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Psychopathologie \
Indifferenzierung der Differenz
Die Göttlichkeit der Brücke besteht in der Indifferenzierung einer Differenz, sie verbindet ein Diesseits mit einem Jenseits, ist Überbrückung eines Abgrunds, sie stellt einen Zusammenhang gegen eine Unterbrechung her.
Brücke als Indifferenzierung der Differenz
"Bekanntermaßen besteht die Realfunktion einer Brücke eben in der Über-Brückung eines selben Unterbrochenen, in der Vermittlung eines selben Getrennten, der Zusammenführung eines selben Entzweiten, mittels Einfügung/Fugenbildung aus dem nämlichen Stoff, aus dem das Unterbrochene/Getrennte/Entzweite besteht. Die Brücke ist die mechané der (Wieder)herstellung einer Kontinuität wider eine Diskretion, einen Einschnitt, Riß; der Indifferenz wider die Differenz, psychoanalytisch (paradoxerweise?) des Inzest wider das Inzesttabu. (...) Der Brückenbau ist somit die Produktion eines Gottes und also immer auch die der Göttlichkeit im Ganzen: des Ununterschiedenen (...), des Einzigen, Einen als Alles, des Individuums und des Seins."
»Individuum est ineffabile«? Zur Reichweite von Reservationsbegriffen in der Psychotherapie; in: Pathognostische Studien VI, 73
Genealogica Bd. 29 Essen: Die Blaue Eule. 2000
 
 
 

Verweise
 
Phobien sind unfreie Repräsentationen des Dingarkanums, das heißt Verkörperungen. In der Phobie versucht man das phobische Objekt selbst zu sein.
Gegen den tödlichen Sog der Indifferenz (Einheit, Verschmelzung, etc.) setzen sich die schmerzhaften, lebenserhaltenden Differenzen. Aber sie verfallen das Anziehung der Indifferenz und sind nur vorübergehende Aufschübe.
Wie jede Phobie ist die Brückenphobie Ausdruck eines nicht untergegangenen Ödipuskomplexes: das Objekt ist nicht vollständig veräußert, sein Produktionsgrund nicht epikalyptisch verschlossen. Die Differenz zum Objekt ist ausgesetzt, wobei die Brücke sich als phobisches Objekt besonders eignet, weil sie als Objekt selbst die Überbrückung von Differenz darstellt.
Psychopathologie