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Agoraphobie
Arkanum der Fortbewegung
"Was führt der Agoraphobiker im Schilde, ohne freilich diese seine Attacke durchhalten zu können? Allemal reißt er das Gehens-Unbewußte auf und bedeutet somit, daß Gehen, Fortbewegung eo ipso Übertretung sei, also ein schier Verbotenes beinhalte, das es zudem überspiele, verleugne. Das agoraphobische Urteil über die Normalität der Fortbewegung lautet also: in diesem sei schändliche Gewalt und zudem auch noch entscheidend die Gewalt der Abstreitung dieser Gewalt am Werke; Gewalt und Betrug, das sind die Inbegriffe der Souveränität der Fortbewegung."
»Der Platz ist verflucht«. Zur Pathognostik von Taburäumen (Agoraphobie); in: Retro II, 147
Betrug des Gehens
"Der Agoraphobiker und überhaupt der Kranke kritisiert fürs erste den ZweckMittel-Bezug; er nimmt die Zweckbestimmung in die der Mittel bereits im Vorgriff mit hinein, so daß sich die Mittelerstreckung sogleich in eine unbegrenzte Serie von (letalen) Ziel- und Zweckpunkten hinein auflöst. (...) Dies heißt nun im Rahmen der Agoraphobie, daß die Fortbewegung im vorhinhein, so sie unlistig und ungewalttätig sein möchte, schon verhindert ist. Die fraglose Linearität der Fortbewegung auf ein Ziel hin (siehe die durch Krisispunkte durchgehende vertikale Flächenlinie) ist demnach selber schon ein auf Nicht-Äquivalenzbildung beruhender Erschöpfungsvorgang, der den Fortschritt der sich erschöpfenden Selbsteingabe ins Ziel immer nur als betrügerische Rechtfertigung der Konsumation desselben Ziels mißbraucht."
»Der Platz ist verflucht«. Zur Pathognostik von Taburäumen (Agoraphobie); in: Retro II, 147
 
 
 
Verweise