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Intellektualität \
Intellektualität und Psychose
Mit der Psychose teilt Intellektualität die Anerkennung der Unausweichlichkeit der Schuld, deren Leugnung nur eine Täuschung sein kann. Aber sie situiert sich in dem Bereich zwischen einem das Dingarkanum schuldverschließendem Wissen und einer psychotischen Öffnung desselben.
Intellektualität und Psychose
"Es mag aber gelingen können, einen solchen Begriff von Intellektualität zu tätigen, der in voller Anerkenntnis deren untilg­barer Verschuldung an Psychose (und freilich auch mit unfrei­williger Konzession deren tatsächlicher Dementiumringung nach­gerade) wenigstens seine quasi Selbstgemäßheit erreichte und einnähme. Intellektualität - die hybride Kontamination prozessual von Wissenschaft (dem Verschluß/der Epi-kalypse des göttlichen Dingmysteriums) und Psychose (der Öffnung/Apo-kalypse des nämlichen) - vollzöge sich dann als Paradoxie eines unhaltbaren Dauerwitzes, der sich nimmer entscheiden könnte zwischen letzter Häme und letztem Erbarmen dem Opferarkanum der Dinge, diesem tragisch-komischem Gott des Menschen gegenüber; und der diese Indezision(en) rein in sich selbst hinein abführte als »transversale« unbemächtigende Weilereferenz auf seinen verrückten Comes."
Fortschreibungen zum Problem einer "Psychoanalyse der Sachen"; in: Retro III, 104
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Petersen, Karl Thomas: Allgemeine Probleme der Institutionalisierung von Pathognostik; in: Leib - Ding - Körper I, 167
"Wo die Institution begrenzt, entgrenzt die Pathognostik, bricht die Gesetze des Erinnerns und führt damit Rationalität intellektuell in den Bereich ihrer Decouvrierung als Abwehrgeschehen. Dies geht immerhin soweit, daß der Erdenker der Pathognostik, Rudolf Heinz, selbst mehrfach von einem Psychotisierungskonzept sprechen konnte. (...) Wenn nun die Psychotisierung das letzte intellektuelle Mittel einer möglichen Aufklärung versus deren selbstkonterkarierende Rationalitätsfesselung darstellt - mit Heidegger gesagt, die Herstellung von so etwas, wie »Erfahrung des Denkens« im Gegensatz zu »Seinsvergessenheit« - dann ist zu bedenken, daß damit ja auch der Zusammenhalt der Subjektivität an seine Grenze geführt wird."
Verweise
 
Die Psychose als Verlust der Differenz zum Anderen ist die Aufhebung des Subjekts als Schuldträger, als verantwortliches Subjekt. Insofern ist sie die Rückseite der Normalität.
Intellektualität ist ein Parasit der Psychose, aufgeladen mit der in ihr akkumulierten Gewalt und ausgesetzt ihrem Widerstand gegen ihre Ausbeutung in medialen Wucherungen.
Jede Projektion ist eine Introjektion, weil sie mit einer Identifizierung verbunden ist. Das Projizierte wird also rückangeeignet trotz seiner Veräußerung. Diese Re-Introjektion ist letztlich tödlich, wird nur vorübergehend in Regie genommen und bildet Krankheitssymptome aus.
Pathognostische Aufklärung bewegt sich am Rand der Psychose. Zur Aufschließung des Ding-Unbewussten bedarf es eines Rückbefalls durch dieses, der sich nur deshalb nicht in Pathologie verschließt, weil er sich medial veräußert.
Psychose ist Todeseinbehaltung, das heißt, es fehlt an Todesveräußerung als Repräsentation/Dinghervorbringung. Psychose ist somit der Versuch der Aneignung des Ursprungs.
Psychose und Intellektualität verweigern beide die Entschuldung durch den Übergang in Epikalypsen. Die Psychose bleibt diesseits des Übergangs, Intellektualität besetzt den Übergang selber.
Intellektualität