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Psychopathologie \
Perversion
In der Perversion ist das Objekt für das Subjekt präsent, also vollständig verfügbar und nicht entzogen. Damit ist auch die Gewalt des Verhältnisses unverhüllt sichtbar.
Perversion
"Perversionen imponieren dadurch, daß sie das Gewaltverhältnis der entscheidenden Metamorphose der Inzest- in die entsprechende Individuationsfigur als Präsentation der letzteren bloßlegen. Zugleich aktualisieren sie präsentationsgemäß in aller Viskosität den Bezug zur Körperlichkeit des Anderen, des "Sexualobjekts", geben sich derart bezogen, außengeöffnet kund. Diese Grundcharaktere von Perversion verfallen dem Verdikt eines schwerwiegenden Versäumnisses: das Gewaltverhältnis der einschneidenden Metamorphose, gar mit dem verklebt-distanzierenden Griff auf den Anderen begabt, nämlich nicht zu kaschieren. Befragt man dies Verdikt des nähern, so verwirft es die Anmaßung des offenen Pochens auf das Recht der Gewaltumkehrung, die Schuldver­leugnung, den Sühnedispens, und spielt sich zur Außenkompensation dieses gravierenden Defizits angeblich humaner Grundkategorien auf."
Die Utopie des Sadismus; in: Die Eule Nr. 3, 30f.
Wuppertal/Düsseldorf. 1980
Begriffe: Perversion,
 
 
 
Anschlüsse:
Sciacchitano, Antonello: Unendliche Subversion, 145
"Die Perversion ist die antike Art und Weise, mit dem Objekt umzugehen. Das endliche Subjekt passt das Objekt sich an, macht es also endlich. Das perverse Objekt heißt Fetisch. Das Subjekt passt sich ihm perfekt an. Das kognitive Kriterium der Wahrheit als Übereinstimmung des Verstandes mit der Sache ist im Wesentlichen pervers. Dazu zählt jede Codierung des sexuellen Verhältnisses, die es unter der Bedingung realisierbar macht, dass gewisse äußere Bedingungen eingehalten werden, die den Zweck haben, die Kastration der Mutter zu verneinen."

Verweise
 
In der Neurose ist das anhaftende Dingphantasma unsichtbar verhüllt, in der Perversion sichtbar verhüllt, in der Psychose sind Hülle und Verhülltes eins und gehen ineinander über.
Der »primäre Masochismus« ist die erotische Besetzung menschlicher Sterblichkeit, er fällt mit dem ursprünglichen Todestrieb als Ursadismus zusammen. Er ist eine grundlegende Voraussetzung menschlichen Lebens, Basis von Menschsein und Ontologie.
Der in Autarkie umgewandelte Inzest bleibt in der Neurose anhaftend, wenn auch als Repräsentation und dadurch verborgen. Was die Neurose repräsentiert, präsentiert die Perversion in schamloser Sichtbarkeit. In der Psychose schließlich verliert sich jede Distanz in hilflose Verstrickung.
Der Fetisch ist mein ideales Selbst in ein Außen projiziert, in dem ich verehrend meine Idealität genießen kann. Je größer meine defizitäre Schwäche, desto stärker meine religiöse Verehrung.
Psychopathologie