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Musik als Zeitdisposition
Die Zeit verkörpert Vergänglichkeit, Sterblichkeit. Musik ist der Anspruch der Verfügung über die Zeit in der Gestalt von Rhythmus und einer Klangfolge mit einem Anfang, einer Entwicklung und einem Ende. Als Repräsentation der Zeit selbst ist sie die Usurpation des Todes.
Musik als Zeitdisposition
"Musik, eben als sogenannte »Zeitkunst« beansprucht, von sich aus als sie selbst,eo ipso, Verfügung über Zeit; und dies zwar wie alle Medieneinsätze, sie jedoch ausnehmend dadurch, daß sie, anscheinend unmittelbar, die Zeitverfassung selbst repräsentiere.
Wie ist dieses entscheidende Ansinnen einzuschätzen? Alles spricht dafür, daß wir, Menschen, die Sterblichen, offensichtlich nicht umhin kommen, die Zeit, die uns ja zu einzig bedürftigen endlichen Wesen macht, in Regie zu nehmen, mehr noch: die Herrschaft der Zeit selbst ganz zu sein. Wir können zwar nicht anders, doch diese Unabdingbarkeit mißrät, wesentlich, zur letzten Anmaßung, nämlich der schlechterdings unmöglichen Todesdisposition, gipfelnd, kunsthaft medial, in Musik."
Ist die Musik wirklich so grausam, wie von der Orpheusmythe unterstellt?; in: Pathognostische Studien XI, 191
Genealogica Bd. 44 Essen: Die Blaue Eule. 2011
Begriffe: Musik,
 
 
 

Verweise
 
Musik
Der Mutterkörper ist der primäre Klangkörper, in den wir im Musikgenuss regressiv-phantasmatisch fliehen. Aber nicht, ohne ihn auch disponieren zu wollen mit Hilfe des toten Vaters.
Musik ist der Versuch, das Jenseits der Repräsentation, die Präsenz, die Gegenwärtigkeit, zu erreichen. Die Präsenz aber ist der Tod; keine Kunstform kommt ihr so nahe wie die Musik und wehrt sie umso stärker ab.
Musik als Phantasma der Zeitdisposition schirmt das Trauma der Sterblichkeit ab, ist eine Täuschung, die sich als aufwändig gestaltete Regression angesichts der Todesvorstellung anbietet.
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