Name
Passwort
Themen

Passagen
Schlaf - Traum - Wachen \
Rettung vor Selbstzusammenfall
Im Schlaf droht der Zusammenbruch der Repräsentativität als letztlich tödlicher Selbstzusammenfall, die mystische Einheit (»unio mystica«). Der Traum verhindert dieses letale Ende des Schlafs durch seine Wucherungen von Repräsentationen.
Rettung vor tödlichem Selbstzusammenfall
"Wenn immer die somniale Re-präsentation den (Wieder-)Gewinn des Vor-stellungs-, des Wahr-nehmungsvermögens wider deren endlich letalen Schwund effektuiert, wenn sie verhindert, dass der tiefschlafende Körper in seinen Unterlagen und Bedeckungen aufginge, dann kann auch gesagt werden, wovor das Träumen rettet. Nämlich vor dem totalen Live, der Präsenz, der Indifferenz, der Inzestvollendung, dem absoluten Narzissmus, dem Todestriebfinale: Tod als Kontradiktion der Erfüllung; also vor der unabständigen unio mystica. Traum - die produktive Flucht vor dem Selbstzusammenfall als Selbstverzehr, dem »os leonis« (aus der Totenliturgie), dem Dingmoloch, das den Körper als Opferstoff seines Erhalts reklamiert."
Kainsmale, 111
 
 
 
Verweise
 
Der Traum pariert die Gefährdung des Subjekts durch den letztlich tödlichen Tiefschlaf. Denn in der Tiefe des Schlafs lauert der Tod als inzestuöser Selbstzusammenschluss. Die rettenden Trauminhalte werden produziert von einem heteronomisierten Subjekt nach den Bildungsgesetzen des Unbewussten: Verschiebung, Verdichtung, Rücksicht auf Darstellbarkeit.
Der Tiefschlaf ist der doppeldeutige Stellvertreter des Todes, begehrt und gefürchtet zugleich. Der Traum als Repräsentation ist seine Abwehr.
Der Traum wie das Wachen – beides Zustände der Repräsentation - sind ein rettender Raum zwischen dem Nichts des Tiefschlafs und dem Nichts des vollkommenen Erwachens.
Weshalb kann man die meisten Träume nicht erinnern? Es ist ein Schutz vor einer traumatischen Selbstpräsenz, die das Gedächtnis bedroht.
Schlaf - Traum - Wachen