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Psychopathologie \
Agoraphobie
In der Agoraphobie verliert die Fortbewegung ihre scheinbare Harmlosigkeit. Das Ziel verdirbt als Anmaßung das Mittel des Gehens, was dieses phobisch beeinträchtigt.
Betrug des Gehens
"Der Agoraphobiker und überhaupt der Kranke kritisiert fürs erste den Zweck-Mittel-Bezug; er nimmt die Zweckbestimmung in die der Mittel bereits im Vorgriff mit hinein, so daß sich die Mittelerstreckung sogleich in eine unbegrenzte Serie von (letalen) Ziel- und Zweckpunkten hinein auflöst. (...) Dies heißt nun im Rahmen der Agoraphobie, daß die Fortbewegung im vorhinhein, so sie unlistig und ungewalttätig sein möchte, schon verhindert ist. Die fraglose Linearität der Fortbewegung auf ein Ziel hin (siehe die durch Krisispunkte durchgehende vertikale Flächenlinie) ist demnach selber schon ein auf Nicht-Äquivalenzbildung beruhender Erschöpfungsvorgang, der den Fortschritt der sich erschöpfenden Selbsteingabe ins Ziel immer nur als betrügerische Rechtfertigung der Konsumation desselben Ziels mißbraucht."
»Der Platz ist verflucht«. Zur Pathognostik von Taburäumen (Agoraphobie); in: Retro II, 147
Genealogica Bd. 36. Essen: Die Blaue Eule. 2006
Begriffe: Phobie,Agoraphobie,
 
 
 

Verweise
 
In der Agoraphobie zeigt sich die Gewalt der Fortbewegung, die anmaßende Souveränität des Gehens auf ein Ziel hin.
Gehen ist auf Selbstgründung bezogen, ist eine Verfügung über den Raum, den ich mir gehend aneigne. Dabei differenziert sich der Körper durch Streckung, die sich in Schritte entfaltet.
Jeder Schritt ist eine Seinserzeugung, insofern er die Differenz von Diesseits und Jenseits indifferenziert. Insofern ist jeder Schritt auch eine schuldbehaftete Anmaßung.
Eine Phobie des Gehens hat zur Voraussetzung die Indisponibilität des Hinten, des Rückens - das, was sich dem eigenen Sehen entzieht -, weshalb der Vorgang des Gehens memorial nicht eingeholt werden kann.
Der Schatten ist das epikalyptisch verschlossene und abgetrennte Unbewusste des Selbst. Der Verlust des Schattens ist der Zusammenfall mit dieser dinglich-mortalen Selbstverdopplung.
Psychopathologie