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Scham - Schuld - Sucht \
Scham
Grenze und Scheitern der Erkenntnis ist die Sterblichkeit, angesichts derer jede Erkenntnis der Nichtigkeit verfällt. Scham ist das Eingeständnis dieses Scheiterns.
Scham als Erkenntnis
"Was aber ist Scham? Die Grundaffektion, das hominisierende Grundwissen: Erkenntnisüberfall nämlich der Sterblichkeit letztlich - der Sterblichkeit als Grenzultimatum und Grenzzusammenzug aller ihrer Ableitungen/Vorausgänge an menschlichen Bedürftigkeiten. Erkenntnisüberfall der Sterblichkeit derart, daß sich das Transzendenzbegehren des Erkennens im Angesicht seines Erkannten als gescheitert erfährt."
Conscientia. Zu einer nicht mehr psychoanalytischen Genealogie des Gewissens in: Pathognostische Studien II, 61
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Sartre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts, 516
"Die reine Scham ist nicht das Gefühl, dieses oder jenes tadelnswerte Objekt zu sein, sondern überhaupt ein Objekt zu sein, das heißt, mich in diesem verminderten, abhängigen und erstarrten Objekt, das ich für den Andern bin, wiederzuerkennen. Die Scham ist Gefühl eines Sündenfalls, nicht weil ich diesen oder jenen Fehler begangen hätte, sondern einfach deshalb, weil ich in die Welt «gefallen» bin, mitten in die Dinge, und weil ich die Vermittlung des Andern brauche, um das zu sein, was ich bin."
Verweise
 
Die Scham als ein Wissen verschließt sich in Schuld als ein Nichtwissen, in die die verhüllende Dingproduktion, die sich als Zivilisationsgeschichte austrägt.
Die Scham bezieht sich auf die Selbstermächtigung des Menschen, sein Autarkiebestreben, das seine Sterblichkeit verleugnet. Aber was soll in der Scham verhüllt werden? Nicht die Sterblichkeit, sondern die Dinglichkeit, die jene verdeckt.
Die Scham realisiert sich als Flucht vor der Beschämung durch die Sterblichkeit in das Autarkiephantasma, das die Dinge und das Selbstbewusstsein verkörpern. Deren Herstellung ist verbunden mit Schuld, von der sich die Sucht zu befreien sucht.
Scham - Schuld - Sucht