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Kunst
Kunst
"Aber die Kunst? Freilich ist sie, das Gegenteil eines Kontrapunktes zur Intellektualität, nein, deren epochale Kundgabeweise selber, durchaus traditionell zum Zwecke ihrer eigenen Stoffe-Bildung auf die Himmelsmana-Mahlzeit der Dinge (hintenherum) und deren Zeichenausscheidung dann als sie selbst, die transparent verpackte, nichts als angewiesen. Es machte aber wohl Unterschiede ums Ganze aus, wie sie sich bereitfände, diese Unabkömmlichkeit des post-festum productionis kundzutun. Einzig angemessen wohl der Zeichenhervortritt des Produktionsphantasmas selber in Gänze und immer freilich an/auf der Grenze seines doppelten Wiederkömmer-Untergangs; was nicht ausschließt, vielmehr öfters erforderlich macht, unauflösbare Rätselfragmente dieser Schrifttotalen darzutun."
Ödipus for ever; in: Kaum 2, 56
 
 
 
Verweise
 
Der literarische Text zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Produktion verbirgt und dadurch eine Kraft der Verführung entwickelt. Das konstitutive Opfer wird im Produkt verleugnet.
Kunst ist ähnlich wie Krankheit Magie, aber nicht ohnmächtig verstrickt am Körper, sondern dinglich abgespalten. Eine magische Bannung des inzestuösen Todessogs, eingeschlossen in Objekte.
Das Objekt der Bildenden Kunst reflektiert sich in sich selbst, zehrt seine Inhalte zugunsten seiner Form auf, die Inhalte werden zu »funktionalen Phänomenen« des Mediums. Eine auf Selbstzerstörung hinauslaufende Göttlichkeitsanmaßung.
Kunst beschwört die sich als Pathologie manifestierende Katastrophe der Rückaneignung der Dinge (»Dingefraß«), indem sie sie nochmals veräußert.
Beide Kunstformen beziehen sich auf die Zeit, einerseits als Auslöschung, andererseits als Gestaltung, beide Male geht es um Todesdisposition. Gewaltförmiger ist allerdings die Musik.
Musik
Der Mutterkörper ist der primäre Klangkörper, in den wir im Musikgenuss regressiv-phantasmatisch fliehen. Aber nicht, ohne ihn auch disponieren zu wollen mit Hilfe des toten Vaters.
Die Zeit verkörpert Vergänglichkeit, Sterblichkeit. Musik ist der Anspruch der Verfügung über die Zeit in der Gestalt von Rhythmus und einer Klangfolge mit einem Anfang, einer Entwicklung und einem Ende. Als Repräsentation der Zeit selbst ist sie die Usurpation des Todes.
Intention der Kunst ist die Produktion der lebendigen Leiche: das, was nicht stirbt und doch tot ist. Und das ist in der subjektiven Pathologie die Depression. So wäre die Depression das subjektive Pendant zur Kunst.