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Musik
Der Mutterkörper ist der primäre Klangkörper, in den wir im Musikgenuss regressiv-phantasmatisch fliehen. Aber nicht, ohne ihn auch disponieren zu wollen mit Hilfe des toten Vaters.
musikalische Mutterbemächtigung
"Wir glauben unterdessen, wenigstens dies schon psychoanalytisch von der Musik zu wissen: daß sie regressiv-akustisch vor dem vollen Anblick des Vater-Dritten ausweicht, bis in die Lautumhülltheit des Mutterleibes flieht, aber doch mittels des dorthin durchaus mitgenommenen unentbundenen Vater-Dritten aktivste mimesis an alle Mutterlaute in eigener Regie leistet. Es ist, wie man meinen könnte, eine mildere Form von Inzest, identisch außerdem mit der christlichen Mythe (Heilige Familie, Opfertod Christi, Dreifaltigkeit), die allein schon durch die avancierteste Musiksyntaktik - die Dur-Moll-Tonalität -, also schon »formal«, sich ihrer selbst ansichtig macht."
Logik und Inzest in: Die Eule Nr. 4, 68
 
 
 
Verweise
 
Musik ist der Versuch, das Jenseits der Repräsentation, die Präsenz, die Gegenwärtigkeit, zu erreichen. Die Präsenz aber ist der Tod; keine Kunstform kommt ihr so nahe wie die Musik und wehrt sie umso stärker ab.
Die Zeit verkörpert Vergänglichkeit, Sterblichkeit. Musik ist der Anspruch der Verfügung über die Zeit in der Gestalt von Rhythmus und einer Klangfolge mit einem Anfang, einer Entwicklung und einem Ende. Als Repräsentation der Zeit selbst ist sie die Usurpation des Todes.
Musik als Versuch der Wiedergutmachung, Klage über eine Schuld. Eine Klage, die glaubt, die Schuld sühnen zu können, indem sie die Toten zu erwecken versucht.
Beide Kunstformen beziehen sich auf die Zeit, einerseits als Auslöschung, andererseits als Gestaltung, beide Male geht es um Todesdisposition. Gewaltförmiger ist allerdings die Musik.