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Psychopathologie \
Veräußerungsdefizite
Der in Autarkie umgewandelte Inzest bleibt in der Neurose anhaftend, wenn auch als Repräsentation und dadurch verborgen. Was die Neurose repräsentiert, präsentiert die Perversion in schamloser Sichtbarkeit. In der Psychose schließlich verliert sich jede Distanz in hilflose Verstrickung.
Veräußerungsdefizite
"Ist die Neurose die anhaftende Repräsentation einer hypertrophen und in sich zur Autarkie umgedrehten Inzestfigur, Ödipus also, immer wieder Ödipus: die mittels des toten Vaters ausgelöschte Mutter als Sohnes-causa-sui, wenn schon eben nicht, wie zwingend verlangt, abgestoßen, »realisiert«, so doch im Modus der Repräsentation durch und durch verworfen: ist die Perversion die anhaftende Präsentation eben desselben, die dies Präsentierte ebenso - anscheinend schon nicht mehr aus eigener Kraft und das Schuldverdikt abkoppelnd - eben präsentativ verwirft; so ist die Psychose gerade einschließlich der Schizophrenie das Sein desselben, die dies Sein seinsgemäß-substantiiert ebenso verwirft, und zwar notwendig total weder von innen noch delegiert von außen, sondern überhaupt."
Taumel und Totenstarre, 52
Münster: tende Verlag. 1981
 
 
 

Verweise
 
In der Neurose ist das anhaftende Dingphantasma unsichtbar verhüllt, in der Perversion sichtbar verhüllt, in der Psychose sind Hülle und Verhülltes eins und gehen ineinander über.
Neurosen widerstehen stärker als Psychosen einer Auflösung, nicht nur weil sie meist integraler Bestandteil einer Persönlichkeit sind und wenig Krankheitsdruck erzeugen, sondern auch weil sie sentimentalistisch eine Normalität suggerieren.
In der Perversion ist das Objekt für das Subjekt präsent, also vollständig verfügbar und nicht entzogen. Damit ist auch die Gewalt des Verhältnisses unverhüllt sichtbar.
Psychose ist Todeseinbehaltung, das heißt, es fehlt an Todesveräußerung als Repräsentation/Dinghervorbringung. Psychose ist somit der Versuch der Aneignung des Ursprungs.
Psychopathologie