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Pathognostik
"Technikphilosophie, anders - so mein philosophischer, »Pathognostik« genannter Einsatz, auch als antisubjektivistische Psychoanalyserevision gedacht: Opfertheorie der Sterbehilfe der tödlichen Dinge."
Agnoszierung; in: Retro III, 277
"Nach pathognostischem Verständnis gibt es keine Krankheit ausmachenden subjektiven Zutaten zu den Dingen; alle solchen vermeintlichen Zutaten, die tunlichst wieder weggeschafft werden sollen, holen aus den Dingen selber bloß diejenige Dimension hervor, die ihnen wesentlich (im buchstäblichen Sinne: also letal) innewohnt, die üblicherweise aber vergessen wird, und wenn sie hervorkommt, zum randständigen Betriebsunfall verfälscht zu werden pflegt. Es ist dies die »ontologische« Dimension des Opfers (der Schuld, der Gewalt), auf deren objektive Ankunft als die Erfüllungsgestalt von Krieg und Apokalypse der Kranke nicht warten kann, die er vorwegzu­nehmen und in dieser Vorwegnahme zu beschwören sucht, wodurch er sich zum Opfer derselben macht, das deren Bann nicht bricht, sondern be­glaubigt. Krankheit als der untere Weg der Selbstrettung, diese als Gewalt­partizipation unter dem Deckmantel, diese Gewalt außer Kraft zu setzen."
»Der Platz ist verflucht«. Zur Pathognostik von Taburäumen (Agoraphobie); in: Retro II, 141f.
"Gnosis und Pathognostik gleichermaßen imponiert diese von den Übeln der Herrschaft zugerichtete Welt als eine des Todes, doch was jene als das heile Leben des erlösten Pneuma verhieß, reduziert sich für diese auf das kranke Leben der unerlösten Psyche."
Rückstände, 129
"Wie lauten hier nun unsere pathognostischen Voten? Wir machen den magischen Charakter, die magische Prophylaxe der Pathologien (und überhaupt der Abweichungen) stark - sie sind imaginäre mißratende Sterblichkeitsparaden. Unsere psychoanalytische Rückbezugsgröße ist entsprechend der Todestrieb. Pedalisierende Absetzungsfolie dafür ist Lacans strukturalistischer »linguistic turn«. Ferner beziehen wir expressis verbis die Dingkontexte in diese Seinsdramatik ein; dies in kritisch rückgewendetem Ausgang vom Anti-Ödipus (und nicht zuletzt auch in Reverenz zu Heideggers später Technikphilosophie). Wir verfahren Technik-mythosophisch, spielen das Symbolisch-, das Symptomatischwerden der Dinge dergestalt aus, daß der Symbolgehalt selbst schon den Produktionsgrund derselben ausmache."
Zur Philosophie von Krankheit; in: Retro III, 147f.
"So die grundlegende pathognostische Wendung: aller Individualpathologie vorausgeht diejenige der wesentlich martialischen Kultur. Jene anmaßt sich, je partiell symptomatisch diese - selbst schon eine einzige Anmaßung vorweg -, in aller Ambivalenz der verstrickten Aufopferung daran."
Pathognostische Interventionen I, 25
"Die Bestreitung der Möglichkeit diesseitiger Versöhnung von Mensch und Welt oder Subjekt und Objekt markiert tatsächlich die Differenz ums Ganze zwischen negativer Dialektik und Pathognostik. Diese diagnostiziert mit dem »Vorrang des Objekts« nicht mehr eine historisch überwindbare Entfrem­dung, sondern eine ontologische Fremdheit des seiner Objektwelt ausge­lieferten Subjekts, welches auch in der lebendigen Natur keinen kreatürlich Verbündeten mehr erkennt. Dieses denaturierte Subjekt erkrankt »hylisch« und »psychisch« an den toten Dingen, deren kosmische Übermacht es spüren läßt, daß auch die menschgeschaffene Welt eine verfehlte Schöp­fung ist. Das intuitive Schamgewissen des Kranken erschließt sich so als esoterisches Wissen um die Objektivationsschuld des Dinggottes, in solcher symptomatisch demonstrativen Schuldanmahnung liegt der Subversions­charakter von Krankheit beschlossen."
Rückstände, 128f.

Ausführungen  
vorläufige Notizen