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Ödipuskomplex
Kern der Selbstkonstitution
"Grundlegend ist und bleibt (allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz) der Ödipuskomplex. D.h. aber der humanistische Fundamentalwunsch der Selbstgründung durch die Aneignung des eigenen Ursprungs, generationssexuell formuliert: der Eltern in der Gestalt von »Vatermord« und »Mutterinzest«.
Das Strukturmodell »beschreibt« nichts anderes als den Vorgang eben der Selbstgründung im Sinne intrapsychischer Prozesse: das Ich, gar auch noch als autonomes behauptet, es ist das Phantasma gelingender - gedächtnisloser - Selbstgründung im Vorausgang der zitierten Gewalttaten, die in actu, also im Status des Kampfes, durch den Widerstreit von Es und Überich, ihre Terminologisierung finden: Überich = der tote Vater, Es = Gattinnenmutter."
Was ist ein literarischer Text - psychoanalytisch? in: Omissa aesthetica, 68
Ödipuskomplex als Metaphysik der Psychoanalyse
"Der säkulare Inbegriff der wissenschaftlichen Metaphysik Psychoanalyse, das ist der Ödipuskomplex. Leicht einzusehen weshalb: er enthält die ganze Transzendenzbewegung, den Jenseitsbegriff der Psychoanalyse, das Jenseits als restlose Selbst-ständigkeit, Autonomie, Autarkie, Absolutheit/Unbedingtheit. Denn: Vatermord und Mutterinzest zwecken auf das Phantasma ab, daß das Kind, vornehmlich der Sohn, sich selbst als es selbst seine eigenen Eltern sei; daß es den eigenen Ursprung, an seine Stelle tretend, substituierend, disponiere; daß es dadurch aller Nöte der Abhängigkeit, der Bedürfnisse, der Mängel, letztlich des sterblichen Körpers, enthoben sein könne. Der Inzest demnach als die via regia zur Apotheose, inklusive des elenden Absturzes aus dieser Höhe der Indifferenz in deren Gegenteil, der unüberbrückbaren Differenzen, des Vermittlungsausfalls nur noch."
Freud und das Jenseits; in Retro III, 114

Verweise  
Ausführungen