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Psychopathologie \
Klaustrophobie
In der Klaustrophobie will ich der ganze Raum sein, der dann aber mit mir zusammenfiele und mich zerdrückte. Die Differenz zwischen mir und dem mich umgebenden Raum ist in der Normalität nur scheinbar anerkannt und bricht in der Phobie zusammen.
Klaustrophobie
"Der geschlossene Raum zöge sich auf Null zusammen und zerquetschte mich, weil ich, Körper, im vorhinein der ganze Raum als unendliche Kugel gewesen sein würde. (...) Die normale Benutzung geschlossener Räume hält, gebrauchsgarantierend, diesen kranken klaustrophobischen Aufriß des Körper-Ding-Verhältnisses bloß unter Verschluß; überwindet diesen mitnichten, zehrt vielmehr epikalyptisch davon. Normale Benutzung, die die fundierende Differenz konsumatorisch in sich selbst hinein vergißt und einschließt; so daß Krankheit nichts anderes als die im Vergessen noch gefangene Unvergeßlichkeit desselben Indifferenzphantasmas ausmacht."
Phobie II; in: Metastasen, 137
Wien: Passagen Verlag. 1995
 
 
 

Verweise
 
Phobien sind unfreie Repräsentationen des Dingarkanums, das heißt Verkörperungen. In der Phobie versucht man das phobische Objekt selbst zu sein.
Die Phobie ist der Verlust der Distanz zu einem Ding, indem dessen innere Gewaltförmigkeit angeeignet wird. Der Phobiker will selbst zu diesem Ding werden. Dadurch zerbricht die Möglichkeit seines unbefangenen Gebrauchs.
Das phobische Objekt isoliert sich und fällt aus seinem Gebrauchszusammenhang heraus. Dadurch öffnet sich seine Gewaltförmigkeit, die sich der Objektivierung verschuldet. Dieses Wissen sucht sich zu verschließen, indem das phobische Objekt inkorporiert wird, wodurch sich das Subjekt mit der im Objekt verkörperten Schuld auflädt.
Psychopathologie