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Scham - Schuld - Sucht \
Zivilisation als Schuldinbegriff
Zivilisation ist die Überbietung des menschlichen Körpers bis zu seiner Abschaffung als totes Ding. Der sterbliche Körper wird zum Schandkörper. Dies ist die Schuld, die in Zivilisation verschwinden soll. Je größer die Schuld, desto stärker das Versprechen der Erlösung.
Zivilisation als Schuldinbegriff
Man wird sagen können, daß die Gesamtheit der "Zivilisation" (Technik/Institution etc.) - als Dingekstatik des Körpers - das Schuldgewissen selber ist. Zivilisation nämlich ist anfänglich von der Anmaßung stigmatisiert, den Körper nicht nur zu überbieten, sondern abzuschaffen: die absolute Differenz zwischen Körper und Ding derart zu überziehen, daß beider zugleich gegebene Identität (Homogeneität) einseitig bloß noch als die der totalisierten toten Dinglichkeit gilt. Konsequenz: der nackte, bedürftige, sterbliche Körper - Sterblichkeit/Tod - wird so allererst als Schandbarkeit geschaffen. Dies indessen abermals einseitig so, daß an die Stelle der fälligen Krisis des Dinglichkeitsanspruchs - also des sogenannten vollen Schamgewissens - a fortiori die Positivierung desselben als in sich selbst auflösbarer Fluch der Schuldverpflichtung an Zivilisation tritt; je terroristischer die Schuldobligation, umso aussichtsreicher die Befreiung/Erlösung (bis hin zum soteriologischen Aberwitz der Erlöstheitsbehauptung).
Conscientia. Zu einer nicht mehr psychoanalytischen Genealogie des Gewissens; in: Pathognostische Studien II, 59
 
 
 
Verweise
 
Die Schuld der Sterblichkeit entäußert sich in die Produktion der Dinge. Die Schuld der Produktion besteht in der Vergewaltigung der Natur, die Schuld der Zirkulation in der ungerechten Verteilung der Dinge, die Schuld der Konsumtion in der Verdeckung der vorausgegangenen Gewalt der Produktion und Verteilung.
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