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Scham - Schuld - Sucht \
die »Urschuld«
Die ursprüngliche Schuld ist das Repräsentationsvermögen, die Objektivierung, die Produktion der Dinge. Die Schuld besteht in der vernichtenden Verfügung über die Materie, den Mutterkörper.
das »Fundamentalverbrechen«
"Das Fundamentalverbrechen, der Sündenfall, besteht nicht so einfach im Vatermord, vielmehr im Vermögen der Repräsentation, zumal wenn es sich in seine Letztgestalt, Dingschaffung, hinein sättigt; im Ansinnen der Ding(Selbst)phantasmatik (...). Und, darin eingegeben, ist (in letzthuldigender Vernichtung) mitnichten nur der Vater, vielmehr zuerst der Mutterkörper (nur noch in Vernichtung), und dies mit Hilfe des überleitenden Tochterstatus, der die Vater-Mortalität zu ihrem Formzugriff auf die Mutter-Materie ermächtigt."
Transsubstantiation. Über Tausch und Christentum oder: mein großes Tischgebet; in: Pathognostische Studien I, 167
 
 
 
Kontexte/Anschlüsse:
Gerlich, Siegfried: Pathognostische Pseudomorphosen. Eine konservative Revision; in: Rudolf Heinz and friends, 93
"Unbestreitbar firmiert für die Pathognostik die Anthropogenese selbst, die hybride Individuation des Menschen durch das gewaltsame Opfer seiner inzestuösen Symbiose mit der Natur, als Urverschuldung schlechthin. Dabei versteht sich ihr Begriff der Schuld weder jüdisch als Verstoß gegen das Gesetz, noch christlich als Sünde wider den heiligen Geist, sondern griechisch als Frevel an der Heiligkeit der Natur. Wie schon die Tragik des antiken Ödipus auf keiner subjektiven Verfehlung, sondern auf einem objektiven Verschulden beruhte, so zielt erst recht die pathognostisch forcierte Ödipalisierung der conditio humana im ganzen nicht auf Entsühnung, sondern auf Beglaubigung der Schuld in der Erfühlung der Scham des Menschseins selbst."
Verweise
 
Autarkie, Sichselbstgenügen, das Ich, der Inbegriff der Schuld, insofern es um die Aufzehrung (Opfer) des Stoffs durch die Form geht. Dadurch wird das Leben zu einem im Toten (der Dinge), darin zugleich entsühnt durch den Tod.
Der Ort der Schuld ist nicht das einzelne Subjekt, sondern der objektive Prozess der Produktion und Verteilung, in die sich das Subjekt verstrickt, indem es die Schuld anzapft und als Krankheit (oder Intellektualität) austrägt. Eine besondere Sensibilität öffnet sich der Schuld, die ansonsten in den Dingen verschlossen bleibt.
Die Existenz des Menschen ist ausweglos: zerrissen zwischen Sehnsucht nach Erlösung und der hoffnungslosen Auslieferung an die eigene Sterblichkeit. Dieser Widerspruch lässt ihn scheitern und entfaltet sich als sein Zerstörungspotenzial.
Insofern sich Selbstbewusstsein als Selbsttransparenz versteht, sich als Grund seiner selbst reflexiv zu vergewissern glaubt und so alles Fremde/Andere in sich aufhebt, ist es die narzisstische Gestalt des Todestriebs.
Schuldfreiheit ist eine Illusion, die eine Gewaltsteigerung zur Folge hat. Nur scheinbar verschwindet die Schuld in den Dingen oder in der Vorstellung eines autarken Subjekts.
Schuld
Sterblichkeit wird zur Schuld, indem sie entäußert wird als verdinglichende Gewalt und die Produkte dieser Gewalt (Dinge, Zivilisation) zur Verheißung der Todesüberwindung werden.
Scham - Schuld - Sucht