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Schuld
"Die ontologische Grundkategorie der Ausschreitung in schuldlogischer Hinsicht: das Ich als der schaffende Tod, das - ontologisches eschaton - die gesamte Schuldmasse absorbierte und menschliches Leben insgesamt als Vorzeitspiegelung in dieser Todeserfüllung entsühnte, wenn es ihm gelänge, dieses Leben restlos maschinell zu reproduzieren: Icheschaton der absoluten Differenz wechselseitiger Totalfreigabe des Differenten, Koexistenz von Göttern und Menschen auf Erden, peremptorische Unschuld im Angesicht peremptorischer (zu schwach ausgedrückt!) Schuldversteinerung."
Vom schwindenden Jenseits der Götter; in: Die Eule Nr. 6, 58
"Etwas verursachen, das heißt, dieses verschulden; das Verursachte verschuldet sich seiner Ursache; die Rückführung eines verursachten Etwas auf seine Ursache, das ist jenes Schuldeingeständnis. (Allzeit der „Satz des Anaximander"!). Wie aber muss sodann die Verschuldens­instanz, die Ursache, gar die letzte, schuldbetreffend beschaffen sein? (So die ganze Gotteswiderlegung als höchster Beweis auch:) Indem sie alle Schuld strictissime außer sich hat, impliziert sie, selbstwidersprüch­licherweise, diese ganz. Und das brächte sie, ebenso im Ganzen, um, wenn sie nicht die eigene Schuldimplikationstotale, epiphanisch als den sterblichen Gott, einräumte; und, selbst sterbend sühnend abgälte, und sich darin, sich erhaltend, ja steigernd, tradierte, und so a priori die Dingwelt schafft."
Eindrücke vom Neanderthal; in: Retro III, 240
"Der Ursprung der Schuld liegt jenseits des ödipalen Elternverhältnisses; er ist elternlos. In dieser seiner verkannten Überbietung des ödipalen Elternverhältnisses ist er so etwas wie gewußte Sterblichkeit. Gewußte Sterblichkeit - das heißt, daß die Körpermitgift des Menschen menschwerdend aufreißt zur dinglich-toten Selbstveräußerung dieser Mitgift hin und daß diese Veräußerung zugleich zum trügerischen Rückhalt letztlich der Abschaffbarkeit des Todes verkommt. Der elternlose Ursprung der Schuld besteht demnach darin, die »Grundschuld« der Sterblichkeit einschließlich ihrer elementaren Gewaltakte im Zivilisationsfortschritt als unauflösbar zu unterstellen."
Kleinbürger-double-binds; in: Pathognostische Studien III, 114

Ausführungen  
vorläufige Notizen