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Schuld
Sterblichkeit wird zur Schuld, indem sie entäußert wird als verdinglichende Gewalt und die Produkte dieser Gewalt (Dinge, Zivilisation) zur Verheißung der Todesüberwindung werden.
Ursprung der Schuld
"Der Ursprung der Schuld liegt jenseits des ödipalen Elternverhältnisses; er ist elternlos. In dieser seiner verkannten Überbietung des ödipalen Elternverhältnisses ist er so etwas wie gewußte Sterblichkeit. Gewußte Sterblichkeit - das heißt, daß die Körpermitgift des Menschen menschwerdend aufreißt zur dinglich-toten Selbstveräußerung dieser Mitgift hin und daß diese Veräußerung zugleich zum trügerischen Rückhalt letztlich der Abschaffbarkeit des Todes verkommt. Der elternlose Ursprung der Schuld besteht demnach darin, die »Grundschuld« der Sterblichkeit einschließlich ihrer elementaren Gewaltakte im Zivilisationsfortschritt als unauflösbar zu unterstellen."
Kleinbürger-double-binds; in: Pathognostische Studien III, 114
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Adorno, Theodor W.: Versuch, das Endspiel zu verstehen; in: Noten zur Literatur, 317
"Subjektivität selbst ist die Schuld; daß man überhaupt ist. Ketzerisch fusioniert sich die Erbsünde mit der Schöpfung."
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, 287
"Der vorrufende Rückruf des Gewissens gibt dem Dasein zu verstehen, daß es - nichtiger Grund seines nichtigen Entwurfs in der Möglichkeit seines Seins stehend - aus der Verlorenheit in das Man sich zu ihm selbst zurückholen soll, das heißt schuldig ist."
Verweise
 
Autarkie, Sichselbstgenügen, das Ich, der Inbegriff der Schuld, insofern es um die Aufzehrung (Opfer) des Stoffs durch die Form geht. Dadurch wird das Leben zu einem im Toten (der Dinge), darin zugleich entsühnt durch den Tod.
Das Ich ist die Schuld der Entäußerung des Todes in der dinglichen Produktion; scheinbar wird die Erschaffung des Toten zur Auslöschung der Schuld.
Die ursprüngliche Schuld ist das Repräsentationsvermögen, die Produktion der Dinge. Die Schuld besteht in der Verfügung über die Materie, den Mutterkörper, in seiner Vernichtung.
Die Ursache ist die Verschuldung des Verursachten, die letzte Ursache (Gott) die Schuldtotale. Gott sühnt seine Schuld sterbend ab, indem er sich in die Dinge verwandelt. Die Dinge sind Gottesleichen.
Zivilisation ist die Überbietung des menschlichen Körpers bis zu seiner Abschaffung als totes Ding. Der sterbliche Körper wird zum Schandkörper. Dies ist die Schuld, die in Zivilisation verschwinden soll. Je größer die Schuld, desto stärker das Versprechen der Erlösung.
Je perfekter die Dinge, desto suchtanfälliger der Mensch. Sucht ist eine der Göttlichkeit der Dinge korrespondierende Selbstvergöttlichung als Selbstentschuldung durch Schuldakkumulation.