zitierte Werke
Themen

Inzestformen
Die Inzeste sind die Gewalt der Produktion als Anmaßung des eigenen Ursprungs im alles Andere ausschließenden Selbstbezug. Die Auslöschung des Anderen dient der Stützung des Phantasmas der Selbst-Absolutheit; der Inzest ist Auslöschung von Andersheit. Letztlich ist der Inzest tödlich wie auch der Tod selbst als Zusammenfall mit sich selbst. Im Tod erfüllt sich der inzestuöse Wunsch nach Aneignung des eigenen Ursprungs, indem er sich ineins vernichtet. Die Inzestvollendung ist der Tod.
Der grundlegende Inzest ist der des Sohnes mit der Mutter. Dieser Inzest ist der Stellvertreter des Sterblichkeitsbewusstseins. Sterblichkeit ist das ursprünglich Verworfende. Insofern ist die Mutter die Urverfolgerin, Kern der das menschliche Seinsverhältnis ausmachenden Paranoia.
Die Inzeste des Ödipuskomplexes, der das Begehren nach dem eigenen Ursprung darstellt, sind der oral-einverleibende Mutter-Sohn-Inzest, der anal-ausstoßende Vater-Tochter-Inzest und der urogenitale Geschwisterinzest. Sie werden zugeordnet den ökonomischen Bereichen der Konsumtion, der Produktion und der Zirkulation (Tausch).
Die Inzeste sind die Kerninhalte des Unbewussten
Anschlüsse
Der Inzest stellt für C. G. Jung die Individuation als Vereinigung mit sich selbst dar.
Jung, C. G.: Praxis der Psychotherapie, 231:
"Der Inzest symbolisiert die Vereinigung mit dem eigenen Wesen, die Individuation oder Selbstwerdung, und hat, wegen der hohen vitalen Bedeutung letzterer, eine gelegentlich fast unheimliche Faszination, wenn nicht in brutaler Wirklichkeit, so doch wenigstens in dem vom Unbewußten kontrollierten psychischen Geschehen, wie dies jedem Kenner der Psychopathologie geläufig ist. (...) Der Inzest ist einfach die der Uridee der Selbstbefruchtung unmittelbar folgende Stufe der Vereinigung von Gleichartigem."
Verweise
Sterblichkeit ist das basale Trauma, das phantasmatisch pariert wird durch das Gottesphantasma; dieses konkretisiert sich als autonomes Ich und als diesem korrespondierende Dinge.
Abkürzungen der zitierten Werke:
AML = Aus meinem Leben. Posteriore Urszenen
APA = Apokalypse des Abbilds
HPS = Hinführung zu einer Psychoanalyse der Sachen (Pathognostik)
HTH = Hype-Thinking
KAU = Kaum (1-4)
KFO = KoreFashionista
KML = Kainsmale
LDK = Leib - Ding - Körper (I-III)
LIZ = Logik und Inzest (I-III)
LPG = Lectiones pathognosticae
LUI = Logik und Inzest (Die Eule Nr. 4)
MAT = Minora aesthetica
MTA = Metastasen
OAT = Omissa aesthetica
ODC = Oedipus complex
PAK = Psychoanalyse und Kantianismus
PGS = Pathognostische Studien (I-XIII)
PIV = Pathognostische Interventionen (I-VI)
RET = Retro (I-III)
RSD = Rückstände
RVL = Revival (1-4)
TDN = Todesnäherungen
TRT = Traum - Traum 1999
TTS = Taumel und Totenstarre
UDS = Die Utopie des Sadismus (Die Eule Nr. 3)
VIO = Violentiae
ZRS = Zerstreuungen