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Passagen
Repräsentation - Präsentation - Sein
Hülle versus Umhülltes
"Die Psychopathologien lassen sich nicht weniger, schambezogen, durch das Schema Hülle versus Umhülltes differenzieren. Im Falle der Neurose soll die intime Viskosität mit dem Dingphantasma peremptorisch verhüllt sein, die Haut um das Dingarkanum, die untransparente Epikalypse darf nimmer reißen. Im Falle der Perversionen hingegen ist die Hülle transparent. In ihrer Durchsichtigkeit bildet sie einzig noch den sanktionellen Halt des schamlos offenbaren Inneren, ist sanktionell wie opak. Und in der Psychose fusionieren/diskriminieren beide Elemente. Notorisch die durchgehend paranoische Position des Anderen, jenachdem - paradoxerweise müßte die Paranoiavalenz des Anderen bei der Neurose am stärksten sein."
Das Körper-Ding-Verhältnis als indisponibles Apriori; in: Metastasen, 42
Veräußerungsdefizite
"Ist die Neurose die anhaftende Repräsentation einer hypertrophen und in sich zur Autarkie umgedrehten Inzestfigur, Ödipus also, immer wieder Ödipus: die mittels des toten Vaters ausgelöschte Mutter als Sohnes-causa-sui, wenn schon eben nicht, wie zwingend verlangt, abgestoßen, »realisiert«, so doch im Modus der Repräsentation durch und durch verworfen: ist die Perversion die anhaftende Präsentation eben desselben, die dies Präsentierte ebenso - anscheinend schon nicht mehr aus eigener Kraft und das Schuldverdikt abkoppelnd - eben präsentativ verwirft; so ist die Psychose gerade einschließlich der Schizophrenie das Sein desselben, die dies Sein seinsgemäß-substantiiert ebenso verwirft, und zwar notwendig total weder von innen noch delegiert von außen, sondern überhaupt."
Taumel und Totenstarre, 52

Verweise  
Ausführungen  
Das Problem der Verhüllung und der Transparenz steht in Verbindung mit der Tatsache, dass die Perversion ein Präsentationsproblem ist, die anderen Psychopathologien hingegen Repräsentationsprobleme sind. Psychopathologie lässt sich beziehen auf die Unterscheidung von Repräsentation, Präsentation und Sein. Psychosen und Schizophrenie sind Sein, Neurose ist Repräsentation, Perversion ist Präsentation. Perversion liegt zwischen Neurose und Psychose. Die Transparenz der Hülle bei den Perversionen, die das Innere schamlos offenbart und sanktioniert, stellt den Grund dafür dar, dass Perversionen am schwersten therapierbar sind. Und außerdem sind sie aus den Nosologien mittlerweile weitgehend verschwunden. Die Perversionen sind entmachtet durch die medial wuchernde Pornographie.