, wenn dieses Unschuldsapriori garantierbar wäre: Christus, der Erzschelm? Gewiß; doch dieser Unschuldsbetrug supplementiert nur die Opfertücke insgesamt und löst sich in deren Nicht-Resistenz schlechthin, diese nur potenzierend, mit auf. Gigantesker Irrtum Christentum, das, post festum, unter der ehernen Prämisse des Dings/Dingphantasmas, allzeit verspätet also, an dessen Abschaffung derart vergeblich laboriert, daß die ultimative Sühne als Apotheose (dieses "Verhängnis der Ambivalenz") den alten Gott nur um so selbsterfüllter, herrlicher, eschatologischer neuschafft. Christus, der sich, modern gesagt, wie der seinen Selbstmord vorbereitende Psychotiker (Schizophrene) benimmt: der psychotische Dingfraß - angemessen hier noch, insofern es sich um Nahrungsmittel handelt; wenn aber erst Nicht-Nutrimente gefressen werden ... - entbindet, innen, inquisitorisch, rächend den Ding-kreativen Opferstoff hinsichtlich seiner Kohärenz: halluzinatorisches Delir, Stimmenhören: das sind die Wandlungsworte (Vater-Worte: der göttliche Logos), die sich, über dieses ihr regielose Sich-selbstRepräsentieren (seiende Vorstellung, proto-dinglich) vermittelt, letztseiend im folgenden Sterben/im Tode machen. Und übrigbleiben Brot und Wein, die sind was sie sind, und sonst nichts, ihrer Bestimmung gemäß.
Auswege? Fehlanzeige, christlich. Wissenschaft: sie vertreibt den Spuk der Transsubstantiation - doch wohin? ins Ding hinein zurück, dessen mörderische Phantasmatik bloß steigernd; je disponibler nämlich die Ding-Hüllen (Konsumperfektion), diese verfänglichste Wissenschaftsgunst, um so undurchdringlicher, spreng-kräftiger, letaler das Ding-Innere (auf dem Kurs einer universellen Waffenförmigkeit). Philosophie: so wie ich es hier versuche, läßt sie zwar das Ding-Arkanum auf, doch macht sie
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sich zugleich - unvermeidlich - aus dem Staube, indem sie dem ganzen Grauen des Innersten der Gottheit extern eine Glashaut überzieht; soweit wenigstens auch an Wissenschaft, diese gnostisch aufbrauchend, ohne diese über sich selber hinaus konterkarieren zu können, partizipiert; und keinesfalls platzt diese Sonderhaut irgend in erlösende Fleischlichkeit hinein auf, auch nicht rituell-gnostisch; denn diese "Erlösung" exekutiert korporell bloß Dasselbe an Phantasmatik, zwar an den Dingen, deren Entropiedilatation, faszinierend vorbei, doch, ob der Phantasmaidentität, progredient verworfen, intra muros, in Krankheit und/oder Verbrechen übergehend (wobei die Kriminalistik hier wohl noch relevanter würde, als es die Psychiatrie sein müßte).
Allein - es folge um der Erde willen jetzt nichts Positives! -, wenn immer, wie es doch anmuten muß, diese Hominitätsscheinhaftigkeit (als das Namenlose, der Nicht-Cognitionalität des Tods der toten Dinge, keineswegs dieser Tod aber im Sinne der Schein-Auffangung desselben als Krieg und Apokalypse, auch nicht als deren Vorwegbeschwörung als Krankheit und Tod, ebenso scheinhaft, unüberbietbar, im Letzten) - diese selbst als solche - "existierbar" wäre (auch "vorstellbar" hinwiederum wie hier in meiner Rede/Schrift), dann vermöchte diese Existenz etc. mitnichten doch aufzugehen in dem, was sie als solches selber existiert etc., zugleich aber diesem auch in keiner Weise zu entrinnen: Selbstaufschub ohne ein Selbst und dergleichen, in dem schier nichts ausgesetzt, aber ebenso nichts zurückgelassen wird, und der sich als Aufschub zugleich in Nichts repräsentiert, ohne dabei im geringsten sich seinsmotivierend auszuwirken. Was hieße, daß in diesem Jenseits des Gotts des Menschen, dieser Atopie der vergeblichen Ausgedachtheit des nicht-usurpierten Todes, nicht die Philosophie und noch mehr, alles, allererst begänne.
Seht den Bräutigam, wie ein Lamm.
Wenn ich jetzt von einer neu-mystischen Affektionserfahrung berichtete - aus Anlaß dieses Zitats aus dem Eingangschor der
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Matthäus-Passion -, so könnte ich wohl sogleich von der Ubiquität, der lückenlosen, des Christentums in all dem, was wir, modern zumal, sind, handeln: die Chorpassage nämlich drängte sich als "funktionales Phänomen" des Autoradios selber - nicht eben angenehm - auf. Transsubstantiation for ever: das Autoradio als corpus Christi, wie man sieht, extrapoliert über Nahrungsmittel modernerweise hinaus.
Fehlt aber noch der krönende Abschluß, das Opfermahl, an dem endgültig manifest wird, daß sich der Christus grausam irrte.
"Zum Zeichen dieser Ersetzung (sc. der Vater- durch die Sohnesreligion) wird die alte Totemmahlzeit als Kommunion wiederbelebt, in welcher nun die Brüderschar vom Fleisch und Blut des Sohnes, nicht mehr des Vaters, genießt, sich durch diesen Genuß heiligt und mit ihm identifiziert." (Freud-Zitat, Fortsetzung)
Das Sohnesfleisch aber ist, transsubstantiiert zumal, exklusiv das des Vaters selber (der göttliche logos, der sein Sekundär-Inkarnat logos-ermächtigend in diese/als diese seine Logizität opfert - Herrenworte/der Einsetzungstext -; Sprache demnach, die sich als Schrift überdauert und deren Autotomie etc. durch Sakralisierung - Heilige Schrift - im vorhinein zu verhindern sucht; was freilich heißt, daß die Auflockerung bloßen "Bedeutens" wider das "Sein" die Heiligkeit des Textes, rein Gottes-Wort zu bleiben, unaufhaltsam zerstörte) - also: Sohnesfleisch = a fortiori Vatersfleisch. Und, diese göttliche Identität eingeräumt, führt zum letzten konsumatorischen Christen-Aberwitz, daß die Brüder (und Brüder) nur deshalb nicht - in der ganzen Imaginarität von Krankheit: Psychose (zunächst) - als Getreide und Trauben, Opferstoff für die Gier von Brot und Wein, auch an die Reihe kommen, weil der noch unschuldigere Gottes-Sohn selber, sich opfernd (sicherlich wähnend, daß seine Opfer-Psychose seinen realen Opfertod überflüssig mache, oder besser: daß jene dieser selber gänzlich sei) dafür sorgte, daß diese die ihn verzehrende Tischgemeinschaft, in aller Folgerichtigkeit zu Gott dem Vater selber haben werden können. Vatertotem-Mahlzeit in Potenz, was man dann Fortschritt nennt. Nur daß in einem präjudiziert sein muß, daß
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das einmalige Opfer Golgathas für die Ewigkeit gilt (wie der Großinquisitor in "Don Carlos" singt), anders aber - eben mitnichten als erlösende Opferdispensierung überhaupt -, als die christliche Mißbotschaft besagt; recht bald nämlich schon kommen die Brüder reihenweise an die Reihe gleichwohl, keineswegs bloß psychotisch, vielmehr in aller Wirklichkeit; und progressiv dann die Brüder (und Brüder) in der Geschichte des Christentums, fortwährend; und die Abermillionen von Messen, Opfermemorialitäten des vermeintlich letzten Opfers des Gottessohnes, sie werden daneben, nein: dafür gefeiert; und ich habe noch keinen Pfaffen kennengelernt, der sich nicht daran erhob, daß eben das Christentum eine Opferreligion sei, zumal in seiner einzig wahren Version. Und wir leben gar in einem christlich regierten Lande. Fürwahr, profunder geht die Apotheose nimmer, jedoch in strengster Disjunktion: entweder Mörder oder Opfer, was sich am Ort des Konsums letztentscheidet.
Transsubstantiation: zunächst von der Erinnerungsfestivität Messe her betrachtet, sorgt sie zwingend dafür, daß sich Erinnerung als repräsentative Vergangenheitsdisposition (Kongruenz demnach der Repräsentationsanamnestik überhaupt mit dem reinsten Artefakt linear-temporaler Ortung des Repräsentierten als vergangenes) an sich selber durchstreicht: Ersetzung des Es-war-einmal durch die (recht aufwendig-kunstvoll herbeigeführte und gesicherte Totalisierung des Es-ist-so-jetzt; wie wenn sich die explanatorisch-narrative Mythologiefunktion in sich selber hinein liquidierte und sich so ihren eigenen Traum erfüllte: nämlich die ununterbrochene Deduktion von "Welt" in der Sequenz von Schrift(Vater) - Wort(Sohn) - Ding(Schöpfung), ununterbrochen, kontinuierlichhomogen(Geist), und dies freilich in der nur noch ungeheuerlichen Abstreitung der Gegenläufigkeit der diese Deduktionsachse generierenden Opfersequenz; eines ungeheuerlichen Verleugnungs-quidpro-quo, das selber gar den Opferstoff zitiert, um ihn sich aus sich selber dann hervorzuholen und peremptorisch zu vernichten. Abermals also kommt der Inbegriff von Psychose auf: die
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Indifferenz von Wort- und Dingvorstellung (wie man solches weiland - nicht unglücklich - bezeichnete), jener Kollaps in diese hinein; Letztkrankheit immer dann, wenn aus diesem Zusammenbruch (dem Ineinanderstürzen von "Produktion" und "Konsumtion" als die Kollapseingabe der "Aufzeichnung" dahinein, im Stile des AÖ gesagt) nicht eben Dinge, die sich (bis auf weiteres) verschließen, hervorgehen, diese vielmehr post festum wie einbehalten werden etc.; Letztkrankheit immer als vergebliche Prophylaxe der Dingüberholtheit Desselben (desselben Zusammenbruchs/derselben nachträglichen Retention), als Krieg. Priester, der die Wandlungsworte abliest: ein ungeheuerlicher Witz, der den Dingen im Halse stecken bleibt, eh.
Nun könnte diese "gnostische" Aufschließung des Glaubensgeheimnisses der Transsubstantiation den Eindruck erwecken, diese mache den Inbegriff von Produktion, Dinge-schaffender Hominität, selber doch aus, wenn immer es gelingt (und es gelingt, und wie!) die Anmaßungs-Korruptionsformen desselben, Krankheit und Krieg, zu konterkarieren. Aber ja, die Transsubstantiation hat diesen ausgezeichneten Stellenwert; nur daß sie als produktionslogisches Schibboleth, Krisis schlechthin von Menschheit, in keiner Weise die ihr selber ureigene apokalyptische Entropie, inklusive der verfallenen Entropiebeschwörungsmodi, durch die rein nur innere Selbstdilatation derselben zu überwinden imstande wäre; von solchen verfänglichen Positivierungschancen kann überhaupt nicht die Rede sein. Und in deren intellektueller Emphase hallt die allzeit vergebliche gnostische Hoffnung nach (wahrscheinlich überkommt sie mich immer wieder?), daß so etwas wie die Fundamentallogik der Produktion, der Bruch mit der Hegemonie der Konsumtion, insbesondere in philosophischer Rücksicht, doch an den einzig brauchbaren Ort eines Auswegs im Ganzen zu führen befähigt sein könnte, allein schon, insofern sich exklusiv hier im Vergleich anarchische Verhältnisse, eben der Scheinwidersinn der Transsubstantiation, diese logische Unverschämtheit, einstellt und es immer wieder der repressivsten
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Anstrengungen bedurfte - vom Glauben bis zur Logik, die also zusammenfallen -, diesen Ort als unnahbar aufrechtzuerhalten, so als sei an der subversiven Potenz seiner Näherung doch was dran. Nein, diese Emphase verbraucht sich darin, ihrem einzigen Recht, zu demonstrieren - eine philosophiepädagogische Aufgabe sondersgleichen für den philosophischen Nachwuchs unserer Republik zumal -, daß sich die Hegemonie konsumfundierten Denkens (mit der Folgeattitüde der Abschaffung von Philosophie überhaupt) an produktionslogischen Vindikationen, die freilich das Denken "psychotisieren" müssen, bricht. So die fachinterne Armutsgestalt der großen Transsubstantiation; und selbst diese platzt im Gegenzug der alten Verheißung gegen ihre um so brutalere Gefangennahme?
Was also ist Transsubstantiation? Der Abgrund der Rechtfertigung des Dingphantasmas, der Unterwerfung der Erde in progress, der Gottesbeweis (Essenz, die die Existenz mit Notwendigkeit impliziert); in fundamental-onto-logischer Pointierung (produktions-theoretisch): der allentscheidende Moment des Opfertransits, der Todesfuge, als Hominitäts-konstitutive Indifferenzierung der absoluten Differenz: Selbst(cogito-Fleisches)eing abe ins tote Selbstdouble, des Ding-topos, und Selbstrückerstattung dieses Toten in seinen Gegenort zurück. An diesem mittleren durchbrochenen Widerspruchsort (dem des Tauschs in fundamentaler Rücksicht) kommen in der Doppelausrichtung auf Produktion wie auf Konsumtion hin die Dinge gleichermaßen auf wie - ebenso doppeltgerichtet (und immer unter der Prärogative konsumatorischer Polung) - das Selbst. Und in eigenerfüllender Entropie fluktuiert das Ding/das Selbst zwischen seinem Normalitätsstatus und dem von Krieg und Krankheit sowie von Apokalypse und Tod (und je progredienter die Normalitätsversion, um so entropischer hinwiederum im Ganzen gerät dieses Großgebilde an Transsubstantiation). Da nun aber im Wandlungsgeschehen offensichtlichst die besagte Selbsteingabe (in erfüllt entropischer Verfassung, mindest im Übergang zwischen Psychose und Intellektualität) in bereits
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vorgegebene Dinge selber schon, und nicht "bloß" in den Dinginbegriff stattfindet, statuiert sich hier bereits in aller christlichen Folgerichtigkeit die apostrophierte Konsumprärogative oder genauer: die Tauschvereinseitigung auf den Warenkauf, um sogleich zur ökonomischen Transskription dieser überaus offenherzigen Opferverhältnisse überzuleiten. Schließlich: die indifferent gemachte absolute Differenz als solche, phänomenal (!), garantiert einzig die herrschaftliche Indifferenz dieser Verhältnisse perenner Todesanmaßung und folgender mono-sexueller Heterogeneitätsschlachtung. Die Ausnehmung von Basisdingen, Nahrungsmitteln, aber, mitnichten, wie man meinen könnte, regressiv, generalisiert bloß, hellsichtig realitätsgerecht, die "kannibalistische Ordnung", um so kannibalistischer, je verschobener/entstellter, transfigurierter.
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Thema verfehlt.
Notorisch diese olympische Götterdämmerungs-Anekdote: daß sich die Götter (auch Hermes war zugegen) zu Tode lachten, buchstäblich zu Tode lachten, als der Einzige kam und behauptete, er sei derselbe auch. Womit die Frage beantwortet wäre, was denn diese christlichen Häresien mit dem Hermesproblem zu tun hätten.
Also: was trägt das Christentum zur Tauschrationalität bei? Als eine Art von Spätmythe (mit der entsprechenden Reflexion-in-sich ihrer Innovativität, die von dieser ihrer Selbstgewißheit aus spezifisch permissiv bleibt für die Herkunftstotale, nicht also sich selbst - etwa in ihren "Anfängen" - kupiert) veranschlagt das Christentum, wie mythisch billig, die genealogische Dimension fürs Hominitätsganze, und eben nicht die der von ihrem Genealogiegefüge abstrahierten Resultate, so wie sie in dieser ihrer Entstelltheit funktionieren (und, in dieser Dimension hocharbeitsteilig dann auch differenziert, u.a. Sujets der ökonomischen Disziplinen als Wissenschaften sind). Dies ist allein insofern schon wichtig zu markieren, als der Begriffsgebrauch, wie hier der von "Tausch", ohne diese dimensionale Indizierung, notorisch nur Mißverständnisse verbreitet. Nun: "Tausch" in dieser Dimension bedeutet, fundamental-ökonomisch, die Vorgangstotale des Opfers in der Doppelläufigkeit der Eingabe und der Rückerstattung, das "Apriori" also von Herstellung und Erwerb zum Gebrauch: Transsubstantiation, Christentum als nicht zuletzt auch fundamental-ökonomische (Spät)mythologie. Nicht nur ä part gesprochen, kommt es mir so vor, daß einzig in der strikten Wahrung dieser Tausch-begriff-Dimensionierung Sohn-Rethels immer noch abenteuerliche Behauptung des Hervorgangs der kriterialen Naturdispositionskategorien aus der Tauschabstraktion plausibel gemacht werden könnte; und daß der Autor dieser scheinbar verrückten Wissenschaftsherleitung sich deren Nachvollziehbarkeit insofern verscherzte, als der Philosophierahmen eines materialistisch bloß umdeklarierten letztlich positivistischen (sprich:
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idealistischen) (Neu)kantianismus nicht quittiert wurde. (Aber dieses, zumal letzteres, ist bekannt.) Gehaltlich nun in dieser Dimension (auch) ökonomiegenealogischer Verdikte (wohl mit einem besonderen Akzent auf ihrer faktischen Reklamation, ja Erzwingung) stellt sich das Christentum als Apokalypse-trächtige Todesökonomie dar. Will sagen: die Subsistenz(-) dominiert die Generation(ssexualität) (und damit der Tod das Leben), soweitgehend, daß Prokreativität sich zur Gottesschlachtvieh-Glyphe subordiniert, und dies mitnichten, wie man es so gerne entschuldigend möchte, aus primärer Lebensnot, vielmehr je schon, humanistisch, als die Gewaltförmigkeit der Selbstgründung: des sich-selbst-Überlebens im Tode. Und in dieser Mensch-gemäßen, generalisierten (über die Dinge aufgeschobenen) kannibalistischen Ordnung wird man eo ipso auch rein männlichmonosexuelle Exklusivitäten, rein zölibatär-maschinische Zeugungsproliferationen gewärtigen müssen. Bürgeraskese nach dem immerwährenden Vorbild der eucharistischen Herrenmahlbande. Transsubstantiationstheoretisch gibts hierbei kein Entrinnen: Wenn die Dinge Gericht und letztes Gericht zu halten befähigt sind; wenn sie in dieser ihrer Mächtigkeit (des Gotts des Menschen) Wahnsinn und schließlich Tod provozieren; wenn sie diese Destruktionserfüllungen gar an sich selber, objektiv als Krieg und Apokalypse, vorgegeben, "apriorisieren"; und wenn Satisfaktion gewährleistet wird nur darüber, ihr Todesurteil anzunehmen und vollstrecken zu lassen (sie diesem Erzbetrug also standhalten; Erzbetrug zumal, wenn der Delinquent unschuldig sein muß); wenn sie nur auf dieser ultimativen Satisfaktionsgrundlage, die, einmal geschaffen, endgültig feststeht (und nur in diesem ihrem stationären Charakter sich in sich nur leer repetiert), gebrauchbar, konsumierbar sind (als Urgift, letaler Gottesfraß); wenn solches, kurzum, Erlösung als Letztopfer-fundierte Gotteszirkulation sein soll, so ist die These, daß Christentum die reinste Todesökonomie sei, bewiesen. Was Dinge, dingphantasmatisch, eh schon sind, der Gott des Menschen, was dieser sich selber schulde etc., wird
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christlich in höchster Zirkularität auf den Begriff gebracht und also peremptorisch beglaubigt. Und endlich ist es diesem Gotte gelungen, im Toten restlos Weib zu sein, das die Schöpfung als Totgeburt exkrementiert im grandiosen quid pro quo von Fundamental-Pisse mit -Menstruationsblut und -Scheiße mit -Abort: die bekannte Leichen-Prärogative der Subsistenz. Vorzeitschauer sind demnach unangebracht (und, überhaupt, keine Bange! die Unterwelt tut sich nicht von selber auf), wenn man vernimmt, daß gewisse gnostische Sekten tatsächlich Menstruationsblut tranken und Aborti aßen: dies ist (ist!) nichts anderes als das Unbewußte dieses Gottes selber, der Dinge. Ja ja, mysterium fidei, im Inneren, und dann gänzlich in die Oberflächen eingegangen: als Wissenschaft.
Ist dieser Schein von Anmaßung scheinbar des Todes noch überbietbar, zumal wenn dieser sich in seinen säkularen Verschlußformen folgerichtig fortschreibt? Schwerlich; so daß der unmäßige historische Erfolg des Christentums - sogleich gebührend denn auch säkular gesagt - darin bestände, daß sich der Warencharakter über alles und jegliches auszubreiten befugt ist und in seinem Inneren, parallel zu seiner Expansion, die Auszehrung aller sogenannten Gebrauchswerte durch den Tauschwert betreibt. Todesökonomie, wie gesagt: ich kann mich selber nur erwerben - ich, der ich mich mir selber unendlich schulde -, indem ich mich in Gänze opfere; und ich selber komme mir dann selbsterworben zurück als apriori tödliches Gift, das mich je schon getötet hat. Wahn und Tod, subjektiv, halten sich selber in ihrer objektiven Erfüllungsversion nur noch notdürftig auf. Die Dinge, zu Hyperwaren avanciert, tendieren alle dazu, Waffen zu sein; Entrüstung, ein Witz: denn wir sind ja in den Waffenreifikaten der Dreifaltigkeit allemal erlöst. Und der personal-paranoische, grenzenlos betrügerische Nachstellungsüberfluß dieser Erlöstheit - u.v.a. Ronny mit der Hand auf dem Herzen etwa - könnte einem just in seiner Redundanz wie residuale Kunst vorkommen, ein verbleibendes zeitgemäßes Ästhetikum; Butterfly immerdar.
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In der Abendmahlszenerie imponiert zudem eine folgerichtige/folgenreiche Vereinseitigung, die wie die Vertauschung der sachgemäßen Reihenfolge im Einsatz der Ökonomiedimensionen anmutet: die Konsumtion nämlich vorzieht oder mindest den Systemablauf an diesem topos beginnen läßt. Notorisch besteht das Christusproblem in diesem Szenarium darin, daß der Heiland an vorübergehender, doch massiver Erwerbsunfähigkeit, Kaufschwäche, einem Tauschkrafteinbruch in Richtung auf Gebrauch leidet; so daß, bei genauem Hinsehen voll der Irritation, diese Ausrichtung einzig auf Konsumtion hin das gesamte "Reproduktionsfeld" zu besetzen scheint. Notorisch dann auch die Aufhebung dieser Impotenz auf die - offensichtlich ausgezeichnete - Verwendung hin: die Besitztitelbildung, die Aneignungslegitimation besteht in der transsubstantiativen Selbstidentifikation mit der Ware: in der Sprache des AÖ, die hier wie die Travestie der Einsetzungsworte klingen kann: in der (segregativen/bijektiven vs. nomadischen/polyvoken) Konjunktion als Synthesisart der Konsumtion: "das also ist es; das also bin ich." Und selbstverständlich gründet sich dieses (anamnestisch verrückte) Anrecht exklusiv auf den Vorausgang des Opfers, Selbstopfers, ultimativ in fundamental-ökonomischer Rücksicht des Selbstopfers in Gänze, des Lebens insgesamt: so ja die todesökonomische Pointe des Christentums. Um so fälliger also werden Erklärungsgründe, ja Bereinigungsmittel dieser seltsamen Permutation der Ökonomiedimensionen, zusammengefaßt: der Konsumtionsprärogative (mindest), deren Paradoxie darin sich eben nicht auflöst, daß die Psychose dem Tod vorausgeht; der reale Dingaufgang dem bloß phantasmatischen folgt; daß, korporell-gnostisch ausgedrückt, der Selbstinbegriff sich von den subsistenzsexuellen Exkrementen, ineinsgebildet mit maternal-destruktiven der Prokreation (Generation), bis zu deren Ganz-Leichentotalisierung phantasmatisch steigert/zu Ende führt - deren Paradoxie sich darin nicht auflöst, vielmehr bestätigt, insofern die Zuordnung von Psychose und Konsumtion sowie von Tod und Produktion - zugeordnet jeweils von der Todesfuge
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(Tausch) her - weiterhin, ja a fortiori gilt?
Zentrale des Glaubensgeheimnisses: just die Einschwörung auf diese Konsumtionshypostase, so daß die Dinge alle schon da sind, bevor sie da sind; deshalb die Scheinabsurdität der anstößigen Vertauschung, zurechtgerückt in den Krankheits/Urkrankheitskorrespondenzen, Psychose/Tod; und mit dem recht simplen Fundamentalbeschiß-Sinn ausgestattet, besser doch in heroischer Verzückung in den Tod zu gehen, oder - davor und noch weniger gründlich - die faulen Glieder dann nur zu rühren, wenn kräftige konsumatorische Lustprämien winken. Transsubstantiation - in der einseitigen Ausrichtung des Geldzaubers auf Bezahlung (vs. Finanzierung) hin -: die Grundlegung des (grundlegend betrügerischen) Entschädigungsbezugs zwischen Produktion und Konsumtion. Was nicht zuletzt sexualitätstheoretisch von einer unabsehbaren Reichweite wäre -: Lust als Betrugsköder des Todes (am besten sogleich aber - vergleiche den Christus beim Abendmahl - "unbewußt, höchste Lust": psychotische Ganz- und Himmelslust im Übergang zum allzeit vordenklichen Nichts). - Unschwer dann festzustellen, inwiefern die Konsumtionsausrichtung, diese Rückkunft: Rückerstattung des Eingegebenen, diese irritierende Allmacht hat - sie schickt sich schlechterdings zur Restlosigkeit der Indifferenzierung, insofern sie den Schein dieses Scheins erwecken muß, daß rückläufig nämlich die absolute Differenz, die Todesfuge, anstandslos passierbar sei, weil ja Totes rückpassiert (der Tod nimmt an Totem keinerlei Anstoß). Gewiß, aber der restituierte tote Opferstoff, der problemlos die Schwelle des Jenseits zurück überschreitet, trifft im Diesseits doch nicht seinesgleichen, Lebendiges, Fühlbarkeit, Cogitionalität vielmehr an? Ja; doch ist es seine Aufgabe, dieses sein Gegenteil zu penetrieren: also den Fortgang der Welt garantierende und letztlich deren Ende besorgende Sterbehilfe, durchaus lustvoll (modern: alldrogierend), zu leisten; schleichende Arbeitskraft-Opfer motivierende Vergiftung vor der tödlichen Dosis, dem Lebensopfer (wie im Krieg etc.).
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Beiläufig fiel schon der Ausdruck: Geldzauber (ordentlich säkular verrammelt und den Mirakelcharakter bis auf Null herunterspielend: Geldschöpfung): die kriterial vereinseitigte Transsubstantiation, wie gehabt, Wandlungswunder. Im Widerspruch der Inkarnation aktualisiert sich derselbe Widerspruch: die Indifferenz der absoluten Differenz selbst als solche, vorgezogen als Indifferenz der Rückkehr des Toten mit dem Nachtrag des vorausgehenden Tötens. Christus, säkular sodann zwischen heilig und verrucht, gewöhnlich, Geld, verdreht primär als Äquivalenzform, Zahlungsmittel. Und wenn er seine Kaufkraft, wie gehabt zurückgewonnen (durch die Ableitung von Besitzansprüchen, Erstehungsrechten aus dem vom Beginn ans Ende deplazierten Opfers), in die reinste Generösität, das Sichschenken als die industriellen Mutterleib-Substitute Brot und Wein, subvertiert, so spiegelt sich in dieser, wie man gerne möchte, einzigartigen Liebessubversion derselbe Schein des Opferdispenses wider wie in der besagten Unschuld dieses mißglückten Erlösers. Höchster Opferbetrug: die aus lauter Liebe versorgten Kinder Gottes, die Brüder (und Brüder) der Abendmahlrunde, mahlzeiten apotheotisch das reinste Gift und sind so Gott selber.
Aus der Wahrheit dieser Transsubstantiations-Wunderungen begründet sich - um den Beitrag des Christentums zur Tauschlogik zusammenzufassen - die peremptorische Nicht-Identität von Äquivalenz- und Wertform, Zahlung und Finanzierung etc.: die Prämienrückkunft des Toten in der Homogeneität des Todes kann nicht nicht maß-los sein (das wäre so etwas wie ein fundamentalökonomisches Grundgesetz); es ist eben je weniger, ja fast nichts, noch Nutriment zu sein (und dies gar für andere), als zu sterben und nicht mehr zu existieren; und weil solches weniger, ja fast nichts ist, ist es eben mehr, das meiste, Alles: so daß tatsächlich der Glaube und die gewöhnliche Logik, die eine, zusammenfallen. Was für den Tausch bedeutet, daß es ihn auf dieser Transsubstantiationsgrundlage schlechterdings nicht geben kann: weder als "gerechten Tausch" noch zumal als "unverdiente
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Begnadung" als dessen Transzendenz. Und was hieße, daß es schier nicht vergönnt sein kann, durch ein noch so humanitäres Mehrwertmanagement den Mehrwert als Binnenmotiv der Menschheitsentropie aufzulösen; wenn er nicht selber in Gänze fiele, so verdirbt jegliche Ausgleichsmaßnahme, zumal alle marxistischen (was man unterdessen wissen müßte), zu einem einzigen doublebind: faktische Perenneität des a priorischen Basisbetrugs (der Transsubstantiation), falsche Versprechung. Aber Christen sind (sind!) wir allzumal; und der Schein alles weiteren sentimentalistische Paranoia, Dasselbe; bis auf das, was ich aufklärend darüber hier ausgeführt habe aber nein mitnichten. Ich wollte zum Schluß seriös nur noch zum Ausdruck bringen, daß demnach Glaube und Wissenschaft nicht nur korrelieren, vielmehr modernerweise längst koindizieren; und insbesondere, daß auch diese meine philosophische Rede auf der Transsubstantiation beruht, auch wenn/wenngleich sie diese gnostisch aufzehrt in diesem nicht aufzuhaltenden Vorgang der Erkenntnis, deren Glashaut nimmer irgendwohin erlösend aufplatzt, wodurch ja auch nur dasselbe - die ganze Opferphantasmatik - emanzipiert würde, abermals. Allein, ich vermöchte solches nicht zu sagen, wenn ich das Gesagte sagend nicht aufschöbe. Wohin? Zugleich in sich selber heimisch zurück und anderswohin in Niemandsland; in beides hinein, nimmer seiend nichts.
Das Christentum, das ist die Mythologie des Kapitalismus/Bürgertums.
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