Name
Passwort
Themen

Passagen
Todestrieb
Der Todestrieb sucht nicht den Tod, sondern wehrt ihn ab, und dies in einer Identifikation mit ihm, indem er ihn vollstreckt und entäußert. Er ist der Grundvorgang der Menschwerdung.
Todestrieb
"Todestrieb: die veritable Triebhaftigkeit, den lebendigen Körper zum toten Körper/Leiche zu machen; und dies nicht im Sinne des Sterbenwollens, vielmehr um lebend tot zu sein zum einzigen Zweck der Schuldabsolution im Ganzen. Also besteht der Todestrieb darin, daß ich mich, den sterblichen Körper, mortal dopple in der Schaffung der Repräsentativität überhaupt, dem Vertretungswesen, ultimativ hin bis zu den Dingen."
Der Körper der Vorlesung. Beitrag zur sensuellen Situativität; in: Zerstreuungen, 46f.
Todestrieb = Todesabwehr
"Todesabwehr - bereits des Todestriebs erster Teil besteht in Todesabwehr, und der Todestrieb wäre dementsprechend der Defensivvorgang schlechthin. (...) Wie aber des einzelnen nimmt sich der Todestrieb, paradoxerweise Todesabwehr, aus? Welcher Abwehrmechanismus ist in dieser Dimension der »letzten Dinge« am Werk? Es ist die »Identifikation mit dem Aggressor« - man ist versucht, freudianisch metaphysisch zu sagen: die Uridentifikation mit dem Uraggressor Tod. Es handelt sich um einen ausgezeichne­ten Vorgang, der menschliches Tun überhaupt, dessen Zustande­kommen und Erhaltung, begründet, groß gesprochen: um den magisch-mimetischen Gründungsprozess von Menschheit selbst."
Todestrieb. Programm einer Revision; in Todesnäherungen, 26
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Lacan, Jacques: Das Seminar IV. Die Objektbeziehung, 54f.
"Der Heilige Geist ist der Eintritt des Signifikanten in die Welt.
Er ist ganz gewiß das, was Freud uns unter dem Wort Todestrieb beigebracht hat. Es handelt sich um jene Grenze des Signifikats, die von keinem Lebewesen je erreicht wird, oder die überhaupt niemals je erreicht wird, außer im wahrscheinlich mythischen Ausnahmefall, denn wir stoßen auf sie allein in den letzten Schriften einer bestimmten philosophischen Erfahrung. Es ist nichtsdestoweniger etwas, das sich virtuell an der Grenze der Reflexion des Menschen über sein Leben findet, das ihm erlaubt, den Tod als die absolute, unüberholbare Bedingung seiner Existenz, wie Heidegger sich ausdrückt, zu erahnen. Die Bezüge des Menschen zum Signifikanten in seiner Gesamtheit sind ganz genau an diese Möglichkeit der Außerkraftsetzung, der Einklammerung alles Erlebten gebunden."
Verweise
 
Der Todestrieb ist die Inversion der Sterblichkeit in das Begehren nach Unsterblichkeit.
Der Tod wird ineins entäußert und reintrojiziert und zerstört dabei die Fühlbarkeit dieses Vorgangs, in dessen Zwischenraum sich die Krankheiten ausbreiten als Aufschub des letalen Rückbefall des Todes.
Die menschliche Leidenschaft, den Tod abzuschaffen, produziert den Tod. Alle menschlichen Produkte sind todesstigmatisiert.
Tod
Jede sprachlich-philosophische Annäherung an den Tod scheitert, der Tod ist das Nicht-Repräsentierbare.
Nach der Vorbereitung durch den Ödipuskomplex und den Narzissmus gipfelt die Selbstapotheose (Ursprungsaneignung) im Todestrieb und realisiert sich entweder als Selbsttötung oder Anderentötung.
Der Todestrieb differenziert sich nach Freud in »Ursadismus«, »ursprünglichen Sadismus«, »eigentlichen Sadismus« und »Sadismus als Perversion.«
Insofern sich Selbstbewusstsein als Selbsttransparenz versteht, sich als Grund seiner selbst reflexiv zu vergewissern glaubt und so alles Fremde/Andere in sich aufhebt, ist es die narzisstische Gestalt des Todestriebs.
Die Eros-gestützte Umwendung des »Ursadismus« in den »ursprünglichen Sadismus« generiert das Vermögen der Repräsentation und damit Erinnerung, Gedächtnis und Dingproduktion.