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Krankheit
"Entscheidend ist demnach die nicht-kausale Synchronie jeweils des Körper/Selbst-Dingverhältnisses, das, im Krankheitsfall indifferent geworden, seiner Differenz (wieder)zugeführt werden soll; dergestalt aber, daß die zurückgewonnene Differenz die Wertigkeit der pathologisch vorausgegangenen Indifferenz (nicht zuletzt deren Erkenntniswertigkeit) nicht einfach vergißt. Therapie, die nicht auf den Normalgebrauch, vielmehr auf spezifische Gebrauchstravestien abzielen sollte."
Metastasen, 20
"Krankheit - das ist das unmögliche Ansinnen, den Vorbehalt der inneren Dingverfassung zerstören und zugleich in Gänze respektieren zu wollen. Ein letztlich tödlicher Widerspruch, der den Tod allererst erschafft, dilatiert in den partiellen Toden von Krankheit. Normalität, das ist entsprechend die Einhelligkeit der Vorbehaltseinräumung, welche die blinde (konsumatorische) Teilhabe an der Gewalt dieses Vorbehalts gewährleistet."
Dialogue Interieur über Pathognostik versus Psychoanalyse; in: Kaum 4, 16
"Alle Krankheit zapft die in den Dingen untergegangene, als martiale Dinglichkeitserfüllung ebendort subsistierende Sakralität mitsamt deren instantanem Rückschlag als Subjektverfassung, autonomes Ich an; geht also in den Gott ein (und fällt in einem von ihm in kein Anderes ab). (...) Das Heilige, das ist der - in der Krankheitsanzapfung unsentimentalistisch in synchronen Intensitäten tatsächlich noch erfahrbare - nothafte Aberwitz des Absolutheitsphantasmas des ganzen Gotts des Menschen. Es unterhält sich in der rasenden Imperialität der Schlachtung alles heteron: der Geschlechts, der Generation, des Todes selber. Das Heilige: der restlose Inzest-Klumpatsch."
Die eingesperrte Sakralität. Zum Problem des Rest-Heiligen in Psychopathie; in: Retro II, 155f.
"Krankheit, das ist nichts anderes, als die Exkulpationsverheißung der Ichautonomie buchstäblich zu nehmen, also beides widersprüchlicherweise in einem disponieren zu wollen: diesen Gewaltverschluß und seine Geöffnetheit instantan. Nur daß die geöffnete Ichautonomie, die Bewußtseinsofferte dieses Unbewußten, dies Trugbild selber vorspiegelt. Widerstand als die Identität von Krankheit und deren Gegenteils."
Wissenschaftlichkeit und »ursprünglicher Sadismus«; in: Pathognostische Studien III, 104
"Pathognostisch zentral aber ist die Frage nach der Objektivitätskorrespondenz der Erkrankung, insofern diese jene allererst erkennbar macht, dagegen aufbegehrt - erkennbar macht und dagegen aufbegehrt im Modus des Selbstopfers."
Notizen zur Nephroptose; in: Pathognostische Studien III, 60
"Da Krankheit menschlich als Selbstbestandteil immer magischer Observanz ist, paradoxerweise ihre scheiternde Selbstverhinderung an sich selbst ausmacht, wäre tödliche Krankheit nichts anderes als sanktionierte: mit dem Tode bestrafte übermäßige Krankheitsmagie."
Die Armut der res cogitans. Innenansichten einer viszeral-chirurgischen Operation; in: Todesnäherungen, 121
"Es war davon die Rede, daß, Pathologie be-dingend, Körper (das ist phänomenologisch »Leib«/cogito) selbst Ding zu sein begehre. Diese These bedarf noch der Präzisierung dahingehend, daß Körper prätendiere, auf korporelle Fühlbarkeitsweise zugleich ganz totes Ding zu werden, sofern in dieser kontradiktorischen Kontamination jener dann den ganzen Vorzug dieses mitbesitze: den der schieren Unbedürftigkeit: Autonomie/Autarkie/Absolutheit."
Lectiones pathognosticae, 49

Ausführungen  
vorläufige Notizen  
Krankheit als Offenlegung des generellen Schuldzusammenhangs, der in der Produktion von Dingen als Entäußerung der menschlichen Sterblichkeit besteht. Der Mensch projiziert seinen Tod in die Dinge. Krankheit ist die ohnmächtig verstrickte Rückentäußerung des in die Dinge projizierten Todes.