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Subsistenzsexualität \
Nahrung als Verfolger
Das sich als Anorexie manifestierende Unbewusste der Nahrung (die Schuld der Nahrungsmittelproduktion und -verteilung) macht die Nahrung zum Opfergott, der mich verschlingen will.
Anorexie
"Der dem Symptom [Anorexie] innewohnende objektive Außenbezug ist anorektisch das Nahrungsmittel. Dessen pathognostisch kriteriale nicht passager symbolische Auffassung besagt, dass alle nutrimentale Symbolik das bleibende Wesen des Nutriments selbst schon ausmacht, dessen bewusst gemachtes Unbewusstes. Das manifeste objektiv-dingliche Unbewusste bestimmt sich in der Art eines Tabus als göttliche Autarkie, die - ebenso wie die pathogen angemaßte des Körpers - in ihr Gegenteil radikaler Bedürftigkeit hinein kollabiert und also zum Opfermoloch wird: allerhungrigste Nahrungsmittel, die transsubstantiiert hinter mir als ihr Fraß her sind - Fressen oder Gefressenwerden. Entsprechend garantiert die auch psychoanalytisch übliche symbolistische Entschärfung der Nutrimente, wider alles Gedächtnis und also dubioserweise, die Nahrungsaufnahme."
Zur Institutionalisierung der Pathognostik; in: Pathognostische Studien VIII, 194
Genealogica Bd. 32. Essen: Die Blaue Eule. 2003
Begriffe: Anorexie,Nahrung,
 
 
 

Verweise
 
Die Nahrungsaufnahme ist inzestuös stigmatisiert - dieses inzestuöse Begehren (es gibt kein Außen, alles ist in mir) scheitert an der Defäkation - koprophagisch wäre der Inzest (das Einssein mit mir) zu retten, aber mit letalen Folgen - stattdessen dann der vorläufig rettende Übergang von den Exkrementen zu den Dingen - und von den Dingen her dann die Rückaneignung der Dinge in den Körper (Psychose - die »Arschmahlzeit der Dinge«).
Nahrung wird als schuldbehaftet empfunden (was sie auch objektiv ist angesichts der Gewaltverhältnisse ihrer Produktion und der Ungerechtigkeit ihrer Verteilung), diese Schuld wird im Essvorgang bedrohlich freigesetzt und mit der Verweigerung der Nahrungsaufnahme pariert.
Subsistenzsexualität