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Psychopathologie \
Phantasmatik des Gehens
Gehen ist auf Selbstgründung bezogen, ist eine Verfügung über den Raum, den ich mir gehend aneigne. Dabei differenziert sich der Körper durch Streckung, die sich in Schritte entfaltet.
Phantasmatik des Gehens
"Alles normale Gehen ist selbstverständlich durch und durch phantasmatisch, also auf Selbstgründung hin motiviert; nur daß diese Universalmotivik sich ausschließlich durch Binnendifferenzierung, konzessive Streckung sozu­sagen zu aktualisieren versteht. Normalität, Funktionstüchtigkeit, die also eine Art von Doppelglauben voraussetzt: »trotz Natur und Augenschein« (gibt es keine tautologische Objektivität, vielmehr immer nur, mehr noch als symbo­lische, nämlich konkretistisch-transsubstantiative) und zugleich »ob Natur und Augenschein«, dieser wegen, (gibt es, umgekehrt, eben diese nicht, sondern ausschließlich jene). Kriterial ist es für den zuhöchst gläubigen, quasi denkerischen Normalstatus aber, daß diese seine Aufklärung in ihn selbst hinein absorbiert sein muß dergestalt, daß einzig die eine Seite, die objektivitätssichernde, passager Differenz-statuierende Sensualität, sich exklusiv macht - ganz einfach doch: man kann gehen, das ist so vorgesehen, und um gehen zu können, hat man, sensuell beglaubigt, Beine ..."
Körperphilosophische Propädeutik; in: Pathognostische Studien V, 138
Genealogica Bd. 27. Essen: Die Blaue Eule. 1999
Begriffe: Gehen,
 
 
 

Verweise
 
Eine Phobie des Gehens hat zur Voraussetzung die Indisponibilität des Hinten, des Rückens - das, was sich dem eigenen Sehen entzieht -, weshalb der Vorgang des Gehens memorial nicht eingeholt werden kann.
Jeder Schritt ist eine Seinserzeugung, insofern er die Differenz von Diesseits und Jenseits indifferenziert. Insofern ist jeder Schritt auch eine schuldbehaftete Anmaßung.
In der Agoraphobie verliert die Fortbewegung ihre scheinbare Harmlosigkeit. Das Ziel verdirbt als Anmaßung das Mittel des Gehens, was dieses phobisch beeinträchtigt.
Psychopathologie