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Schlaf - Traum - Wachen \
Tiefschlaf als Todesvikariat
Der Tiefschlaf ist der doppeldeutige Stellvertreter des Todes, begehrt und gefürchtet zugleich. Der Traum als Repräsentation ist seine Abwehr.
Traum und Tiefschlaf
"Unerläßliche Ambiguität - NREM, verstellendes Todesvikariat, immer zugleich erscheint passioniertest gewünscht und pressiertest geflohen - so unser perennes Todestriebdilemma. Entsprechend avanciert die defensive Repräsentationsparadoxie Traum zum imaginären Inbegriff der Todesparierung, und abfällt instantan damit dem schmählichen Verrat an der großen Begehrenssache, die von sich her schon alle Doppelgesichtigkeit vorgibt - befreiend proditiös."
Rückstände. Späte Texteleidensreparationen, 153
Genealogica Bd. 53. Essen: Die Blaue Eule. 2016
Begriffe: Tiefschlaf,
 
 
 

Verweise
 
Der »dritte Körper« ist der Körper der Dingprovenienz, der sich im Tiefschlaf nicht-repräsentativ manifestiert. Die Träume im Übergang zum Tiefschlaf könnten deshalb eine diagnostische Valenz besitzen in Bezug auf den Körper.
Das Aufwachen aus dem Traum ist der Übergang von Halluzination zur Wahrnehmung von Realität, was ist die Differenz? - Schlaf ist distanzloses Insichsein, er wird aufgebrochen durch den Traum als Blick gegen das Verschwinden im Schlaf. Der Traum geht in Wachen über, wenn zum Traum als Nur-Hören das Sich-selbst-Hören als Sprechen vom Anderen her hinzukommt.
Der Traum pariert die Gefährdung des Subjekts durch den letztlich tödlichen Tiefschlaf. Denn in der Tiefe des Schlafs lauert der Tod als inzestuöser Selbstzusammenschluss. Die rettenden Trauminhalte werden produziert von einem heteronomisierten Subjekt nach den Bildungsgesetzen des Unbewussten: Verschiebung, Verdichtung, Rücksicht auf Darstellbarkeit.
Die Vollendung des Tiefschlafs wäre der Tod, die Vollendung des Wachens die »Unsterblichkeit«, das menschliche Dasein dazwischen aufgeschobene Übergänge, in das sich die beiden Grenzen als Pathologie und Krieg einschreiben.
Schlaf - Traum - Wachen