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Pathognostik \
Pathognostik
Pathognostik ist eine Subversion der Psychoanalyse, keine Alternative zu ihr, sondern ihre radikalisierende Fortschreibung. Was herkömmlich als krankheitskonstitutive subjektive Zutat zu den Dingen angesehen wird, ist die Offenlegung des Produktionsgrundes der Dinge, die in ihnen eingeschlossene Gewalt, in die sich Krankheit ohnmächtig verstrickt.
Pathognostik
"Nach pathognostischem Verständnis gibt es keine Krankheit ausmachenden subjektiven Zutaten zu den Dingen; alle solchen vermeintlichen Zutaten, die tunlichst wieder weggeschafft werden sollen, holen aus den Dingen selber bloß diejenige Dimension hervor, die ihnen wesentlich (im buchstäblichen Sinne: also letal) innewohnt, die üblicherweise aber vergessen wird, und wenn sie hervorkommt, zum randständigen Betriebsunfall verfälscht zu werden pflegt. Es ist dies die »ontologische« Dimension des Opfers (der Schuld, der Gewalt), auf deren objektive Ankunft als die Erfüllungsgestalt von Krieg und Apokalypse der Kranke nicht warten kann, die er vorwegzu­nehmen und in dieser Vorwegnahme zu beschwören sucht, wodurch er sich zum Opfer derselben macht, das deren Bann nicht bricht, sondern be­glaubigt. Krankheit als der untere Weg der Selbstrettung, diese als Gewalt­partizipation unter dem Deckmantel, diese Gewalt außer Kraft zu setzen."
»Der Platz ist verflucht«. Zur Pathognostik von Taburäumen (Agoraphobie); in: Retro II, 141f.
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Gerlich, Siegfried: Pathognostische Pseudomorphosen. Eine konservative Revision; in: Rudolf Heinz and friends, 66
"Nicht zuletzt mit ihrer genealogischen Recherche eines geistkreativen Weiblichkeitsopfers bewegte sich die Pathognostik hellsichtig auf längst verwischten Spuren des deutschen Irrationalismus, und noch ihre mythosophische Verfugung der Geschlechter- und Generationendifferenz mit der Lebens- und Todesdifferenz zu einer archetypischen Kategorienlehre findet sich bei den exponiertesten Erotologen der deutschen Lebensphilosophie charakteristisch vorgedacht."
Verweise
 
Krankheiten als Sterblichkeitsparaden, entsprechend der Bezug auf den Todestrieb, Einbeziehung der Dingkontexte, Dingsymbolik als Produktionsgrund der Dinge
Die Pathognostik ist keine Alternative der Psychoanalyse, sondern ihre Subversion. Das, was die Psychoanalyse auf der Subjektseite zusammengetragen hat (Ödipuskomplex, Narzissmus, Todestrieb), geht auf die Objektivitätsseite über.
Pathognostik versteht sich als Genealogie und wendet sich gegen die Trennung von Genesis und Geltung, indem das objektiv Gegebene auf seine inneren Entstehungsbedingungen befragt wird.
Gewalt und Schuld prägen die Entstehung der Dinge und machen eine Versöhnung von Mensch und Welt unmöglich. Ein Abgrund von Feindschaft trennt den Menschen von der Welt und in Krankheit manifestiert sich dieser Abgrund.
Pathognostik bewegt sich im Raum zwischen Krankheit und Normalität, indem sie die in Krankheit unbegriffen enthaltene Erkenntnis von dieser abtrennt.
Einerseits geht es um die Wiederherstellung der normalen Lebensfähigkeit, andererseits aber auch um Bewahrung der der Krankheit entnehmbaren Erkenntnis in Bezug auf den gestörten Gebrauchskontext.
Der Diskurs der Pathognostik beansprucht keine Transzendenz zum Thematisierten, er ist sich seiner Ohnmacht bewusst. Hilflos will er etwas festhalten, was sich dem Todessog widersetzt.
Pathognostik