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Musik als Zeitdisposition
Die Zeit verkörpert Vergänglichkeit, Sterblichkeit. Musik ist der Anspruch der Verfügung über die Zeit in der Gestalt von Rhythmus und einer Klangfolge mit einem Anfang, einer Entwicklung und einem Ende. Als Repräsentation der Zeit selbst ist sie die Usurpation des Todes.
Musik als Zeitdisposition
"Musik, eben als sogenannte »Zeitkunst« beansprucht, von sich aus als sie selbst,eo ipso, Verfügung über Zeit; und dies zwar wie alle Medieneinsätze, sie jedoch ausnehmend dadurch, daß sie, anscheinend unmittelbar, die Zeitverfassung selbst repräsentiere.
Wie ist dieses entscheidende Ansinnen einzuschätzen? Alles spricht dafür, daß wir, Menschen, die Sterblichen, offensichtlich nicht umhin kommen, die Zeit, die uns ja zu einzig bedürftigen endlichen Wesen macht, in Regie zu nehmen, mehr noch: die Herrschaft der Zeit selbst ganz zu sein. Wir können zwar nicht anders, doch diese Unabdingbarkeit mißrät, wesentlich, zur letzten Anmaßung, nämlich der schlechterdings unmöglichen Todesdisposition, gipfelnd, kunsthaft medial, in Musik."
Ist die Musik wirklich so grausam, wie von der Orpheusmythe unterstellt?; in: Pathognostische Studien XI, 191
Wahn der Zeitdisposition
"Musik und Gewalt - die Orpheusmythe gibt den zwingensten Aufschluss darüber: Musik, sie ist künstlerisch erstgeborene Ausgeburt des »Todestriebs«, will sagen: Sie nährt sich vom Phantasma, ja vom Wahn der Zeitdisposition, provoziert durch den nicht selbsterfahrbaren, bloß außen vorgestellten Tod, durch das Sterblichkeitstrauma."
Psychoanalyse der Ästhetisierung von Gewalt. Von der Grausamkeit der Musik; in: Ch. auf der Horst (Hg.), Ästhetik und Gewalt. Physische Gewalt zwischen künstlerischer Darstellung und theoretischer Reflexion, 48f.
 
 
 
Verweise