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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Von der Angst des Philosophen vor der Philosophie. Einige Überlegungen zu einer abweichenden Philosophiepropädeutik (Die Eule Nr. 8, 1982, Wuppertal/Düsseldorf, 36-69)
Statt einer Vorbemerkung
Die folgende authentische Eule... konnte nicht in einer...exogamen Toilette abgeladen werden. Und also flatterte das arme Vogeltier .... trächtig zwischen Bolz und Zons daher. Schließlich blieb nichts anderes übrig, als ihm wie immer ihr endogames .... Örtchen zu offerieren.
(nicht erschienen in: Wer hat Angst vor der Philosophie. Einführunq in die Philosophie, UTB 1145)
"Öffnen wir das Fenster, möchtest du? Man erstickt hier. Welch Unbehagen!
Es nicht sagen - laßt einen Verrückten eintreten - frisch, gesund, trotz allem Intelligenz."+
Lückenbüßer
Wer ist zum Philosophen geboren? Alle; nur daß es unvermeidlich scheint einzuräumen, daß nur bei verschwindend Wenigen im Dunkelfeld von frühesten und frühen (wie sagt man) biopsychosozialen Konfigurationen das entscheidende Malheur passiert, das den kleinen Protophilosophen später dann die Augen aufschlagen und, wenn es die Bahnung der Umstände will, reklamieren läßt, daß er ein solcher, jedenfalls seiner Mitgift nach, sei... Wie sehen eigentlich Kinder-, am besten sogleich Säuglingsbilder von künftigen Philosophen aus? Aber nein, Klein-Immanuel, Fritzchen, Martinlein als Wonneproppen (oder?) - wie geschmacklos. Die Publizität des Hominitätsstigmas spezifischer Versehrtheit bleibe da, wo sie unsichtbar hingehört: im reinen Familienalbum, dem Gedächtnis der Mutter oder später der
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der Tochter vielleicht, die da unchristlich für sich sprechen mögen: dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich - seinem Pferdefuß - mein Wohlgefallen habe. Philosophen = Poseidon-Kinder?
Versetzen wir den Pferdefuß an seinen rechten philosophischen Ort, den Kopf, damit es auch stimmt. Ernsthaft (also unter schwerster Nicht-Sinneinbuße) gesagt, gilt es also, die philosophiegenerative Beschädigung ausfindig zu machen; nimmer zwar therapeutisch, um sie zu heilen, doch um ihr die eigne verwundene Maßgeblichkeit gegen alle Versuchung philosophieheterogener Proliferationen kriterial gar zu retten; nimmer also so etwas Läppisches wie Philosophen-Psycho- und -Pathographie, die den hyperinquisitorischen Nachweis zu führen nicht müde werden könnte, Philosophie, just emphatisch, sei pubertär aufgemotzter Kinderkram (hei, wie sich die Logikbuben freuen!) 1); nein, totalisierende Aufschließung der Philosophiememoriatore, in der sich Infantilität als unverzichtbarste genealogische Zentralkategorie stark zu machen verstünde. Eia nunc, homuncio (vom Verf. unterstrichen), fuge paululum occupationes tuas,... 2)
Wenn nicht alles täuscht, betrifft das recherchierte unerfindlich oft von woher exakt rührende Trauma die hominitätsentscheidende memoria-Funktion selbst als solche im ganzen (so sprechen ja auch sehr zu Recht die Philosophen): die philosophiespezifische Organminderwertigkeit - sozusagen, die Philosophie, wenn sie sich als Objektivum abzutrennen imstande ist (nicht also selbstinvolutiv, anhaftend, schuldig, krankmachend verbleibt), kompensiert (und selbstmotivational überkompensiert) - sozusagen. Gut. Da es nun keine Metaphern geben kann, vollends undidaktisch demnach, zum apostrophierten Pferdefuß zurück. Ich behaupte: Keine Philosophie und entsprechend kein Philosoph (wobei diese "Entsprechung" ein weiteres philosophisches Problem!) ohne solche auf Hominität gesamtmemorial bestenfalls produktiv drückende residuale Tierheit im Kopf. Gewiß; doch dies als restlos aufgelassene Philosophie-Selbstgeburt (mit dem zugleich durchgestrichenen Selbst des genitivus absolutus) branchenüblich sprachversiert dartun zu sollen, sieht sich der verzwicktesten "Überdetermination" in diesen Totalverhältnissen gegenüber, die sich mitnichten durch blickfeste Standhaftigkeit lichten, die vielmehr unablässig das äugende vis-à-vis in einem mitbefallen. Gleichwohl schwindet die Hoffnung nicht - sie erfüllt sich hier und
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jetzt zugleich -, daß eben in der Blendung des inneren Auges, das wie das äußere nicht sieht, die Selbstsicht, Autoreflexion sich in der mortalen Heterogeneität solcher niedergeschriebenen Worte ausfällt und die Kontradiktion der Verbindung zum lebendigen Selbstteil am anderen Ufer permanent aufnimmt: und das besagte innere Sehen - immer auch schlecht ausgedrückt - ist vollbracht/vollbringt sich/wird sich vollbringen. Kurzum, wie wir es drehen und wenden, das mentalisierte Gott-sei-bei-uns-Mahnmal werden wir philosophisch überhaupt nimmer los, und diese Not ist die mögliche Tugend der Möglichkeit, sich damit ausholend gewährlos verbindlich zu befassen.
Menschlich ist es, der Pferdefuß, zuvörderst eh im Kopfe, dem nichtigen Überhaupt; memorial "eingebildet", und nicht umgekehrt ursprünglich in den Füßen, und dann erst ... ; aber dies nicht souverän, so daß die Umkehrung ebenso und zugleich, wie immer, gilt. Weiter (ohne Konsequenz): es ist nicht die weibs-nähernde Diaphanie des höchsten Vater-Gottes als ganzes Pferd, Präparation etwa einer fälligen Heldengeburt, vielmehr animalische Teilhypothek, auf einen einzigen Fuß eingegrenzt, an einem ursprünglich lichten, dann in den Abgrund gefallenen verräterischen Sohnes-Körper, der mit Hexen höchstens noch Monstren zeugt: der Hohn des himmlischen Vaters als Klotz am Bein, Erdenrest-Resistenz. Dieses als Abfolge - progredienter Weiblichkeitsreduktionismus - nennt man sodann nicht zuletzt Fortschritt der Vernunft. In der Tat: verfolgt man memorial das vorgestellte mythisch-imaginäre Realgedächtnis von Tierheit, so stellt sich eben diese Verschiebung, diachronisch lesbar als der Gewaltprogreß des Christentums, als kriterial heraus: Huffragment des Pferdekörperganzen, so etwas wie eine Fetischtranszendentalie, und, als sei es des Gedächtnisses immer noch zuviel, dem Tageslicht entzogen, unter der Erde, nächtlicher Spuk. Seitdem Gott Mensch geworden ist als Menschensohn, ganz Mensch und ganz Gott (die Unsterblichkeit der Seele), und seitdem dies - seit dem großen christlichen Reinemachen in Europa, dem Hexenmartyrium - so recht zum irrbürgerlichen Auftrag des neuen Himmels und der neuen Erde sich aufschwang, gilt diese schöne Verirrung, vernünftig überaus: nicht mehr kommt der allmächtige Vater als Tierleib hernieder, um sodomistisch Hingabeverführung ganz körperlich und herrschaftskonstitutiv auszubreiten, nein, über den angelus dringt sein Geistwort jetzt ins Ohr der emfangenden Frau, und der Heilig-Geist-"Schematismus" (Kant)
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dieses Wunders - daß solche fruchtende Kontiguität des Heterogenen möglich sei - verflüchtigt sich ins nichtige Überhaupt, Gedächtnis rein als solches, bildlos, bar des Tiers(Weibs/ Kinds)gesichts oder auch nur des Pferdefußes. Undenkbar christlich auch, daß der allmächtige Vater sich nicht eine bleibende Jungfrau zur Himmelsbraut erwählte, die er folgerichtiger - und auch peinlicherweise im Spätkapitalismus just zur rechten Zeit, bald nämlich nach Hiroshima, leiblich in seine Wohnungen aufnimmt. Und der Sprößling schließlich, Heros, Lichtsohn, inzeststigmatisiert? Christlich mußte er es zu Wege bringen, die Spuren dieser seiner Provenienz gänzlich zu verwischen, nachdem er den Teufel (die Versuchung Christi) streng paranoisch diskriminierte, sprich: selbst den residualen Pferdefuß, das Mahnmal seiner schmählichen Geschichtlichkeit, ins nichtige Überhaupt diesmal der großen Liquidationspotenz des Opfers der Arbeitskraft (der Weiblichkeit) hinein aufzulösen: Sühnetod, Erlösung - die große Sichtlücke, das weiße Blatt, längst indessen seinseingebildet, realisiert, Delir der Entfaltung der Produktivkräfte, Hiroshima mon amour: Jungfrau-Mutter-Maria leiblich also im Himmel.
Gibt es einen zwingenderen Beleg dafür, daß der Mythos - hier der eh schon avanciert christliche - selbst schon Aufklärung sei, und die Aufklärung - etwa die (christlich) bürgerlich fortgeschrittene, die diesen ganzen systematischen Wust des Imaginären ins Herz des Seins hineintreibt: Ontologiedinge, Hominitätsrealien, mutterlos geborene Mutter restlos als Mortalität des tötenden Todes erschafft - und die Aufklärung nichts denn also mythisch verblieben? Man muß schon zur Mythenfolklore (durchaus die moderne wie science fiction) hinabgehen, um die reklamierten Risse wenigstens in der blankgescheurten Glätte der großen ratio zu gewahren oder (wenngleich nicht kulturbewußt a fortiori) sich dem Zug der bürgerlichen Selbstdemütigungen, dem Darwinismus, der Psychoanalyse, der Gespensterzitation von Tierheit/Weiblichkeit/Kindheit aus dem zubetonierten Abgrund jedenfalls bis zu dem Punkte anvertrauen (und dann aber ob der Dialektik der Aufklärung mit aller Macht und schleunigst fliehen), wo der größere Sieg durch Niederlage faschistisch oder rein wissenschaftlich oder sonstwie seine Feier vorzubereiten beginnt. All diese guten Anmahnungen aber so selten leicht vergeßbarer philosophischer Genealogiefiguren wie der "Dialektik der
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Aufklärung" bleiben solchermaßen nobelhistoristisch in der pseudodisponiblen Arbitrarität von Nachträglichkeit, immer-wieder-noch-Anamnesis, den Tod ständig vor sich herschiebend, Produktion protrahierend, eingesperrt; und also geht genealogische Philosophie, selbst wenn in ihr der Pferdefuß erschiene, und das kann er wohl, nicht über Eingedenkenstalmi, Guckkastensichtungen hinaus. Anderes also muß methodologisch oder besser: mystagogisch passieren: einreißen muß der genitivus absolutus der Disposition des nichtigen Überhaupt der Memorialität - Anmaßung, Absturz, Hervorgang, Rückverbindung, wie immer, und darauf kommen wir immer wieder zurück. Dann auch exponierte sich der Pferdefuß nicht mehr scheinverfügt anamnestisch aus dem kreißenden Lichtdunkel des inneren Überhaupt der memoria, setzte auf der Steppe des weißen Papiers mit seinem Schriftritt an. 3)
Welch seltsam Ding, der Pferdefuß mitsamt seinen Schreibinstrumenten-Sublimaten. Was wissen wir schon davon? Imponierend zunächst die un-menschliche (menschlich ansonsten höchstens rudimentäre - Haare, Nägel, Hornhaut -) Verwachsung von (proto)prothetischer Mortalität und korporeller Fühlbarkeit, absolut differentem Cogitionalem; Kontamination - wie der Abstoß der "Wunschmaschine" durch den "organlosen Körper" als beider Verklebung -, die, indem der "Tod, der von innen aufzieht (im organlosen Körper)", sich nicht verwandelt "in den Tod, der von außen eintritt (auf dem organlosen Körper)" 4): (nicht) der ordentlich beschuht einhergehende Mensch, die Schusterzunft zunichte macht und in der produktiven Inversion der Krankheitsparade Schuhfetischismus auf den Pferdefuß-Verwachsungsmangel zugleich generiert (die Affinität von Schuhmacherei und Mystik!) - dieser, das immerwährende Hominitätsmotiv, Fortbewegung betreffend.
Ferner, unverhohlen und unverhüllt - auch das geringste Unbewußte daran muß gewaltsam gemacht werden! -, ist diese Metapher (Verdichtung) in einem metonymal: Verschiebung nämlich geburtslos permanenter Schwangerschaftsphantasmatik in die untere Motilität. Klar? Die Motilitätsmetonymie aber löst die Schwangerschaftsmetaphorik, diesen Eros-Thanatoskollaps ineinander, mitnichten auf; Schuh usw. -Geburt, Phallifikation, Opfer des Mutterleibs, dessen maschinelle Mortalisierung mißglücken weiterhin zwar direkt, doch immerhin: ein Pferdefuß, diese Gehbehinderung, macht noch keine Paralyse.
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In der Metonymie also bleibt die Metapher entsprechend eingeschränkt produktiv oder: der Teufel, der sich noch zu helfen weiß. Fehlt dann bloß noch, möchte man meinen, das forcement der Geist(nach)geburt am Verschiebungsorte: der laufkranke, fußverstümmelte verteufelte arme Sohn, der, zum Transportmutterleib/Pferd/Schuh/Auto etc. transfiguriert, sich zugleich, absolut different, darauf schwingt und herrschaftlich davonjagt über die Erde hinweg....
An solchen freilich gänzlich filial gedachten/existierten und freilich synchronischen Hominisationsstellen der Hominitätsbewährunq werden die Mythenassoziationen unmäßig: Pferdekreator Poseidon, Hephaistos, Ödipus...5)
"Der Mann ist der Passagier der Frau, nicht nur bei seiner Geburt, sondern auch in den sexuellen Beziehungen. Von daher das Verbot des Inzests als eines Teufelskreises oder vielmehr einer Teufelsreise. ... In diesem Sinne ist die Frau das erste Transportmittel der Gattung, ihr erstes Fahrzeug. Das zweite wäre das Reittier, die rätselhafte Koppelung ungleicher Körper, die zur gemeinsamen Reise oder Wanderung gepaart werden. Die metabolischen Fahrzeuge, ob Last-, Reit- oder Zugtiere, können somit als die exemplarischen Resultate einer verachteten Zoophilie gelten, die mit der Verwerfung der tierischen Rohheit vergessen worden ist. In den Ursprüngen der Zähmung kommt die Frau noch vor dem gezüchteten und gepflegten Tier. Sie ist die erste Form von Ökonomie, in der sich noch vor der Sklavenhaltung und vor der Tierzucht die Bewegung abzeichnet, die zu den Hirtengesellschaften, zu patriarchalischen, über die ursprünglichen Jagdgründe hinaus auf den Krieg ausgerichteten Gesellschaften führen wird." (6)
Nomadenregression als ultimativer Rückhalt, überhaupt noch gnostische Auflassungen der ehernen Gedächtnistore von Menschheit, riskant die Schuldbilanz des Abendlandes perturbierend, mental durchaus politisch zu vollbringen? Und doch nur dazu befähigt, weil es bis dahin gekommen ist? 7)
Nun sind wir aber seßhaft, sitzen ja buchstäblich, wie die Träumer a fortiori liegen und auf den vier Buchstaben. 8) Und der Rückschlag des schweifenden Ritts ins überhaupt retour als Wiederveräußerunqsfortschritt der Gewalt des Inskriptionswesens - so etwas wie ein wie immer dialektischer Sieg von Schwangerschaft und Kindheit - restiert als arbeitsteilig-ridiküle Überhauptnische von Philosophie, die ihre Überhauptinflationierung zeitgemäß durchweg eskamotiert in die reinste Selbstadministration hinein: Drachen (epileptoide Bauherrn-Pißriesen weiland), die auf dem Gedankenhort historistisch
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sitzen. "Ich lieg und besitze! - / laß mich schlafen!" Jung-Siegfried aber, jetzt mit Brille freilich, bewährte sich nicht abermals als Drachentöter nur dann, wenn der Nomadenkontrapunkt seiner Philosophieschreibe das Unmaß der restlosesten Transparenz ihrer selbst mitaufbrächte - noch sind ja, was aber kommen können wird, die Philosophenhirne nicht direkt an den philosophischen Weltsichtschirm angeschlossen, nicht schreiben sich die Gedanken, derart publik, instantan und immerwährend nieder, vielmehr bleiben die Intermedien der Schriftlichkeit recht obsolet außerdem als monita einschlägigen Werdens erhalten (wenngleich, mit ein bißchen Hoffnung gedacht, solche science-fiction-Vollendung der Memorialitäsprothetik von Schrift das Werden, deren Geschichte, allererst emanzipiert, doch nach Hause brächte: nicht mehr angewiesen wäre auf die historische Verweisungsvalenz eines Instrumentariums, das sich eben in dieser Wertigkeit zugleich hart zu verschließen pflegt?) 9) Die (Wieder)geburt des Philosophen also: Schreibe der Schreibe, Schrift der Schrift, Aufzeichnung selber, eingestürzt in Selbsthervorbringung, die sich in einem selber restlos aufzehrt; unendliche Flucht von Tod und Leben (Eltern und Kind, Mann und Frau) als unendlicher Kollaps von beiden ineinander am Ort der Überhaupt-memoria, jedwedes weilendes Zentrum der - allseitig beliebten - Subjektivität selbst-einführend als transitorische Motivblockade anamnestischen Gebarens, das Eigenstolpern, Suspens der segregativen/bijektiven (vs. monadischen/polyvoken) Konjunktion des Anti-Ödipus: das also war es, das also bin ich, Rißerhalt in diesem Nachhall, die unauffüllbare Lücke jeweils dann in der Textur selbst.
"Der Platz des Subjekts ist ein Loch... Gewiß; aber ein Loch ist doch nichts anderes als das Nichts vom Übrigen, und das übrige ist das, was zählt!" (10)
Nochmals und schrittweise jetzt und gebührend lokalisiert: hypostasiert anamnestisch (Ausbreitung verstellter Konsumtionsperemptorik von Nachträglichkeit über alles und jegliches: das also war es usw.) inflationiert das Schriftgehirn (Überhaupt-memoria), indem es blind/verhungert/gierig den rechten Arm lähmt, Schreibkrämpfe produziert, die Autotomie des Schreibinstruments und des Papiers verhindert; quid pro quo von Hand sowie Griffel und Papier, dessen a priori besudelte Unschuld. Und wehe, wenn dies falsche Todesding einherzuwandeln beginnt - was es permanent freilich tut.
Transitorisch anamnestisch dagegen läuft das Schreibgehirn über
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Arme/Hände und den Einschnitt von Schreibgerät einerseits und der Papierfläche andererseits aus: Schrift der Schrift, die Ausschabung des Unbewußten, Philosophie als das exekutierte Spiegelbild der Memorialität, deren Geburt ohne Weile. Richtet sich nämlich hier Anamnestik post festum ein, so kann der stolze Hinblick auf das Opus, nachträgliche Totalisierunq des Eingedenkens, mitnichten verhindern, daß solche Subjektivität sich gänzlich unerkannt diskriminiert in solche Selbstfeier einerseits und in die Entbindung von Destruktion über die Eigenerkrankung (Schreibkrampf) hinweg andererseits. Alles käme philosophisch darauf an, eben diese idealistische Ganzherzigkeit von Pseudophilosophie zu quittieren. Wenn schon sodann am einschlägigen Ort der Gedächtnistotale Näherung des höchsten Gottes und Tierabsturz (ja mehr noch: Liquidisierung - bis ins poseidonlose Meer zurück) zugleich: Philosophie als der Lückenbüßer ihrer selbst als ihrer Absenz, die rückläufig in ihrer Selbsterfüllung als ganze ebenso Platz greift wie diese, ihr Widerpart.
Was ich philosophiepropädeutisch - abweichend vielleicht, denn das ist nicht so sicher ausgemacht, wie es scheint, wenn man die Durchdringung der "Organisations-" von den "Konsistenzplänen" mitbedenkt 11) - zu propagieren suche, das wäre fürs erste als Rigorismus philosophischer Selbstinitiation zu bezeichnen; und dessen kann ich schon gewiß sein, daß die initiale Severität solcher Prozesse jegliches professorales Prüfungsgebaren, durch dessen Beherrschung man ja allererst zum lieben Kollegen zu avancieren pflegt, en gros und en detail, vom philosophiehistoristischen Bildungsquiz bis zur indolenten Logistikklausur, gleichwie, zu blühender Läppischkeit, diesem großen Unheil von Gewalt, degradiert. Militärische Bedürfnisse mögen unterkommen, wo sie schmählicherweise vorgesehen sind; sonst nämlich - das kennt man doch - repetieren die Pseudophilosophen-Pseudo(wieder)geburten nichts anderes denn das Substrat "unterworfener (vs. Subjekt-)Gruppen" (Guattari): Denkjuntapotentiale, die Hochschule als hohe Militärschule der Nation. 12)
"Die militante Initiation (sc. Selbstinitiation) ist die Bejahung der Endlichkeit jedes menschlichen Unternehmens, das Fehlen jeder transzendentalen Garantie, der Tod Gottes an Stelle des Schuldgefühle weckenden Todes des Vaters und seiner Kastrationsdrohungen in der ödipalen Initiation." (13)
Wie aber selbstinitiativ in philosophischen "Subjektgruppen"
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prozedieren? Durchaus so, wie eben kundgetan - oder waren dies nur alberne Scherze?
- der Philosophieinitiant betrachtet eigene Babybilder, in der Erwartung, daß der Wunsch der Schrift der Schrift, das "Drängen des Buchstabens im Unbewußten" ebendahin 14), ihn überkomme. Das untrüglichste Zeichen aber seiner Ankunft, so wie bei jeglichem Gotte: Aufzug der finsteren Nacht der Skripturalität, Paralyse, Entbehrung, kurz: Schreibkrampf oder besser: kurz davor.
- Hier schon gäbe es mit dem verbleibenden Hadesbewußtsein Chancen einer allerersten Negativ-Individualisierung: wo liegt der dominante Blockadepunkt im quid pro quo von Leben und Tod als Hirn/Arm/Hand//Griffel/Papier-Klumpatsch?
- Man wird die entsprechenden autotomischen Diskriminationen (außerdem immer nach der Maßgabe der philosophienotorischen aristotelischen vier causae) - Schriftspiegel-Selbstgeburt des Philosophen - nimmer forcieren können. Auch wer sich initiationsgemäß eingelassen hat und nicht mit dem üblichen notwendig dann repressiven Philosophielarifari a priori ausweicht, kann peremptorisch auf der Strecke bleiben: Irrtum, nimmer ausgeschlossen! Mit Produktionsausflüchten quasi symptomatisch-kranker Philosophiegedanken gleich an welchem Blockadeort sollte man aber dann nur sympathisieren dürfen, wenn Aussicht besteht, solche Ausbuchtungen in die Fortsetzung des geraderen Initiationsganges wieder aufzunehmen. Sonst nämlich reproduziert sich bloß die eh grassierende Bescherung, daß solche, wenns hoch kommt viertel- oder halbgeborenen, Philosophen sich zu den ärgsten Widersachern philosophischer Ganzgeburten organisieren.
- Gesetzt den Fall nun, eine Schriftselbstspiegelung-Philosophieerstqeburt gelänge, so kommen die besonders tückischen Klippen der post-festum-Gedankenkorruption auf, zentriert um den ganzen üblicherweise gut idealistisch hypostasierten Illusionismus der Spiegelbild-Jubilatorik. 15) Gut, ein Augenblick des spirituellen Mutterqlücks sei vergönnt; sogleich bedarf es aber der härtesten Wehr gegen die anamnestische Verzehrskonjunktion,die Auferstehung der eitlen Subjektivität. Bevor sich dieser debile Kleingott sonntäglich wohlgefällig von seiner Schöpfung auszuruhen beginnt, treibe ihn jemand, und sei es gar nur aus Neid, in die erfolgreich geschöpfte Textur als deren Lücken, Löcher, Abgründe zurück, damit die Schrift verschlingende Nacht des Gotts der Schrift wieder
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herabkomme... und a fortiori die akademische Konkurrenzmaschine ersterbe, diese große Edukation des Menschen zu einem auskotzenden Staatsanwaltbaby. Ich, Selbst, Subjekt - der Erzfeind von Individualität.
"Ja, mein Lieber, du hast ganz recht: wenn man mich ließe, mehr noch als man mich läßt, ja, dann fänden der Philosophiepluralismus und die Ausgewogenheit und all diese schönen Kraken in unserem qeliebten Fach ihr jähes Ende; und die Reihen der Philosophen, der gegenwärtigen und künftigen, lichteten sich in einem unvorstellbaren Ausmaße fast auf Null." - "Eiserner Besen des Hypergeneralissimus, eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt...." (Weit gefehlt.)
Freilich, dies war nur eine philosophiepropädeutische Skizze der Konstitution philosophischer Subjektgruppen respektive strikter Autoinitiation, die der weiteren didaktischen Operationalisierunq ebenso bedürfte wie, was gänzlich dasselbe wäre, des Abwurfs der einschlägigen Philosophiesujets, betreffend die Schrift der Schrift. Derzeit privilegiert wären als solche themata die Selbstarchäologie von Schriftlichkeit etwa im Ausgang von jener seltsamen Pseudovisualität von Schrift 16) und auch en gros die adaptiven Funktionalismen (die alte gesellschaftliche Relevanz) dieser ultimativen Hominitätsverrücktheit namens Philosophie: nomadenträumend seßhaft landnehmend den Acker bestellend - überhaupt und also umso arbeitsteilig fragmentierter, die Obligation besonderer Metonymal-Toilette der rechten oberen Körperhälfte von Fluß und Riß der Metaphernauflösung Kopf (wo eigentlich liegt das Schriftzentrum im Gehirn?) rechter Arm Hand Griffel Blatt
"Produzieren heißt entnehmen, abtrennen, 'zurückbleiben', und darin: die realen Operationen des Wunsches ausführen." 17)
Wie die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter
Jemandem einen reinwürgen. (Tooooor!) Die bedrohte Integrität des Selbst. Selbst Starphilosophen verdienen viel viel weniger als Spitzenfußballer. Mit unserem gnostischen Galimathias schwinden auch die Bankgeheimnisse der Philosophen dahin.
Jedenfalls ist Fußball ja das Sublimat eines Nach-Jagdrituals:
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nicht mehr grausames Spiel mit dem toten Wild, Verteilungshickhack, in-Sicherheit-bringen, soziale Aneignung, Prototausch der Jagdbeute. Welch drastische Demonstrationschancen wiederum, betreffend den Fortschritt der Vernunft: die Beutedeponie jenseits der Feindesbezirksgrenze letztendlich als elektronische Torzahl-Verhältnis-Anzeige; oder auch dieses Mirakel: das tote Jagdopfer, als Ball von den Toten auferstanden, hoppla, wie es hüpft und springt; und das Ganze freilich als Spiel-Massenästhetik einschlägiger Vorzeitreminiszenz. Und jedenfalls imponiert immanent der ultimative Wehrposten - die männlichen Affenmutterarme des Tormanns später dann - als prekärster Traumatikort, zumal wenn das Gottesgericht des Strafelfmeters, Gefahr des Racheeinbruchs des toten Jagdopfers, ansteht, die Selbstwahrung als solche. 18)
Wenn ich meinen Sinnen recht trauen darf, so benimmt sich das gros der mir bekannten Philosophen wie der Tormann im Witz: er betoniert sein Tor zu und haut laut schimpfend ab. Philosophieangemessen umgeschrieben, den Spielfeldtumult seßhaft wieder nach innen genommen, imaginiert: die Fachbürokratie gestattet sich das Dauerpräjudiz, gar in dieser ja so schon posthumen Tauschsphäre selbst den authentischsten Alteritätsanspruch zu paranoisieren und entsprechend als Vorwand zu benutzen, die poröse Haut des Selbst zum fühllos undurchdringlichen Schuppenpanzer zu verhärten und gar den ganzen Selbst-Körper dahin aufzulösen: katatone Selbst-Klötze, todesusurpatorisch todbringend, die Jungschar unserer ansehnlichen Denkhygieniker mit dem Satz vom zu vermeidenden Widerspruch im Tornister. Kein Mitleid bitte, auch wenn es die Philosophen als Gesamtmemoria-Wächter des nichtigen Uberhaupt ebenso schwer haben wie die Tormänner im Fußball, auch und gerade im "Tausch".
Mein weiteres Interesse kann nun aber nicht dahingehen, mit soteriologischer Inquisitionsgebärde Gericht zu halten über die Philosophie meiner näheren Umgebung, nein, ich wehre mich bloß, um die kollegialen Tagalben, die mir die Geistluft wegdrücken, abzuwerfen. Auch müßte ja die intime Bürokratiemiserequal der Philosophie denen am meisten bekannt sein, die sie zu betreiben nicht unterlassen können? (Aber auch die feste Klammer der betreffenden Lustkathexe?) Ich mache es deshalb auf dieser selbst ja so noch geteilten pseudologischen Ebene philosophischer Autonomie kurz, um überzuleiten zu
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einer Kritikform sich verfehlender Philosophie, die solche subjektivistische Kasernierung aufzusprengen imstande wäre. Die neo-neo-neo-neo-neo-historistische Philosophieadministration läßt sich am angemessensten etwa mit dem Schlagerwesen vergleichen, das die ganze Erde lückenlos unablässig - die große magische Schutzschicht der Ätherklänge gegen die früheste Materialität: welch ein Vorbild! - überzieht. Eingedenken des Eingedenkens des Eingedenkens des..., anamnestische Selbstentrückung bis zur Unkenntlichkeit, Selbstaufgang in diesem natürlichen Platonismus, Substitution aller Fühlung durch Nachträglichkeitssentiment-Nachhall: der zählebigste Modus, bürgerlicher Idealismus, den fruchtbaren Tod anzumaßen, diesen alteritätsgereinigten Anmaßungsraum auszufüllen mit dem ständigen quid pro quo der absoluten Alterität von Eros und Thanatos, cogito und Maschine, und diese falsche Indifferenz als Ursprungsgehaltlichkeit derart zu totalisieren, daß die fühllos mortale Medialität dieser exklusiven Reminiszenz vergessen ist. 19) Immerhin, das Schlagerwesen realisiert dies letztere weitestgehend wenigstens maschinell. Akademisch aber gebären sich hier die Heere selbsternannter Mittler-, Botengeneräle, die Ubiquität des geisteswissenschaftlich historistischen Hermeneutikwesens, die in ihrer personalen Resubstitution eo ipso strukturell (vs. gesinnungsmäßig) faschistoid und bildungsterroristisch ausfallen muß: Historismus, die große Ratio-Expansion auch in die Zeit (Vergangenheit) hinein, als die Erziehungsanstalt der besonderen geistesakademischen Wahl. Man lasse sich hier durch modernistische Tupfer, wie Rock-Adaptationen in Schlagermusik etwa, nicht düpieren; versuche aber auch nicht, sich damit zu trösten, daß der parasitär-pseudozirkulative Bürokratieschwellkopf der Geisteswissenschaften, dies Delir der Kantschen Bestimmungen des Schönen, an der eignen galoppierenden Verwahrlosung, dem am schattenlosen Mittag ausgebreitetsten Schatten des einschlägigen Mental-Militarismus, zugrunde gehe. (Hermes ist doch auch der Gott der Diebe.) Deleuze schreibt, ein wenig hoffnungsvoll sogar, dazu:
"Ich gehöre zu einer Generation, einer der letzten Generationen, die man mehr oder weniger ermordet hat mit der Geschichte der Philosophie. Die Geschichte der Philosophie spielt in der Philosophie eine offensichtlich repressive Rolle. Sie ist der eigentliche philosophische Ödipus: 'Du wirst auf keinen Fall wagen, in Deinem Namen zu reden, wenn Du nicht dies oder jenes gelesen hast, und jenes über dieses und dies über jenes.' ... Aber vor allem war meine Art, mich dieser Epoche (sc. der rationalistischen bürgerlichen Aufklärung,
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Kant, Hegel) zu entziehen, glaube ich, die Geschichte der Philosophie als eine Art Arschfick zu verstehen, oder was auf dasselbe hinausläuft: unbefleckte Empfängnis. Ich stellte mir vor, hinter den Rücken eines Autors zu gelangen und ihm ein Kind zu machen, das sein eigenes und trotzdem monstruös wäre. Es ist sehr wichtig, daß es sein eigenes ist, weil es nötig ist, daß der Autor all das sagt, was ich ihn sagen lasse. Aber es war auch wichtig, daß das Kind monstruös ist, weil er alle Arten von Dezentrierung - Gleitbewegungen, Brüche, geheime Absonderungen - durchlaufen mußte, die mir beliebten." 20)
Die andere Seite, auch wenn ich nicht daher komme, übersehe ich nun freilich nicht: die höhere Anschmiegsamkeit der Philosophie an die härteren Wissenschaften, Wunschtraum oft der ärgsten Matschköpfe nach peremptorischer Stabilitätserborgung, die wissenschaftstheoretische Nachkriegswende, nachdem... Leider trügt der initiale Schein effektiver Beseitigung der Höllenmaschine der Nachträglichkeit beträchtlich. Denn, wird "hermeneutisch" in der Totalisierung der Reminiszenzgehaltlichkeit deren mortale Medialität vergessen, so in der neupositivistischen analytischen "Philosophie" vis à vis dies Vergessene umgekehrt bloß ebenso bruchlos inflationiert: dasselbe am anderen Ende also mit der Folge aufwendiger Scheingefechte. Und es ist dann letztlich auch wurscht, von welchem dieser Moloche, von der Fachhistorie oder von der mathematischen Logik, die gute arme Philosophie mit Stumpf und Stiel verschlungen wird. Guten Appetit! Vor allem aber darf es keinen exkrementalen Rückstand mehr geben. Und dabei wären diese beiden allerhöchstens doch geharnischte Türhüter. 21)
Wie hier nicht hinaus-, sondern sich hineinfinden? Philosophie als Schleudersitz inwegsam in die Objektivität retour, Ding-Ekstatik wie gehabt, keineswegs zwar assoziativ, vom Hölzchen aufs Stöckchen, vs. diskursiv. Seltsam, wie kann der Dis-kurs, das Zerlaufen, ultimative Notbremse gegen sich selbst und soooooo ordentlich sein? Welche Anarchie als letzter polizeilicher Blödsinn.... Gleich welcher der identischen Himmelsstandpunkte subjektivitätsgerechter Ataraxie auch eingenommen sei, die märchenhafte Fühllosigkeit des es-war-einmal oder die kahlere der Leidenschaft für den Guckkasten, den Bilderrahmen, das Buch selbst als solches, jedenfalls versammelt sich unter dieser Höhenpositionierung das kosmische Pulverfaß der zeitgemäßen Großataraxie, reinste Ausdenkbarkeit, bar der Rückbindungschance von cogito, daß nämlich, laut dpa auf jeden
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Menschen in der Welt vier Millionen Tonnen TNT (Sprengstoff) warten (warten?). Der vollbrachte, Ding-gewordene bürgerliche Idealismus. Das Philosophieverhältnis zu diesem grandiosen Selbstvorbild wäre demnach das von Proto-Krankheit en gros: Pseudologie der Selbst-Initiation, verschrecktes nach-Hause-Bringen der Unfühlbarkeit des voll realisierten Makrounheils, Mimikry der Herrschaft, Blindheit der abtreibenden subjektivistischen Reflexion. Es ist dies das hypostasierte und ausgebaute Vorstadium von Pathologie, sofern - so könnte man abkürzend sprechen - die Subjektabdrift eben nicht im Negativ von Individualität, dem schuldhaften Schmerz und seinen Aufsätzen an nicht-initiierter "Privatsprachlichkeit", -produktion, dem Krankheitsinbegriff, ankommt, vielmehr weit vorher, außerdem kollektivierend, gruppenbildend 22), sich subjektivitätsparasitär festmacht am Herrschaftswesen der assimilierten Ataraxie, der brutalen Läppischkeit des angemaßten Todes, von woher dann notorisch die sauberste, anständigste, verständlichste, anerkannteste Gedankenschmiere konsensbefähigt und hierarchieversiert ihren Ursprung nimmt. Keine Bange demnach um das Abendland, solange die Überhauptverwaltung Philosophie nicht Uberbau der ökonomischen Basis, vielmehr unserer atomaren Sprengsätze in Sonderheit ist. So nämlich - in dieser Spiegelungs-Spiegelung blinder Spiegel - verhindert sie polizeigewaltig die Unmöglichkeit, diesem absolutest Andersten des herabgekommensten Einsten Gottes Fratzen zu schneiden dergestalt, daß diese weder an den Menschkörpern todbringend verhärten noch aber Logistik und/oder Philosophiehistorie autotomistisch subjektivitätskonstitutiv abwerfen; daß diese vielmehr, ja, aber das ist wohl nicht mehr möglich, diesen lieben Gott wieder in den alten Himmel zurückjagen; denn fratzenbuntbemalte Raketenostereierchen reichen doch nicht hin, auch nicht mit dem wüstesten Graffiti darauf nicht, so wie wir dieses hier fabrizieren? Oder doch? Ich weiß es nicht, weiß aber nichts anderes, und also lautet meine gesittete These: zeitgemäße Philosophie, das wäre Atomwaffen (u.ä.)-Graffiti: 23)
Wenn es aber nun schon zu spät geworden ist, die ganze Wahrheit aus dem leeren überhaupt heraus kongenial auf diesen großen Gott zu schreiben; wenn die Chancen null und nichtig sind, den tötenden vom schaffenden Tode, diese Trostdoublette unseres absoluten Herrn, überhaupt noch diskriminieren zu können; wenn die Spur der Schrift der Schrift sich a priori auflöst im Angesicht dieses letzten
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nur-noch-Gottes, längst außerdem vor Derridas schönstem (subjektivitätsresidualem?) Sentiment:
"Sich gegen den Himmel erhebend, ist sie (sc. die gefallene Stimme - im Labyrinth) die Spur des Ikarus ... im Gegensatz zu dem, was unser Begehren nicht zu glauben nicht versucht sein kann, entzieht sich das Ding unausgesetzt ... vermag 'der Blick' nicht zu 'dauern'." 24)
Was soll dann noch diese unmögliche Philosophie, Lächerlichkeit einer neustoizistischen Gebärde von Wissensresistenz, wenigstens trutzig ergeben sehenden Auges untergehn zu können? In solchen Sinnreklamationen fragt man den nicht-mehr-Sinn des eigenen Tuns allzu leicht freilich zu ... Es bleibt hei der ganzen Unmöglichkeit dieses Überhaupt-Denkunterfangens, ohne Abstriche. Allein, dieser Selbstwiderspriach als Absprenqunq der nichtigen Liederlichkeit der praktizierten Gottestätowierunq gibt das apokalyptische ultimatum ein: die Sicht der reinsten Hermetik dieser uns allein geläufigen grandiosen Selbstreferenz, purste Hominitätsimmanenz, der restlos herabgekommene Gott der Welt eben dieses Menschen, weiter nichts als alles auch erdenkliche Mögliche. Mögen sich hier auch die gebührlichen Trostverdikte aufdrängen: daß es bis dahin kommen müsse, um...; daß - ja wer sagts denn - daß der Kern des abendländischen Übels (die Großkolonie jenseits des einen großen Initiationswassers insbesondere inklusive) just das Säkularismusdelir sei, unfrei nach H.E. Richters "Gotteskomplex" etwa, deren Diagnose sich anderswo dann bestens verträgt mit dem Enthusiasmus der Beiwohnung der Luftniederkunft des Heiligen Vaters Woityla im Weibsrock (ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt); dergleichen aber an Hypereingedenken letztlich kann ich nicht meinen, wohl aber daß im Atomwaffen-Graffiti die durchaus hoffnungslose apokalyptische Rede durchaus beschlossen liegt.
"Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst..., daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei." 0 weh. "Man erkennt die Technik dieser Aussagen: die Metapher (im Kontext: die Kopernikusmetapher) liefert nur das formale Restschema überlieferter Systemstellen, deren Differenzierung durch die identische Umbetzung ad absurdum geführt wird." 25)
Wohlan. Es genügt schier aber nicht, die Unvollziehbarkeit solcher Letztmetaphern philosophieautonomistisch und aus unausgemachtem Pseudoabstand heraus zu bemerken (oder gar im Rahmen solcher Edelkasernierungen zu kritisieren), nein, eben solche metaphysisch-metaphorischen Absurditäten sind - und an solchem Vindikationsausfall
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krankt sich die Philosophie sicher zu Tode - die stärksten objektivitätsekstatischen Signale, Wegweiser. Kurzum: Wenn Marx solche Widersinnigkeiten denkt, so sind diese objektiv in den Produktivktäften wie in den Produktionsverhältnissen instantan im Busch (und als die Fülle der Zeiten abermals wie zu Hiroshima kam, da traten sie als solche vollends realisiert hervor). Frei nach dem Anti-Ödipus etwa auf Seite 354, ist es offenkundig, daß nicht weniger dieser Marxsche Wahn diesen ausgezeichneten Charakter nicht aufweist, nämlich Besetzung des gesellschaftlichen Felds insgesamt und im vorhinein zu sein, und nicht ursprünglich ökonomisch-politisch ist, bevor ihn allerspätestens die philosophiehistorische Mühle, und sei sie auch die allernobelste, zermalmt. Wenn man mit Marx überhaupt noch etwas im Sinn haben könnte, so eben so: seine in der Anlage ja schon objektivitätsekstatische Philosophie - das integrale Delir der Emanzipation des Bürgertums. Die paranoische Reflexverstrickung (Gedankenblockade der mit Blumenberq apostrophierten Metaphernabsurdität) sucht aber völlig vergeblich (und immer mehr vergeblich zudem gemacht) da zu enden, wo der Schizophrenisierungswechsel im Sinne des Anti-Ödipus zur kommunistischen Utopie, zum fernen Geschichtstelos also, degeneriert und die entsprechende Pseudologie der Schuld-Unschuld-Diskrimination in Produktionsverhältnissee vs. Produktivkräfte sowie die Ernennung der Proleten zum Subjektivitäts-Gruppenträger der vertagten Revolution einsetzt. Dies alles hält den offiziellen Bürgerwahn als Fortsetzung des Idealismus mit anderen Mitteln nicht auf, im Gegenteil. Nein, alles käme darauf an, die Objektivitätslotsen-Valenzen der Metaphysikdelirien nicht nur historisch (vertikal wie horizontal) zu nutzen, diese vielmehr dieser Ekstatik wegen synchronisch induzieren zu lernen. Und unvermeidlich würde es in einer solchen Propädeutik, die mit dem Schwersten beginnt, experimentelle Schrift-Krankheiten nach dem Vorbild der die Memorialität befallenden Psychosen hervorzurufen, um die Gedächtnistore im Menschding-Objektiven initial aufzustoßen, offenzuhalten. Auf, Philosophen, zu dieser subtil gehaßten und bestraften scheinbaren Gesellschaftsmarginalie, hinein in die Anstaltsmauern, wo das Abendland allein noch verheerend aus der Schule plaudern könnte, wenn das Mirakel der Expansion der Betonmauern dies verruchte Arkanum fortschreitend nicht erstickte insbesondere dann, wenn man sich des also gemordeten Wissens platonisch großzügig zu erinnern beginnt: da war doch noch etwas
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Was sind unsere schönen Logiker und/oder Historiker anderes als die Irrenwächter bis Irren-Obermedizinalräte ihrer selbst, in totaler Selbstüberschätzung außerdem der Größe der Subjektivitätsversion dieser Binnengefahr. Wir Philosophen blamieren uns längst unsterblich (so es solche Immortellen gäbe) mit unserer Geilheit auf Bomben, am liebsten sogleich cruise missile-Raketen, Parodie des zerstückelten Körpers oder der Partialobjekte in der Todessphäre der Fühllosigkeit der Automaten selber. Was kann man mehr noch wünschen, als dies erfüllteste Noumenon? Zumal indessen blamieren wir uns vor den Wissenschaften, immer Kriegswissenschaft, unendlich paranoisch motiviert, die wenigstens doch diesen höchsten Gott ganz nach dessen eigenster Maßgabe zur Realerscheinung bringen und nicht bloß erborgterweise parasitär darüber quatschen. Was soll mit der Unvollziehbarkeit der humanistischen Selbstbegründungsmetapher, Herr Blumenberg, geschehen? Am besten - nichts. Gewiß. Aber eben dafür muß man am meisten auch tun. Oder sollen die frei herumlaufenden Logiker und/oder Historiker die metaphysischen Absurditäten jeder auf seine Weise, jener rigide verbietend, dieser lässig permissiv, abermals nur maßregeln, um ihrer Realvollstreckung den besten Flankenschutz zu bieten? Fürwahr, diese Logik wäre im Grundstudium obligatorisch zu machen: je ausgeprägter solche Selbstbereinigung, Autonomie, Subjektivität, Persönlichkeit, umso länger deren ausgeblendeter Telosschatten, ganz objektiv, Ding, die Leiche im Keller, Bomben; und einzig der Verrückte sieht unmittelbar diesen Zusammenhang noch der Nachbildung, Vorbereitung, Unterstützung der Kriegsindustrie. Nochmals, da führt kein Weg daran vorbei: der Logiker/Historiker verhält sich zur Metaphysik wie der gewöhnliche Psychiater zu seinen Geisteskranken, inquisitorisch therapeutisch: der Tier-, Weibs-, Kinderkram, selbst auch nur als Abfall, ja gerade als Abfall, muß weg. Das offizielle Devianzgefälle zwischen dem armen deliranten Philosophen und dem Irren schwebt dann wie ein Damokles-Schwert über jenes Haupt: du bist für die Unsauberkeiten deines Denkens verantwortlich (0!). Da aber die apostrophierte Proportion insgesamt im Gefängnis von Subjektivität spielt, verkehren sich auch insgesamt die Normzuordnungen, auch die immanent graduellen dann: a fortiori ist der logische/historische Philosophiekritiker der Deviante, Kranke, Verrückte, indem er sich selbst gewalttätig opfert ans Makroobjektive des bloß imaginär, in sich selbst also nur durchgestrichenen logisch absurden skandalösen Metaphysikums. Welch
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fülliger Wahnsinn:
der Logiker/Historiker, er meint allen Ernstes an der humanistischen Potenz unseres herabgekommenen lieben Gottes der atomaren Sprengsätze teilzunehmen, indem er
- verständlicherweise Tics produziert (Augenzwinkern, Nasenschnaufen, Zähnefletschen und dergl. - diese müssen nur noch logisch/historisch transskribiert werden);
- diese Tics aber nicht - gemäß dem Vorbild des verehrten lieben Gottes gegenüber - seine (ob des männlichen Geschlechts schon recht dürftige) Eros-cogito-Menschorganismus-Masse auffressen läßt;
- vielmehr - welch scheinbare Treulosigkeit! - den katatonischen Todestrip abbricht und abbiegt in die kommunikative Despotie der auf diesen neuen Weg mitgenommenen blinden also absolut gewordenen reinen Todesstigmata an ihm. Des lieben Gottes gehorsamste Heerschar - Raumpflegerinnen-Produktion, mental, versteht sich -. Längst davor aber, vor dieser Selbstwahrung durch Krieg, in der das Unbewußte der waffenkreierenden "Form" durchgehend die gesamte eigene Genesis, diese langen Geschichten, aufzehrt und diese höchstens noch rein an sich selbst, dem nur-noch-Toten, höhnend reminisziert - etwa die explodierende Bombe: siehe da, ich bin das automaton und der zerstückelte Körper, Wunschmaschine und Partialobjekte zugleich und nur noch als organloser Körper, nur noch Tod, bum bum bum... - und dies freilich als Philosophievermeintlichkeit von Logik/Historie bloß parasitisch imaginär, nämlich als Kriegsreklame, Waffen-Warenästhetik, die man tunlichst nicht künstlerisch, dies verriete zu viel, manifestiert; - längst davor setzte Philosophie, wenn sie noch solche sein will, kann, ein; und indem sie freilich ebenso unvermeidlich unserem lieben Gott begegnet, kommt der Verdacht nicht zur Ruhe, daß sie in dieser Musterbegegnung sehr halbherzig bliebe, wenn sie sich nicht dem katatonen Körper gleichmachte: der nicht anamnestisch nachträglichen Aneignung des Hominitätsstands als restlose Starre und restloser Taumel - Verschiebung von Philosophie im Angesicht der Atomwaffen restlos also von jeglicher Subjektivitätsweile in deren Jenseits weg? Diese, Subjektivität restlos nur noch Holocaust-Werbung.
Alle wahren Philosophen sind keine Logiker und/oder Philosophiehistoriker.
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Alle wahren Philosophen sind Metaphysiker (um nicht zu sagen Gnostiker).
Also sind einige Metaphysiker (...) keine Logiker und/oder Philosophiehistoriker. Voilà - felapton, klassisch gesprochen!
Fahren wir, wenns beliebt, mit der Skizze unserer alternativen Philosophiepropädeutik nach dem Vorgang der Gedankenkollektion dieses Kapitels fort!
Wir sprachen vormals von Krankheitsausbuchtungen des verschlungen geraderen philosophischen Selbstinitiationspfades: mit diesen Philosophie-Pathologiephänomenen hatten wir es eben vielfältig zu tun.
Und wir müssen davon ausgehen, daß an jeder auch noch so geringfügigen Ausbuchtung irgendein Abwerber postiert ist, der uns weismachen will, ihm folgen zu müssen (am besten sogleich in ganzen Gruppen, denn: siehe Guattari...), um aller Lasten ledig zu werden (Ihr, die ihr wandelt diese Straße voll Beschwerden).
Erste Empfehlung hier: nicht dieser effektiven Versuchung ausweichen, die Verführungskraft der Verheißung von Herrschaft durch Knechtigkeit vielmehr ausspüren, ja experimentell ephemer solchermaßen krank werden wollen. Nur so nämlich erwachsen die angemessenen Resistenzen für den Krisismoment der tückischen Schuldprojektion, in der der Rattenfänger bedeutet: keine verräterischen Schuldausdünstungen bitte; denn wir haben das Wunder der totalen Schuldabsorption als Logik und/oder Historie längst vollendet.
Sind solche Widerstandspotentiale sichergestellt, so wird die quittierte Krankheit exakt identifizierbar (die losgelassene Schuld darin abgebunden): das idealistische pseudos von Homoqeneität/Kontinuität in seiner scheinhaften Fühlosigkeitsalternative von Gehaltssentimentalismus (Historie) und Form-, Medialitätshypostasierung (Logik/Wissenschaft, oder mehr wissenschaftstheoretische Wissenschaftspathetik als diese selbst).
Zweite Empfehlung nun aber: sich nicht in dieser Krankheitskritik verzehren, diese erschöpfenden Philosophiepathologica vielmehr wie geharnischte Türhüter passieren, um einzugehen ins rein monadologische Innere, das zugleich und in derselben Rücksicht rückstandslos objektivitätsekstatisch wäre. (Leibniz - unerreicht?) Dort
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angelangt (je schon) stellten sich vertieftere Kritikchancen an der Subjektivitätsdisposition des Unbewußten/MakrounbewuBten ekstatisch ein: diese nichts denn Kriegsgottesdienst, apokalyptische Todesreklame.
Die eigene Position aber ebendort in diesem Innenaußen (wie gehabt auch Fußball und alles) geht als die schwindeligste Zentralfrage unabweislich auf, die gar nicht scheinhafte Alternative: Subjektivitätsprotektion/Kriegsgottesdienst (wie zöllnerqemäß hinten im Gotteshaus auch immer) oder Spitzenwahnsinn/Einbuchtung sogleich bei den Katatonikern; tertium non datur.
Dritte und letzte Empfehlung: zur Hilfe, felapton!
Alle wahren Philosophen sind auch keine Zöllner beim Besuch des logischen/historischen Kriegsgottesdienstes.
Alle wahren Philosophen sind mentale katatone Irre.
Also sind einige mentale katatone Irre auch keine Zöllner beim Besuch des logischen/historischen Kriegsgottesdienstes.
"Ja, mein Lieber, ich meine es also doch ernst. Und von wegen assoziativ vs. diskursiv oder wie das neuerliche Zaubersynonym lautet: argumentativ. Man dürfe alles außer einem: die Diskursivität verschmähen. Siehe da: die Grundstruktur der Perversion, nur moralisch formuliert.... Ich habe schlechterdings keine Phantasie, und also unterlasse ich es auch nicht ärgerlicherweise, diese meine angebliche Sondergabe gebührend zu disziplinieren, wenn ich mich öffentlich kundtue. Und persönlich bin ich auch kein netter Vernünftigkeitskontrapunkt zu meiner publiken Falschrede, die ich doch gar nicht nötig hätte. (Seltsam, diese Tagesgnomik der Kollegen.) Doch, entre nous, wenn mich die Bürde dieses Denken niederdrückt, so wünsche ich mir manchmal schmählicherweise, es sei nichts anderes denn Phantasie, Spiel mit Bildern, mentale Privatartistik, ein bißchen Philosophieessay, Literatur, erholsame Kompensationsflausen. Allein, da es, wie schon gesagt, schlechterdings keine Metaphern geben kann, sondern nur die Kontingenz gnostischer Orte jenseits der haltlos nachtschwarzen Realitätstautologie des Lochs des Makrounbewußten und dessen subjektiven Korrelats Ich = des Mikrounbewußten; grauenhaft erhellte Verzückungsorte, die Realität und Ich aufzehren, um sich selbst just nicht repräsentativ herzustellen (alle Subjektivitätsweile arepräsentativ höchstens noch zu verschriften erlaubten, kulminierend mathematisch); Orte, deren
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(vermeintliche) assoziative Ordnung schier nicht im höheren Organisationsprinzip der "Gestalt", diesem faschistischen Letztrettungsparanoikum 26), inbegriffen sind, ist die einzige gnostische Tugend der amor vacui et disiectus verentbinden auseinschließen beentgrenzen kurzum Pferdefußballtor"
Kummer macht mir jetzt nur noch die rechte didaktische Operationalisierung dieser alternativen Philosophiepropädeutik. Auch diese Skizzenfortführung fiel noch recht grob aus: ein vager Rahmen. Was mache ich konkret als Philosophieprofessor mit den philosophischen Erstsemestern?
Jungfrau Sophia
"Nachdem nun dieses schon beschlossen ist, habe Eryximachos fortgefahren, daß jeder nur trinken soll, so viel er will, und gar kein Zwang stattfinden: So bringe ich nächstdem in Vorschlag, daß wir die eben hereingetretene Flötenspielerin gehen lassen, mag sie nun sich selbst spielen oder, wenn sie will, den Frauen drinnen, und daß wir für heute uns untereinander mit Reden unterhalten. Auch darüber, mit was für Reden, will ich euch, wenn ihr es verlangt, einen Vorschlag tun." 27)
Sollte man bei Platon nicht einmal mehr auf die sozusagen horizontale Anamnesis der historischen Zeugniskonstitution mit ihrem queren Skripturalitätsabschluß achten? Wie dem nun auch sei - gegen den an diesem funktionalitätsopulenten oeuvre insbesondere begangenen dürftigen Inhaltsfetischismus -, die eingedacht aufgeschriebene Szene läßt an philosophie-, an selbstgenealogischer Deutlichkeit, verwandt dem mythischen Belassen, nichts mehr zu wünschen übrig. Wir konnten diese Szene, sie der Unschuld ihres Werdens entreißend, in qegenmythischer Selbstgerichtsbarkeit sodann diagnostizieren, daß es bei uns, im Platon-Proseminar, nur zum Scheine anders sei, sublimiert (versteht sich) päderastisch nämlich allemal, Seminar: die Himmelssaat aussäen (den exkrementalen Leichenrückstand mit dem lebendigen Samen zum Zwecke der Geistproduktion heiligen - siehe, wie Wort und Schriftzeichen sprießen!), trotz des signifikant hohen Anteils an Frauen bei uns, des gehässig öfters vermerkten. Einspruch indessen sogleich: ist diese Indifferenz, die sich längst bis in die Initiationen hineinwagte (haben Sie nicht auch die Erfahrung
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gemacht, daß Studentinnen in Jeanshosen in den Prüfungen keineswegs im Nachteil sind? Aber ja doch!), nicht eminent emanzipatorisch, wenn immer umfassende Emanzipation mit exkulpierter sexueller Polyglotte zu tun habe? Man sollte es meinen können. Nur entsinne ich mich obsessiv eines Schreckbilds meiner Kindheit: der mitgehörten Erzählung von einem preußischen Offizier, der sich Prostituierte hielt, na Sie wissen schon..., der ich selbst ja sublimiert an anderem, dem rechten Geistzeugungsort wäre. Und diese Affinität verwirrt mich ebenso wie der radikal-feministische (?) Aufschrei anläßlich solcher geistigen Offenherzigkeiten, ein Aufschrei fürwahr so vehement, als sei diese doppelt verquere Zeugung korporell passiert, dessen Moralizismus sich mit der hypokritischen Papainquisition am anderen Ufer, das Überich potenzierend, bestens liiert; und ebenso - alles lokale Dauererfahrungen - die komische Grenzziehung, die da so tolerant sagt: Jeanshosen - warum nicht? aber sogenannte geschlechtsspezifische Prüfungsthemen, nein, das geht zu weit, drückt das Niveau, schafft nur Unruhe. (Der gutgemeinte kollegiale Rat, auf der Toilette außerdem kundgetan: lassen Sie doch diese Körperteile - Schamlippenphilosophie. Inwiefern? Wir waren doch noch gar nicht - vorne?! Welche Verirrung.) 28)
Felix culpa: Die Flötenspielerin, so eine Art von Seminarmaskottchen, nicht wegzuschicken und das gros der fraulicheren Frauen von nebenan gar einzuladen! Denn unterhalb der allerlaubten Hüllenindifferenz, wo das Fundamentalartifizium Körper different zitabel würde, da könnte am besagten Ort der Geistzeugung diesem Geiste der Geistkontrapunkt seiner selbst, die ungeahnte Selbsttotalisierungsauflassung, erwachsen, wenn - ja, wenn die Schuldmassen dieser Produktionsgeschäfte sich durch Aufteilung neutralisierten und insbesondere nicht in die Produkte, deren Unbewußtwerdunq hinein, scheinbar verschwänden. Wie aber das? Unter der Bedingung der Disposition different weiblicher sexueller nicht wiederum unbewußter Resistenzpotentiale - einer Bedingung, mit der mitnichten irgendwo, just auch nicht in philosophischen Lehrveranstaltungen, gerechnet und die selbstverständlich nimmer von Männern ersatzweise repräsentativ aufgebracht werden kann, auch und gerade beim allerbesten Willen nicht - unter dieser Kondition würde die zeitgemäße Disziplin (alle Menschen werden Brüder), die Frauen, philosophisch hier, über denselben monosexuellen Kamm zu scheren, über ein und denselben
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homosexuellen Leisten zu schlagen, zu einem einzigen unvergeßlichen Totalwitz, der - Vorsicht! - unsere Betonmauern von diesem Geistgeburtswiehern einstürzen machte: geist-konservative, die Destruktionsspitzen des Geistes abkappende, die gesamte Geistentstehungschichte zulassende, den inversen Materialitätsbefreiungssinn des Geistes reklamierende Geistparodie, so soll es sein, wir lachten nur noch sonder Maß, das Produktionsinitium. 29)
Muß man sich dann noch der Körperskizze dieser Verhältnisse schämen? gewiß nicht; doch lassen wir es damit besser - noch, um nicht die Polizei zu zitieren. 30) Unbewußt aber ist die Korporalität dieser Prozesse nicht, fürwahr nicht; also bitte keine Scheinheiligkeiten. Scheinbar ordentlich im Sublimat verweilend, sollten wir dagegen aber die Chance nutzen, ein wenig einschlägige Schuldlogik zu betreiben (ob der besonderen Ignoranzen in diesem Punkte). Es war die Rede von der Neutralisierung der betreffenden Schuldmassen durch "gerechte" Distribution und zuvor von der Verhinderung ihres Pseudoverschwindens in den Produkten, dem Makrounbewußten. Im, on dit, großen Augenblick der Disziplin, wo alle Menschen, neuerdings die Frauen zumal, sich in ungleiche und kriegerische Männer verwandeln, es der Herr Lehrer (wie der absolute Herr, on dit) a priori aber schon ist; wo alle strammsitzen ob des Vernimms der Stimme der Höhen, der pädagogischen Tetanierede (wie im Mutterleib angerufen zusammenzuckende Embryonen, die später nur noch Marschmusik ertragen können) - in diesem abendländischen kairos unverteilen sich die Schuldmassen derart, daß nichts mehr geht: essentiell schuldig die Wesen unter der Gürtellinie der Pseudoindifferenz, die Weiber zumal (sogar das Turmtuterheuchelmädchen, die Flötenspielerin, unzuverlässige Tochter), und exkulpiert nur, wenn sie sich frei nach lrigaray einsperren (Mutter) und/oder handeln (Tochter) lassen, Sühne leisten derart also (wofür? - schlicht für ihr Geschlecht). Die - um den Preis der hinterlassenen Kümmergestalt bis zur Unkenntlichkeit reduzierter Weiblichkeit - so indessen abgeworfenen Schuldmassen, wo wandern sie denn hin? Ins Giermaul der teacher-Subjektivität, in diesen wachenden Todesschlaf namens Ich ("we don't need no education"), das sich unaufhörlich mit dem Seinsgrund der Mortalität, unserem absoluten Herrn, ataraktisch verwechselt, um die modernsten Urstaatphantasmen paranoisch übercodiert allbeschuldigend wieder auszuspucken. Ein schöner einfacher Regelkreis, in dem nichts verloren geht. Wo aber bleibt die Kichererbse, warum lacht
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denn niemand über diese Baufälligkeit? Nicht zu glauben - im Angesicht der Atomraketen. Schon der Windhauch eines Lächelns (und das geschieht ja permanent auch - in den "Konsistenzplänen"; sonst wären wir alle, Menschen, längst schon alle mausetot) erlöst von dieser falschen Starre; und schwölle es zum Weltschöpfungslachen an, so käme gar etwas dabei rum? In dem Moment nämlich, wo die Frauen... pardon, ich kann es immer noch nicht sagen... wenn also der Despotiegipfel der abstrakten Indifferenz erklommen ist; in dem Augenblick des Diskriminationsultimatums tötender vs. schaffender Tod, Kriegsgottesdienst oder nicht, müßte, wenn, hoffnungsvoll gedacht, das Lachen griffe und dieser Opferhöhepunkt zum unendlich kleinen Transitflecken zusammenschrumpfte, müßte dies subjektivistische Urstaatgebäude inmitten der Spätzeit aufreißen und zerfallen. Es wäre dies die fundamentalkriteriale Zeitspitze der Hominitätstotalisierung, die große Rückkehr des Verdrängten, aber eben nur Verdrängten, Feminität, und sonst nichts mehr. Genealogisch: das Verdichtungsüberhaupt Geistmetaphorik auflösend und die Metonymiebahnen wieder eröffnend, zündet der metonymische Rücklauf von hinten nach vorne (so, jetzt sind wir eben erst dort angelangt, Herr Kollege); und es kommt auf das gefesselte Produktionsvorbild, besser: -vording, kurzum: die "sexuelle Potenz der Frau", als Produktionsparadigma zugleich indessen im Anderen von Eros/cogito der einzige Produktionszweck. Mehr aber noch: diese Potenzdynamik macht zugleich die Brücke, den gerissenen Übergang, Schematismus sozusagen, des absolut Differenten, darohne es ja nur die Produktion von Destruktion gäbe; und schließlich noch mehr noch - die Klimax dieses in sich rückläufigen Tochtervorstoßes -: selbst auch in der virilen Todesinversion versteht sie sich, im Geiste also, fruchtbar, ja zeugend zu machen. Was will man noch mehr als solches: allen Regressionismus' ledig, just nur an den Höllenmaschinen vorbei (aber dies ist ja der Sinn dieses Lachens!), Hominität als ganze korporell, sexuell nach Hause bringen und herrschaftsfrei und ohne Schuld uneingeschränkt in Gang setzen und halten? Und auch die Mannspositionierungen, sie sind "ideal" in diesem Revolutionskontext folgerichtiger Weiblichkeitsexpansion, von sinnlosen Opfern keine Rede mehr: doppelte Impotenz davor und danach, angesichts des Produktionsmodells und -zwecks, und Zeugungslust im Zeichen des gerissenen Produktionsschematismus und schließlich zeitgemäß der ironischen -ausführung. Und jetzt erst könnte man die entsprechenden Körperteile
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signifizieren/kontrasignifizieren.
Szenisch präziser noch über den genealogischen Blick vielleicht etwas hinaus, real-(anti)hermeneutisch sozusagen und, wie geplant, auf Schuldlogik bedacht, setzte der Lachkollaps des immerwährenden Seminar-Despotiehauses momentan die gesamte Schuldmasse frei; sie stiebt aus allen Poren plötzlich. Die heikelste Phase, sofern es auf der Stelle fällig wird, alle Tyrannensubjekte, den Lehrer zumal, die selbstverständlich den Schuldausdünstungen vehement nachhaschen, um sie wieder einzufangen, um etc., freilich mit Gegengewalt (wie sonst?) zu fesseln, diese Kleinstrache aber nicht auszuschlachten, die einsetzende Entparanoisierung, Schizophrenisierung als Auspizie vielmehr der Metanoia begrüßen und vorvindizieren als eschaton, wenn immer die ganze entbundene Schuld sich anschickt hineinzufahren in ein gebürendes mortales Drittes, Maschine, etwa in einen Ort von Schrift der Schrift.
Gewiß, vieles von dem läuft im Lehrbetrieb "positiv" durchaus so; denn sonst liefe fürwahr überhaupt nichts mehr - der vielbemühte Konsistenz- vs. Organisationsplan, "Kanalrhizom" vs. "Wurzelbaum". Und wenn wir diese gar noch mischten gemäß ihrer eh wirklich vorgegebenen Kontamination?
"Es gibt Baumknoten in Rhizomen und rhizomatische Schübe in Wurzeln. Oder besser: Rhizome haben ihre eigenen despotischen Formationen der Immanenz und Kanalisierung. Im transzendenten System der Bäume gibt es anarchische Deformationen, Luftwurzeln und unterirdische Stengel. Es kommt nur darauf an, daß Wurzelbaum und Kanalrhizom nicht wie zwei Modelle einander gegenüberstehen: der eine funktioniert als transzendentes Modell und Kopie, auch wenn er seine eigenen Fluchten erzeugt; das andere funktioniert als immanenter Prozeß, der das Modell umstürzt und eine Karte entwirft, auch wenn es eigene Hierarchien errichtet oder einen despotischen Kanal aufreißt." 31)
Nein, das wäre ein wenig zu simpel, wirkte, wenn ich recht reagiere, eher doch wie ein Alibi des Konservierungsrechts des alten Übels wie auch der Selbstentschuldiqung, wenn dieses sich gegen allen besseren Willen bei einem selbst wiederauflegt. Nein, so weit sind wir nicht, behaupten diese Verzögerung gleichwohl ohne Dilatationsgebaren; und also lohnte sich die empiriegesättigte Musterung einiger Fallstricke verfahrenstheoretisch doch?
Wo beginnen? Es gibt keine Phase, die nicht prallvoll davon wäre; ja, die Seligkeit des Jenseits der Klippen, Individualität statt usurpatorischer Subjektivität, sie ist härteste garantielose Arbeit. - Die m.E. bisher komplizierteste Antiproduktions-Hypostasierung,
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Blockadeklimax wahrhaft zum Fürchten, kommt immer dann zustande, wenn Frauenbefreiung als Produktionsmotivinbegriff (stimmt ja) sich verzweifelt zu definieren nicht umhin kann als restlose Verschmelzung mit der paranoischen Despotiezentrale: nur diese Fusion gewähre brauchbaren Schutz - in der Tat den großen Schutz der atomaren Raketensprengsätze, nach Hause ins phantasmatische magische Betonbunker-Selbst gebracht, eingeheimst. So wird man regelmäßig Zeuge einer Monstrengeburt, die nur noch das Rasen des Unbewußten, strikteste Verschlußsignifikation, ausgebrannte Hypernamen zuläßt, und ansonsten schuldanheftend nur noch aufschreit, als sei der Kontrasignifikant des eben skizzierten genealogischen-realhermeneutischen Despotieaufrisses verdrehterweise die Hexentortur: ihr lacht über mich, ihr Schweine; indem ihr sagt, was angeblich mit den Frauen geschieht, macht ihr es allererst selbst, hier und jetzt; au, au, ich spüre es an allen Gliedern; ich rufe die Polizei, beschwere mich beim Dekan und beim Lehrstuhlinhaber; das ist keine Philosophie, das ist Sauerei... um der Abschaffung unseres lieben Gottes, der Atomwaffen, willen: dieser Vorübergang des Nichtherrn dürfte nimmermehr, und gar noch durch eine Gruppe, zumal nicht Frauen, untersagt sein. An diesem Pseudotransit nämlich führt kein Weg vorbei, auch dann nicht, wenn seine Wesensinfinitesimalität sich selbst entgegen zu proliferieren beginnt; so etwa maßlos den offiziösen Organisationsplan als Moloch seines Kontraparts, des gegeschmähten, anlockt und die Konsistenzplansubsistenzen schlicht also zerstört, was ja fast immer funktioniert. Gleichviel - wir verstünden nichts von der Gewalt der humanistischen Zerstörungspotenzen, vor denen das Rhizom-Zitat von oben wie ein Trostspruch anmuten muß, wenn wir an solchen kriterialen Spitzenchancenpunkten - im Subjektiven freilich - kapitulierten. Im Gegenteil, die ständige Wiedergeburt der psychiatrischen und sonstigen Anstalten an diesem Unheilsorte fällt aus unserem haltenden Genealogierahmen nimmer heraus, selbst wenn dies die unmöglichste Situation akademisch ergäbe. Wie gesagt, kein Weg führt just daran vorbei, doch gibts auch keine höhere Notwendigkeit für die wuchernde Ausbreitung eines Extrempunkts, Grenzwerts, wenn immer die zeitgemäße Philosophiesubversion da entspringt, wo sich ultimativ gefesselte Weiblichkeit - und die Einswerdung mit dem Despoten meint ein solches unüberbietbares Letztes - reckt.
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Der Grund der Angst des Philosophen vor der Philosophie, dieses Fachfundamentalsymptom, das unausbleibliche, rückt also wieder näher: wenn die innere Muse, gar auf dem Sprunge zur Entinternalisierung, sich in die weibliche Sexualitätstotale hinein, wie gehabt, entfesselt... Wenn aber die mortale männliche Gegenführung dazu jede Prätention des Unbewußten unterließe, diese zum wahren Transit, der unendlich kleinen Zeit, reduzierte, ja dann wäre die Angst des Philosophen vor der Philosophie nicht mehr nur abgebunden in der gewalttätigen Weibischkeit unserer, zumal der jugendlichen, Pseudophilosophiedespoten, es geschähe vielmehr noch Philosophie, Schrift der Schrift, und sonst nichts, mit diesem Nichts, das dazugehört. Bringen wir dieses Nichts also in die Reihe und vergessen wir zumal alles Auslangen, immer schon, ins Objektive nicht.
Und dann diese quälenden Träume. Die unbegehbare Treppe, von Millionen und Abermillionen begangen. Dem Meer entsteigen die Geschöpfe des Poseidon, und sie wähnen, die Pferde, das Meer unter ihnen existiere nicht mehr. Und aus den Pferden entstehen die Reiter, und die wähnen die Pferde unter ihnen und das Meer unter diesen existierten nicht mehr. Und aus den Nomaden werden Bauern, und sie wähnen, die Nomaden unter ihnen und die Pferde unter diesen und das Meer unter diesen existierten nicht mehr. Und aus den Bauern werden die Bürger, und sie wähnen, die Bauern unter ihnen und die Nomaden unter diesen und die Pferde unter diesen und das Meer unter diesen existierten nicht mehr. Immer höher steigt die Nichtexistenz unter den immer härter, kompakter, opaker werdenden Treppenstufen an.
Und die Landvermesser und ihre Gehilfen sind ausgeschwärmt und lachen mich aus: ein Philosoph, welch lächerliche Bedenken. Da ist wirklich nichts darunter; doch welch herrliche freischwebende Treppe und, genau genommen, von niemandem begangen - warum auch? -, wohl aber von uns gebaut. Nein, wirklich, was darunter wäre, dieser matschige Unfug, deine Scheißliebe, all das ist, restlos in die Stufen eingegangen.
Und die Chronisten lächeln nachsichtiger: so ist es nicht ganz - es ist zwar nichts darunter, das stimmt, aber es war einmal jeweils etwas davor. Sieh doch - ich sehe nichts. Bin ich denn blind geworden - das Meer, die Pferde, die Reiter... nicht übel: Auf dem fernen Synthesizer erklingt "Der Dichter spricht ..."
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Wo bin ich? Immer schon saß ich im steinernen Herzen der Bürger-Treppenstufe, sitze fest, lache und lächle mit, aber ich darf doch denken, nur denken, es sei so als ob es so sei wie ich denke. Bin ich doch kein Unmensch. Kombiniere: was wäre, wenn der Reiter zwar das Pferd, nicht aber das Meer vergißt? Oder, schöner noch: der Bürger zwar den Bauern, nicht aber den Nomaden, zwar das Pferd, nicht aber das Meer vergißt. Stelle alle möglichen Kombinationen auf der letzten Bürgerstufe, diese selbst inklusive, auf!
Und Jakob sah im Traum eine Himmelsleiter. Der Teufel aber hat seinen festen Platz direkt unter dem Landmann. Endlich etwas darunter, der arme nicht-mehr-Reiter aber nur, den ich einzig liebe, obgleich er zunächst nicht weniger der Pferde und des Meeres vergaß, und der mir seinen Pferdefuß verkaufte, den ich sogleich auffraß: mein Schreibsystem, wie gehabt: Kopf/Arm/Hand/Griffel/Papier/Krakel krakel.
Was soll ich nur tun? Ein Fehler ist drin, der sich nicht beseitigen läßt, wie sehr ich mich auch bemühe. Schon bin ich schweißgebadet. Also sehen Sie es mir bitte nach; denn was ich will, ist vielleicht wirklich illusorisch. Also kurzum, bei strengster Selbstprüfung, soll es nicht so sein - ich erröte -, wie es nun einmal ist. Die Wahrheit wäre quid pro quo die, daß Kopf, Arm und Hand fühllos würden, zum Maschinensystem, und der Griffel dagegen schlicht lebendig einhergehend und nicht auslaufend sich verewigend. Ehrlich gesagt (ich fasse mir ein Herz) komme ich mir vor wie ein Weib just nicht in den Wochen, sondern Tagen, oder invers recht männlich und schlimmer noch wie ein Dauersch...., weil es nicht so ist, wie ich es will. Und ich sehe eine reine Mädchenklasse, die fein säuberlich Schönschreiben übt. Und da tat sich was unter den Treppenstufen - was aber. 33)
Ich wache auf, es ist Morgen, und ich muß zum Proseminar: Ausgewählte Platon-Dialoge. Meine Träume aber gehören mir ganz allein.
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Fahren wir zum letzten fort in der Ausführung der groben Skizze unserer abweichenden Philosophiepropädeutik!
Wir waren bis dahin - freilich nicht schon operationalisiert - gekommen, wo wir dem Kriegsgottesdienstdenken entkamen und statt dessen die Kriegsmaschinen mit unserer Art von Aufklärung beschriften wollten - die zeitgemäße neue Philosophie.
Der Schritt dahin erfordert die allerstrengste Selbstbesinnung (wenn ich spreche wie jetzt, fallen mir keine angemesseneren Worte ein): wie soll man diesem, mental notwendig plaziert am Rande der Katatonie, gewachsen sein?
Am zweckmäßigsten wohl, man bemüht dazu umfassend das Geschlechtsverhältnis, und dies freilich nicht, um die Größe des Inskriptionsanspruchs zu mindern. Denn, auf dieses Verhältnis blickend, imponiert am ehesten die (euphemistisch ausgedrückt: siehe die besagte dpa-Notiz!) lebensgefährliche Abendlandgroteske eines männlichen Weibskopiewesens, das eo ipso nicht mehr wissen kann, was es tut, indem es das (Makro)Unbewußte erfindet und peremptorisch zu verrammeln sucht (in der Tat: Hiroshima, mon amour, Jungfrau-Mutter-Maria leiblich im Himmel).
- Dieses emphatischen Unbewußten Kern - weibliche Sexualität als Vor-Ding der mortalen Produktion;
- dieses Ubw Hülle - der Selbstzweck seiner Unberührbarkeit von diesem Vor-Ding retour selbst als vermitteltem Zweck;
- dieses Ubw innerer Bauplan, ebenso ganz versteckt - das Schematismus-Entgegenkommen dieses Vor-Dings, Transit des produktiven Selbstopfers weiblicher Sexualität;
- dieses Ubw zeitgemäße supplementäre Absicherung - die Verscheuchung selbst der Frauen als (ironische) Männer, als Mortalitäts-
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produzentinnen selber aus diesem heiligen Raum.
Indeed: die Mutter sitzt im Gefängnis, und die Tochter wird verschachert; und beides muß den frommen Blicken entzogen sein = Sperrbezirk der Raketendepots.
So schließt sich der Kreis. Und immer wieder die unmögliche Pflicht, die ataraktische Krankheitsreflexion dieses herabgekommenen lieben Gottes im Subjektiven, so wie hier im Philosophischen Seminar, zu verhindern; und dies mit der Hypothek unmöglicher Duldsamkeit selbst fürs unüberbietbare Extrem der Vernichtungsfusion weiblicher Sexualität insgesamt mit der Despotiezentrale ebendort als Hyperinquisition - des armen Aufklärers - für den schwersten Augenblick wie den chancenreichsten, wenn er sich auflöste in den Eingang aller entbundenen Schuld ins gnädig mortale Dritte von Schrift von Schrift als Schandgraffiti auf unserem besagten ganz herabgekommenen lieben Gott. Dann aber müssen wir auch mit unseren Träumen anders - objektivitätsekstatisch - umzugehen lernen.
"Ja, mein Lieber, Chauvi und/oder Softie, ja auch das noch.... Ich bin beileibe, beiseele und beiqeist keine Frau. Nur hat mich ein sehr hartes Los davor bewahrt, mir tagtäglich einen in die Tasche zu lügen, philosophisch nicht und meistens auch nicht anderswie. Zum vorläufigen Abschied also abermals die schönste Metapher, aber nein, keineswegs Metapher - sich-einen-in-die-Tasche-lügen." "Geh zum Teufel."

+) Laure (Colette Peignot), Schriften, München (Matthes & Seitz) 1980, S. 66
  1. Der schwächlichen Tradition der auf Philosophie angewandten Psychoanalyse werde ich so freilich nicht ganz gerecht. Immerhin gibts ja den Hartmannschen Trick des "genetischen Irrtums": am Entsprungenen tilgen sich mysterisch die Schandmale des Ursprungs, wie die Aufhebung dieses Irrtums allen Ernstes lautet. Auch wären unterdessen, wenngleich noch durch Orthodoxie gefesselte, Gegenbeispiele psychoanalytischer Nichtverurteilunq von Philosophie durchaus anzuführen: etwa die Arbeiten von Ernst Konrad Specht, beispielsweise "Der Traum des Sokrates" (Psyche 9, 26. Jg., Sept. 1972, S. 656-688). Von einer wirksamen Adaptation von Freuds eignem ontologischen Totalisierungsangebot um den späten "Todestrieb" herum - die Chance, allererst das leidige Verhältnis zwischen Philosophie und Psychoanalyse zu bereinigen - kann
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allenthalben aber die Rede noch nicht sein. (Zum "genetischen Irrtum": Rudolf Heinz/Helmut Dahmer, Psychoanalyse und Kantianismus. Ein Beitrag zur Theoriegeschichte, in: Elrod/Heinz/Dahmer: Der Wolf im Schafspelz. Erikson, die Ich-Psychologie und das Anpassungsproblem, Frankfurt/New York (Campus) 1978, S. 127-167, die Kapitel über die Moralkonzeption der neukantianischen Psychoanalytiker.)
  1. Da wir es ja mit Philosophiepropädeutik zu tun haben, ich also wissenschaftspädagogische Aufgaben zu erfüllen mir auferlegen muß, möge, professoral laut gedacht, der Leser seinen faulen Hintern (pardon!) erheben und den Ort dieses Zitats bitte selber suchen! (Dieselbe Aufforderung ergeht, diesmal aber an die Literatur- und Musikwissenschaftler, damit auch schön die Demarkationslinien zwischen den einzelnen Fächern durchgezogen bleiben, betreffend die Zitatallusion in der Klammer hinter "pubertär aufgemotzter Kinderkram". Wers herausbekommt, kriegt freilich einen Belobigungsvermerk auf seinem Leistungsnachweisschein - in mente. Der Schlachtruf der Verhaltenstherapeuten: "Guuuuuuuuott...!"
  2. Auf viele Texte ringsherum wäre freilich wiederum hinzuweisen. Fluchtlinie, Feuerwehrleiter. Vorsicht aber - die ganze Stadt brennt, etwa: wenn ich den geneigten Leser in Pina Bauschs "Arien" schicke, wo der wohl schönste Theriomorphismus unserer Tage zu sehen ist: Frau Endicotts Hochzeit mit dem Nilpferd; auch wenn ich entsprechende Stellen zur Tierwerdung auf dem Wege zu den n-Geschlechtern aus dem "Rhizom" oder dergleichen zitiere: "Seid der rosarote Panther, und liebt Euch wie Wespe und Orchidee, Katze und Pavian." (G. Deleuze/F. Guattari, Rhizom, Berlin 1977, Merve 67, S. 41), auch wenn ich Kurnitzkys Geldgenesistheorie mit den wunderschönen Schweinebildern anführe? (H. Kurnitzky, Triebstruktur des Geldes. Ein Beitrag zur Theorie der Weiblichkeit, Herlin 1974, Wagenbach Politik 52). - Aber lassen wir das Eigenlob weiter stinken! Zum Wuppertaler Tanztheater siehe R. Heinz: Tanzrhizome. Zur Ästhetik des Wuppertaler Tanztheaters der Pina Bausch (in: DIE EULE. Diskussionsforum für rationalitätsgenealogische, insbesondere feministische Theorie Nr. 5, hrsg. v. H. Heinz. Zugleich Organ der "Arbeitsgruppe für Anti-Psychoanalyse" Wuppertal/Düsseldorf). Zu Kurnitzky (u.a.) siehe Ders.: Taumel und Totenstarre. Vorlesungen zur Philosophie und ökonomie, Münster (tende) 1981
  3. G. Deleuze/F. Guattari, Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie 1, Frankfurt (Suhrkamp) 1974, S. 425
  4. Zum Verstümmelungsmotiv in den Mythen siehe: E. Holliger, Schon in der Steinzeit rollten Pillen, Bern (Selbstverlag) 1974
  5. P. Virilio, Fahren, fahren, fahren... Berlin 1978, Merve 80, S. 74. Vgl. auch ders., Geschwindigkeit und Politik, ebd. 1980, Merve 90
  6. Siehe u.a. G. Deleuze, Nomaden-Denken, in: Nietzsche. Ein Lesebuch von Gilles Deleuze, Berlin 1979, Merve 84, S. 105-121
  7. Die Ingeniösität sexueller Folklore legt es nahe, in einer alternativen Leseliste für Philosophiestudenten wenigstens Herrn Bornemans "Sex im Volksmund" (E. Borneman, Sex im Volksmund. Der obszöne Wortschatz der Deutschen, Sachbuch rororo 6852/6853) unverbindlich zu machen.
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  1. Ein schönes ebenso alternatives Proseminarthema: Wir schreiben eine science fiction-Geschichte über die Probleme der Vollendung der Schriftprothetik, wie oben skizziert. Dazu parallel führbar wären im Sinne einer Konkordanz vielleicht neuere Texte zur Inskriptionstheorie (Lacan, Leclair, Deleuze/Guattari, nicht zuletzt auch Derrida!).
  2. F. Guattari, Einführung in die institutionelle Psychotherapie, in: Psychotherapie, Politik und die Aufgaben der institutionellen Analyse, Frankfurt 1976, edition suhrkamp 768, S. 96
  3. Vgl. G. Deleuze/F. Guattari, Rhizom, a.a.O.
  4. Prost prost Kameraden prost prost Kameraden prost prost prost prost prost prost Kameraden, da capo da capo
  5. F. Guattari, a.a.O., S. 89
  6. J. Lacan, Schriften II, Olten/Freiburg (Walter) 1975, das erste Kapitel
  7. Ders., Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion, wie sie uns in der psychoanalytischen Erfahrung erscheint, in: Schriften I, ebd. 1973, S. 61-70
  8. Darauf stieß ich zuletzt im Zusammenhang der geburtstraumatischen Interpretation des Gebetsvorspanns zum "Prosloqion" des Heiligen Anselm. (Manuskript: Genealogische Meditationen über die beiden ersten Kapitel des Proslogion des Anselm von Canterbury, Text zum Wintersemester 1979/80)
  9. Deleuze/Guattari, Anti-Ödipus, a.a.O., S. 53
  10. I think that the American football is more sincere in this way for philosophers.
  11. Man merkts, indem man schreibt: hier ist die Hegel-Tradition der Abfassung von Dispositiven im Stile der Phänomenologie des Geistes ausgefallen!
  12. G. Deleuze, Brief an Michel Cressole, in: Kleine Schriften, Berlin 1980, Merve 95, S. 11/12
  13. Die Forschungsabteilung für Philosophische Information und Dokumentation des Philosophischen Instituts der Universität Düsseldorf grüßt Herrn Robinet: "Zum Beispiel (...) erneuert André Robinet heute die Philosophiegeschichte mit Computern;...' (Deleuze, Kleine Schriften, a.a.O., S. 93). Das wäre doch ein Weg - Fluchtlinie/Maschinenanzeichen -,die Massen sich haarscharf an jeglicher Selbstinitiation vorbei selbsternennender Gottesboten sanft zu liquidieren?!
  14. Wohl nicht zu Unrecht geht Guattari so weit, Gruppenbildung als schlechthinnige Inhibition des Maschineneinschnitts durch die Pseudologie von Struktur-Kontinuitäten zu desavouieren. "Die
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Gruppenphantasie überlagert die Ebenen, tauscht sie aus und substituiert sie. Sie ist verurteilt, sich um ihre eigene Achse zu drehen. Dieser Effekt der Zirkularität veranlaßt sie, Sackgassen, Verbote, unüberwindbare Leerstellen und ein ganzes 'no man's Land' der Sinnhaftigkeit zu erzeugen. Gefangen im Feld der Gruppe, verweist die Phantasie immer wieder auf die Phantasie, wie eine Valuta ohne materiale Deckung, ohne Konsistenz, die ihr mindest partiell erlauben würde, auf etwas anderes bezogen zu werden als auf eine allein aus der Ordnung des Allgemeinen hervorgehende Topologie. Die Gruppe - als Struktur - phantasiert das Ereignis durch ein unverantwortliches Hin und Her zwischen dem Allgemeinen und Besonderen." (Maschine und Struktur, a.a.O., S. 133)
  1. Zum Graffiti: J. Baudrillard, Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen, Berlin 1978, Merve 79. Und da wir bei der Philosophiepropädeutik sind, entsinne ich mich eines üblen Zensurversuchs, betreffend derartige Dinge: Baudrillard sei ob mangelnden Philosophiegehalts insbesondere für ein philosophisches Proseminar (ich hatte ein solches über die Schriften Baudrillards angekündigt) unqeeiqnet.
  2. J. Derrida, Die Stimme und das Phänomen. Ein Essay über das Problem des Zeichens in der Philosophie Husserls, Frankfurt 1979, edition suhrkamp 945, S. 165
  3. H. Blumenberg, Die kopernikanische Wende, Frankfurt 1965, edition suhrkamp 138, S. 178
  4. (Was man nicht im Kopf hat, das hat man in den Anmerkungen. Mea culpa: Einstmals meinte auch ich, durch Psychoanalytiker und Lyn Marcus verführt, man müsse die assoziationspsychologisch begründeten Teile der psychoanalytischen Metapsychologie gestalttheoretisch reformieren. Siehe: R. Heinz, Lyn Marcus (Arbeiterfraktionen): Jenseits der Psychoanalyse. Wie studentische Sinnwünsche in eine Falle geraten, in: Kritik der Hochschuldidaktik, hrsg. v. K. Horn, Frankfurt (Syndikat) 1978, S. 296-357; ders., Aus dem Jenseits der Psychoanalyse. Beitrag zum Verständnis einer politischen Sekte, in: Analytische Sozialpsychologie, hrsg. v. H. Dahmer, 2 Bde., Frankfurt 1980, edition suhrkamp 953, S. 534-550 (Kann ich nicht doch gut bibliographieren?)
  5. Platon, Symposion, in: Platon, Sämtliche Werke, Bd. 2, Hamburg 11359, Rowohlts Klassiker 14, 176e, S. 210
  6. Mal etwas von Luce Irigaray läuten hören: die sich-sprechenden Lippen? Die Reverenz zu dieser Autorin ist so groß, daß ich es nicht unterlassen kann, auf eigene Studien über sie hinzuweisen: Auf die in "Taumel und Totenstarre" (a.a.0.); auch auf die in: "Shame and Scandal in the Family" (in: Schizo-Schleichwege. Beiträge zu einer Zwischenbilanz zum "Anti-Ödipus", Bremen (impuls) 1982), wo ich insbesondere auf Kompatibilitäten der Philosophie Irigarays mit dem Anti-Ödipus abhebe. In beiden Studien unberücksichtigt geblieben ist ihr "Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts" (Frankfurt 1980, edition suhrkamp 946) - Pflichtlektüre außerdem mindestens für Platon-Feinde!
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  1. Vgl. H. Heinz, Zur Theorie von Gewalt, in: Frauenjahrbuch '81, Münster (tende) 1980, S. 113-122 (wiederveröffentlicht in: DIE EULE Nr. 5, a.a.O.): die Ausführungen über die gattungsgeschichtliche Funktionalisierung weiblicher Sexualität.
  2. Gleichwohl: Fragmente dazu sind zu finden in R. Heinz: Logik und Inzest, in: DIE EULE Nr. 4, a.a.O.; auch In: Die Utopie des Sadismus. Einige programmatische Überlegungen, in: DIE EULE Nr. 3, a.a.O.; auch in: Vom schwindenden Jenseits der Götter. Programmatische Überlegungen zur Ontologie-Genealogie, in: DIE EULE Nr. 6, a.a.0.
  3. Deleuze/Guattari, Rhizom, a.a.O., S. 33 i 32. Hier sogleich die Lösung: 5! = 4! = 24
  4. Ich kann nur mit Sicherheit ausschließen, daß es nicht Otto Neuraths sagenhafter Gelehrter Kalon gewesen ist, der zur gleichen Zeit mit seinen beiden Händen schreiben konnte und dadurch die Protokollsatzverhältnisse noch mehr verwirrte! Heiter aber sei unser ite, missa est. Denn des Abends singe ich mir zum Einschlafen frei nach Humperdinck selber vor: "Der Fliegenfänger bin ich/Und gar nichts Arges sinn ich..." (Ein Fliegenfänqer sei ich, meinte der besagte Kollege.) "Der Herr der Ratten und der Mäuse/Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse" (Goethe). Wie hießen die Tierchen noch im Munde von Franz Josef Strauß? Ratten und Schmeißfliegen. - Des Morgens aber singe ich auf der Fahrt zur Universität nach "Das Wandern ist des Müllers Lust":
    Die Arbeit ist des Bürgers Lust,
    Die Arbeit ist des Bürgers Frust,
    Die Aahaarbeit!
    Das kann kein guter Bürger sein,
    Dem niemals fiel die Arbeit ein,
    Dem niemals fiel die Arbeit ein,
    Die Aahaarbeit!
... Unverständlich hingegen Rudolf Heinz' Beitrag, der wohl auf der Folie neumodischer, nachweislich fehlgelaufener Philosophietendenzen, die er überdies rücksichtslos für seine Zwecke auszubeuten versteht, üble polemische Kritik laut werden läßt, die dem Thema nicht gerecht wird. Wem will Heinz mit seiner völlig unzweckmäßigen Anhäufung von Fremdwörtern, die selbst den wissenschaftlich geschulten Leser in Ratlosigkeit zurückläßt und entmotiviert, imponieren? Ganz zu schweigen von solchen Gedankensprüngen, die den Autor nicht etwa mit Genialität, wie er es zu offenbar beabsichtigte, sondern schlicht mit erheblichen logischen Mängeln ausweisen. Fest steht, daß sich Norbert Bolz bei der Aufnahme dieses Artikels wohl vergriffen hat. Verzeihlich indes ob des hohen philosophischen Niveaus der anderen Beiträge. ... (aus einer Rez. der ZfdF, August 1981, von Melanie Heinz)
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