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Inzest
Der Inzest ist die Anmaßung des eigenen Ursprungs im alles Andere ausschließenden Selbstbezug. Letztlich ist der Inzest tödlich wie auch der Tod selbst als Zusammenfall mit sich selbst.
Gehalte des Unbewussten
"Die Reservat-Gehalte des Unbewußten sind die Inzeste - traditionell psychoanalytisch an erster Stelle der Mutter-Sohn-Inzest - als die nach ihrem Schweregrad gestuften, letztlich tödlichen Weisen der Anmaßung des Ursprungs/des ausschließlichen Selbstbezugs."
Zur traumatologischen Gedächtniskonstitution im Ausgang von der Psychoanalyse I und II; in: Pathognostische Studien VI, 128
vom Mutterinzest zum Vaterinzest
"Das System der Inzeste - selbst schon die Ödipusmythe gibt dafür mehr her, als die psychoanalytische Vereinseitigung auf den allzeit familial hypostasierten Mutter-Sohn-Inzest suggeriert. Gleichwohl steht diese Inzestart am Anfang, nämlich als Elternvernichtung durch den "erstgeborenen" Sohn: Vatermord und Mutterinzest, Absperrung der Exogamie, Herkunftsinkorporation - der ganze Wahn der Absolutheit. Allein, der also vergöttlichte Sohn krepierte geschlechtsmetamorphotisch an dieser seiner Ursprungsvollgefressenheit, wenn er seine Durchseuchung mit dem Giftstoff maternaler Weiblichkeit nicht wieder vomierte: Sohn, der, Vater-Tochter-inzestuös gerettet, mehr als der (Un)gatte wie zum Vater der eigenen Mutter wird, sich so die eigene Mutter als Tochter erschafft. So der dringlich erweiterte, in sich psychotisch gesteigerte Ödipuskomplex."
Hype-Thinking. Über Dingdimensionen und Inzestformen, 18
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Jung, C. G.: Praxis der Psychotherapie, 231
"Der Inzest symbolisiert die Vereinigung mit dem eigenen Wesen, die Individuation oder Selbstwerdung, und hat, wegen der hohen vitalen Bedeutung letzterer, eine gelegentlich fast unheimliche Faszination, wenn nicht in brutaler Wirklichkeit, so doch wenigstens in dem vom Unbewußten kontrollierten psychischen Geschehen, wie dies jedem Kenner der Psychopathologie geläufig ist. (...) Der Inzest ist einfach die der Uridee der Selbstbefruchtung unmittelbar folgende Stufe der Vereinigung von Gleichartigem."
Verweise
 
Selbstgründung als Aneignung des Ursprungs vollzieht sich als Vernichtung der Alterität. Die Verkörperung von Andersheit ist letztlich der Mutterkörper, dessen Vernichtung sich in der Produktion der Dinge vollendet.
Ichautonomie ist in sich gewaltförmig, verdankt sich der inzestuösen Aneignung des mütterlichen Ursprungs mittels des toten Vaters. Das Ich ist die Verhüllung von Vatermord und Mutterinzest.
Die Faszination des Geschwisterinzests gründet in der Vorstellung, die Eltern zu ersetzen und sich so ihrem inzestuösen Zugriff zu entziehen. Er ist die Abwehr eines Inzests durch einen Inzest.
Im Tod erfüllt sich der inzestuöse Wunsch nach Aneignung des eigenen Ursprungs, indem er sich ineins vernichtet.
Die einzelnen Schlafphasen entsprechen den Inzestformen: Tiefschlaf = Mutter-Sohn-Inzest, Vortraumschlaf = Vater-Sohn-Inzest, Traum = Geschwisterinzest
Die Inzeste des Ödipuskomplexes: der oral-einverleibende Mutter-Sohn-Inzest, der anal-ausstoßende Vater-Tochter-Inzest und der urogenitale Geschwisterinzest werden zugeordnet den Bereichen der Konsumtion, Produktion und »Aufzeichnung«.
Die Exkremente manifestieren das Scheitern des nutrimentalen Inzests. Dieses Scheitern will der exkrementale Inzest rückgängig machen. Die drohende tödliche Indifferenz löst sich auf in der Herstellung der Dinge, die an die Stelle der Exkremente treten.