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Digitalisierte Texte von Rudolf Heinz (© Prof. Dr. Rudolf Heinz)
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Psychoanalytische Triebtheorie (Pathognostische Studien XIII, 2014, Essen, Die Blaue Eule, 119-125)
Erörtert wird die Problematik des psychoanalytischen Triebbegriffs (und dies zum zweiten Mal)*, anhand eines psychosomatischen Beispiels, das ausschließlich als Exemplifizierung, nicht aber kasuistisch explizit, zur Disposition steht.
Hier das Beispiel:
Ein mir bekannter Urologe schickt mir einen jungen Mann zur Psychotherapie, der, ohne organischen Befund, an einer starken Miktionsverzögerung, im Extrem an Harnverhaltung, leidet. Einmal steigerte sich diese zum Urethrismus (Harnröhrenkrampf), der, notfallmäßig, mittels Katheterisierung, behandelt werden mußte.
Das ist zwar kein alltägliches Beispiel, doch ein triebtheoretisch gewiß instruktives; gewählt außerdem, weil der Komplex urethraler Sexualität weitgehend ein psychoanalytisches Stiefkind geblieben ist - unerfindlicherweise? -; wenngleich in der "phallisch-exhibitionistischen Phase" (c3') die urethrale Kompensatorik doch auf der Hand liegt? Nicht zuletzt auch wird die Geschlechtsdifferenz in diesem Bereich besonders spruchreif. Gemäß dem Vorsatz triebtheoretischer Akzente, handelt es sich, betreffend die Miktion, um einen "Partialtrieb", also um einen Ausschnitt/eine Auswahl aus dem Ensemble der Triebe; anschließbar hier dann die Theorie der Partialtriebe, auf einige deren Kriterien ich noch zurückkomme. Jedenfalls sind sie Beweggründe der sie integrierenden genitalen Sexualität; und sie haben die Neigung, aus dieser ihrer Funktion auszubrechen und sich zu "Perversionen" zu verselbständigen. Diagnostisch liefe unser psychosomatisches Partialtriebbeispiel eben unter dem Titel "Perversion".
Hier bereits ist der Punkt erreicht, allzu leicht übersehene Wesenszüge des Triebbegriffs hervorzustreichen, und zwar an erster Stelle die untergeordnete, die dienstbare Rolle aller Triebe; was sich fast ketzerisch anhören mag, ja die frühen Abweichler, die Dissidenten der psychoanalytischen Pionierzeiten rehabilitierte? Was soll diese Triebdepotenzierung heißen? Am Beispiel: Die Miktion erweist sich als lebensnotwendiger subsistenzsichernder Akt; was an seinem pathogenen Ausfall, Beeinträchtigung hier, ja leichthin ablesbar ist.
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Hieran scheint der Triebbegriff bereits ansetzbar: Das Gesamtgeschehen urethraler Ausscheidung untersteht meiner Willkür, meinem Willen nicht, ist unwillkürlich, und in diesem Sinne triebhaft; unbeschadet von Willküreingriffen: Verzögerungen, wie gehabt, erlernbarem disziplinierendem Timing und dergleichen. Mag sein, daß innerhalb der Psychoanalyse dies "Unwillkürliche" dem Triebbegriff zugeschlagen bleibt, doch in erster Linie erscheint "Trieb" in solchen Zusammenhängen anders aufgefaßt, und zwar als Zusatz zu diesen der Selbsterhaltung dienenden Vorgängen (die alten "Selbsterhaltungstriebe"!). Ein Zusatz welcher Art? Der sozusagen reife psychoanalytische Triebbegriff geht fast ausschließlich, im Endeffekt ausschließlich, darauf aus, den Unterhalt der Selbsterhaltungsmaßnahmen zu alimentieren; des näheren - um dafür kulinarische Metaphern zu bemühen -: Trieb wirkt als Aperitif, Tischwein und Digestif der Subsistenznötigungen, als deren Anreiz, Unterstützung, Beglaubigung. Probe aufs Exempel: Fiele solche Triebbegleitung aus, ja, dann drohte ein lebensbedrohliches Funktionsversiegen - für sich, genommen, sind die Überlebensverpflichtungen gefährlich träge -; wenngleich lustfeindliche Askeseanstrengungen dagegen nicht selten begegnen, Gegenführungen an Entsagung, die auf eine monstruöse Lustverleugnung hinauslaufen, die aber belegen, daß Selbsterhaltung ("Ichtriebe") und der sexuelle Triebzusatz dazu zweierlei sind; und die darauf abzwecken, deren, der Übertreibungen, wenngleich auf diesen verfallende Weise, zu konterkarieren. Was ich sagen will: Im Zusammenspiel triebunterstützter Selbsterhaltung bleiben Komplikationen schwerlich aus, die sich alle daraufhin, übertreibend, versammeln, daß sich das Mittel, die Lustbestätigung, zum Zweck an sich selbst verfälscht, und deswegen dann auch einschlägige Askeseanwandlungen auf den Plan ruft.
Nochmals, zugespitzter: Daß das Mittel, die Sexualitätsdurchdringung je der Selbsterhaltungsmaßnahmen, sich zum Selbstzweck derselben überhebt, diese Übertreibung, nimmt Suchtcharakter an, dient also der Entschuldung der Gewalt dieser Maßnahmen, und bildet die Grundlage diesbetreffender pathologischer Entgleisungen. Und nochmals: Alle Akte der Überlebenssicherung zeigen sich suchtdurchtränkt sexualisiert, enthalten in sich den skandalösen Trug ihrer Selbstentschuldung, die sich, konsequent schuldflüchtig pathologisch, zu übersteigern pflegt; und gegen solche Übersteigerung kein Askeseeinspruch wirksam verfängt.
Übertrieben? Selbst in unseren alltäglichen Dejektionsverrichtungen, gar dem Urinieren, sollen sich solche existentiellen Dramen abspielen? Aber
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gewiß! Nur daß sie, scheinbar heilsam, abgespalten, bewußtlos gemacht, verunbewußtet werden; und sich eben nur im Krankheitsfall ans dämmerig verbleibende Tageslicht drängen.
Nun an unserem Beispiel, der Harnretention, ein wenig demonstriert:
So sehr dient die Miktion hier der Luststeigerung, dem Abschöpfen des triebhaften Mehrwerts an spezifischer Lust, daß sie sich überlastet, übermäßig auflädt, so weitgehend gar, daß die Entlastung, die Entladung gefährlich entfällt. Weshalb aber diese - Krankheit ausmachende symptomerzeugende - Übertreibung? Ich sprach von schuldflüchtiger Selbstdrogierung - das ist die vorläufige Antwort: der die innere Gewalt dieser Vorgänge suchtgemäßer Überdeckung wegen. Allein, inwiefern soll denn die Miktion, das "klein", derart gewalttätig sein? Isoliert für sich genommen kaum bis nicht, jedoch der Metabolismuszusammenhang, in dem sie spielt, überaus - unsere Selbsterhaltung besteht aus hoffnungslosem Sichverschulden, Universalparasitismus.
Im Miktionsakt vorgegeben zwar der triebgemäße Spannungsbogen, einschließlich der besonderen Unlust-Lustempfindungen dabei, doch nur im Normalfall laufen diese habitualisiert, automatisch, ohne besonderes Aufheben um sich zu machen, ab; während, auf Pathologie hin, eine Art allererst triebprägnanter Überbeanspruchung dieser Vorgaben, zum Zweck wie gehabt, des - zur Sucht hintendierenden - Erträglichmachens des Zerstörungswesens der Selbsterhaltung, hinzukommt. "Überspannt der Bogen" dergestalt, daß sein Abfuhrtelos, wie zur Bestrafung, ausfällt - Flucht in, meint man: entschuldende Lust, die mißlingt.
"Triebgemäß der Spannungsbogen" - unlustbestimmte - aber schon, in der Voraussicht von Lust, lustteleologisierter Unlust - Tensionserzeugung, eine bis zur Schmerzgrenze gehende Anhäufung des Dejekts, des Urins, das zur Entspannung, zur Elimination drängt, und, durch seine Entäußerung, ein Wohlgefühl der Leere - das projektiv bereinigte Subjekt: "Das also war es/das also bin ich" - hinterläßt (siehe Ludwig Marcuses Loblied auf die gelungene Miktion!).
Und die "besonderen Unlust-Lustempfindungen dabei" spezialisieren sich auf die typisch urethralen algolagnischen Inflammationssensationen ("Ich brinn und bin enzünd.."), auf ein Brennen, in dem sich die urethrale Leidenschaft, sich zur Passion hermetisierend, selbstbestraft - Vorgänge indessen, die einer weiterreichenden Erklärung bedürfen, und die ich mir zu akzentuieren erlaube, weil sie sich anschicken, aus dem Repertoire
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psychoanalytischen Wissens zu verschwinden. Und wegen des schleichenden Substanzverlustes der Psychoanalyse, die sich von solchen Problemstellungen abwandte, würden meine triebtheoretisch kritischen Wendungen längst auch nicht mehr als Ketzereien wahrgenommen? Was aber beim frühen Freud anders gewesen wäre; wenngleich es spät bei ihm dann doch zu wenig offensichtlichen Rehabilitierungen seiner abtrünnigen Exanhänger kam - denken Sie etwa an Alfred Adlers der Sexualität übergeordneten "Willen zur Macht", der im Freudschen "Todestrieb" und vorher schon im "Narzißmus", weniger ausgeprägt, wiederkehrt. Jedenfalls steht es soweit fest, daß die schiere Autonomie der Triebe nicht aufrechterhalten werden kann; was aber weiterhin nicht zum Anlaß genommen werden sollte, "das Kind mit dem Bade auszuschütten": die psychoanalytische Triebtheorie als erledigt zu erachten.
Fazit bis hierhin und auf unser Beispiel bezogen:
- Die Miktion ist eine Notwendigkeit der Selbsterhaltung/Subsistenz, und, als solche, ein wesentlicher Bestandteil des Stoffwechsels (also i.w.S. ein "adaptiver" Vorgang).
- Sie enthält im voraus das Ablaufschema von Anspannung und Entspannung, Aufladung und Entladung, sowie Lust-Unlustempfindungen, die sich durchweg leicht algolagnisch vermischen; die aber hintergründig bleiben, wenn sie nicht zusätzlich - allererst typisch menschlich - triebausmachend in Anspruch genommen werden.
- Erste Inanspruchnahme:
die Bloßlegung und Steigerung dieser Vorgaben, zum Zweck der Lustmaximierung, im Sinne einer Art Selbstdrogierung, um sich gegen die Gewalttätigkeit der Selbsterhaltungsmaßnahmen - gelingendes Mißlingen - zu immunisieren.
Alsbald zur nächsten hauptsächlichen - nunmehr, allererst triebgemäßen - Inanspruchnahme. Davor aber noch einige Zwischenbemerkungen zu diesem erreichten Gedankenstand:
Aus solcher entschuldend vermeinten triebschaffenden Beanspruchung wird leicht eine pathogene Überbeanspruchung, die sich, wie in unserem Beispiel - Harnverhaltung - symptomatisch austrägt; und dies "bis zum bittern Ende", daß die angestrebte retentionsbedingte Lustklimax sich in rasende Sanktionsschmerzen verkehrt und der chirurgischen Hilfe bedarf, um sich - schäbiger Nichthöhepunkt - rettend nachzuvollführen. Ja, das kommt davon; kein Wunder dann auch, daß die prämierenden Sexualitätsaufsätze
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auf den Subsistenznötigungen immer wieder moralisch beargwöhnt werden, und, gestuft, zu Askeseparierungen - bis hin zu tödlicher Weltflucht -, voll der Triebverleugung (allzeit Todesrepudiation), führen.
Versteht sich, daß, freilich differentiell, die orale und die genitale Sexualität den nämlichen Beanspruchungen und Überbeansprungen, inklusive deren asketischen Konterkarierungen, untersteht - siehe die katholische Sexualmoral: die Hüterin dieses, sagt man: reaktionären, Argwohns.
Nun aber zu den Subsistenzmaßnahmen und deren Überbeanspruchung, die überhaupt erst Pathologie, wie in unserem Beispiel die Harnverhaltung, letztplausibel machen kann; und die, im Sinne eines allgemeinen Theoriedachs, die apostrophierte Selbstdrogierung, als Entschuldungsansinnen, das, wenn es sich übertreibt, symptomatisch zusammenbricht, als ein Element nur in sich enthält. Worum es sich in dieser Erklärungsanhebung handelt? Sie ahnen es, anscheinend ganz einfach, um den "Ödipuskomplex", der doch nach wie vor das zentrale Essential der Psychoanalyse ausmacht - und dies entgegen allen Gerüchten, daß dem nicht so sei. Auf denn zur Ermittlung des "urethralen Ödipuskomplexes", zur imaginären Vatertötung und zum Inzest mit der Mutter auf diesem Sexualitätsniveau!
Was diese, ja, vorgestellte Kriminalität im Schilde führt? Die Ersetzung der Eltern durch mich selbst, den Sohn (und, anders, die Tochter). Warum aber diese - doch befremdliche - Leidenschaft? Wenn es mir gelänge, mich restlos an die Stelle der Eltern zu setzen, diese zu substituieren, dann wäre ich mir selbst mein eigener Ursprung, und also, buchstäblich, absolut, das heißt aller Bedürftigkeit, letztlich des Todes, ledig.
Von hier her stellt sich die Chance ein, den Triebbegriff zu präzisieren: "Trieb", das ist die Passion der Selbsterzeugung, der Autokreation; allemal eine Notfallmaßnahme gegen die tödliche Elternverlassenheit, den beständigen Begleitschatten der Autonomie; Solitüde, die, in schweren Nöten, sich selbst zu übernehmen pflegt und sich dadurch die Strafe, die gerechte, für diesen ihren Höhenflug - "casus ab alto" - einheimst; und so kommt auch die Selbstdrogierung, das manische Triebelement von ehedem, im Gesamtzusammenhang "Ödipuskomplex" angemessen unter.
Inwiefern aber zeugt die Harnretention, Effekt überzogener Algolagniemaximierung, von Vatermord und Mutterinzest? Ist solche Korrelierung nicht allzu weit hergeholt? Nein, überhaupt nicht, wenn immer der Entstehungsort, die entsprechende psychosexuelle Entwicklungsetappe, eben die des "Ödipuskomplexes" mit ins Spiel gebracht wird: die, beim männlichen
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Kind, "phallisch-exhibitionistische Phase", die man getrost die "urethrale" nennen dürfte. Nun mag es zwar zutreffen, daß sich zu dieser Zeit der "Ödipuskomplex" besonders prägnant macht,doch reichen seine Wurzeln tief in die vorausgehenden Phasen hinein. Entsprechend regrediert die thematische Pathologie, Harnverhaltung, in diesen ödipal zugespitzten frühen Lebensabschnitt, und, freilich, recherchierungsbedürftig, über diese in die epigenetischen Urzeiten hinaus. Memo zuvor!: Ich betreibe keine Kasuistik, wählte bloß ein Symptombeispiel aus, anhand dessen ich allgemeine Richtlinien des Zugriffs auf dasselbe vorstelle. Also: Inwiefern ist unser verspäteter Pipijunge denn ein, wenngleich ja imaginärer, Vatermörder und Mutterinzestler, ein veritables Elternsubstitut? (Versteht sich: bitte nimmer auslachen, doch Lachen darüber ist wohl erlaubt; und wenn die Komik vermittelbar, gar ein Großteil der Miete.) Sie entsinnen sich: Ich sprach vordem von der einschlägigen Inflammationsempfindung Brennen (Dauerbrand, wie zu löschen?), von jeher, zumal psychoanalytisch, auf Psychoebene, assoziert mit Ehrgeiz. Und diese, Ambition, innerhalb der SohnVaterkonkurrenz, in sich hochgetrieben, übersteigert, steht, verschoben, für den Vatermord, eine Art von Konkretismus der Verwechslung von Miktion und Zeugung. Söhnlein übernimmt sich beträchtlich: überdeckt die schwere Not dieses "quid pro quo", vergeblich, zum Schluß, mit der Überwertigkeit eines urethralen Höhenrauschs, der, schon am Abgrund plaziert, seinen Absturz, übertragenerweise die Strafe der "Kastration", präjudiziert.
Wie aber ist auf dieser Triebebene der Inzest mit der Mutter vorzustellen? Inzestuös auf höchster Höhe, überfordert sich die Miktion, phantasmatisch gar zur Erzeugung - versus bloße Schwängerung - der eigenen Mutter durch den Sohn; Sohn, der selbst so in Gänze zu seinem elterlichen Ursprung würde, und, folgerichtig, zur Strafe für seine selbstapotheotische Anmaßung in die große Schande eines kastrativ verstörten kleinen Jungen abfiele.
Außerdem: die perfekte urethrale Selbstdarstellung des "negativen Ödipuskomplexes" leistet die "Enuresis nocturna". - Der progressive Aufschluß unseres Symptombeispiels, der Harnverhaltung, käme dessen Kasuistik, wie gesagt, zu; ich kann Ihnen aber versichern, daß alle Kriterien des "Ödipuskomplexes" sich, gebührend differentiell, daran bewahrheiten.
Selbstverständlich: die "negativ-ödipale" urethrale Hypertrophie ist knallnarzißtisch scham-haft akzentuiert. Was aber niemals heißen kann, daß der "Narzißmus" eine zur Ödipalität heterogene, in diesem Sinne selbständige Determinante wäre. Expressis verbis ausgelassen habe ich den "Todestrieb",
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als Letztbedingung all dieser autokreativen Veranstaltungen, die ja der quasi entliehenen Gewalt der Todesparierung dienen - aus Gründen, meine - eh ja nicht landesübliche - Gedankenführung hier nicht zu überlasten. - Dito die für mich charakteristische Ausweitung der Psychoanalyse zu einer solchen der "Sachen", die, in erster Linie, darauf abzweckt, die objizierten - institutionellen wie technologischen - Entsprechungen zu den betreffenden Symptomen zu ermitteln. - Schließlich, wie angedeutet, läuft urethral die Geschlechterdifferenz insbesondere auf. Nur daß die "Penisneid"unterstellung, in Schimpfwörtern wie "Pißnelke", "Pipimädchen", "Ich geh mal noch nach kleine Mädchen-, angesichts der letztlich doch gebärneidisch urethralen Überkompensation in diesen Invektiven nicht verfängt. Und die Entgegnung dessen im üblich gewordenen Imperativ "Sitzpissen" ebenso nicht.
Resümee
Was den psychoanalytischen Triebbegriff, unser Thema heute, angeht, so erfüllt sich die allübergeordnete Beanspruchung der Subsistenzverpflichtungen, durchweg schon auf lustprämierte Entschuldung hin im vorhinein angelegt, in deren, kurzum: Ödipalisierung; pathologisch dann im Sinne des "negativen Ödipuskomplexes ": des Absturzes des SelbstdieElternSeins, dieser "narzißtisch" sich überschlagenden, gipfelnd "todestrieblichen" Anmaßung des absoluten Selbstursprungs, in den arg blamierten armen kleinen Pipijungen. "Trieb" geht damit über in die Passion der Selbsterschaffung, in die vollendete Todesparade Autokreation, die, halbwegs bestraft, halbwegs gewahrt, zerrig sich symptomatisch etabliert; und derart übergängig sei in den passager rettenden " Untergang des Ödipuskomplexes ", mehr aber denn als " Überich", in kulturale Dinglichkeit darüber hinaus, wovon hier, über die "Psychoanalyse der Sachen", nicht mehr gehandelt werden kann.
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* Zum zweiten Mal: siehe: Pathognostische Studien X. Afinale pathognostische Überfälligkeiten und Altlasten. Essen. Die Blaue Eule. 2010. Genealogica Bd. 43: "Zur Kritik des psychoanalytischen Triebbegriffs (halbwegs noch im Rahmen der Psychoanalyse)" (S. 15-19); "Triebtheorie" (S. 20-31). - Die besagte AW fand, aus dem widrigsten System von Gründen, nicht statt, unter denen auch wohl meine Dissidenzen mitspielten. Ich behalte mir vor, darüber gelegentlich ausführlich zu handeln.
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