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Ödipuskomplex
Der menschliche Lebensprozess bedeutet "die Assimilation der Elternimago, deren Auftrennung und der alleinige innerlich symbiotische Mittelgebrauch des toten Vaters zu dem Zweck, die Mutter zu distanzieren und zu bemächtigen. Den Höhepunkt des letzteren aber bildet der Tod: die endgültige Diskrimination der Mutter als spirituelle Wiedergeburt exklusiv im medialen Vater, die Pneumatik der Himmelfahrtserektion, endlich totale Virilität, unsterbliche Seele, die ihre sterbliche Körperhälfte hinter sich gelassen hat."
Die Utopie des Sadismus in: Die Eule Nr. 3, 50
"Die ubiquitäre Ödipus- oder Ontologiestruktur besteht im Autarkiephantasma der Opfergewalt, mittels des toten Vaters (Vaterleiche) die Mutter zu substituieren."
Taumel und Totenstarre, 37
"Grundlegend ist und bleibt (allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz) der Ödipuskomplex. D.h. aber der humanistische Fundamentalwunsch der Selbstgründung durch die Aneignung des eigenen Ursprungs, generationssexuell formuliert: der Eltern in der Gestalt von »Vatermord« und »Mutterinzest«."
Was ist ein literarischer Text - psychoanalytisch? in: Omissa aesthetica, 68
"Der säkulare Inbegriff der wissenschaftlichen Metaphysik Psychoanalyse, das ist der Ödipuskomplex. Leicht einzusehen weshalb: er enthält die ganze Transzendenzbewegung, den Jenseitsbegriff der Psychoanalyse, das Jenseits als restlose Selbst-ständigkeit, Autonomie, Autarkie, Absolutheit/Unbedingtheit. Denn: Vatermord und Mutterinzest zwecken auf das Phantasma ab, daß das Kind, vornehmlich der Sohn, sich selbst als es selbst seine eigenen Eltern sei; daß es den eigenen Ursprung, an seine Stelle tretend, substituierend, disponiere; daß es dadurch aller Nöte der Abhängigkeit, der Bedürfnisse, der Mängel, letztlich des sterblichen Körpers, enthoben sein könne. Der Inzest demnach als die via regia zur Apotheose, inklusive des elenden Absturzes aus dieser Höhe der Indifferenz in deren Gegenteil, der unüberbrückbaren Differenzen, des Vermittlungsausfalls nur noch."
Freud und das Jenseits; in Retro III, 114
"Rationalität meint den Gebrauch der Vaterleiche durch den Sohn zum Zweck der männlichen Nachbildung der Mutter, die in dieser Nachbildung verschwinden soll."
Logik und Inzest; in: Die Eule Nr. 4, 42

Ausführungen  
vorläufige Notizen