Name
Passwort
Themen

Passagen
Scham - Schuld - Sucht \
Scham als Schuldaufriss
Die Scham als ein Wissen verschließt sich in Schuld als ein Nichtwissen, in die die verhüllende Dingproduktion, die sich als Zivilisationsgeschichte austrägt.
Scham als Schuldaufriss
"So etwas wie das volle Gewissen (Mitwissen, conscientia) wäre die Komplizität der Scham selber; das Mitwissen der Unmöglichkeit der Heterogeneität des absoluten Gottes, das Mitwissen dieser Misere als Menschheitsunheil. (...) Allemal aber muß dieses Scham-Mitwissen untergehen, um der alleinigen Herrschaft der Schuld willen, des üblichen moralischen Gewissens also als der Instanz des Nichtwissens schlechthin. Schuld - die Dienstbarkeitsmetamorphose pflichtschuldigst der eskamotierten Scham, Exklusivität der Hüllenadministration. Abendländisch aber muß es so scheinen, als sei dieser Wunderübergang, der Mirakelsprung in die Schuld (...) die evolutionäre - in sich freilich dilatorisch entropische - Negentropie schlechthin: Gattungsgeschichte, die sich demnach nur über solchen Verschluß, der ja christlich im Ganzen gar exkulpiert sein soll, ermächtigt. Um sogleich einem möglichen Mißverständnis vorzubeugen: die hier veranschlagte Sequenz Scham - Schuld meint keinerlei Reihenfolge; es ist vielmehr so, daß einzig im Totalisierungsvorausgang selbst schon entschuldeter Schuld dieser selbst, über Schuldaufkommen vermittelt, in Scham hinein flüchtig aufreißt."
Schamnotizen; in: Pathognostische Studien II, 83f.
 
 
 
Verweise
 
Der Fortschritt der Dingproduktion verdankt sich der Unbewusstheit des Produktionspantasmas der Dinge, ihrer exkrementalen Herkunft. Ihre Körperprovenienz ist epikalyptisch-tautologisch verhüllt, entsprechend absorbieren sie die Schuld menschlicher Sterblichkeit.
Die Scham bezieht sich auf die Selbstermächtigung des Menschen, sein Autarkiebestreben, das seine Sterblichkeit verleugnet. Aber was soll in der Scham verhüllt werden? Nicht die Sterblichkeit, sondern die Dinglichkeit, die jene verdeckt.
Die Scham realisiert sich als Flucht vor der Beschämung durch die Sterblichkeit in das Autarkiephantasma, das die Dinge und das Selbstbewusstsein verkörpern. Deren Herstellung ist verbunden mit Schuld, von der sich die Sucht zu befreien sucht.
Scham
Grenze und Scheitern der Erkenntnis ist die Sterblichkeit, angesichts derer jede Erkenntnis der Nichtigkeit verfällt. Scham ist das Eingeständnis dieses Scheiterns.
Schuld
Sterblichkeit wird zur Schuld, indem sie entäußert wird als verdinglichende Gewalt und die Produkte dieser Gewalt (Dinge, Zivilisation) zur Verheißung der Todesüberwindung werden.
Scham - Schuld - Sucht