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Psychopathologie \
Akrophobie
Das phobische Objekt der Akrophobie ist die Tiefe, die ich sein will, über die ich verfügen, mit der ich verschmelzen möchte. Vielleicht vermag nur der Akrophobiker die Tiefe wahrzunehmen.
Akrophobie
"Fernab von jeder Psychoanalyse und eher wieder im Rekurs auf Adler bestimmt sich die Akrophobie als Täuschung des »Schwerkraftsinns« durch das perspektivische Vergrößerungs- und Verkleinerungssehen; Täuschung im Sinne einer prekären Dispositionsverführung. Die phobische Angst, das vehemente Angstsignal, wäre dann nichts anderes als die quasi übertrieben vehemente Weckung des eingeschläferten Schwerkraftsinns, immer so etwas wie ein epileptoid anmutender Paroxysmus, der mitnichten zur ordentlich adaptiven Bewältigung der phobischen Situation führt, diese vielmehr allererst ausbildet und ausschöpft."
Phobie I; in: Metastasen, 118
Wien: Passagen Verlag. 1995
Begriffe: Phobie,Akrophobie,
 
 
 

Verweise
 
Phobien sind unfreie Repräsentationen des Dingarkanums, das heißt Verkörperungen. In der Phobie versucht man das phobische Objekt selbst zu sein.
Das phobische Objekt isoliert sich und fällt aus seinem Gebrauchszusammenhang heraus. Dadurch öffnet sich seine Gewaltförmigkeit, die sich der Objektivierung verschuldet. Dieses Wissen sucht sich zu verschließen, indem das phobische Objekt inkorporiert wird, wodurch sich das Subjekt mit der im Objekt verkörperten Schuld auflädt.
Die Phobie ist der Verlust der Distanz zu einem Ding, indem dessen innere Gewaltförmigkeit angeeignet wird. Der Phobiker will selbst zu diesem Ding werden. Dadurch zerbricht die Möglichkeit seines unbefangenen Gebrauchs.
Psychopathologie