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Subsistenzsexualität \
Exkremente
Das Essen ist Anderenvernichtung, die sich im Körperinneren vollendet. Ergebnis sind die Exkremente, einerseits Dokumente der Vernichtungsgewalt der Verdauung, andererseits lebensrettende Manifestationen des Scheiterns des nutrimentalen Inzests.
nutrimentalinzestuöses Scheitern
"Die Exkremente bezeugen, fürs erste, die große Schmach, daß alles orale Begehren: das Einswerden mit dem Nahrungsmittel, korporell anfänglich ja mit dem Mutterkörper, arg versagt. Denn sie kommen auf als provokant versinnlichte Mahnmale eben dieser Differenz, des menschlichen Körpers und seiner alimentären Waren, des nutrimentalinzestuösen Scheiterns."
Schimpfwörter - aufgeklärt wider ihre besinnungslose Ubiquität; in: Pathognostische Studien XII, 168f.
Genealogica Bd. 45. Essen: Die Blaue Eule. 2013
Begriffe: Exkremente,
 
 
 
Anschlüsse:
Frankfurt, Harry G.: Bullshit, 50f.
"Die Exkremente sind gleichsam der Kadaver der Nahrung, der übrigbleibt, wenn die lebenswichtigen Elemente daraus extrahiert sind. In diesem Sinne stehen die Exkremente für den Tod, den wir selbst hervorbringen und in der Tat ganz unausweichlich hervorbringen, indem wir uns am Leben erhalten. Vielleicht finden wir Exkremente ja deshalb so abstoßend, weil sie den Tod zu einer derart intimen Angelegenheit machen."

Verweise
 
Das Mutterleibopfer geht in der Verdauung nicht restlos auf, übrig bleiben die Exkremente als Geheimnisverrat (Gedächtnis). Vor ihrer Wiedereinverleibung rettet die Produktion der Dinge.
Das Scheitern des Begehrens nach Absolutheit, nach Indifferenz in der vollständigen Assimilation der Nahrung manifestiert sich im Exkrement, das uns so als Differenzanmahnung schambesetzt vermenschlicht.
Das Wechselspiel von Ausstoßung und Einbehaltung der Exkremente kennzeichnet die anale Phase. Das Exkrement ist die durch orale Einverleibung getötete Mutter, die in Abwehr der koprophagischen Rückaneignung verworfen wird.
Die inzestuöse Anverwandlung des Essens als Aufhebung des Körpers wird gebrochen durch die Differenzierung von Körper und Ding aneinander, vermittelt über die Differenzausfällung der Exkremente, immer bedroht von der koprophagischen Rückaneignung.
Die Lebensmittel als stilvoll aufbereitete Mutterleibleichen, einladend zum Verzehr, die Verdauung als tötende Aneignung, schließlich das schamhafte Wegschaffen des exkrementalen Restes wie die Entsorgung einer Leiche. Das alles im Dienst der Erhaltung des Selbst.
Subsistenzsexualität