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Todestrieb
"Was nämlich will der Todestrieb zum Ausdruck bringen? Nichts als die größte Passion der Menschheit, den Tod zu quittieren - und damit den ganzen Horror des Todes allererst zu erschaffen. Ferner in allen Überlebensmodi, der Kulturproduktion, ausweglos an den Tod in der Art von dessen vorerst rettender Gewaltinversion gefesselt zu bleiben."
Ödipus' Tod. Über eine psychoanalytische Auslassung; in: Retro III, 127
"Explosion und Implosion, Anderen- oder Selbstmord - es ist der unannehmbare Tod, der uns, wechselseitig, in diese Engen treibt. Urfrevel projektive Identifikation, der keine Weile, hier nicht wie dort nicht, Äquationen des Selbst- und Anderen­verzehrs, erlaubt. Und die Allmacht des Todes erfüllt sich im schlechthin unvollziehbaren und also letztangemaßten Nichtsverdikt über alles Sein."
Hinführung zu einer Psychoanalyse der Sachen (Pathognostik), 88
"Der Gipfel der Menschwerdung unserer Breitengrade: die Ausscheidung des Todes wendet sich als die Tödlichkeit dieses Todesexkrements gegen die also sich opfernde Fühlbarkeit als deren Tötung, letztlich dergestalt, daß sich dieses Todesexkrement selbst in einem damit umbringt."
Entsühnung; in Kaum 1, 79
"Zumal im bis zum letzten autoaggressiv versierten Todestrieb, in der Opferform der Selbstvernichtung, zeigt sich dessen letzte Todesanmaßung; des Todestriebs erster Teil, erfüllt im Suizid, als quasi apokalyptische Todesabwehr am menschlichen Körper widersprüchlich als Tod."
Todestrieb. Programm einer Revision; in: Todesnäherungen, 28
"Es ist der menschlich intolerable Tod, der Widerspruch des gewussten Todes, das Urtrauma der Sterblichkeit, welches das Urphantasma der Urabwehr Todestrieb, introjektiv wie zumal projektiv, provoziert; zumal projektiv, denn in der tötenden Usurpation des Todes, der Krake dieses Gottes, der Allausbreitung des Kriegs über die ganze Erde, vollendet sich die Apotheose von Menschheit - apokalyptisch tödlich."
Todestrieb. Programm einer Revision; in Todesnäherungen, 34
"Todesabwehr - bereits des Todestriebs erster Teil besteht in Todesabwehr, und der Todestrieb wäre dementsprechend der Defensivvorgang schlechthin. (...) Wie aber des einzelnen nimmt sich der Todestrieb, paradoxerweise Todesabwehr, aus? Welcher Abwehrmechanismus ist in dieser Dimension der »letzten Dinge« am Werk? Es ist die »Identifikation mit dem Aggressor« - man ist versucht, freudianisch metaphysisch zu sagen: die Uridentifikation mit dem Uraggressor Tod. Es handelt sich um einen ausgezeichne­ten Vorgang, der menschliches Tun überhaupt, dessen Zustande­kommen und Erhaltung, begründet, groß gesprochen: um den magisch-mimetischen Gründungsprozess von Menschheit selbst."
Todestrieb. Programm einer Revision; in Todesnäherungen, 26
"... der Todestrieb sei das Unsterblichkeitsbegehren, das folgerichtig dann mit dem Tode bestraft wird. Eritis sicut Deus. Mit dem Todestrieb, also ausgelegt, kommt der Tod in die Welt; und davor - das wird in den Freudschen Texten fast immer übersehen - alle tödliche Gewalt als vor dem Tode rettende Sterblichkeitsinversion, der Umwandlung dieses Leidens in dieses Tun."
Freud und das Jenseits; in: Retro III, 117
"Die im Todestriebzusammenhang einschlägigen (...) begrifflichen Differenzierungen sind den Freuschen Texten zu entnehmen. Es sind:
  • der »Todestrieb« i.e.S. oder der »Ursadismus«, mit dem »primären Masochismus« zusammenfallend
  • der »ursprüngliche Sadismus«
  • der »eigentliche Sadismus«
  • »Sadismus als Perversion«
Der »usprüngliche Sadismus« bedeutet die Fähigkeit der Umwendung des »Ursadismus«, der Sterblichkeit/des Todes in tötende Gewalt. In dieser Fähigkeit liegt die ursprüngliche Funktion des Eros. - Der »eigentliche Sadismus« bedeutet den faktischen Vollzug des »ursprünglichen Sadismus«, der tötenden Gewalt, fusioniert mit der abgeleiteten Funktion des Eros als Lustanreiz und -beglaubigung dieser Gewalt. - »Sadismus als Perversion« bedeutet den pathologischen Zusammenbruch des »eigentlichen Sadismus«, Entmischung, entropische Entspannung."
Kleinbürger-double-binds; in: Pathognostische Studien III, 108f.
"... »daß das Selbstbewußtsein selber der Todestrieb sei«: der Hominitätsinbegriff Selbstbewußtsein, der sich autarkisch als der Grund seiner selbst ausgibt - als homogene Größe die Möglichkeit bruchloser Selbstreflexion unterstellend. Dieser »narzißtische« Selbstbegriff muß mit dem »Todestrieb« identisch sein, sofern Selbstgründung durch nichts anderes gewährleistet sein kann als durch die Vernichtung aller Alterität (heteron), ultimativ-dinglich hinwiederum als der Selbstgründungs-Ausfällungen suizidales Wesen. Die Apokalypse als Apotheose - mein Abendlandkürzel."
Zynismus-Diskussion; in Kaum 2, 79

Ausführungen  
Der Todestrieb sucht nicht den Tod, sondern pariert ihn, entäußert ihn. Der Todestrieb ist Todesabwehr.
vorläufige Notizen